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Pflegetipps

Kontrakturenprophylaxe: Tipps für pflegende Angehörige

Veröffentlicht am:17.08.2026

7 Minuten Lesedauer

von Volker Zapf

Menschen, die sich kaum bewegen, laufen Gefahr, an Beweglichkeit einzubüßen. Ein Risiko sind Kontrakturen: die eingeschränkte Beweglichkeit der Gelenke. Besonders gefährdet sind ältere und pflegebedürftige Menschen. Was Angehörige tun können.

Nahaufnahme der Hände einer alten und einer jungen Frau, die ineinandergreifen.

© iStock / Olga Yastremska

Was ist eine Kontrakturenprophylaxe?

Eine Kontrakturenprophylaxe bezeichnet pflegerische Maßnahmen, um Kontrakturen bei pflegebedürftigen Menschen vorzubeugen. Kontrakturen sind dauerhafte Versteifungen und Bewegungseinschränkungen von Gelenken.

Zur Verdeutlichung spricht man auch von Gelenkkontrakturen. Betroffene Gelenke lassen sich nicht mehr vollständig beugen, strecken, abwinkeln oder heranziehen. Ein bekanntes Beispiel einer Kontraktur ist der Spitzfuß bei bettlägerigen Menschen.

Was sind die Ursachen von Kontrakturen?

Kontrakturen können zahlreiche Ursachen haben, zum Beispiel:

  • körperliche Inaktivität, insbesondere durch Bettlägerigkeit
  • schmerzbedingte Schonhaltungen
  • Verletzungen
  • Rheuma, Arthrose und andere Erkrankungen des Bewegungsapparates
  • Lähmungen, beispielsweise durch Erkrankungen des Nervensystems wie Morbus Parkinson oder Multiple Sklerose oder nach einem Schlaganfall

Wie entstehen Kontrakturen genau?

  • Bei neurologischen Erkrankungen oder anhaltender Bewegungslosigkeit, beispielsweise durch Bettlägerigkeit, können sich Bindegewebe und Muskulatur um das Gelenk zurückbilden. Dies kann zu verkürzten Muskeln sowie zu einer verminderten Beweglichkeit und Belastbarkeit aller am Gelenk beteiligten Strukturen führen.
  • Kontrakturen infolge von Knochenerkrankungen wie Arthrose gehen meist auf Veränderungen an Knochen, Knorpel und Gelenkkapseln zurück.
  • Nach Verletzungen kann die Narbenbildung die Haut, das Unterhautgewebe und das Bindegewebe im Bereich der Gelenke verändern. Auch dies kann die Beweglichkeit einschränken.

Wie schnell können sich Kontrakturen entwickeln?

Bereits nach zwei Wochen kann es infolge von Immobilität zu Gewebeveränderungen kommen, die Kontrakturen begünstigen. Das heißt, nicht nur eine langfristige Bettlägerigkeit, sondern auch kürzere Krankheitsepisoden können Kontrakturen hervorrufen.

Deshalb bewegen Physiotherapeuten und -therapeutinnen auf der Intensivstation oft Gliedmaßen und Körperregionen der Intensivpatienten und -patientinnen. Es ist allerdings unsicher, wie gut diese passive Bewegungstherapie zur Verhinderung von Kontrakturen tatsächlich geeignet ist.

Was bedeuten Kontrakturen für pflegebedürftige Menschen?

Mobilität bedeutet Teilhabe, und Kontrakturen gefährden die Mobilität. Ohne Gegenmaßnahmen können Kontrakturen zu immer weiter fortschreitenden Einschränkungen für die Betroffenen führen: zu weniger Beweglichkeit, weniger Selbstständigkeit und weniger Teilhabe an gesellschaftlichen Aktivitäten.

Beispielsweise beeinträchtigen Kontrakturen in den Beinen die Gangsicherheit. Betroffene meiden dann oft bestimmte Wege oder Aktivitäten, da sie Angst vor Stürzen haben oder das Gehen beschwerlich ist. Sie bewegen sich dann oft noch weniger und erhöhen so das Risiko für Kontrakturen in anderen Gelenken: ein Teufelskreis.

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Was gehört alles zur Kontrakturenprophylaxe?

Bei der Kontrakturenprophylaxe für ältere und/oder pflegebedürftige Menschen geht es darum, Einschränkungen der Beweglichkeit zu vermeiden oder eine Verschlimmerung dieser Einschränkungen zu verhindern.

Welche Maßnahmen pflegende Angehörige ergreifen können, hängt vom Gesundheitszustand des pflegebedürftigen Menschen ab. Solange selbstständige Bewegung möglich ist, sollte sie gefördert werden. Wichtig ist:

  • Bewegung ermöglichen, etwa durch barrierefreie Räume
  • zur Bewegung motivieren und unterstützen, etwa bei gemeinsamen Spaziergängen, aber auch bei alltäglichen Tätigkeiten wie Essen, Waschen oder eigenständigem Holen von Dingen
  • Zusätzlich können Bewegungsübungen hilfreich sein.
  • Bei Menschen, die bereits in ihrer Bewegung eingeschränkt sind, ist auf eine gute Körperpositionen und Positionswechsel zu achten.

Welche Übungen gibt es zur Kontrakturenprophylaxe?

Bei den konkreten Übungen zur Kontrakturenprophylaxe ist zwischen aktiven und passiven Übungen zu unterscheiden.

