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Capoeira: Wissenswertes zu Geschichte, Ausführung und Wirkung
Veröffentlicht am:16.09.2026
6 Minuten Lesedauer
Capoeira stammt aus Brasilien und ist eine Kombination aus Kampfsport, Tanz, Akrobatik und Musik, welche den Rhythmus und die Energie des Spiels vorgibt. Die Ausübung fördert Kraft und Flexibilität, sowie Rhythmusgefühl und Selbstbewusstsein.

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Was ist Capoeira?
Capoeira ist eine afro-brasilianische Kampfkunst oder ein Kampftanz. Das heißt, darin verbinden sich Elemente aus Kampf und Akrobatik mit Musik, Tanz und Ästhetik. Weltweit findet Capoeira immer mehr Anhängerinnen und Anhänger. Über den Ursprung gibt es viele Legenden, aber keine historischen Beweise.
Erste Quellen beschreiben Capoeira als rabiaten Tanzkampf der Sklaven, die von den Portugiesen aus Afrika nach Brasilien verschleppt wurden. Im 16. Jahrhundert wurde Brasilien von den Portugiesen kolonialisiert. Sie verpflichteten die dort lebenden Indigenen zur Zwangsarbeit. Viele starben oder flohen in freie Gebiete.
Um sie zu ersetzen, wurden Tausende Afrikaner versklavt. Auf kargen Flächen, die nach den Brandrodungen des Waldes allmählich wieder nachwuchsen, sollen sie Capoeira praktiziert haben. Der Name leitet sich vermutlich von capu era ab. So bezeichneten die Indigenen die gerodeten Flächen. Es gibt aber auch andere Theorien.
Wie läuft Capoeira ab?
Capoeira ist kein Einzelsport – er lebt von der Gemeinschaft. Das Geschehen findet in der Roda (portugiesisch für „Kreis“) statt. Während zwei Capoeiristas (Spieler) in die Mitte treten, bildet die Gruppe außen herum den Kreis. Sie singen, klatschen und machen Musik. Das wichtigste Instrument ist das Berimbau, ein traditioneller Musikbogen mit einem Flaschenkürbis als Resonanzkörper.
Im Rhythmus der Musik bewegen sich die beiden Capoeiristas fließend umeinander. Sie kombinieren Kicks, Ausweichmanöver, Finten und Akrobatik. Dabei gilt: Sie kämpfen nicht, sie spielen miteinander – meist völlig ohne Berührung. Jeder passt seine Reaktionen blitzschnell an den Partner oder die Partnerin an.
Capoeira fordert Kraft, Koordination, Spontaneität und höchste Konzentration. Für viele ist es eine Lebensphilosophie, die Werte wie Respekt, Würde und ein starkes Gemeinschaftsgefühl vermittelt.
Wie tritt man in die Roda ein?
Es gibt zwei Wege, um das Spiel im Kreis zu beginnen:
- Der reguläre Start: Zwei Capoeiristas knien vor dem führenden Berimbau nieder, geben sich die Hand und starten mit einem Aú (Radschlag) in den Kreis. Nach dem Spiel verabschieden sie sich per Handschlag und machen Platz.
- Das Spiel „kaufen“ (Abklatschen): Ein neuer Spieler oder eine neue Spielerin wechselt sich aktiv in ein laufendes Spiel ein. Hierbei gilt das Kordel-System (Graduierung):
- im Training: Jeder und jede darf bei jedem und jeder das Spiel kaufen.
- in offiziellen Rodas: Nur höher graduierte Capoeiristas dürfen das Spiel von niedriger Graduierten kaufen. Meister oder Professoren können Ausnahmen erlauben.
Welche verschiedenen Stile gibt es bei Capoeira?
Beim Capoeira gibt es mehrere Stile. Als ursprüngliche Form gilt die Capoeira Angola. Diese Form zeichnet sich durch scheinbar unkoordinierte und sehr langsame Bewegungen aus. Die Bewegungssequenzen sind meist jedoch nur Täuschungen, aus denen blitzschnell und mit einer gewissen „Schlitzohrigkeit“ attackiert wird.
Die Capoeiristas tragen eine schwarze Hose, ein gelbes T-Shirt und flache Schuhe. Männer wählen auch Anzug und Hut. Die oft wehmütigen, ruhigen und langsamen Lieder erzählen Geschichten aus der Sklavenzeit.
Die moderne und impulsivere Form ist Capoeira Regional. Als Gründer gilt Mestre Bimba (Manuel dos Reis Machado), der Elemente von Jiu Jitsu und Batuque hinzufügte. Bereits 1930, noch vor Aufhebung des Capoeira-Verbots, gründete er erste Schulen in Brasilien. Der Stil unterscheidet zwei Spielarten:
- Sao Bento Grande ein schnelles, explosives Spiel mit hohen und direkten Tritten, Schlägen sowie akrobatischen Einlagen. Lauter Chorgesang heizt die Spielerinnen und Spieler zusätzlich an.
