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Sex nach der Geburt: Was ist wann erlaubt?

Eine junge Familie mit Baby liegt auf dem Bett, die Füße Richtung Kamera gestreckt.

© iStock / supersizer

Lesezeit: 5 Minuten06.01.2022

Sex? Das steht für viele Frauen in den ersten Wochen nach der Geburt ihres Kindes gar nicht zur Debatte. Für andere aber schon. Wann frischgebackene Eltern wieder Geschlechtsverkehr haben können und wie die Lust auf Sex zurückkommt.

Inhalte im Überblick

    Sex nach der Entbindung: Wann geht das wieder?

    Viele Mütter sind von der neuen Aufgabe völlig eingenommen. Sie erleben die Zeit mit dem Baby als so intensiv, dass sie häufig kein Bedürfnis nach sexuellem Vergnügen haben.

    Sie fühlen sich eher müde und lustlos? Dann sollten Sie entspannt abwarten, da sich das Interesse an Sexualität in der Regel von selbst wieder einstellt. Bei manchen Müttern geht das sehr schnell, dann stellt sich die Frage, ob Sex kurz nach der Geburt überhaupt schon erlaubt ist.

    Frauenärzte raten, zumindest mit ungeschütztem vaginalem Geschlechtsverkehr zu warten, bis der Wochenfluss versiegt ist. Bei dem Wochenfluss (Lochien) handelt es sich um eine Art nicht enden wollender Periode. Er sieht zuerst stark rot aus, dann bräunlich bis gelblich. Insgesamt hält er etwa vier bis sechs Wochen an. In dieser Zeit heilt normalerweise auch die Wunde in der Gebärmutter, die durch die Ablösung der Plazenta entstanden ist. Bis dahin ist die Gebärmutter aber sehr anfällig für Infektionen. Ein Kondom schützt den weiblichen Unterleib vor Infektionen. Für Männer ist der Wochenfluss übrigens weder gefährlich noch infektiös.

    Warum darf man nach der Geburt keinen Sex haben?

    Es gibt allerdings Situationen, in denen Frauen nach der Geburt auf Sex oder zumindest auf Geschlechtsverkehr verzichten sollten:

    • Auf keinen Fall sollte der Sex nach der Geburt Schmerzen bereiten. Das ist ein Zeichen dafür, dass der Körper noch Ruhe braucht.
    • Auch nach einer Operation sollten Frauen warten. Ein Kaiserschnitt verursacht eine tiefe Wunde. Nicht nur die obere Hautschicht, sondern Muskeln, Bindegewebe und Gebärmutter werden durch den Schnitt geöffnet. Damit alles gut verheilen kann, braucht der Körper mindestens drei Wochen Zeit, häufig aber auch länger. Heftige Bewegungen können die Narbe wieder aufreißen lassen.
    • Dasselbe gilt für einen Dammriss, der mit einer Naht geschlossen wurde. Auch Schwellungen im Dammbereich können ein Grund sein, nach der Geburt mit dem Sex zu warten.

    Das gilt allerdings nur für den Geschlechtsverkehr. Petting ist natürlich erlaubt, wenn beide Partner Lust verspüren.

    Wie hat sich der Körper nach der Geburt verändert?

    Nach der Geburt ist alles anders – äußerlich wie innerlich. Der Körper ist buchstäblich über sich hinausgewachsen. Junge Mütter hadern oftmals mit dem „Afterbabybody“ und nehmen ihren Körper als schlaff und unförmig war: Die Brüste sind größer und berührungsempfindlich, die Haut am Bauch ist gewellt und vielleicht auch mit Schwangerschaftsstreifen überzogen.

    Viele Frauen fühlen sich nach der Geburt alles andere als attraktiv, was ihnen die Lust am Sex nehmen kann. Dabei sind junge Mütter oft viel zu hart mit sich selbst und vergessen, was ihr Körper in den vergangenen neun Monaten Unglaubliches geleistet hat.

    Wie wirkt sich die Hormonumstellung auf das Sexualverhalten aus?

    Nach der Geburt sinkt der Östrogenspiegel. Beim Stillen wird das Bindungs- und Kuschelhormon Oxytocin ausgeschüttet, dasselbe Hormon, das in hoher Konzentration auch beim weiblichen Orgasmus mitmischt. Die Folge für viele Frauen: Zärtlichkeit und Schmusen sind okay, Sex kann warten.

    Lustkiller-Hormon Nummer zwei ist Prolaktin, das für die Milchbildung zuständig ist. Es hemmt das sexuelle Verlangen. Das hat die Natur so eingerichtet, damit stillende Mütter sich ganz auf ihr Kind konzentrieren können.

    Es ist also hormonell bedingt, dass die meisten Mütter direkt nach der Geburt wenig Interesse an Sex haben.

