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Was passiert beim ersten Frauenarztbesuch?

Junge Frau lächelt und redet mit ihrer Frauenärztin.

© iStock / RossHelen

Lesezeit: 7 Minuten08.04.2022

Der erste Frauenarztbesuch ist ein ganz besonderer Termin, der viele Mädchen Überwindung kostet. Eine Portion Nervosität ist dabei ganz normal. Doch was passiert eigentlich beim ersten Frauenarztbesuch und welche Fragen stellt der Gynäkologe dabei?

Inhalte im Überblick

    Univ.-Prof. Dr. med. Peter Hillemanns ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Im Interview verrät er, ob ein Elternteil beim Frauenarztbesuch dabei sein muss und in welchem Alter die erste gynäkologische Untersuchung sinnvoll ist.

    Wann das erste Mal zum Frauenarzt?

    Laut der Repräsentativbefragung „Jugendsexualität“ gehen 81 Prozent der Mädchen im Alter von 16 Jahren das erste Mal zum Frauenarzt, bei Mädchen mit Migrationshintergrund sind es in der Altersgruppe 70 Prozent. Der optimale Zeitpunkt für den ersten Frauenarztbesuch richtet sich nach den Bedürfnissen der jungen Frau. Als wichtiger Ansprechpartner steht der Frauenarzt jungen Frauen bei gynäkologischen Beschwerden, der Beratung oder Verschreibung geeigneter Verhütungsmittel und der Krebsvorsorge zur Seite. Die reine Krebsvorsorge erfolgt normalerweise ab dem 20. Lebensjahr – ab diesem Alter steigt das Risiko für Krebserkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane wie Gebärmutterhalskrebs. So lange warten Frauen mit dem ersten Frauenarztbesuch aber häufig nicht.

    Einige Mädchen suchen einen Gynäkologen mit Eintritt ihrer Periode auf. Zum Beispiel, weil sie Probleme mit einer sehr starken Regelblutung haben oder sich über die Abläufe in ihrem Körper informieren möchten. Andere Frauen begeben sich vor dem ersten Geschlechtsverkehr auf die Suche nach einem geeigneten Verhütungsmittel oder möchten sich gezielt die Pille von einem Gynäkologen verschreiben lassen. Einen fixen Termin für den ersten Frauenarztbesuch gibt es also nicht. Mädchen sollten immer dann zeitnah einen Termin vereinbaren, wenn sie gynäkologische Beschwerden verspüren.

    Dazu zählen:

    • sehr schmerzhafte oder ausgeprägte Menstruationsblutungen,
    • anhaltende Unterleibsschmerzen,
    • Juckreiz oder Rötungen im Intimbereich (können Hinweis auf eine Pilzerkrankung sein),
    • ungewöhnlich starker oder übel riechender Scheidenausfluss.

    Wie finde ich den richtigen Frauenarzt für mich?

    Viele Mädchen orientieren sich dabei an ihrer Mutter und besuchen den gleichen Frauenarzt. Junge Frauen können natürlich auch selbst einen Gynäkologen auswählen. Hier eignen sich Frauenärzte besonders gut, die eine sogenannte Teenagersprechstunde anbieten. Mit diesem Angebot konzentrieren sich die Frauenärzte auf Fragen und Probleme von Teenagern. Warum habe ich schmerzhafte Menstruationsbeschwerden? Wie verhüte ich am besten und wie sieht eine gesunde Lebensführung (unter anderem Nikotinvermeidung) aus? Diese und weitere Fragen klärt der Gynäkologe in einer Teenagersprechstunde gemeinsam mit der Patientin.

    Eine junge Frau und ein junger Mann sehen sich verliebt an.
    Vor dem ersten Mal Geschlechtsverkehr ist es sinnvoll einen Frauenarzt aufzusuchen, um sich untersuchen zu lassen und sich über Verhütung zu informieren.

    © iStock / Jun

    Muss ich vor dem ersten Termin beim Gynäkologen Sex gehabt haben?