- Benguela: eine langsamere, bodenahe Variante, ebenfalls mit Tritten, Schlägen, Akrobatik und Chorgesang.
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Wie unterscheidet sich Capoeira von Kampfsportarten?
Das Capoeira-Spiel beinhaltet zwar Verteidigung, Angriff und Akrobatik, aber im Gegensatz zu Judo oder Karate geht es nicht ausschließlich um Kampftechniken. Im Vordergrund stehen improvisierte und synchrone Interaktionen. Die Capoeiristas müssen mit unvorhersehbaren Situationen umgehen.
Deshalb kann das Spiel als offene Aufgabe betrachtet werden. Capoeira erfordert kognitive und motorische Fähigkeiten. Tanz, Musik und Akrobatik fördern die Wahrnehmung. Vermutet wird, dass auch verschiedene Hirnregionen im präfrontalen, temporalen und parietalen Kortex gefordert sind.

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Ist Capoeira gesund?
Eine brasilianische Übersichtsarbeit zeigt, dass Capoeira viele Vorteile für die Gesundheit hat. Capoeira
- führt zu hoher körperlicher Fitness,
- fördert das Gleichgewicht,
- stärkt die Muskelkraft
- und wirkt sich positiv auf Herz, Lunge und Gefäße (kardiorespiratorische Kapazität) aus.
Positive Effekte zeigen sich auch im Bereich der psychischen Gesundheit und des Lebensstils, bei den sozialen Kompetenzen und dem Sozialverhalten. Ebenso bei der Selbstwirksamkeit, dem Selbstvertrauen, der Resilienz, bei Wut und aggressivem Verhalten.
Eine kleine Studie mit jungen Männern, die zehn Wochen Capoeira trainiert hatten, kommt zu dem Ergebnis, dass sich ihre Herz-Kreislauf-Funktion verbesserte und sie eine niedrigere Herzfrequenz hatten. Ihr Capoeira-Training beinhaltete zehn Einheiten mit jeweils 90 Minuten.
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Welche Effekte hat Capoeira bei Kindern?
Eine kleine brasilianische Studie zeigt, dass regelmäßiges Capoeira-Training die motorische Koordination von Kindern verbessert, insbesondere die Auge-Hand-Koordination. Diese erfordert zudem Aufmerksamkeit. Effekte auf die schulischen Leistungen und die Agilität waren eher gering.
Vier Monate lang nahmen Schulkinder zwischen acht und zwölf Jahren in Rio de Janeiro an einem Capoeira-Training teil. Geleitet wurde es von einem Capoeira-Meister, der viel Erfahrung im Unterrichten von Kindern hatte. Das Training sollte vor allem Freude bereiten.
Wo können Interessierte Capoeira erlernen?
Ob in Sportvereinen, an Universitäten, Musikschulen oder speziellen Capoeira-Akademien: In vielen deutschen Städten gibt es passende Angebote – sowohl für Kinder und Jugendliche als auch für Erwachsene.
Zunächst werden die Grundlagen der Akrobatik, Angriffstechnik (zum Beispiel Tritte) und Verteidigungstechnik (Ausweichen) vermittelt. Dann lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wie sie einen Angriff mit einer Verteidigung beantworten und wieder in einen Angriff übergehen können. Neben der Bewegung stehen auch das Erlernen der portugiesischen Lieder und das Spielen der traditionellen Instrumente auf dem Programm.
Die Inhalte unseres Magazins werden von Fachexpertinnen und Fachexperten überprüft und sind auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft.
Minverva Medica, Sérgio R. Moreira, Alfredo A. Teixeira-Araujo, Aristeu O. Dos Santos, Herbert G. Simoes: Ten weeks of capoeira progressive training improved cardiovascular parameters in male practitioners, Februar 2016.
Moreira SR, Ii ACO, Armstrong A: Capoeira: hypothesis on health rehabilitation and quality-of-life maintenance. Rev Assoc Med Bras (1992). 2022;68(11):1530-1536. Published 2022 Nov 28.
Valter R. Fernandes, Michelle L. Scipião Ribeiro, Narahyana B. Araújo et al.: Effects of Capoeira on children's executive functions: A randomized controlled trial, Mental Health and Physical Activity, Volume 22, 2022, 100451, ISSN 1755-2966.
Capoeira „Companhia Pernas Pro Ar“ (CPPA): Capoeira allgemein.
Linguado Capoeira München e.V.: Capoeira – die Kunst.
Renato Sobral Monteiro-Junior, Valter da Rocha Fernandes, Henrique Nunes Pereira Oliva et al.: Capoeira and brain function: Hypotheses and perspectives from a systematic review, Mental Health and Physical Activity, Volume 28, 2025, 100678, ISSN 1755-2966.







