Herz & Kreislauf
Energy Drinks, Gaming Booster und Co.: Wie ungesund ist der Koffein-Kick?
Energy Drinks und andere hochdosierte Koffeinprodukte sind Teil der Jugendkultur und in der Gaming-Szene beliebt. Auch viele Fitnessbegeisterte greifen auf sie zurück. Der schnelle Push durch Koffein ist aber nicht so unbedenklich, wie viele glauben.

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Inhalte im Überblick
- Was steckt in Energy Drinks und Shots, Gaming Booster und Pre-Workout-Pulver?
- Warum konsumieren vor allem Jugendliche Energy Drinks oder Booster?
- Was sind die Unterschiede zwischen den Energy Drinks, Boostern und Shots?
- Wie viel Koffein pro Tag ist gesund?
- Wie gefährlich sind Energy Drinks, Shots und Boosts?
- Fazit: Sollen Eltern ihren Kindern Energy Drinks, Shots und Booster verbieten?
Was steckt in Energy Drinks und Shots, Gaming Booster und Pre-Workout-Pulver?
Sie tragen verschiedene Namen, sind flüssig oder pulverförmig, aber sie alle eint ein Versprechen: mehr Leistung durch Koffein. Koffein ist eine chemische Verbindung (Alkaloid), die natürlich unter anderem in Kaffeebohnen und Teeblättern vorkommt. Koffein lässt sich aus Pflanzen isolieren oder synthetisch herstellen.
Koffein kann als psychoaktive Substanz kognitive Funktionen wie Aufmerksamkeit und Konzentration verbessern. Das weiß jeder, der Kaffee trinkt. Koffein kann aber auch die körperliche Leistungsfähigkeit steigern. Daher ist Koffein ein häufiger Bestandteil von Pre-Workout-Produkten für Sport und Fitness.
Energy Drinks und vor allem Energy Shots wird Koffein in oft hohen Konzentrationen beigefügt. Zum Rezeptmix zählen meist weitere Zutaten wie Taurin, die Aminosäure Tyrosin, das Glukosederivat Glucuronolacton, das auch als Zuckeralkohol bekannte Inosit(ol) oder Vitamine wie Vitamin B12.
Warum konsumieren vor allem Jugendliche Energy Drinks oder Booster?
Energy Drinks sind deshalb bei Jugendlichen so beliebt, weil die Hersteller mit ausgeklügeltem Marketing genau diese Zielgruppe ansprechen. Das geschieht insbesondere durch versteckte Werbung und Product Placements in den sozialen Medien.
Wenn die Lieblings-Influencerin oder der angesagte Super-Gamer wie beiläufig einen klar erkennbaren Energy Drink schlürft, bewirkt das wohl mehr als jeder Werbeclip. In der Gaming- und E-Sport-Szene sind Energy-Produkte besonders beliebt.
Hier werden sie intensiv als leistungssteigernde Mittel und als Symbole der Gamer-Identität vermarktet. Für viele Jugendliche sind Energy-Produkte schlicht ein Teil des Lifestyles. Das wird dann zum Problem, wenn Jugendliche ihrem Körper ständig zu viel Koffein zumuten.
Was sind die Unterschiede zwischen den Energy Drinks, Boostern und Shots?
Abgesehen von den verschiedenen Konsistenzen unterscheiden sich die einzelnen Produkte vor allem durch ihren Koffeinanteil und ihren Gebrauchskontext.
Jedes Produkt hat seine individuelle Rezeptur und sein spezifisches Zusammenspiel der einzelnen Substanzen wie Koffein, Taurin oder Zucker. Der folgende Überblick kann daher nur eine grobe Orientierung bieten.
Energy Drink: Was zeichnet den „Klassiker“ unter den Energy-Produkten aus?
Energy Drinks gelten als Erfrischungsgetränke. Deshalb fallen sie in Deutschland unter die Fruchtsaft- und Erfrischungsgetränkeverordnung. Das bedeutet, dass es rechtlich verbindliche Höchstmengen für die Inhaltsstoffe Koffein, Taurin, Inosit und Glucuronolacton gibt.
So dürfen Energy Drinks höchstens 320 Milligramm Koffein pro Liter enthalten. Generell müssen Getränke mit einem Koffeingehalt von mehr als 150 Milligramm pro Liter folgenden Hinweis tragen: „Erhöhter Koffeingehalt. Für Kinder und schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen.“
Energy Shots: Warum gibt es keine Koffein-Höchstwerte wie bei Energy Drinks?
