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Wie gesund ist es, einen Ultramarathon zu laufen?
Ultramarathon: Der Begriff deutet schon an, dass die körperliche Belastung extrem sein kann. Doch ist das gesund? Wie sich der Extremsport auf einzelne Organsysteme wie Herz, Gehirn oder unsere Knochen und Gelenke auswirkt.

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Was ist ein Ultramarathon?
Ein Ultramarathon, auch Ultralauf oder Ultra-Ausdauerlauf genannt, ist eine Sportart, bei der die Läuferinnen und Läufer mehr als die übliche Marathonstrecke zurücklegen. Laut Definition ist jede gelaufene Strecke über der klassischen Marathondistanz von 42,195 Kilometern ein Ultramarathon – nach oben gibt es keine Begrenzung.
Der Ultramarathon zählt zu den Extremsportarten und erfreut sich in den letzten zwei Jahrzehnten auch als Wettkampfsport immer größerer Beliebtheit. So gibt es weltweit immer mehr Laufveranstaltungen, bei denen die Teilnehmenden Strecken über extreme Distanzen (beispielsweise 50 oder 100 Kilometer) oder über mehrere Tage zurücklegen.
Welche Effekte hat der Ultramarathon auf die körperliche Gesundheit?
Regelmäßiges Laufen hat – wie jede körperliche Aktivität – einen positiven Effekt auf die allgemeine Gesundheit. Dennoch stellen Fachleute die Frage, inwiefern die außerordentliche Belastung durch einen Ultramarathon auch Langzeitfolgen für den Körper haben kann.
Anhand vorübergehend veränderter Biomarker im Blut lässt sich der durch einen Ultramarathon ausgelöste akute Stress auf Muskeln, Nervensystem, Herz, Entzündungsprozesse sowie den Stoffwechsel feststellen. Aussagekräftige Daten zu den Langzeitfolgen gibt es allerdings noch nicht.
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Welche Auswirkungen kann ein Ultramarathon auf das Herz-Kreislauf-System haben?
Das Herz von Ausdauersportlerinnen und -sportlern passt sich durch wiederholtes Training den Anforderungen an. Dabei vergrößern sich die Herzkammern und die Vorhöfe. Dieses sogenannte Sportlerherz unterstützt den Körper, unter Belastung mehr Sauerstoff zu transportieren. Eine Studie mit Läuferinnen und Läufern während und nach einem Ultramarathon hat allerdings ergeben, dass die Herzfunktion durch die extreme Beanspruchung vorübergehend nachlassen kann.
Die intensive und langjährige Belastung durch das Training und die Ultramarathons selbst kann bei Laufsportlerinnen und -sportlern häufiger zu Vernarbungen des Herzmuskels, sogenannten Fibrosen, führen als bei Menschen, die keinen Sport treiben. Auch das Risiko einer Herzrhythmusstörung wie Vorhofflimmern ist bei hochtrainierten – männlichen – Ausdauersportlern nach mehrjährigem Training circa drei- bis fünfmal höher als bei Menschen, die körperlich kaum aktiv sind.
Ultramarathon: Welche Auswirkungen auf Atmung und Lunge sind möglich?
Beim Ultramarathon arbeitet das Atemsystem auf Hochtouren. Dies kann die Atemwege austrocknen, reizen und auch zu Entzündungen und Verengungen führen. In seltenen Fällen kann dies asthmaähnliche Symptome auslösen, in der Fachsprache: belastungsinduzierte Bronchokonstriktion.
Insgesamt besteht aber kein erhöhtes Risiko für chronisches Asthma im Vergleich zu Menschen, die keinen Ultramarathon laufen. Außerdem wurden bei einigen Läuferinnen und Läufern vorübergehende Ansammlungen von Flüssigkeit in der Lunge festgestellt. Langfristige Auswirkungen dieser Lungenödeme sind allerdings noch unklar.
Kann ein Ultramarathon die Nieren belasten?
Während eines Ultramarathons wird der Blutfluss zu den Nieren reduziert, da das Herz-Kreislauf-System die Muskeln bevorzugt versorgt. Vorübergehende Beeinträchtigungen der Nierenfunktion treten bei bis zu 45 Prozent der Laufenden auf, bleiben jedoch meist symptomlos.
Risikofaktoren wie Flüssigkeitsmangel, Schmerzmittel oder Laufen unter extremen Bedingungen wie Hitze oder hohe Luftfeuchtigkeit können die Belastung verstärken. Langfristige Folgen sind bislang allerdings unklar. Die Nierenfunktion normalisiert sich meist innerhalb weniger Tage wieder.
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Wie belastend ist ein Ultramarathon für Knochen und Gelenke?
