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Psychologie

Risikobereitschaft: Was bedeutet das und wann wird sie problematisch?

Veröffentlicht am:08.09.2026

6 Minuten Lesedauer

von Jennifer Ann Steinort

Risikobereitschaft wird oft mit Gefahr verbunden. Ein gewisses Maß an Wagemut kann aber helfen, die Komfortzone zu verlassen und neue Erfahrungen zu sammeln. Warum kalkulierte Risiken Chancen für persönliches Wachstum bieten und wo es problematisch wird.

Ein Mann steht auf einer Felsspitze und blickt auf eine unter ihm liegende karge Gebirgslandschaft.

© iStock / VAWiley

Was ist Risikobereitschaft aus psychologischer Sicht?

Risikobereitschaft beschreibt die Neigung eines Menschen, Risiken einzugehen und zu akzeptieren. Dabei werden mögliche Chancen und Risiken sowie deren Konsequenzen gegeneinander abgewogen. Der Begriff „Risiko“ selbst ist dabei nicht eindeutig definiert und kann etwa Gefahr oder Unsicherheit meinen.

In der Psychologie wird Risikobereitschaft als wichtiger Aspekt menschlichen Verhaltens betrachtet. Forschende diskutieren jedoch, ob sie ein stabiles Persönlichkeitsmerkmal oder eher von Situationen und Lebensbereichen abhängig ist. Auch Erfahrungen und das Alter spielen dabei eine Rolle.

Sozialwissenschaftliche Ansätze zeigen zudem, dass die Risikobereitschaft vom sozialen Umfeld beeinflusst werden kann. Menschen wägen Risiken oft bewusst ab und handeln nicht nur rational, sondern auch nach Vertrauen, Intuition, Emotionen oder persönlichen Erfahrungen.

Bestimmt die Persönlichkeit, wie risikobereit jemand ist?

Investiere ich mein Geld in Aktien oder spare ich es auf dem Tagesgeldkonto an? Lasse ich einen operativen Eingriff vornehmen oder nicht? Menschen unterscheiden sich darin, wie viel Risiko sie eingehen. Zugleich ist die Risikofreudigkeit des einzelnen oft von der jeweiligen Situation abhängig, in der eine Entscheidung zu treffen ist.

Trotzdem zeigt eine Studie, dass es eine Art Grundtendenz im Umgang mit Risiken geben kann, die über die Zeit relativ stabil bleibt. Menschen verhalten sich also nicht in jeder Situation völlig unterschiedlich, sondern weisen häufig eine individuelle Neigung zu mehr oder weniger Risikobereitschaft auf.

Eine weitere Untersuchung liefert Hinweise darauf, dass es einen Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und Risikoverhalten geben kann. Menschen, die eher offener für neue Erfahrungen, selbstsicherer und reflektierter sind, gehen scheinbar häufiger Risiken ein. Insgesamt entsteht Risikobereitschaft aber aus mehreren Einflüssen und nicht nur aus der Persönlichkeit allein.

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Sind Jugendliche besonders risikobereit?

Jugendliche zeigen häufiger risikoreiches Verhalten, vor allem wenn es um Regelbrüche oder Konflikte mit anderen geht – das zeigt eine Studie. Dazu zählen zum Beispiel Streit, Vandalismus oder Diebstahl. Gesundheitsbezogene Risiken wie Alkohol- oder Drogenkonsum scheinen laut der Studie ihren Höhepunkt eher im mittleren Erwachsenenalter zu erreichen.

Auch das Umfeld spielt eine große Rolle: Wenn Jugendliche mit Freunden zusammen sind, ist ihre Bereitschaft, Risiken einzugehen, häufig höher. Dazu kommt, dass sie oft weniger Interesse daran haben, sich ausführlich über mögliche Gefahren zu informieren, sondern eher neue Erfahrungen sammeln möchten.

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Welche Vorteile hat eine gewisse Risikobereitschaft?

Risikobereitschaft wird oft zunächst kritisch gesehen und mit unvernünftigem Verhalten verbunden. In vielen Ansätzen steht dabei vor allem das mögliche Scheitern oder die Gefahr im Vordergrund.

Andere Perspektiven zeigen jedoch, dass Risikobereitschaft auch positive Seiten haben kann. Menschen erleben manche Situationen als Herausforderung, die sie bewusst suchen und bei der sie sich selbst weiterentwickeln können. Das erfolgreiche Meistern solcher Herausforderungen wird häufig als bereichernd erlebt und kann das Erleben von Kompetenz und persönlichem Wachstum stärken.

