Schwangerschaft
Himbeerblättertee in der Schwangerschaft: Mythos oder Medizin?
Veröffentlicht am:24.04.2026
6 Minuten Lesedauer
Kaum ein Tee wird in der Schwangerschaft so oft empfohlen wie Himbeerblättertee. Ihm werden zahlreiche Wirkungen zugeschrieben, wissenschaftlich belegt ist jedoch wenig. Darum ist die Dosierung für Schwangere nicht ohne Risiko.

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Inhalte im Überblick
Was ist Himbeerblättertee?
Himbeerblättertee wird aus den getrockneten Blättern der roten Himbeere (Rubus idaeus) hergestellt. Die Pflanze gehört zur Familie der Rosengewächse und wird vor allem in Asien, Europa und Nordamerika kultiviert.
Die Blätter enthalten Mineralstoffe, Vitamine sowie bioaktive Pflanzenstoffe, insbesondere Polyphenole, etwa Flavonoide und Gerbstoffe, die für ihre antioxidativen Eigenschaften bekannt sind.
Traditionell werden Himbeerblätter als pflanzliches Getränk genutzt, häufig auch als Nahrungsergänzung. Ihre Anwendung beruht vor allem auf Erfahrungswissen.
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Wie verbreitet ist Himbeerblättertee in der Schwangerschaft?
Pflanzliche Präparate werden Schätzungen zufolge weltweit von etwa der Hälfte aller werdenden Mütter genutzt. Das gestiegene Gesundheitsbewusstsein sorgt dafür, dass viele Frauen zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung auf Kräuter, etwa in Form von Himbeerblättertee, aufmerksam werden.
Hebammen vertrauen seit Jahrhunderten auf Kräuter, um werdende Mütter zu begleiten. Ein Klassiker sind rote Himbeerblätter zu Tee, Tinktur oder Tabletten verarbeitet. Studien aus verschiedenen Ländern zeigen, dass bis zu 56 Prozent der Teilnehmenden Himbeerblätter als Mittel in der Schwangerschaft kennen.
Trotz der Beliebtheit ist die wissenschaftliche Datenlage dünn. Wirkmechanismen, Wirksamkeit und mögliche Nebenwirkungen sind kaum erforscht.
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Welche Wirkung soll Himbeerblättertee in der Schwangerschaft haben?
Ein Aufguss aus Himbeerblättern gilt traditionell als „Schwangerschaftstee“. Zunächst soll Himbeerblättertee helfen, morgendliche Übelkeit zu lindern. Außerdem wird ihm nachgesagt, dass er dazu beitragen kann, Fehlgeburten und Terminüberschreitungen bei Schwangerschaften zu verhindern.
Bereits in der Vergangenheit wurde das Himbeerblatt genutzt, um die Gebärmutter zu stärken und zu straffen, das Zusammenziehen der Gebärmutter zu unterstützen sowie Blutungen zu kontrollieren. Die Stärkung des Muskeltonus kann Frauen helfen, Eingriffe während der Geburt zu vermeiden, etwa die Einleitung der Wehen.
Zudem wird angenommen, dass Himbeerblätter den Muttermund sanft reifen lassen und wehenbedingte Schmerzen abmildern können. Kurzum: Himbeerblättertee soll den Körper vor allem auf die Geburt vorbereiten. Viele Frauen trinken ihn deshalb hauptsächlich in den letzten Schwangerschaftswochen.
Welche Wirkung des Himbeerblättertees ist bewiesen, welche nicht?
Studien, die sich mit der Wirkung von Himbeerblättertee beschäftigen, kommen zum jetzigen Zeitpunkt alle zum selben Schluss: Die Beweise sind insgesamt sehr schwach. Das bedeutet, dass es bisher keine eindeutigen Belege dafür gibt, dass der pflanzliche Tee wirkt.
Eine Beobachtungsstudie an 91 Schwangeren (44 Frauen mit Himbeerblatt-Konsum, 47 ohne) zeigte, dass Frauen mit Himbeerblättern weniger Weheneinleitungen und mehr vaginale Geburten hatten. Die Forschenden weisen aber darauf hin, dass die Ergebnisse nicht allgemein auf Schwangere übertragen werden können – sie sind nicht aussagekräftig genug.
Mit den bisherigen Erkenntnissen gibt es für das bei Schwangeren und Hebammen beliebte Hausmittel also weder ein klares „Ja“ noch ein „Nein“, wenn es um das Thema Wirksamkeit geht.

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Kann Himbeerblättertee Nebenwirkungen in der Schwangerschaft haben?
