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Wann ist ein Kaiserschnitt die beste Wahl?

Eine schwangere Frau beim Ultraschall.

© Bezugsquelle: iStockphoto.com Urheber*In: SDI Productions Bild-ID: 637270058

Lesezeit: 6 MinutenAktualisiert: 18.11.2020

Eine Schwangerschaft kann Komplikationen mit sich bringen. Um im Ernstfall Mutter und Kind zu retten, kann ein Kaiserschnitt notwendig sein. Hebamme Prof. Dr. Mechthild Groß beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die Geburtsform.

Inhalte im Überblick

    Aufklärung ist vor der Geburt essenziell

    Dem eigenen Kind den besten Start in das Leben zu ermöglichen – das ist wohl der größte Wunsch werdender Eltern. Doch die Fragen rund um die Geburt verunsichern sie häufig. Deshalb kommt der verstärkten Aufklärung und Beratung der Eltern in Bezug auf die Geburt eine große Bedeutung zu.

    Wann geht es los? Wie lange wird es dauern? Eine Geburt ist nicht wirklich planbar. Und auch die Angst vor Schmerzen gehört dazu.

    Professor Mechthild Groß, Leiterin der Lehr- und Forschungseinheit Hebammenwissenschaft an der Medizinischen Hochschule Hannover, kennt aus ihrem Berufsalltag die Sorgen und Bedürfnisse von Frauen nur zu gut. Eine optimale Vorbereitung der Eltern ist ihr wichtig. Die Hebamme hat deshalb mit der AOK über die Vor- und Nachteile der beiden Geburtsformen – Spontangeburt und Kaiserschnitt –gesprochen.

    Eine schwangere Frau bei der Besprechung mit Ihrem Arzt.

    © iStock/Blue Planet Studio

    Frau Professor Groß, sollte eine Spontangeburt tatsächlich immer bevorzugt werden?

    Die aktuelle Studienlage weist darauf hin, dass die Spontangeburt beziehungsweise die vaginale Geburt für Mutter, Kind und weitere Schwangerschaften vorteilhafter ist. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen bei nachfolgenden Schwangerschaften niedriger.

    Zum Beispiel besteht ein unterschiedlicher Einfluss auf die sogenannte Mikrobiom-Besiedlung. Denn bei der vaginalen Geburt werden durch den Kontakt mit der Scheidenflora nützliche Bakterien übertragen, etwa auf die Haut des Kindes. Fehlt das, wie beim Kaiserschnitt, kann beispielsweise die Entstehung von Neurodermitis begünstigt werden. 

    Daneben entfällt auch der Aspekt des gesunden Geburtsstresses. Denn der Weg durch den engen Geburtskanal führt dazu, dass das Fruchtwasser aus den Lungen des Säuglings gepresst wird. Die gleichzeitige Ausschüttung von Hormonen trägt zur Vorbereitung der Lungenatmung bei.

    Die Natur hat sich also durchaus etwas dabei gedacht, warum Kinder auf diese Weise auf die Welt kommen.

    Unter welchen Umständen ist trotzdem ein Kaiserschnitt ratsam?

    Ein Kaiserschnitt ist dann angebracht, wenn ein Kind zum Beispiel quer im Mutterleib liegt, die Gebärmutter zu reißen droht, der Mutterkuchen den normalen Geburtsweg verschließt oder sich Anzeichen zeigen, dass der Mutterkuchen sich vorzeitig ablöst.

    Weitere Gründe können eine Infektion der Fruchthöhle, Krampfanfälle infolge von Schwangerschafts-Bluthochdruck oder eine Unterversorgung des Kindes mit Sauerstoff sein. Aber es gibt auch Grauzonen, in denen individuell entschieden werden muss, was das Richtige für Mutter und Kind ist. Hier gibt es erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Kliniken.

    „Eine Spontangeburt ist für Frauen meist ein besonders emotionales Erlebnis.“

    Prof. Dr. Mechthild Groß
    Hebamme

    Kann man denn nach einem Kaiserschnitt ein weiteres Kind spontan gebären?

    Die Risiken bei einer vaginalen Geburt nach einem vorangegangenen Kaiserschnitt sind vergleichbar mit denen für Frauen, die das erste Mal ein Kind gebären. Die Risiken für das Kind sind sehr geringfügig erhöht. Also ist eine Spontangeburt in jedem Fall empfehlenswert.

    Bei einem unauffälligen Verlauf der Schwangerschaft kann man sogar auch nach zwei Kaiserschnitten eine vaginale Geburt durchführen. In diesem Fall ist es durchaus sinnvoll, nach einer spezialisierten Klinik in Wohnortnähe zu suchen. Viele Frauen empfinden es als ein großes Glück, eine Spontangeburt erleben zu dürfen.

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