    Nein, die Patientinnen müssen kein aktives Sexualleben haben, um ihren ersten Termin beim Gynäkologen zu vereinbaren. In vielen Fällen ist es sogar sinnvoll, zuerst den Frauenarzt zu besuchen und danach den Geschlechtsverkehr aufzunehmen. Zum Beispiel dann, wenn sich Mädchen noch Fragen rund um die Themen Menstruation, Schwangerwerden und Verhütung stellen. Bestehen bei der jungen Frau gynäkologische Beschwerden wie starke Unterleibsschmerzen, klärt der Gynäkologe diese im besten Fall vor dem ersten Geschlechtsverkehr ab.

    Muss ich meine Eltern zum Frauenarzttermin mitbringen?

    Mädchen sind nicht dazu verpflichtet, ihre Eltern zu einem Frauenarztbesuch mitzunehmen. Ist es einer jungen Frau unangenehm, die Mutter dabeizuhaben, kann sie das Gespräch und eine eventuell anstehende Untersuchung alleine wahrnehmen. Aus ärztlicher Sicht ist ein „Dreiergespräch“ oft ratsam, denn die Anwesenheit der Mutter schafft Vertrauen zwischen dem Gynäkologen und dem Mädchen. Außerdem hören vier Ohren immer mehr als zwei.

    Beim ersten Frauenarztbesuch prasseln viele Informationen auf die junge Frau ein. Gerade bei der Aufklärung zu Verhütungsmitteln, der Krebsvorsorge oder der HPV-Impfung kann die Mutter dann unterstützen, indem sie wertvolles Wissen für die Tochter mitnimmt. Auch wenn ihre Eltern nicht dabei sind, erhalten im Übrigen Mädchen, die älter als 16 Jahre alt sind, auf Wunsch eine Verschreibung für die Pille. Der Gynäkologe vergewissert sich allerdings im Gespräch, ob die junge Frau die nötige geistige Reife hat. So stellt er sicher, dass die Patientin verantwortungsbewusst mit dem Verhütungsmittel umgehen kann.

    „Aus ärztlicher Sicht ist ein ‚Dreiergespräch‘ oft ratsam, denn die Anwesenheit der Mutter schafft Vertrauen zwischen dem Gynäkologen und dem Mädchen.“

    Univ.-Prof. Dr. med. Peter Hillemanns
    Ärztlicher Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH)

    Wie läuft der erste Frauenarztbesuch ab?

    Das erste Mal beim Frauenarzt ist für Mädchen häufig sehr aufregend. Bei dem Termin geht es deshalb vor allem darum, Vertrauen zu schaffen und mehr über die Bedürfnisse der Patientin herauszufinden. Nach der Begrüßung setzt sich der Gynäkologe mit dem Mädchen hin und unterhält sich – so findet der Frauenarzt heraus, wie der Informationsstand der jungen Frau ist und was sie zum Gynäkologen führt. Schon beim ersten Besuch setzt sich der Frauenarzt für die Aufklärung ein. Er informiert beispielsweise darüber, dass um den Eisprung herum die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, am höchsten ist. Außerdem berät er zu verschiedenen Verhütungsmöglichkeiten.

    Ein ganz wichtiges Gesprächsthema ist auch die HPV-Impfung, also die Impfung gegen Humane Papillomviren, die Gebärmutterhalskrebs auslösen können. Die Impfung erfolgt üblicherweise zwischen dem 9. und 14. Lebensjahr. Hat das Mädchen noch keinen Geschlechtsverkehr aufgenommen, können Mediziner die Impfung auf Kassenleistung bis zum 17. Lebensjahr nachholen.

    Welche Fragen stellt mir der Frauenarzt?

    Der Gynäkologe stellt beim ersten Frauenarztbesuch einige Fragen, um die Patientin besser kennenzulernen und um abzuschätzen, ob eine körperliche Untersuchung nötig ist.

    Folgende Fragen kann der Frauenarzt beim ersten Besuch stellen:

    1. Was führt dich heute zu mir?
    2. Hat bei dir bereits die Periodenblutung eingesetzt und wie regelmäßig ist sie?
    3. Hast du irgendwelche Beschwerden wie Schmerzen oder starke Regelblutungen?
    4. Hast du bereits Geschlechtsverkehr gehabt? (Diese Frage ist für die körperliche Untersuchung und die HPV-Impfung wichtig.)
    5. Hast du bereits die HPV-Impfung erhalten?

