Muskel-Skelett-System

Hüft-OP: Hilft ein künstliches Gelenk bei Hüftarthrose?

Veröffentlicht am:03.03.2022

aktualisiert am 02.10.2026

14 Minuten Lesedauer

Oft lässt sich eine Hüftarthrose gut ohne Operation behandeln. Schlägt die Behandlung nicht an und die Schmerzen beeinträchtigen den Alltag, kann eine künstliche Hüfte, eine Totalendoprothese (TEP) helfen. Welche Risiken gibt es bei einer Hüft-TEP?

Arzt erklärt an einem Modell den Verlauf einer Hüftarthrose.

© iStock / Jan-Otto

Wann ist eine Hüft-OP notwendig?

Wenn eine Hüftarthrose trotz Behandlung starke Schmerzen verursacht und den Alltag einschränkt, kann es sinnvoll sein, ein künstliches Hüftgelenk in Erwägung zu ziehen.

Bevor man sich zu einer Hüftoperation entscheidet, wird die Hüftarthrose in der Regel zunächst mit Schmerzmittel und Maßnahmen wie Bewegung und Physiotherapie behandelt. Bei starkem Übergewicht kann es hilfreich sein, Gewicht zu reduzieren.

Wenn der Gelenkverschleiß fortgeschritten ist, und diese Maßnahmen nicht ausreichen, kann das Einsetzen einer Hüft-Totalendoprothese (Hüft-TEP) sinnvoll sein.

Wann kommt eine Hüft-TEP infrage?

Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) empfiehlt, eine Hüft-TEP unter folgenden Voraussetzungen in Betracht zu ziehen:

  • Röntgenbilder bestätigen die Hüftarthrose eindeutig.
  • Die Schmerzen sind so stark, dass sie den Alltag deutlich beeinträchtigen.
  • Nicht operative Maßnahmen wie Bewegungstherapie und Schmerzmittel führen auch nach drei Monaten nicht zu einer ausreichenden Linderung der Beschwerden.
  • Vor- und Nachteile des Eingriffs wurden gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt individuell abgewogen.

Was hilft bei der Entscheidung für oder gegen ein künstliches Hüftgelenk?

Spezielle Fragebögen können hilfreich sein, den Schweregrad der Arthrose und die Auswirkungen auf den Alltag besser einzuschätzen und die individuelle Entscheidungsfindung zu unterstützen.

Welche Beschwerden treten bei Hüftarthrose auf?

Bei einer Hüftarthrose (Coxarthrose) nutzt sich die Knorpelschicht des Hüftgelenks ab. Dadurch kann es zu Schmerzen beim Gehen, Treppensteigen oder beim Übereinanderschlagen der Beine kommen. Weitere typische Beschwerden sind:

  • ausstrahlende Schmerzen ins Gesäß, in die Innenseite des Oberschenkels oder ins Knie.
  • Einschränkungen der Beweglichkeit, etwa beim Anziehen von Strümpfen oder bei der Fußpflege.
  • Die Schmerzen treten zunächst nur bei besonderen Belastungen auf.
  • Bei fortgeschrittener Arthrose sind Schmerzen auch in Ruhe und nachts möglich.
Die Illustration zeigt einen älteren Mann mit Hund in einem Zimmer. Symbole deuten an, dass der Mann an Hüftschmerzen leidet.

© AOK

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Wie sind die Erfolgsaussichten einer Hüft-TEP?

Die Erfolgsaussichten einer Hüft-TEP sind insgesamt gut: Der Großteil der operierten Betroffenen kann sich mit einer künstlichen Hüfte im Alltag wieder schmerzfrei bewegen oder hat deutlich weniger Schmerzen.

Auch langfristig sind die Aussichten gut. Zehn Jahre nach der Operation sind mehr als 95 Prozent der eingesetzten Hüftprothesen weiterhin funktionsfähig.

Allerdings sind nicht alle Operierten nach einer Hüft-TEP vollständig schmerzfrei. Eine systematische Auswertung der University of Bristol ergab, dass je nach Studie etwa jeder zehnte bis knapp jeder vierte Operierte auch langfristig noch Schmerzen im ersetzten Gelenk hatte.

Wie lange hält ein künstliches Hüftgelenk?