Energy Shots haben einen viel höheren Koffeingehalt als Energydrinks und sind in kleineren Portionsfläschchen (25 bis 90 Milliliter) erhältlich. Sie werden als Nahrungsergänzungsmittel vermarktet.
Dadurch nutzen die Hersteller eine Gesetzeslücke, denn für Nahrungsergänzungsmittel gelten die gesetzlichen Vorgaben der Getränkeverordnung nicht. So können manche Fläschchen bis zu 200 Milligramm Koffein und damit bis zu 8.000 Milligramm pro Liter enthalten.
Spezielle Produkte für Gamerinnen und Gamer: Was steckt in Gaming Boostern?
Gaming Booster sind Pulvermischungen für Getränke. Sie richten sich gezielt an junge Menschen, die gerne Computerspiele spielen. Die Kategorie „Gaming Booster” ist reineVermarktungsstrategie. Die Hersteller setzen vor allem auf in Gaming- und E-Sport-Kreisen angesagte Influencer und Influencerinnen.
Die konkreten Inhaltsstoffe der Gaming Booster variieren, doch die Aufmachung ist stets poppig-bunt mit coolen Namen. Die Booster können 320 Milligramm Koffein pro Liter locker überschreiten. Sie sind für Spielefans nicht nur überflüssig, sondern bei Überdosierung auch gesundheitsgefährdend.
Pre-Workout-Produkte: Was soll das Koffeinpulver bringen?
Manche Koffeinpulver bestehen zu 100 Prozent aus Koffein. Diese Pulver sind weiß, geruchlos und bitter. Neben den reinen Koffeinprodukten gibt es auch Pulver mit zusätzlichen Wirkstoffen. Die Produkte werden vor allem als sogenannte Pre-Workout-Produkte zur Leistungssteigerung beim Sport vermarktet.
Beim hochkonzentrierten Koffeinpulver ist eine versehentliche Überdosierung schnell geschehen, weshalb solche Pulver leicht Vergiftungen hervorrufen können. Die Kombination aus Sport und zu viel Koffein kann außerdem das Herz-Kreislauf-System belasten – ein hoher Preis für etwas mehr Ausdauer.
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Wie viel Koffein pro Tag ist gesund?
Koffein ist in geringen Mengen für gesunde Erwachsene kein Problem. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hält eine Einzeldosis von 3 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht für unbedenklich. Ausgehend von einem etwa 70 Kilogramm schweren Menschen ergibt das 200 Milligramm.
Ferner stuft die EFSA eine über den Tag verteilte Aufnahme von bis zu 400 Milligramm aus allen koffeinhaltigen Produkten als sicher ein. So kann zum Beispiel auch zartbittere Schokolade Koffein enthalten. Zur Veranschaulichung: Eine Tasse Kaffee enthält ungefähr 80-90 Milligramm Koffein.
Für Schwangere und Stillende liegt die tägliche Höchstgrenze bei 200 Milligramm, um die Gesundheit des Kindes nicht zu gefährden.
Welche Koffeinhöchstwerte gelten für Jugendliche?
Da Heranwachsende unterschiedlich schwer sind, gibt die EFSA hier nur den relativen Wert an. Demnach sind 3 Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht sowohl als Einzeldosis als auch über den Tag verteilt für gesunde Jugendliche vertretbar.
Ein Rechenbeispiel: Ein 250 Milliliter großer Energy Drink mit einem Koffeingehalt von 320 Milligramm pro Liter enthält 80 Milligramm Koffein. Das entspricht in etwa einer Tasse Kaffee. Für einen 50 Kilogramm schweren Teenager lägen demnach schon zwei Drinks pro Tag (= 3,2 Milligramm Koffein) über dem Höchstwert.

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Sind die Koffein-Grenzwerte für Kinder und Jugendliche zu hoch angesetzt?
Eine Studie von 2022 legt nahe, dass Koffein-Grenzwerte für Kinder und Jugendliche zu hoch sind. Dabei erhielten Jugendliche eine an ihr Körpergewicht angepasste Menge eines Energydrinks. Diese entsprach der maximalen Aufnahme von Koffein und anderer Wirkstoffe, die gemäß EFSA für gesunde Kinder und Jugendliche unbedenklich ist.
