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Stoffwechsel

NADH, NAD+ und NMN: Haben sie eine Wirkung gegen das Altern?

Veröffentlicht am:24.08.2026

7 Minuten Lesedauer

von Volker Zapf

Langlebigkeit (Longevity) ist ein Top-Trend unter Gesundheits-Influencern und -Influencerinnen sowie in den sozialen Medien allgemein. NAD und NMN werden dabei häufig als Anti-Aging-Wundermittel genannt. Können sie wirklich das Altern beeinflussen?

Ein Mann und eine Frau stehen vor der Arbeitsplatte in einer Küche, auf der zwei kleine Behältnisse sowie ein Tablett mit Kapseln stehen. Die Frau schaut auf das Smartphone in ihrer Hand.

© iStock / Jana Murr

Kurz vorweg: Was sind NMN, NAD, NADH und NAD+?

Die Abkürzung NAD steht für Nicotinamid-Adenin-Dinukleotid. NAD ist ein natürlich im Körper gebildetes Coenzym. Coenzyme sind Hilfsstoffe von Enzymen: bestimmte Moleküle, die zusammen mit dem sogenannten Enzymprotein das aktive Enzym bilden.

NAD+ und NADH unterscheiden sich chemisch. NAD+ ist die oxidierte und biologisch aktive Form von NAD, die Elektronen aufnehmen kann, und NADH die sogenannte reduzierte Form, die bereits Elektronen aufgenommen hat. Sowohl NADH als auch NAD+ werden manchmal als Coenzym 1 bezeichnet.

NAD bildet sich im Körper aus Niacin (Vitamin B3). Niacin ist zum Beispiel in Brot, Fisch, Fleisch, Erdnüssen und Pilzen enthalten, kann aber auch vom Körper aus einer Aminosäure (Tryptophan) synthetisiert werden. Nicotinamid-Mononukleotid (NMN) ist eine Vorstufe bei der NAD-Synthese. Es kommt auch in Nahrungsmitteln wie Brokkoli, Gurken und Edamame vor.

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Welche Wirkung haben NADH und NAD+ im Körper?

Jede Zelle im Körper braucht Energie. NAD ist zentral für die Energiegewinnung beim sogenannten Citratzyklus. NAD+ nimmt Elektronen auf, wird dabei zu NADH (chemisch präzise: NADH+H+) und liefert die Elektronen an die Atmungskette in den Mitochondrien. Dort wird Energie in Form von ATP (Adenosintriphosphat) gebildet.

Mitochondrien werden daher auch als „Kraftwerke“ der Körperzellen bezeichnet. ATP ist der wichtigste Energieträger und -speicher der Zellen. Bestimmte Enzyme brauchen das Coenzym NAD, um im Körper zu wirken. Diese Enzyme steuern zum Beispiel die Aktivität von Genen, Entzündungsreaktionen und Reparaturprozesse im Körper.

Auch für den Stoffwechsel ist NAD unverzichtbar und hilft unter anderem beim Abbau von Kohlenhydraten und Alkohol. Einfach ausgedrückt: NAD unterstützt die normale Funktion der Zellen. Ein Mangel kann dazu führen, dass Energieproduktion und Reparaturprozesse weniger effizient ablaufen.

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Wieso werden NAD und NMN als Jungbrunnen vermarktet?

Mit zunehmendem Alter sinkt der NAD-Spiegel in den Zellen. Das heißt: Junge Menschen verfügen über mehr NAD als alte Menschen. Dieser Rückgang ist messbar und führt dazu, dass die Mitochondrien schlechter funktionieren und die Regenerationsfähigkeit von Zellen vermindert ist.

Gleichzeitig nehmen mit zunehmendem Alter die körperliche Leistungsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit ab. Insofern klingt es zunächst plausibel, den NAD-Spiegel durch Nahrungsergänzungsmittel hochzuhalten: gegen Müdigkeit, für mehr Vitalität und lange Zellgesundheit – und letztlich ein längeres Leben.

Anti-Aging ist deshalb das Schlagwort, mit dem Nahrungsergänzungsmittel mit NADH und NAD+ vermarktet werden. Aber ganz so einfach ist es nicht. Die mit dem Alter sinkende NAD-Menge erlaubt nicht den Umkehrschluss, dass durch die externe Zufuhr von NAD der Alterungsprozess aufgehalten werden könnte.

Eine Person in einer Schürze, deren Gesicht nicht im Bild ist, hält einen Teller, auf dem sich ein gebratenes Lachsfilet mit Reis, Pilzen, Spinat und Sauce befindet.

© iStock / gbh007

Niacin (Vitamin B3), aus dem der Körper NAD bildet, kommt natürlich zum Beispiel in Fisch, Brot oder Pilzen vor.

Ist die Wirkung von NAD-Supplementen wissenschaftlich nachgewiesen?

Die kurze Antwort lautet: Nein. NAD+ oder NADH aus Nahrungsergänzungsmitteln wird nach dem Schlucken verdaut und ausgeschieden. Oral aufgenommenes NAD+ beziehungsweise NADH steht dem Körper also gar nicht zur Verfügung.

Der Körper reguliert den NAD-Haushalt selbst. Der Vorläuferstoff Niacin spielt dabei eine wichtige Rolle und ist in Deutschland in ausreichender Menge in Nahrungsmitteln vorhanden. Die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlene tägliche Zufuhr wird in der Regel erreicht oder überschritten.

Ein Niacin-Mangel ist in Deutschland daher sehr selten und tritt nur infolge von Mangelernährung oder Krankheiten wie Magersucht, Alkoholismus oder Leberzirrhose auf.