Besonders in jungen Lebensphasen kann Risikobereitschaft eine wichtige Rolle für die Entwicklung der Persönlichkeit spielen. Sie kann dazu beitragen, ein stabiles Selbstbild aufzubauen, Selbstvertrauen zu stärken und dem eigenen Leben mehr Bedeutung zu geben – das gilt auch im späteren Leben.

Wann kann Risikobereitschaft gut für uns sein?

Risikobereitschaft kann auch positive Effekte haben, wenn die möglichen Folgen überschaubar bleiben und das eigene Wohl nicht gefährden. Beispiele sind etwa eine neue Freundschaft einzugehen, ein unbekanntes Gericht zu probieren oder einen anspruchsvollen Freizeitkurs zu belegen. Solche Situationen sind zwar mit Unsicherheit verbunden, können aber neue positive Erfahrungen ermöglichen und die persönliche Entwicklung fördern.

Sind Menschen mit Risikobereitschaft resilienter?

Resilienz beschreibt die Fähigkeit, mit Stress und schwierigen Situationen umzugehen und sich nach Belastungen wieder zu stabilisieren. Dabei handelt es nicht um eine feste Persönlichkeitseigenschaft, sondern um ein Zusammenspiel verschiedener individueller und äußerer Einflussfaktoren.

Auch Risikobereitschaft kann zur Resilienz beitragen, weil sie Menschen in neue oder herausfordernde Situationen bringt. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass mehr Risikobereitschaft zu mehr Resilienz führt. Entscheidend ist, wie Risiken eingeschätzt und verarbeitet werden und welche Erfahrungen Menschen daraus mitnehmen.

Wann kann eine erhöhte Risikobereitschaft problematisch sein?

Problematisch wird eine erhöhte Risikobereitschaft, wenn sie nicht mehr mit Lernen oder persönlicher Entwicklung verbunden ist, sondern in schädliches oder sozial unerwünschtes Verhalten umschlägt. Dann stehen nicht mehr neue Erfahrungen im Vordergrund, sondern mögliche negative Folgen für Gesundheit oder Alltag.

Die Forschung unterscheidet hier zwischen funktionaler (adaptiver) und dysfunktionaler (maladaptiver) Risikobereitschaft. Funktionale Risikobereitschaft zeigt sich zum Beispiel beim Annehmen neuer Herausforderungen und kann die persönliche Entwicklung fördern. Dysfunktionales Risiko umfasst dagegen Verhaltensweisen wie Gewalt, die mit negativen Folgen für die betroffene Person oder ihr Umfeld verbunden sein können.

Eine junge Frau sprüht Graffiti an eine Wand.

© iStock / urbazon

Risikobereitschaft zeigt sich bei jungen Menschen oft in Form von Regelverstößen.

Wie geht man mit der eigenen Risikobereitschaft am besten um?

Der Umgang mit der eigenen Risikobereitschaft gelingt am besten, wenn man Entscheidungen bewusster trifft und mögliche Folgen nicht ausblendet. Achten Sie als Elternteil auch auf die Risikobereitschaft Ihres Kindes und bieten Sie Gespräche an.

  • Prüfen Sie vor einer Entscheidung, welche positiven und negativen Konsequenzen entstehen können.
  • Unterscheiden Sie, ob ein Risiko neue Erfahrungen ermöglicht oder eher der Gesundheit oder dem Alltag schaden könnte.
  • Bewerten Sie die Situation möglichst sachlich, lassen Sie aber auch Ihr Bauchgefühl nicht außen vor.
  • Gehen Sie Risiken schrittweise ein, statt sofort große oder unüberschaubare Entscheidungen zu treffen.
  • Lernen Sie aus Erfahrungen und passen Sie Ihr Verhalten bei ähnlichen Situationen entsprechend an.
  • Nehmen Sie die Risikobereitschaft Ihres Kindes ernst, da sie oft dazu dient, neue Erfahrungen zu sammeln und Selbstständigkeit zu entwickeln.
  • Unterstützen Sie Ihr Kind dabei, mögliche Folgen von Entscheidungen abzuwägen, ohne dabei Angst oder Druck aufzubauen.

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