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Stress: So krank kann er machen

Eine Frau sitzt erschöpft am Arbeitstisch
Lesezeit: 5 MinutenAktualisiert: 01.07.2020

Stress entsteht meist durch zu große Anforderungen in Beruf und Familie und überhöhte Ansprüche der Betroffenen an sich selbst. Gelegentlicher Stress ist normal. Eine dauerhafte Überbelastung mindert aber die Lebensqualität und kann sogar krank machen.

Inhalte im Überblick

    Die moderne, digitalisierte Welt lässt ein Leben ohne Stress nicht zu. Täglich ist man von einem nie abreißenden Strom von Informationen und Reizen umgeben. Das allein würde schon genügen, um die innere Ruhe und Ausgeglichenheit empfindlich zu stören. Hinzu kommen sich stetig steigernde Anforderungen im Beruf, Termindruck und Konflikte in der Familie und am Arbeitsplatz. Wird der Alltag jedoch zur Belastung, weil der Stress dauerhaft bestehen bleibt, können Körper und Geist schnell in Mitleidenschaft geraten. 

    Was ist Stress?

    Hinter dem Phänomen Stress steht zunächst ein harmloser, aber lebensnotwendiger Mechanismus, den das Gehirn auslöst und der den Körper für eine Bedrohung wappnet. Er stellt den Körper auf Kampf oder Flucht ein. Was früher überlebenswichtig war, kommt Ihnen heute in herausfordernden Situationen zugute. Die Stressreize lassen innerhalb kürzester Zeit im Blut Stresshormone, wie Cortisol und Adrenalin, ansteigen. Sobald die Situation vorbei ist, lässt die Anspannung und Aufregung nach. Es folgt eine Phase der Erholung und des Ausgleichs.

    Zwar belastet eine gelegentliche Stressreaktion den Körper kurzfristig. Gleichzeitig aber erhöht sie die Aufmerksamkeit und schärft die Sinne, die einen zu Höchstleistungen auflaufen lässt. Die Stressreaktion steigert nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern setzt auch Glückshormone frei und stärkt das Selbstvertrauen. In diesen Situationen wird der Stress als stärkend empfunden. Daher ist hierbei oft von Eustress, dem positiven Stress, die Rede. 

    Das Gegenteil von Eustress ist Distress, der negative Stress. Er ist langanhaltend und chronisch und wirkt sich dadurch auf die psychische und körperliche Gesundheit aus. Bei Dauerstress bleibt der Körper in Alarmbereitschaft – das heißt im Fluchtmodus. Die Stresshormone im Blut und der Blutdruck sinken nicht mehr auf Normalniveau. 

    Stress: Die häufigsten Ursachen

    Stress entsteht dann, wenn ein äußerer oder innerer Reiz als unangenehm empfunden wird. Was einem Stress bereitet, hängt nicht nur von der Qualität des Reizes ab, sondern auch von der individuellen Bewertung eben dieses Reizes sowie von persönlichen Einstellungen ab. 

    Stress und seine Ursachen sind somit etwas höchst Subjektives: Bei dem einen schnellt der Stresspegel in die Höhe, wenn er zehn Minuten im Stau steht, während ein anderer gleichmütig darauf reagiert. Zudem können innere Reize, wie Sorgen und Ängste, genauso emotionalen und psychischen Stress auslösen, wie Termindruck auf der Arbeit.   

    Auch wenn jeder Mensch ein anderes Stressempfinden hat, lassen sich Stressfaktoren (Stressoren) ausmachen, die ein Großteil der Menschen als belastend empfinden und typischerweise zu negativem Stress führen:

    • Konflikte (am Arbeitsplatz, in der Partnerschaft oder der Familie)
    • Überlastung oder Doppelbelastung durch Familie und Beruf
    • Termindruck
    • Kritische Lebensereignisse, wie Trennung, Arbeitsplatzverlust, schwere Krankheit oder der Tod einer nahestehenden Person
    • Wenig Freizeit und fehlender Ausgleich zur Arbeit
    • Schwierigkeiten damit, abzuschalten, wegen Dauererreichbarkeit
    • Reizüberflutung
    • Hohe (Leistungs-)ansprüche an sich selbst
    • Sorgen und Ängste

    Stresssymptome: Der Körper in ständiger Alarmbereitschaft

    Chronischer Stress macht sich durch eine Reihe von Symptomen bemerkbar, die sich sowohl körperlich als auch psychisch manifestieren können. Grund dafür sind die Stresshormone, die auf verschiedene Stoffwechselprozesse im Körper einwirken. 

    So nimmt etwa bei Stress die Verdauungstätigkeit ab, um Energie für die Arbeit der Muskulatur zu sparen. Der Atem wird flacher, wodurch das Gehirn mit weniger Sauerstoff versorgt wird und die Gedächtnisleistung abnimmt. Sogar die Körperhaltung verändert sich durch Dauerstress: Man nimmt eine Kampfhaltung ein, sodass sich Schulter-, Nacken- und Rückenmuskulatur anspannen. Nicht zuletzt schwächt chronischer Stress das Immunsystem, weil Stresshormone die Abwehrzellen blockieren.

    Die typischen Stresssymptome im Überblick:

    • Innere Unruhe und Nervosität
    • Schlafstörungen (Probleme beim Ein- und Durchschlafen)
    • Reizbarkeit, ein schwaches „Nervenkostüm“
    • Konzentrationsschwierigkeiten und Vergesslichkeit
    • Antriebslosigkeit, Erschöpfung und verminderte Leistungsfähigkeit
    • Verspannungen, besonders an Nacken und Schultern
    • Erhöhter Puls
    • Kopf- und Rückenschmerzen
    • Magen-Darm-Beschwerden
    • Verminderte Libido und Erektionsstörungen
    • Höhere Infektanfälligkeit

    Eine Frau telefoniert an ihrem Arbeitstisch und massiert dabei erschöpft ihren Nacken
    Übermäßiger Stress kann langfristig zu körperlichen Beschwerden führen, zum Beispiel Kopf- und Rückenschmerzen.© iStock: PeopleIimages

    Diese Krankheiten können durch Stress entstehen

    Oft erkennen Betroffene den Zusammenhang zwischen ihrer körperlichen und psychischen Verfassung und ihrer Dauerüberlastung nicht. Magen-Darm-Beschwerden führen sie darauf zurück, dass sie etwas Schlechtes gegessen haben und ihre leichte Reizbarkeit erklären sie sich mit dem vermeintlichen Fehlverhalten ihrer Mitmenschen. Ein Umdenken setzt erst ein, wenn der Stresspegel zu starken Einbußen führt, man eine Erkältung nach der anderen hat oder die Antriebslosigkeit einem nicht mehr aus dem Bett aufstehen lässt. Ergreifen Betroffene jedoch nicht frühzeitig Gegenmaßnahmen zum Stressabbau, kann das ernsthafte Erkrankungen zur Folge haben:

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    Mädchen streckt ihren rechten Arm in die Höhe.
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    Schlaf
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    Stress