    Ist die Scheide nach der Geburt anders?

    Der Beckenboden, der durch mehrere Schichten aus Muskulatur und Bändern aufgebaut ist, wird durch eine Schwangerschaft gedehnt und belastet, bei einer natürlichen Geburt wird der Beckenboden zusätzlich durch den Durchtritt des Kindes gedehnt. Die Rückbildung nach der Geburt benötigt Zeit. Viele Frauen erfahren erst während der Schwangerschaft von diesen verborgenen Muskelschichten im Unterleib, die das Gewicht von Baby und Fruchtwasser tragen.

    Nach der Entbindung empfinden viele junge Mütter die Scheide im Vergleich zu früher als „weiter“. Wenn die Muskulatur, Bänder und Sehnen der Beckenregion wieder fester werden, stellt sich das ursprüngliche Körpergefühl wieder ein. Somit beugt Rückbildungsgymnastik nicht nur Inkontinenz vor. Sie verschafft Frau und Mann durch Straffung des Beckenbodens auch intensivere Empfindungen beim Sex nach der Geburt.

    Gleitgel beim Sex nach der Geburt

    Beim Sex macht sich aber vor allem eine Veränderung nach der Geburt unangenehm bemerkbar: Die Scheidenschleimhaut ist trocken, eine Folge des niedrigen Östrogenspiegels. Damit der Sex nach der Geburt keine Schmerzen verursacht, gibt es eine einfache Lösung: Gleitgel.

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    Kann man in den sechs Wochen nach der Geburt schwanger werden?

    Kondome sind für den Sex nach der Geburt aus zwei Gründen eine gute Lösung. Sie verringern nicht nur das Risiko für Infektionen, sondern sind auch eine gute Lösung zur Verhütung. Denn dass Stillen eine zuverlässige Verhütungsmethode sei, ist ein Mythos. Verhütung wird mit dem ersten Sex nach der Geburt notwendig. Über die verschiedenen Methoden können Sie mit Ihrem Frauenarzt oder der Ärztin während der gynäkologischen Nachsorge sprechen. In der Stillzeit dürfen einige hormonelle Verhütungsmittel nicht verwendet werden.

    Wann die erste Periode nach der Geburt einsetzt, hängt wesentlich vom Stillen ab. Stillt eine Mutter ihr Baby voll, legt sie also ihren Säugling regelmäßig alle vier Stunden an, auch nachts, produziert der Körper in hohem Maß milchbildendes Prolaktin. Es hemmt die Reifung der Eizellen, ein Eisprung findet nicht statt, und die erste Blutung lässt auf sich warten. In den ersten sechs Wochen nach der Geburt sind stillende Frauen deshalb weniger fruchtbar.

    Doch schon kleine Verzögerungen im Stillrhythmus senken den Prolaktin-Spiegel, die Eierstöcke nehmen ihre eigentliche Funktion wieder auf und eine Blutung ist wieder möglich – genauso wie eine Schwangerschaft. Ganz normal ist der Zyklus aber erst nach dem Abstillen.

    Die Fruchtbarkeit ist also direkt nach der Geburt herabgesetzt. Doch das macht die Verhütung keineswegs überflüssig. Frauen, die nicht stillen, können schon etwa sechs Wochen nach der Geburt damit rechnen, dass der Zyklus wieder einsetzt.

    Sie sind nicht allein. In den AOK-Foren können Sie sich anonym mit Experten und anderen Eltern über Sorgen austauschen und Antworten auf Ihre Fragen bekommen. 

    Wie kann Sex nach der Geburt wieder Spaß machen?

    Keine Lust auf Sex? Nach der Geburt ist das völlig normal. Windeln, Stilleinlagen oder Feuchttücher stehen nicht gerade für prickelnde Erotik. Väter oder auch weibliche Partnerinnen sind womöglich anfangs auch von der körperlichen Nähe zwischen Mutter und Kind irritiert und fühlen sich ausgeschlossen.

    Nehmen Sie darum Rücksicht aufeinander. Ob beide wieder Lust auf Sex haben, wie Sie zu den körperlichen Veränderungen stehen, welche Wünsche und Bedürfnisse der andere hat – darüber sollten Sie miteinander sprechen, am besten ohne Vorwürfe oder Druck.

    Manche Paare verabreden sich, um gemeinsam Zeit zu verbringen und sich wieder als Paar anzunähern, zum Beispiel bei einem gemeinsamen Filmabend oder einer Massage. Scheuen Sie auch nicht davor zurück, Neues auszuprobieren, wie zum Beispiel Sexspielzeug, mit dem Sie sich selbst und den Partner oder die Partnerin ganz neu entdecken können.

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