In der Studie wurden verschiedene Herz-Kreislauf-Parameter untersucht. Die Hauptergebnisse: Auch eine laut EFSA unbedenkliche Koffeindosis könnte bei Kindern und Jugendlichen zu einer Erhöhung des Blutdrucks und zu Veränderungen des Herzrhythmus führen.
Wie gefährlich sind Energy Drinks, Shots und Boosts?
Die in der EDUCATE-Studie beobachteten Herz-Kreislauf-Phänomene stellen als kurzfristige Episode bei moderatem Koffeinkonsum kein schwerwiegendes gesundheitliches Problem dar. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hält den Konsum von Energydrinks innerhalb der EFSA-Grenzwerte daher für vertretbar.
Bei höheren Einzeldosen verhält es sich anders. Akute Koffein-Überdosierungen können zu Symptomen wie Nervosität, Schlafproblemen, Hyperaktivität, Übelkeit, Kopfschmerzen, Schweißausbrüchen, Angstzuständen, Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen führen.
Aufgrund ihres geringeren Gewichts und ihrer potenziell höheren Sensibilität für Koffein stellt der übermäßige Konsum von Energy-Produkten ein hohes Gesundheitsrisiko für Kinder und Jugendliche dar. Natürlich sind auch Erwachsene gefährdet, bei ihnen ist der übermäßige Konsum jedoch seltener.
Mehr als nur Koffein: Was ist in Energy-Produkten sonst noch bedenklich?
Ob Taurin, Glucuronolacton oder Inosit(ol) die Leistung steigern, ist nicht bewiesen. Immerhin gibt es auch keine Hinweise, dass sie gesundheitsgefährdend wären – wohl aber darauf, dass die negativen Effekte von zu viel Koffein durch die Wechselwirkung mit anderen Inhaltsstoffen verstärkt werden könnten.
Zudem enthalten Energy Drinks oft viel Zucker. Eine typische 250-Milliliter-Dose kommt beispielsweise auf rund 27 Gramm. Es gibt auch zuckerfreie Energy Drinks – süß sind sie wegen der jugendlichen Zielgruppe dennoch oft, wobei nicht jede Zuckeralternative uneingeschränkt zu empfehlen ist.
Fazit: Sollen Eltern ihren Kindern Energy Drinks, Shots und Booster verbieten?
Energy Shots, Gaming Booster sowie andere Koffeinpulver bergen ein hohes Risiko für eine Überdosierung und eine Koffein-Vergiftung. Von diesen Produkten sollten Kinder und Jugendliche daher unbedingt die Finger lassen.
Denn die Gesundheitsgefahr durch Koffein liegt nicht im gemäßigten Konsum, sondern in einer akuten Überdosierung sowie einer dauerhaft hohen Zufuhr. Allerdings gibt es keine Studien zu den langfristigen Auswirkungen eines moderaten, aber regelmäßigen Energydrink-Konsums bei Kindern und Jugendlichen.
Was die Energy Drinks betrifft, sollten Eltern sich daher bemühen, bei ihren Kindern ein Problembewusstsein für die Gesundheitsrisiken zu schaffen. Sie sollten auch versuchen, ihre Kinder dazu zu bewegen, den Konsum zumindest zu reduzieren und nicht mehr als einen Drink pro Tag zu sich zu nehmen.
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Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR):
Kaffee, Energy Drinks oder Koffeinpulver: Muntermacher mit gesundheitlichen Risiken? (2026)
Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) (2015): Scientific Opinion on the safety of caffeine.
Europäisches Parlament (2025): Energy drinks consumption in minors: EU and national approaches.
MDPI (2023): Energy Drinks and Adverse Health Events in Children and Adolescents: A Literature Review.
Springer Nature (2023): Energydrinks und ihre Auswirkungen auf die Herz-Kreislauf-Funktion bei Kindern und Jugendlichen.
frontiers (2025): Gaming disorder and problematic caffeine consumption in adolescents: a narrative review and public health framework.
Verbraucherzentrale (2024): Energy Shots und Koffein-Pulver: Gefährliche Aufputschmittel.
Verbraucherzentrale Hessen (2025): LevlUp Gaming Booster: Für Jugendliche nach wie vor bedenklich.