Auch wenn es sich um ein natürliches Kraut handelt: Himbeerblättertee kann unerwünschte Wirkungen hervorrufen. Ein Fallbeispiel zeigte, dass er den Blutzuckerspiegel absenken kann. Für Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes sind Unterzuckerungen eine ernsthafte Komplikation.
Zudem können Himbeerblattextrakte die Wirkung von Arzneimitteln verändern. Sie hemmen bestimmte Enzyme im Darm, die für die Aufnahme vieler Arzneistoffe wichtig sind. Dadurch wirken Arzneimittelmöglicherweise nicht mehr wie vorgesehen.
Himbeerblätter enthalten Stoffe wie Ellagsäure, die die Blutgerinnung beschleunigen. In der Schwangerschaft, die ohnehin eine erhöhte Gerinnung des Blutes mit sich bringt, kann dies das Risiko für Thrombosen erhöhen.
Koffein und Kräutertee in der Schwangerschaft
Achten Sie während der Schwangerschaft darauf, nicht zu viel Koffein zu sich zu nehmen. Koffein gelangt in den Körper des ungeborenen Kindes, wobei die genauen Auswirkungen noch unklar sind. Einige Ärztinnen und Ärzte raten dazu, ganz auf Koffein zu verzichten oder den Konsum auf maximal 200 Milligramm pro Tag zu begrenzen. Zum Vergleich: Eine 240-Milliliter-Tasse gebrühter Kaffee enthält etwa 95 Milligramm Koffein, eine gleich große Tasse Tee etwa 47 Milligramm und eine 360-ml-Dose Cola etwa 33 Milligramm. Holen Sie sich auch einen Rat zum Thema Kräutertee in der Praxis ein. Die Wirkung bestimmter Kräuter auf das ungeborene Kind ist noch nicht ausreichend erforscht, selbst spezielle Schwangerschaftstees sind nicht automatisch unbedenklich.
Warum ist die Dosierung beim Himbeerblättertee schwierig?
Problematisch ist, dass es derzeit keine Richtlinie für die Dosierung gibt. Schwangere wissen also nicht genau, wie viel Himbeerblätter in einen „Schwangerschaftstee“ gehören. Eine exakte Dosierung ist aber ohnehin schwierig. Je nach Anbaubedingungen haben die Himbeerblätter einen unterschiedlichen Wirkstoffgehalt.
Hinzu kommt, dass die feinen Blättchen aufgrund ihres Gewichts nur mit einer Spezialwaage richtig dosierbar sind. Zuletzt beeinflusst auch die Brühzeit die Menge enthaltener Substanzen. Schwangere, die Himbeerblättertee medizinisch nutzen möchten, treffen also nur mit viel Vorbereitung und etwas Glück den Dosisbereich aus Studien.
Können Schwangere Himbeerblättertee nun bedenkenlos trinken?
Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine klare Empfehlung für oder gegen Himbeerblätterte in der Schwangerschaft. Hebammen können Schwangeren wertvolle Erfahrungswerte mitteilen. Bei bestehenden Gesundheitsproblemen, etwa Schwangerschaftsdiabetes und Thrombosen in der Vergangenheit, sollten Frauen vor der Einnahme in jedem Fall ihren Gynäkologen oder ihre Gynäkologin befragen.
Der Mediziner oder die Medizinerin kann abschätzen, ob etwas gegen die Einnahme spricht und Alternativen, beispielsweise ein erprobtes Mittel gegen Schwangerschaftsübelkeit, vorschlagen.
Tipps für die Anwendung von Himbeerblättertee in der Schwangerschaft
Viele Schwangere interessieren sich für Himbeerblättertee zur Geburtsvorbereitung. Bevor Sie damit starten, beachten Sie am besten Folgendes:
- Besprechen Sie die Einnahme mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, vor allem, wenn Sie Himbeerblättertee gezielt einsetzen möchten – etwa bei Schwangerschaftsübelkeit.
- Achten Sie genau auf körperliche Signale. Fühlen Sie sich mit der Einnahme unwohl oder treten womöglich Schmerzen auf, trinken Sie keinen Himbeerblättertee mehr.
- Verwenden Sie ausschließlich geprüfte Produkte aus der Apotheke oder aus zertifizierten Shops.
- Notieren Sie sich die Menge, den Zeitpunkt und die Dauer der Einnahme, damit die Hebamme, der Arzt oder die Ärztin den Verlauf bei Bedarf nachvollziehen kann.
- Ergänzen Sie das Teetrinken durch einen Geburtsvorbereitungskurs, Bewegung, eine gesunde Ernährung und weitere empfohlene Maßnahmen. Der Tee ersetzt im Übrigen keine aktive Geburtsvorbereitung.
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