Muskel-Skelett-System

Schmerzfrei Sport treiben trotz künstlichem Gelenk

Veröffentlicht am:25.09.2026

7 Minuten Lesedauer

von Juliane Stadelmann

Ein künstliches Gelenk bedeutet nicht das Ende der sportlichen Aktivität. Es kann auch Anlass sein, sich sportlich neu zu orientieren und etwas anderes zu versuchen. Wie der Neustart im Sport mit neuem Gelenk gelingt.

Ein Mann und eine Frau in sportlicher Freizeitkleidung beim Nordic-Walking in einem herbstlichen Park.

© iStock / Riska

Ist der gewohnte Sport auch mit künstlichem Gelenk möglich?

In Deutschland werden jedes Jahr knapp 450.000 Knie- und Hüftprothesen eingesetzt. Die Sorge, ob man nach einer Operation zu seinen sportlichen Gewohnheiten zurückkehren kann, steht dabei für viele im Raum. Ungefähr ein Drittel der Menschen, die ein neues Gelenk erhalten, sind unter 65 Jahre alt – viele von ihnen sportlich aktiv.

Dank moderner Prothesen ist dies auch nach dem Eingriff grundsätzlich möglich, hängt aber stark von den individuellen körperlichen Voraussetzungen ab. Nicht für alle ist es möglich, zu den bisherigen sportlichen Gewohnheiten zurückzukehren, andere entdecken möglicherweise ganz neue Sportarten für sich. Wichtig ist, dass sie sich nach dem Krankenhausaufenthalt genügend Zeit für die Heilung nehmen und sich von ihrem Arzt oder ihrer Ärztin beraten lassen.

Künstliches Gelenk: Wie verläuft die Heilung nach der OP?

Bei jedem Menschen verläuft der Heilungsprozess etwas anders. Es macht auch einen Unterschied, ob eine künstliche Hüfte oder ein künstliches Kniegelenk eingesetzt wurde.

Bei einer neuen Hüfte dauert es in der Regel vier bis sechs Wochen, bis die Wunde verheilt ist. Die sogenannte Endoprothese braucht Zeit, um in den Knochen einzuwachsen. Die Bänder und das Weichteilgewebe benötigen ungefähr sechs Wochen für die Heilung. Schon während dieses Prozesses sollten Betroffene, in Absprache mit dem Arzt oder der Ärztin, mit ersten sanften Übungen starten. Da eine frühzeitige Mobilisierung den Heilungsprozess fördern kann, wird damit in der Regel schon im Krankenhaus begonnen. Insgesamt kann es bis zu sechs Monate dauern, bis Knochen und Muskeln vollständig verheilt sind.

Bei einem Kniegelenkersatz unterscheidet man zwischen einer Total- und einer Teil-Endoprothese, je nach vorhergehender Schädigung des Knies. Für beide gilt, dass die Patientinnen und Patienten nach der OP zunächst einige Tage im Krankenhaus bleiben, danach folgt die Rehaphase.

In der Regel ist die Muskulatur nach sechs Wochen so erholt, dass sie dem Gelenk ausreichend Halt bieten kann. Nach zwei bis drei Monaten können Betroffene meist wieder zur Arbeit und gelenkschonenden Sport treiben.

Die Illustration zeigt einen älteren Mann mit Hund in einem Zimmer. Symbole deuten an, dass der Mann an Hüftschmerzen leidet.

© AOK

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Wieder mit dem Sport starten: Was ist wichtig mit künstlichem Gelenk?

Der sportliche Einstieg nach der Operation sollte langsam ablaufen. Dabei hat jeder Mensch sein ganz individuelles Tempo, abhängig auch vom bisherigen Fitnesslevel. Zunächst sollten die Muskeln soweit aufgebaut sein, dass sie das Gelenk ausreichend stabilisieren können.

Was sollte ich vor dem Sport-Einstieg abklären?

Was konkret und in welcher Dosis möglich ist, können Sie schon im Krankenhaus und danach mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt und auch in der Physiotherapie besprechen:

  • Sitzt die Prothese optimal?
  • Ist die Physiotherapie erfolgreich abgeschlossen?
  • Ist die Beweglichkeit wieder hergestellt?
  • Welche Sportarten eignen sich für den Wiedereinstieg?

Schmerzen sind nach der OP normal und werden mit Schmerzmitteln behandelt. Im Verlaufe einer zunehmenden Aktivität sind sie allerdings ein Warnsignal, über das nicht hinweggegangen werden sollte.

Welcher Sport ist für Hüft- und welcher für Knieprothesen passend?

Sowohl eine Knie- als auch eine Hüftprothese profitieren zwar von gelenkschonender Bewegung, aber Hüfte und Knie werden biomechanisch unterschiedlich belastet. Einige Sportarten sind für das eine Gelenk besser geeignet als für das andere.

  • Knieprothese: empfindlicher gegenüber Stoßbelastung und Drehbewegungen unter Last
  • Hüftprothese: verträgt oft mehr zyklische Belastung, ist aber sensibel bei extremen Beugewinkeln und Rotationen, besonders in den ersten Monaten

Verschiedene individuelle Risikofaktoren können zusätzlich für gewisse Sportarten ein Ausschlusskriterium sein. Menschen mit Übergewicht beispielsweise, sollten mit dem neuen künstlichen Gelenk keine Ausdauerläufe absolvieren.