Bei Ausdauersportarten wie dem Ultramarathon kommt es häufiger zu Überlastungsverletzungen, die vor allem die unteren Extremitäten wie Füße, Sprunggelenke und Knie betreffen. Zu den gängigen Beschwerden gehören Probleme mit den Sehnen, Bänderdehnungen und das sogenannte Läuferknie. Durch die übermäßige Belastung der Knochen kann es ebenfalls zu Stressfrakturen, auch Ermüdungsbrüche genannt, kommen.
Während moderates Laufen das Risiko für Hüft- und Kniearthrose senken kann, wird leistungsorientierter Langstreckenlauf mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für solche Erkrankungen in Verbindung gebracht. Kleinere Verletzungen am Bewegungsapparat heilen meist gut, können aber ohne Behandlung chronisch werden und längere Sportpausen erforderlich machen.
Wie wirkt ein Ultramarathon auf den Magen-Darm-Trakt?
50 bis 80 Prozent der Läuferinnen und Läufer leiden im Training oder im Wettkampf vor oder während eines Ultramarathons unter Magen-Darm-Problemen wie Durchfall, Übelkeit oder Erbrechen. Diese Beschwerden klingen jedoch in den meisten Fällen nach dem Ende der Belastung wieder ab.
Langfristig hat Ausdauersport in gemäßigtem Ausmaß eher vorteilhafte Effekte auf den Magen-Darm-Trakt, weil er das Darmmikrobiom positiv beeinflusst, die Immunreaktion verstärkt und das Risiko für Darmkrebs reduzieren kann.
Kann ein Ultramarathon das Immunsystem schwächen?
Insgesamt haben Sportlerinnen und Sportler zwar ein effizienteres Immunsystem als körperlich nicht aktive Menschen. Die intensive Belastung beim Training oder während eines Ultramarathons kann das Immunsystem allerdings vorübergehend schwächen, wodurch das Risiko für Infektionen steigt.
Dieser sogenannte „Open-Window-Effekt“ legt sich zwar nach wenigen Stunden wieder. Allerdings ist es möglich, dass Ausdauersportlerinnen und -sportler aufgrund des hohen Trainings- und Wettkampfumfangs anfälliger für akute Infektionen sind.
Wie wirkt sich die extreme Belastung durch den Ultramarathon auf das Gehirn aus?
Ultramarathons können kurzfristig zu einer deutlichen Abnahme des Gehirnvolumens führen. Das zeigt eine Beobachtungsstudie mit Teilnehmenden eines zweimonatigen Ausdauerlaufs. Wie bei der natürlichen Alterung kam es bei den Läuferinnen und Läufern zu einem Rückgang der Hirnsubstanz um bis zu 6,1 Prozent.
Anders als bei tatsächlich gealterten Gehirnen hatte sich dieser Effekt, der möglicherweise durch Elektrolytstörungen und Proteinverlust verursacht wird, acht Monate später jedoch ohne bleibende Schäden wieder normalisiert. Allerdings sind auch hier die Langzeitfolgen unklar.
Fazit: Ist es gesund, einen Ultramarathon zu laufen?
Für gesunde und gut trainierte Läuferinnen und Läufer stellt ein Ultramarathon zwar eine extreme körperliche Herausforderung dar, ist jedoch nicht mit bisher bekannten irreversiblen gesundheitlichen Folgen verbunden. In der Regel kann sich der Körper von den stressbedingten Veränderungen wieder regenerieren.
Allerdings bedeuten die extremen Belastungen durch einen Ultramarathon auch ein Risiko für Vorhofflimmern und Herzmuskelfibrosen und können zu Einschränkungen der Herzfunktion führen. Auch das Risiko für Hüft- und Kniearthrose ist erhöht.
Ausdauersportarten wie Laufen bieten generell viele gesundheitliche Vorteile und sind in der Regel auch sicher und mit Spaß in der Freizeit durchzuführen. Eine intensive, langfristige Belastung wie bei einem Ultramarathon erhöht jedoch die Verletzungsgefahr und das Risiko, nachhaltige gesundheitliche Probleme zu entwickeln. Weiterführende Studien stehen zu diesem Thema allerdings noch aus.
Die Inhalte unseres Magazins werden von Fachexpertinnen und Fachexperten überprüft und sind auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft.
Scheer V, Tiller NB, Doutreleau S, et al.: Potential Long-Term Health Problems Associated with Ultra-Endurance Running: A Narrative Review. Sports Med. 2022;52(4):725-740.
Burger, A.L., Wegberger, C., Tscharre, M. et al.: Impact of an Ultra-Endurance Marathon on Cardiac Function in Association with Cardiovascular Biomarkers. Sports Med - Open 10, 67 (2024).
García-Valiente I, Pradas F, Ortega-Zayas MÁ, Castellar-Otín C, García-Giménez A, Lecina M: Muscle, Neuromuscular, and Cardiac Damage in Trail Running: A Systematic Review. Muscles. 2026; 5(1):9.
Deutsches Ärzteblatt: Ultramarathon strapaziert Gehirn und Gelenke nur vorübergehend.