Ein künstliches Hüftgelenk kann viele Jahre halten, oft sogar 20 Jahre oder länger. Wie lange eine Hüftprothese genau funktionstüchtig bleibt, hängt unter anderem vom Material der Prothese, dem Körpergewicht und der individuellen Belastung zum Beispiel durch bestimmte Sportarten ab.

Es gibt große Register, in denen die Haltbarkeit der jeweiligen Hüftprothese und Prothesenart erfasst werden, wie das Endoprothesenregister Deutschland. Fragen Sie vor einer Operation bei der Klinik nach, welche Prothese verwendet werden soll und welche Erfahrungen oder Registerdaten zu deren Haltbarkeit vorliegen.

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Wie finde ich die beste Klinik für eine Hüft-TEP?

Im Jahr 2024 wurden 281.086 künstliche Hüftgelenke in Deutschland implantiert. Damit gehört die Bundesrepublik zu den Ländern mit den meisten Hüftoperationen weltweit. Über 1.000 Kliniken bieten den Gelenkersatz in Deutschland an.

Woran erkenne ich, ob eine Klinik bei Hüft-TEPs eine hohe Qualität hat?

Die Qualität einer Klinik bei der Implantation von Hüft-TEPs lässt sich unter anderem daran erkennen, wie häufig bei diesem Eingriff Komplikationen auftreten. Dafür hat das WIdO (Wissenschaftliches Institut der AOK) Qualitätsindikatoren entwickelt, die sich mithilfe von Abrechnungsdaten auswerten lassen.

Dieses Verfahren heißt Qualitätssicherung mit Routinedaten, kurz QSR.

Diese Indikatoren berücksichtigen Komplikationen wie Wundinfektionen oder andere Operationsfolgen, die bis zu einem Jahr nach dem Gelenkersatz auftreten. Erfasst wird auch, ob ein erneuter Eingriff erforderlich war.

Diese Daten sind im AOK-Gesundheitsnavigator öffentlich zugänglich und werden jährlich aktualisiert. Die Qualität von Krankenhäusern wird dort mit den AOK-Lebensbäumen dargestellt:

  • Drei Lebensbäume: überdurchschnittliche Qualität
  • Zwei Lebensbäume: durchschnittliche Qualität
  • Ein Lebensbaum: unterdurchschnittliche Qualität.

Wie häufig kommt es bei einer Hüft-OP zu Komplikationen?

Wo man sich operieren lässt, kann einen deutlichen Unterschied machen. Auch wenn Komplikationen bei Hüftoperationen nicht immer vermieden werden können, gibt es Qualitätsunterschiede zwischen den Kliniken:

Nach einer Analyse des WIdO auf Basis von rund 124.000 Hüftgelenkersatz-Operationen aus den Jahren 2020 bis 2022 kam es bei 5,7 Prozent der Operationen zu mindestens einer Komplikation.

In Kliniken mit schlechteren Ergebnissen betraf das rund 10 von 100 Eingriffen, in Kliniken mit besseren Ergebnissen rund 3 von 100.

Wo kann ich nachschauen, wie oft einzelne Kliniken Hüft-TEPs durchführen?

Im Gesundheitsnavigator können Sie sehen, wie häufig Operationen wie Hüft-TEPs in den einzelnen Krankenhäusern durchgeführt werden.

Wählen Sie im Gesundheitsnavigator einfach die gewünschte Operation aus, geben Sie die Stadt ein, in der Sie behandelt werden möchten, und wählen Sie passende Kliniken aus den Ergebnissen aus.

Die Suchergebnisse lassen sich nach bestimmten Kriterien filtern, zum Beispiel nach der Anzahl der Behandlungsfälle, Qualität nach QSR oder Bewertungen durch dort operierte Personen.

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Wie läuft eine Hüftoperation ab?

Vor der Operation wird die Hüfte geröntgt, damit der Eingriff geplant und die passende Prothese ausgewählt werden kann. Auch das Alter und der individuelle Gesundheitszustand der Patientin oder des Patienten sind wichtig für die Planung.

