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Gut vorbereitet: Welche Verhütungsmethode passt zu meinem Alter?

Kondome liegen auf einem Bett, Füße schauen unter einer Bettdecke hervor.
Lesezeit: 4 MinutenAktualisiert: 31.07.2020

Viele Frauen verhüten zunächst mit der Anti-Baby-Pille und wechseln im Laufe ihres Lebens zu anderen Methoden. Das ist sinnvoll, denn je nach Alter haben verschiedene Verhütungsmittel unterschiedliche Vor- und Nachteile.

Inhalte im Überblick

    Ab wann sollten Frauen verhüten?

    Grundsätzlich gilt, dass ein Mädchen fruchtbar ist und schwanger werden kann, sobald es seine erste Menstruation hat. Es kann aber auch schon ein Ei heranreifen, bevor die erste Periode kommt. Doch spätestens mit Einsetzen der Periode sollten sich junge Frauen und Mädchen die Frage nach der richtigen Verhütungsmethode stellen. 

    Die Pille: Das beliebteste Verhütungsmittel von Anfang an

    Nach einer Erstuntersuchung beim Gynäkologen wird häufig ein Kombinationspräparat verschrieben. Das als „Pille“ bekannte Verhütungsmittel ist neben dem Kondom am weitesten verbreitet. 47 Prozent der sexuell aktiven Frauen in Deutschland verhüten damit. Ein Kombinationspräparat enthält sowohl Östrogen als auch Gestagen. Die beiden Hormone sorgen dafür, dass kein Ei heranreift und die Gebärmutterschleimhaut nur wenig aufgebaut wird. 

    Die Pille geht mit einem erhöhten Thrombose-Risiko einher und wird besonders häufig bei jungen Frauen in der Pubertät verschrieben. Denn es gibt die Annahme, daß sie das Hautbild verbessern, Menstruationsschmerzen mindern und sich positiv auf das Prämenstruelle Syndrom (PMS) auswirken. Diese Vorteile sind nur begrenzt wissenschaftlich gesichert. In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen geht der Trend zur Pille aber zurück. Auch wenn 2018 noch immer 56 Prozent dieser Gruppe zur Pille als Verhütungsmittel griffen, sind das 16 Prozent weniger als noch 2011. 

    Doch Vorsicht, Pille ist nicht gleich Pille. In mehreren Studien wurde gezeigt, dass Pillen der dritten und vierten Generation ein höheres Risiko für Thrombose tragen, als die länger bekannten Pillen. Dieses Risiko wird vermutlich durch die neueren Gestagene ausgelöst. Wenn Sie sich unsicher sind, ob ihre Pille unter dem Verdacht steht ein erhöhtes Risiko auszulösen besprechen Sie sich mit ihrem Arzt oder Apotheker. Ein sofortiges Absetzen ist auf keinen Fall zu empfehlen.

    Junge Frauen unter 14 Jahren benötigen das Einverständnis von mindestens einem Elternteil, um hormonell verhüten zu dürfen. 

    Die Zuverlässigkeit einer Verhütungsmethode wird über den Pearl-Index gemessen. Der Wert gibt an, wie viele von 100 Frauen mit der Methode durchschnittlich innerhalb eines Jahres schwanger werden. Bei der Pille liegt er bei 0,1 bis 0,9, das bedeutet: Wenn 1000 Frauen mit der Pille ein Jahr verhüten, werden von diesen in dem Jahr eine bis neun schwanger.

    Spirale, Hormonimplantat, Verhütungsring: Was passt am besten zu mir?

    Inzwischen gibt es zahlreiche Alternativen zur Pille. Wenn Sie die Pille öfter vergessen oder befürchten, dass ihre Hormone den Körper belasten, bietet sich ein Verhütungsring an. Dieser setzt ebenfalls sowohl Östrogen als auch Gestagen frei, liegt aber nah an der Gebärmutter. Es besteht die Vorstellung, dass die Hormone nicht den Weg durch den ganzen Körper nehmen. Allerdings ist das systemische Risiko einer Thrombose mindestens genauso groß wie bei der Pille. Der Ring bleibt drei Wochen eingesetzt. Er kostet etwa 25 Euro im Monat, und sein Pearl-Index liegt bei 0,65. Besonders gut eignet sich der Vaginalring für Frauen, die flexibel in ihrer Familienplanung bleiben wollen.

