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Die Darmflora: Aufbau und Funktion

Eine Frau formt mit ihren Händen ein Herz vor dem Bauch.

© iStock / PeopleImages

Lesezeit: 6 MinutenAktualisiert: 29.06.2021

Die Darmflora erfüllt verschiedene Funktionen für die Gesundheit. Gerät sie aus dem Gleichgewicht, kann es zu Beschwerden kommen. Mit einem gesunden Lebensstil und einer ausgewogenen Ernährung lässt sich die Darmflora beeinflussen.

Inhalte im Überblick

    Was ist die Darmflora?

    Die Darmflora wird von Medizinern als Darmmikrobiom oder Darmmikrobiota bezeichnet. Mit diesen Begriffen sind sämtliche Mikroorganismen (Mikrobiota) und deren genetische Information (Mikrobiom) gemeint, die im Darm, vor allem im Dickdarm, des Menschen vorkommen. Das sind vor allem Bakterien, aber auch Pilze und meist harmlose Viren.

    Es gibt schätzungsweise über 1.000 verschiedene Bakterienarten in der Darmflora. Dabei ist die Zusammensetzung der Bakterien im Darm bei jedem sehr individuell. Interessanterweise gibt es drei Bakteriengattungen, von denen in der Regel eine im Darm dominant ist. Dementsprechend lassen sich Menschen in drei Darmtypen unterteilen, Enterotypen genannt, abhängig davon, welche der Bakterienarten bei ihnen vorherrscht:

    • Bacteroides
    • Prevotella
    • Ruminococcus

    Welche Auswirkungen das genau auf die Gesundheit hat, muss noch erforscht werden.

    Das Darmmikrobiom entsteht in den ersten Lebensjahren eines Kindes, weswegen sich übertriebene Hygiene in dieser Lebensphase möglicherweise nachteilig auswirken kann. Die genaue Zusammensetzung der Bakterien kann sich jedoch, abhängig von den Lebensumständen, immer wieder verändern. Wichtige Faktoren sind:

    • Ernährung
    • Lebensstil (etwa Stress, Bewegung)
    • Krankheiten (beispielsweise Entzündungen)
    • Einnahme von Medikamenten

    Wie Kinder auf die Welt kommen, kann auch Einfluss auf die Entwicklung des Darmmikrobioms nehmen. So haben Babys, die über einen Kaiserschnitt auf die Welt gekommen sind, weniger von den normalen Bakterien in sich als Babys, die vaginal entbunden wurden. So wurden auch vermehrt Krankenhauskeime im Stuhl von Kaiserschnittbabys gefunden.

    Innerhalb der ersten Lebensmonate glichen sich die Mikrobiome jedoch größtenteils an, bis auf eine Spezies (Bacteroides), die bei über der Hälfte der mittels Kaiserschnitt geborenen Kinder noch immer kaum oder gar nicht vertreten war. Diese Spezies wird mit antientzündlichen Eigenschaften in Verbindung gebracht, aber langfristige Folgen für Kinder mit einer geringeren Darmbesiedlung sind noch nicht untersucht.

    Ob ein Kind gestillt wird oder nicht, hat einen Einfluss auf die Entwicklung der Darmflora. Gestillte Kinder zeigen einen größeren Anteil von Bifidobakterien. Für diese Bakterien wird ein schützender Effekt vor allergischen Erkrankungen wie beispielsweise Asthma vermutet.

    Welche Funktionen hat die Darmflora?

    Die Bakterien im Darm übernehmen sehr wichtige Aufgaben und haben deshalb auch Einfluss auf die Gesundheit. Unter anderem diese Bereiche sind von einer intakten Darmflora abhängig:

    Ein frischer Joghurt mit Obst steht auf dem Tisch – er ist gut für die Darmflora.
    Mit der Ernährung kann man die Darmflora stärken und auch schädigen

    © iStock / Eva-Katalin

    Was passiert, wenn die Darmflora gestört ist?

    Die Bedeutung einer intakten Darmflora für den Körper ist also groß. Entsprechend kann es Folgen haben, wenn die Zusammensetzung der Mikroorganismen aus dem Gleichgewicht gerät. Dennoch steckt die Forschung hier noch am Anfang, sodass die genauen Mechanismen noch nicht bekannt sind. Eine veränderte Darmflora, insbesondere eine geringere Vielfalt an Bakterien, konnte bereits in Zusammengang mit einigen Erkrankungen nachgewiesen werden, zum Beispiel:

    • Verdauungsprobleme wie etwa Blähungen, Verstopfungen oder Durchfall können im Rahmen eines Reizdarm-Syndroms auftreten. Hier wurde eine veränderte Darmflora bereits mehrfach beschrieben.
    • Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen ist die genaue Ursache unbekannt, aber es gibt vermehrt Hinweise, dass ein Ungleichgewicht der Darmbakterien dabei eine Rolle spielt.
    • Wie die Darmflora schon im Kindesalter zusammengesetzt ist, kann vermutlich das Risiko für Allergien beeinflussen.
    • Studien geben Hinweise darauf, dass es einen Zusammenhang zwischen Adipositas und der Zusammensetzung der Darmflora gibt. Ursache und Wirkung sind dabei noch nicht geklärt.
    • Auch bei einer Herzschwäche sieht die Darmflora anders aus laut einer Untersuchung des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Ob das eine Folge der Erkrankung oder eine mögliche Ursache ist, ist noch nicht bekannt.
    • Da die Mikroorganismen des Darms mit dem Immunsystem interagieren, wird auch von einem Zusammenhang einer gestörten Darmflora und Autoimmunerkrankungen wie etwa rheumatoider Arthritis ausgegangen. Allerdings sind diese Zusammenhänge sehr komplex und unterliegen vielen Faktoren, weshalb es noch kaum zuverlässige Studien gibt.

    Wie merkt man eine gestörte Darmflora bei der Verdauung?

    Eine kurzfristig gestörte Darmflora, zum Beispiel nach einer Antibiotikum-Einnahme, kann sich durch verschiedene Symptome bemerkbar machen. Am häufigsten treten Probleme im Verdauungstrakt auf, beispielsweise Durchfall, Verstopfungen, Blähungen, Bauchschmerzen, Krämpfe oder Übelkeit. Diese Beschwerden können natürlich zahlreiche Ursachen haben. Sollten sie sich nicht nach einigen Tagen bessern, ist ein Arztbesuch empfehlenswert, um abzuklären, was die Beschwerden auslöst.

    Welche Einflüsse greifen die Darmflora an?

    Eine ungesunde Lebensweise greift die Darmflora an. Stress und Bewegungsmangel können beispielsweise schädlich sein. Rauchen und zu viel Alkohol ändern ebenfalls die Bakterienzusammensetzung.

    Besonders problematisch sind ungesunde Nahrungsmittel. Ganz oben auf der Negativliste steht Fast Food, das in der Regel mit einer einseitigen, ballaststoffarmen Ernährungsweise und einem hohen Konsum von Zusatzstoffen wie Konservierungsmitteln verbunden ist. Wenn die verzehrten Lebensmittel überwiegend aus Fett, Eiweiß und Haushaltszucker bestehen, kann das die Darmmikrobiota ebenfalls beeinträchtigen.

    Wenn die Darmflora kurzfristig erheblich gestört ist, liegt häufig eine andere Ursache vor, nämlich die Einnahme von Medikamenten. An erster Stelle sind hier Antibiotika zu nennen, die nicht nur die krankmachenden Bakterien töten, sondern auch die „guten Bakterien“ angreifen. Weitere Medikamente haben wahrscheinlich ebenfalls Auswirkungen:

    • Magensäureblocker,
    • bestimmte Beruhigungsmittel (Benzodiazepine),
    • Antihistaminika,
    • manche Abführmittel,
    • weibliche Hormone, etwa über die Antibaby-Pille können die Zusammensetzung der Bakterien verändern.

    Was ist gut für die Darmflora?

    Was also braucht die Darmflora, um gut zu funktionieren? Neben einem möglichst gesunden Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung und ohne übermäßigen Stress steht die Ernährung im Fokus. Vor allem die Art und Menge der Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette wirkt sich auf die Darmbakterien aus. Denn einfache Kohlenhydrate wie Haushaltszucker oder Brot aus weißem Mehl werden bereits im oberen Gastrointestinaltrakt verstoffwechselt und kommen kaum im Dickdarm an. Sie dienen den Darmbakterien also nicht zur Versorgung.

    Anders sieht das mit komplexen Kohlenhydraten aus, die zum Beispiel in Vollkornbrot stecken. Auch sekundäre Pflanzenstoff, die etwa in Obst und Gemüse enthalten sind, und ballaststoffreiche Lebensmittel sind gut für die Darmgesundheit. Weiterhin können fermentierte Milchprodukte, wie Joghurt oder Buttermilch, eventuell einen positiven Einfluss haben. In ihnen stecken teilweise lebende Bakterienkulturen, die sogenannten Probiotika, die für die Darmflora gut sind.

    Wichtig sind außerdem die sogenannten Präbiotika, etwa Inulin. Dabei handelt es sich um Inhaltsstoffe, die den probiotischen Bakterien als Nahrung dienen. Probiotischen Milchprodukten werden zum Teil präbiotische Inhaltsstoffe künstlich zugesetzt – das soll eine optimale Zusammensetzung der Darmflora unterstützen. Natürlicherweise kommt Inulin beispielsweise auch in Lauch, Spargel, Sojabohnen oder Chicorée vor.

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