Die Operation selbst wird – wenn möglich – mit einer besonders weichteilschonenden, minimalinvasiven, Operationstechnik durchgeführt. Bei der Operation werden die geschädigten Teile des Hüftgelenks entfernt und durch eine künstliche Hüftpfanne sowie einen Prothesenschaft mit Hüftkopf ersetzt. Die Prothese wird je nach Knochensituation entweder zementfrei oder mit Knochenzement befestigt. Zum Schluss wird das neue Gelenk auf Stabilität und Beweglichkeit geprüft und die Wunde verschlossen. In der Regel dauert diese Hüft-OP etwa eine bis eineinhalb Stunden.

In diesem Video erfahren Sie, wie eine Hüft-Operation abläuft und wie die AOK Ihnen hilft, das richtige Krankenhaus zu finden.

Was sind die Risiken einer Hüft-OP?

Hüftoperationen wie Hüft-TEPs sind Standardeingriffe, die in Kliniken täglich unter Vollnarkose durchgeführt werden. Dennoch handelt es sich um einen größeren Eingriff mit folgenden möglichen Risiken:

  • Es kann zu Verletzungen des Oberschenkelknochens kommen. Tritt dabei womöglich ein Bruch des Oberschenkelknochens auf, wird dieser mithilfe von Metallplatten oder Drahtschlingen stabilisiert.
  • Nerven oder Muskeln können beschädigt werden.
  • In seltenen Fällen verliert die Patientin oder der Patient während der Hüft-OP so viel Blut, dass eine Bluttransfusion erforderlich wird.
  • Nach dem Eingriff kann es zu einer Wundinfektion kommen.
  • Auch eine Venenthrombose oder Lungenembolie sind möglich. Durch Medikamente kann das Risiko aber auf ein bis zwei Prozent reduziert werden.
  • Vor allem in den ersten Monaten kann in seltenen Fällen der Hüftkopf aus der Pfanne springen. Damit dies nicht passiert, muss man in den ersten Monaten nach der OP bestimmte Bewegungen vermeiden.
  • Es können sich Verknöcherungen bilden, die die Beweglichkeit der künstlichen Hüfte einschränken.

Die besten Kliniken: Qualitätsmerkmale und Zertifizierungen

Das Deutsche Endoprothesenregister (EPRD) ist eine Art Qualitätsdatenbank für künstliche Hüft- und Kniegelenke. Patientinnen und Patienten können sich vor einer Operation über teilnehmende Kliniken informieren. Das Register selbst spricht jedoch keine Empfehlung für einzelne Krankenhäuser aus.

Auch eine EndoCert-Zertifizierung ist ein Qualitätsmerkmal. Dafür müssen Kliniken unter anderem ausreichende Fallzahlen und standardisierte Behandlungsabläufe nachweisen. Die Anforderungen werden regelmäßig überprüft.

Wie geht es nach einer Hüftoperation weiter?

Nach erfolgreich überstandener Hüft-OP müssen die Patientinnen und Patienten bis zu zehn Tage im Krankenhaus bleiben. Etwa so lange dauert es, bis die Wunde verheilt ist. Direkt nach dem Klinikaufenthalt – oder bis spätestens zwei Wochen nach der Entlassung – beginnt die dreiwöchige Anschlussheilbehandlung (Rehabilitation).

Wie lange dauert die Genesung nach einer Hüftoperation?

Nach 10 bis 15 Tagen ist die Wunde meistens zugewachsen und das Nahtmaterial kann entfernt werden. Das umliegende Gewebe und die Muskeln brauchen allerdings je nach Operationsverfahren bis zu drei Monate Heilungszeit, um zusammenzuwachsen. In der Anfangszeit besteht ein erhöhtes Risiko, dass das Gelenk auskugelt. Um das zu vermeiden, wird Folgendes empfohlen:

  • die Beine nicht übereinander zu schlagen,
  • das betroffene Bein weder über 90 Grad zu beugen noch zu stark nach innen zu drehen oder abzuspreizen,
  • zu schweres Heben, Tragen oder Schieben zu vermeiden.

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In der Regel können Patientinnen und Patienten nach etwa sechs Wochen wieder ohne Gehhilfe gehen und in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt sogar walken oder Fahrrad fahren.

Welche Sportarten bei Ihnen nach der vollständigen Heilung geeignet sind, sollten Sie am besten mit Ihrer Orthopädin oder Ihrem Orthopäden besprechen.

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