Dürfen die Hersteller von NAD-Supplementen mit Anti-Aging-Effekten werben?

Wenn Sie auf ein Angebot stoßen, das verspricht, Sie würden durch ein NAD-Präparat jung bleiben, ist das unseriös. Es ist unzulässig, NAD-Nahrungsergänzungsmittel damit zu bewerben, dass sie Alterungsprozesse verlangsamen oder gar stoppen könnten – weil jegliche wissenschaftliche Grundlage fehlt.

Aussagen zu konkreten Erkrankungen, wie etwa Demenz, sind für Nahrungsergänzungsmittel sogar ausdrücklich verboten. Derzeit dürfen für NAD+ und NADH keine gesundheitsbezogenen Aussagen getroffen werden. Es gibt eine Grauzone, die Produktnamen und Angaben wie Longevity-Serum, Anti-Aging Prebiotic oder Life-Extension ausnutzen.

Nahrungsergänzungsmittel können in bestimmten Fällen sinnvoll sein. Meist liefert eine ausgewogene Ernährung jedoch alle wichtigen Nährstoffe.

Haben NAD+-Infusionen einen besseren Effekt als Nahrungsergänzungsmittel?

Wenn Nahrungsergänzungsmittel mit NAD wenig nützen: Was wäre, wenn man den Verdauungstrakt umgeht? Viele Wellness-Einrichtungen und Arztpraxen bieten NAD+-Infusionen an. Aber auch die Wirkung von Infusionen ist reine Spekulation.

Es ist nicht bewiesen, dass infundiertes NAD+ in die Zellen gelangt und dort die Speicher direkt auffüllt. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass NAD-Moleküle die Zellmembranen nicht durchdringen. Die Wirksamkeit von NAD+-Infusionen ist somit ebenso wenig belegt wie die von NAD-Nahrungsergänzungsmitteln.

Welche Wirkung kann der NAD-Vorläuferstoff NMN im Körper erzielen?

Nach heutigem Kenntnisstand gelangt NAD vermutlich nicht in die Zellen, egal ob es geschluckt oder per Infusion verabreicht wird. So ist eine neue Idee aufgekommen: Warum nicht einen NAD-Vorläuferstoff wie NMN verabreichen, um den NAD-Spiegel anzuheben? Einige Mittel enthalten auch eine andere NAD-Vorstufe, Nicotinamid-Ribosid (NR).

Sicher ist: Der NAD-Blutspiegel steigt, wenn Menschen Nicotinamid-Mononukleotid einnehmen. Unsicher ist, ob das zusätzlich gebildete NAD in wichtigen Zielregionen wie Herz- oder Gehirnzellen ankommt. Insbesondere gibt es keine verlässlichen Studien, die einen langfristig positiven Effekt auf die Alterung belegen.

Es gibt noch einen Grund, NMN-Präparate zu meiden: In der EU gilt NMN als „neuartige Zutat“ und darf weder in Nahrungsergänzungsmitteln noch in Lebensmitteln enthalten sein. Hauptgrund: Die Sicherheit von NMN ist nicht nachgewiesen. Die Datenlage muss sich erst verbessern, bevor NMN gegebenenfalls zugelassen werden kann.

Welche Wirkung haben NAD+ und NADH auf Krebs?

Krebs ist ein zentrales Gesundheitsthema und somit wird auch über die Rolle von NAD bei Krebs diskutiert. Es kursieren Behauptungen, denen zufolge NAD Krebs bekämpfen oder eine Chemotherapie erleichtern könne.

Beide Thesen sind nicht belegt. Zwar gibt es Versuche mit NMN und NR an Mäusen, bei denen eine hemmende Wirkung auf das Tumorwachstum festgestellt wurde. Diese teils geringen Effekte lassen sich jedoch nicht auf Menschen übertragen.

Es könnte sogar das Gegenteil eintreten. NAD ist nicht nur für gesunde, sondern auch für Krebszellen wichtig. Eine erhöhte Zufuhr von NAD könnte das Tumorwachstum begünstigen. Einige Fachleute erforschen daher die Frage, ob eine NAD-Blockade bei Krebs helfen könnte.

So oder so: Auf dem Feld Krebs und NAD beziehungsweise NMN ist noch viel Forschung erforderlich.

Fachlich geprüft
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Deutsches Krebsforschungszentrum / Krebsinformationsdienst (Internet-Redaktion) (2024): Nahrungsergänzungsmittel: NADH gegen Krebs?

Freeberg, K. A. et al. (2023): Dietary Supplementation With NAD+-Boosting Compounds in Humans: Current Knowledge and Future Directions. The Journals of Gerontology: Series A, 78(12) 2435-2448.

Gallagher, C. / Emmanuel, O. O.: NAD⁺ supplementation for anti-aging and wellness: A PRISMA-guided systematic review of preclinical and clinical evidence. Ageing Research Reviews 2026 Apr;116:103057.

Gehring, W. G. / DocMedicus Verlag GmbH & Co. KG (2026): Nicotinamid-Ribosid (NR) und Nicotinamid-Mononukleotid (NMN) als NAD⁺-Vorläufer – Evidenzbasierte Bewertung von Mechanismen, klinischer Wirksamkeit, Sicherheit und Monitoring.

Meixner, J. / medizin transparent / Cochrane Österreich / Universität für Weiterbildung Krems (2024): Nicotinamid-Mononukleotid (NMN): spekulative Versprechen.

Verbraucherzentrale (2026): NAD und NMN in Nahrungsergänzungsmitteln?

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