    Östrogen erhöht das Risiko für Thrombosen, insbesondere bei Raucherinnen, Übergewicht, familiärer Gerinnungsneigung und mit zunehmendem Alter der Frau. Wer auf Östrogene verzichten möchte, den Kinderwunsch noch in weiter Ferne sieht und nicht jeden Tag an Verhütungsmittel denken will, für den eignet sich ein sogenanntes Hormonimplantat. Dabei handelt es sich um ein vier Zentimeter langes, dünnes Stäbchen, das in den Oberarm eingesetzt wird. Es setzt nur das Hormon Gestagen frei, das den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und den Eisprung verhindert. Das Gestagen wird kontinuierlich in den Blutkreislauf abgegeben. Nach drei Jahren sollte das Stäbchen entfernt oder ersetzt werden. Die Kosten dafür liegen bei 300 Euro, der Pearl-Index beträgt 0 bis 0,8. Wer sich nicht für drei Jahre festlegen möchte, kann Gestagen auch über eine Hormonspritze anwenden. Die Wirkung der Spritze hält etwa drei Monate an. Die Hoffnung, dass unter den reinen Gestagenpräparaten weniger Thrombosen auftreten hat sich anscheinend nicht bestätigt. Insbesondere beim Vorliegen von weiteren Risikofaktoren sollten Sie sich ausführlich durch ihren Arzt beraten lassen. 

    Liegt die Kinderplanung noch in weiter Ferne oder ist vorerst abgeschlossen, bietet sich die Spirale an. Die Hormonspirale wird in die Gebärmutter eingesetzt und gibt örtlich Gestagen frei. Die Kosten belaufen sich auf 250 bis 400 Euro. Dafür bleibt die Spirale bis zu fünf Jahre wirksam, muss aber alle sechs Monate kontrolliert werden. Der Pearl-Index liegt bei 0,9 bis 3.

    Verschiedene Verhütungsmethoden
    Die Verhütungsmethode kann individuell an den Lebensabschnitt angepasst werden.© iStock: Areeya_ann

    Verhütung ab 40: Was ist jetzt sinnvoll?

    20 Prozent der 40- bis 49-Jährigen greifen zur Spirale als Verhütungsmethode – Tendenz steigend. Die Methode ist besonders sinnvoll, wenn die Familienplanung noch nicht endgültig abgeschlossen ist. Die klassische Pille sollte in diesem Alter möglichst nicht mehr zum Einsatz kommen. Denn durch das in ihr enthaltene Östrogen wird das Thrombose-Risiko vor allem bei Frauen ab Ende 30 stark erhöht. Alternativ bietet sich die Minipille an. Diese enthält nur Gestagen. Auch stillende Frauen können sie einnehmen. Eine Besonderheit der Minipille ist, dass Verhütung mit ihr nur sicher ist, wenn sie streng nach Zeitplan, jeden Tag zur gleichen Uhrzeit, eingenommen wird. Wird die Minipille mit dem Wirkstoff Levonorgestrel verwendet, darf die Anwendung höchstens bis zu drei Stunden verzögert werden. Bei dem neueren Wirkstoff Desogestrel sind es bis zu zwölf Stunden, die noch als sicher gelten. Wenn die Minipille nicht in diesem Zeitfenster eingenommen wurde, ist die Verhütung nicht mehr sicher und man muss für die nächsten sieben Tage mit Kondom oder Diaphragma verhüten.

    Mit Einsetzen der Wechseljahre vermindert sich die Bildung von Eizellen zwar rasant, trotzdem ist eine Befruchtung noch möglich. Es sollte also auch während der Wechseljahre, die mitunter zehn Jahre dauern können, verhütet werden. Spätestens mit 50 sollten hormonelle Verhütungsmittel jedoch durch andere Methoden ersetzt werden. 

    Ganz natürlich: Wann eignet sich eine hormonfreie Verhütung?

    Wer auf künstliche Hormone bei der Verhütung verzichten möchte, kann auch natürliche Verhütungsmethoden ausprobieren. Die gängigste ist die Basaltemperaturmessung, die auch mit der Kalendermethode kombiniert werden kann. Dabei wird täglich vor dem Aufstehen an der gleichen Körperstelle (oral, rektal oder vaginal) die Temperatur gemessen. Am tiefsten Temperaturpunkt findet der Eisprung statt. Der Pearl-Index liegt bei 0,8 bis 3, bei der Kalendermethode bei 9, wenn in der unsicheren Zeit ca. 14 Tage pro Zyklus auf Eindringen von Spermien in die Vagina verzichtet wird, also in der Hälfte der Zeit. Wird in dieser Zeit mit Kondomen oder Diaphragma verhütet, steigt das Risiko schwanger zu werden auf den Pearl-Index von 2 – 5. 

    Für eine möglichst große Zuverlässigkeit sollte der Zyklus regelmäßig sein. Das ist jedoch weder während der Pubertät noch in den Wechseljahren der Fall. Diese natürliche Methode bietet sich also eher für Frauen zwischen 20 Jahren und Ende 30 an. Erkrankungen, Schlafstörungen, Stress, Alkohol und Drogen können den Zyklus ebenfalls beeinflussen und die Methoden unsicherer machen. 

    Sprechen Sie Ihre Wünsche bei der Verhütung mit Ihrer Gynäkologin oder Ihrem Gynäkologen ab.

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