  • Aktive Übungen führen pflegebedürftige Menschen selbst durch – mit Unterstützung von Physiotherapeuten bzw. -therapeutinnen oder Angehörigen.
  • Bei passiven Übungen bewegen Physiotherapeuten bzw. -therapeutinnen oder Angehörige die Gliedmaßen der pflegebedürftigen Menschen.

Ob Bewegungsübungen oder der richtige Positionswechsel: Angehörige sollten vor der erstmaligen Durchführung durch Physio- oder Ergotherapeuten beziehungsweise Therapeutinnen angeleitet werden. Auch ein Pflegekurs der AOK führt in diese und weitere Themen ein.

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Wie gut helfen Bewegungsübungen zur Vorbeugung von Kontrakturen?

Ob und wie gut Bewegungsübungen Kontrakturen vorbeugen können, ist nicht abschließend geklärt. Insbesondere bei passiven Übungen zeigen Studien allenfalls begrenzte Effekte.

Als besonders wirksam für die Kontrakturenprophylaxe gelten aktive Dehnübungen. Es ist jedoch unklar, ab welchem Grad der Gebrechlichkeit solche Übungen für pflegebedürftige Menschen noch sinnvoll sind. Allerdings ist auch die Wirkung von aktiven Übungen in der Forschung nicht unumstritten.

Das Gleiche gilt für das Potenzial von Positionswechseln zur Vermeidung von Kontrakturen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie auf solche Maßnahmen verzichten müssen. Positionswechsel können wertvoll gegen Dekubitus sein. Sie sollten jedoch im Hinblick auf Kontrakturen keine zu hohen Erwartungen haben.

Ein alter Mann mit Rollator, ein Mann mittleren Alters und ein Junge gehen nebeneinander auf einem Weg durch einen herbstlichen Wald.

© iStock / Jovanmandic

Bewegung ist das A & O der Kontrakturenprophylaxe. Solange selbstständige Bewegung möglich ist, sollte sie gefördert werden.

Dehnübungen als Kontrakturenprophylaxe: Welche Beispiele gibt es?

Der Fokus liegt klar auf aktiven Dehnübungen. Deshalb ist es wichtig, Ihren Angehörigen beziehungsweise Ihre Angehörige möglichst zur selbstständigen Bewegung anzuleiten. Jede dieser Übungen sollte er oder sie also so weit wie möglich selbst durchführen. Sie assistieren im Idealfall nur.

Die Übungen führen Sie beidseitig durch, während Ihr Angehöriger oder Ihre Angehörige auf dem Bett oder einer Matte liegt. Wichtig: Bewegen Sie keine Glieder gegen Widerstände und gehen sie nicht über die Schmerzgrenze hinaus.

  • Fußgelenke: Den Fuß abwechselnd kopfwärts und in die andere Richtung beugen. Gegebenenfalls nehmen Sie den Fuß in die Hand.
  • Kniegelenke: Greifen Sie mit einer Hand in die Kniebeuge. Ihr Angehöriger oder Ihre Angehörige beugt und streckt das Bein nun im Wechsel. Halten Sie gegebenenfalls mit der anderen Hand den Fuß fest.
  • Hüftgelenke: Bei gestrecktem Bein kleine horizontale Bewegungen nach außen und innen ausführen.
  • Fingergelenke: Abwechselnd eine Faust formen und die Hand spreizen.
  • Handgelenke: Das Handgelenk abwechselnd strecken und anwinkeln.
  • Ellbogengelenke: Den Unterarm in Richtung Körper beugen und danach wieder ausstrecken.
  • Schultergelenke: Den Arm vom Körper abspreizen und wieder zurückführen. Anschließend den gesamten Arm so weit wie möglich hochheben und wieder ablegen.
  • Nackengelenk: Den Kopf nach vorne beugen und langsam wieder auf dem Kissen ablegen.

Die jeweilige Dehnung sollte 45 bis 60 Sekunden am Ende der jeweiligen Bewegung gehalten werden und mehrmals wiederholt werden.

Wann sollten Sie auf Übungen zur Kontrakturenprophylaxe verzichten?

Es gibt akute und chronische Krankheiten, die gegen bestimmte Übungen sprechen können. Sie sollten sich deshalb vor dem Start mit einem professionellen Therapeuten oder einer Therapeutin beziehungsweise mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin besprechen, um mögliche Risikofaktoren oder Gegenanzeigen abzuklären.

Wenn Ihr Angehöriger oder Ihre Angehörige Schmerzen, Fieber, Rötungen, Schwellungen oder andere körperliche Auffälligkeiten hat, sollten Sie auf die Kontrakturenprophylaxe verzichten und sich mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin absprechen.

Hat er oder sie einmal keine Lust, ist Ihre Überzeugungskunst gefragt, denn die Kontrakturenprophylaxe lebt von Regelmäßigkeit. Es ist außerdem immer besser, wenn der pflegebedürftige Mensch aktiv mitwirkt, statt dass Sie ohne seine Unterstützung passive Bewegungsübungen durchführen.

Wann ist professionelle Unterstützung bei der Kontrakturenprophylaxe wichtig?

Sollten Sie unsicher sein, ob Sie Ihren Angehörigen mit den Übungen wirklich helfen können, kann es eine gute Entscheidung sein, diesen Teil der Pflege in die Hände einer professionellen physiotherapeutischen Fachkraft zu geben.

Wenn Sie sich lieber selbst um Ihre Liebsten kümmern möchten, ist das nach entsprechender Anleitung grundsätzlich eine gute Idee. Verschlechtert sich die Beweglichkeit Ihres Angehörigen oder Ihrer Angehörigen allerdings trotz der Prophylaxe merklich, sollten Sie professionellen Rat einholen.

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