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Warum sind Low-Impact Sportarten geeignet für künstliche Gelenke?

Low-Impact-Sportarten – also körperliche Aktivitäten, die Ihre Gelenke, Knochen und Sehnen nur wenig belasten – sind gelenkschonend und lassen sich ohne ruckartige Bewegungen durchführen. Dabei bleibt immer ein Fuß am Boden, es gibt also zum Beispiel keine Sprünge. So ist das Verletzungsrisiko gering, die Bewegungen sind sanft, aber effektiv.

Welche Low-Impact-Sportarten gibt es?

Low-Impact-Sportarten fördern Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer ohne starke Stoß- oder Drehbelastung für die Gelenke:

  • Schwimmen (besonders Kraulen und Rückenschwimmen; Brustschwimmen eher vorsichtig)
  • Radfahren (auch auf dem Heimtrainer)
  • Nordic Walking
  • Wandern auf ebenem Gelände
  • Golf
  • Gymnastik / Rehasport
  • Yoga oder Pilates (angepasst, ohne extreme Hüftbeugung oder -drehung bei künstlichem Hüftgelenk, keine tiefen Kniebeugen bei künstlichem Kniegelenk)
Ein Mann bei der Physiotherapie macht unter Anleitung der Therapeutin Übungen mit einem Stretchband.

© iStock / andresr

Durch zielgerichtete Übungen in der Physiotherapie lassen sich nach der Operation die Muskeln wieder aufbauen, um das künstliche Gelenk ausreichend zu stabilisieren.

Sind High-Impact-Sportarten bei künstlichem Gelenk in Ordnung?

Ein künstliches Gelenk ist heute prinzipiell kein Hindernis mehr, auch High-Impact-Sportarten durchzuführen. Das sind besonders intensive Sportarten, die die Gelenke belasten können. Jedoch kommt es auch hier auf die sportlichen Gewohnheiten und den Trainingsstand vor der Operation an. Wer beispielsweise vorher regelmäßig moderat gejoggt ist, hat bessere Voraussetzungen, auch mit dem künstlichen Gelenk wieder längere Läufe zu absolvieren.

Was ist bei High-Impact-Sport mit künstlichem Gelenk zu beachten?

High-Impact-Sportarten stärken zwar die Muskulatur und die Fitness, können das Implantat allerdings überlasten oder sogar lockern. Beispielsweise:

  • Joggen oder Laufen auf hartem Untergrund
  • Fußball, Handball, Basketball
  • Kampfsportarten
  • Squash oder intensives Tennis-Einzel
  • Extremsportarten mit Sturzrisiko

Wer sich dazu entscheidet, nach einer erfolgreich verheilten Hüft- oder Kniegelenk-OP einer dieser Sportarten nachzugehen, riskiert jedoch nicht unbedingt eine Abnutzung oder Lockerung der Prothese. Sie sollten sich aber auf jeden Fall vorher mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt beraten.

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Wie erfolgreich ist der sportliche (Neu-)Start mit künstlichem Gelenk?

Studien zeigen, dass ein Großteil der Operierten ihren Sport nach ungefähr einem Jahr mit neuem Gelenk wieder im gleichen Maße wie vorher ausüben können oder sogar wieder ganz neu mit dem Sport angefangen haben, nachdem sie vor der OP schmerzbedingt pausieren mussten.

Am wichtigsten hierbei ist nicht nur die Sportart je nachdem, ob eine Hüft- oder Knieprothese eingesetzt wurde. Auch der allgemeine Trainingszustand vor der OP, der Verlauf der Operation, der Prothesentyp, sowie eine saubere Technik und ein kontinuierlicher Muskelaufbau machen den Erfolg aus. Wenn in Rücksprache mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten die Rückkehr in den Sport schrittweise abläuft, steht dem Spaß an Bewegung auch mit einem künstlichen Gelenk nichts im Wege.

Fachlich geprüft
Fachlich geprüft

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Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS): Sport mit Endoprothese.

Bellerich J, Stemmler S, Franz A: „Return-to-activity“ und „return-to-sport“ nach endoprothetischer Versorgung des Kniegelenks [Return to activity and return to sports after total knee replacement]. Orthopadie (Heidelb). 2024;53(11):840-844.

NHS Foundation Trust / Cambridge University Hospitals: Hip replacement, total: advice and exercises following. Patient information A-Z (2025).

Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP): Gelenkersatz und Sport – ist das möglich?

Leeds Teaching Hospitals NHS Trust: Total Hip Replacement – A guide to your rehabilitation. Information for patients (2025).

C. Hanreich, B. Springer, W. Waldstein et al.: Sport mit Knieprothese – Wieviel Sport ist möglich und was gilt es zu beachten? Z Orthop Unfall 2023; 161(04): 405-411.

Yan Jun Lin, Braden Terner, Diana Piergrossi et al.: Return to Sports After Total Hip Arthroplasty: Patterns of Participation and Sport-Specific Outcomes. The Journal of Arthroplasty, Volume 41, Issue 8, 2026, Pages 2446-2453.e2, ISSN 0883-5403.

Deutsches Zentrum für Othopädie: Sport mit künstlichem Gelenken.

LMU Klinikum / MUM – Muskuloskelettales Universitätszentrum München: Endoprothetik Hüfte & Knie.

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