    Muss ich mich direkt beim ersten Termin ausziehen?

    Mädchen müssen sich bei dem ersten Frauenarztbesuch nicht ausziehen. Eine körperliche Untersuchung ist beim ersten Termin nur dann notwendig, wenn die junge Frau bereits das 20. Lebensjahr erreicht hat und sich eine Krebsvorsorge wünscht, direkt eine Verschreibung für die Pille mitnehmen möchte oder wenn Beschwerden vorliegen. Bestehen gynäkologische Beschwerden wie Schmerzen oder ein auffälliger Scheidenausfluss, kommen die Mädchen beim ersten Frauenarztbesuch nicht um eine Untersuchung herum. Nur so kann der Gynäkologe die Ursache der Beschwerden aufdecken und bei Bedarf Medikamente verordnen. Der Frauenarzt geht bei der ersten körperlichen Untersuchung besonders behutsam vor.

    Was wird untersucht und tut das weh?

    Eine körperliche Untersuchung nimmt der Gynäkologe nur bei ausdrücklichem Wunsch oder bei Beschwerden vor. Bei jungen Mädchen herrscht eine gewisse Enge in der Scheide, auch der Hymen, also ein vaginaler Schleimhautkranz (oft als Jungfernhäutchen bezeichnet) kann noch bestehen – auf diese anatomischen Besonderheiten nimmt der Frauenarzt Rücksicht. Zum Beispiel, indem er ein Untersuchungsinstrument (Spekulum) in einer kleinen Größe wählt. Eine gelöste Atmosphäre entspannt den Beckenboden und erleichtert die Untersuchung. Mediziner wissen das und bitten, falls von dem Mädchen gewünscht, die Mutter oder eine Arzthelferin zum Händchenhalten dazu.

    Folgende Untersuchungsschritte führt der Gynäkologe durch:

    • Äußere Inspektion: Der Gynäkologe schaut sich die Vulva, also den äußeren Teil des weiblichen Genitals, und den Bereich um den After an. Rötungen oder Schuppungen können hier auf Infektionen mit Pilzen oder Bakterien hinweisen.
    • Innere Inspektion: Der Frauenarzt nutzt ein Spekulum, um die Scheidenwände und den Muttermund zu betrachten. Liegt eine Infektion vor, kann der Scheidenausfluss eine andere Farbe annehmen. Um eine krankhafte Veränderung der Scheidenflora abzuklären, kann der Mediziner den pH-Wert mit einem kleinen Teststreifen messen oder einen Abstrich unter dem Mikroskop untersuchen. Apropos Abstrich: Im Rahmen der Krebsvorsorge nehmen Frauenärzte einen Abstrich vom Muttermund und Gebärmutterhals – ein Labor untersucht dann die so gewonnenen Zellen auf Veränderungen. Zum Schluss führt der Gynäkologe eine Tastuntersuchung in der Scheide durch. So kann er beispielsweise kontrollieren, ob die Gebärmutter und die Eierstöcke normal groß sind. Eine Ultraschalluntersuchung erfolgt unter anderem, wenn ein Mädchen hier Veränderungen zeigt oder der Frauenarzt eine schmerzhafte Regelblutung abklären möchte.

    Wie kann ich mich auf den ersten Frauenarzttermin vorbereiten?

    Eine Liste kann jungen Frauen helfen, sich auf ihren ersten Frauenarzttermin vorzubereiten. Darauf können sie Fragen notieren, die ihnen wichtig sind. Vielleicht trägt die Mutter oder eine gute Freundin noch ein paar Fragen bei. Die Patientin kann auch einen Spickzettel mit Stichpunkten zur Periode mitbringen. So vergessen die jungen Frauen keine Angaben zu dem Zeitpunkt der ersten Periode, der letzten Menstruationsblutung und der Blutungsdauer.

    Eine besondere Kleidung benötigen Mädchen für ihren Besuch beim Frauenarzt übrigens nicht, auch wenn eine körperliche Untersuchung geplant ist. Das Arztzimmer verfügt in der Regel über eine Nische, in der sich Patientinnen bequem an- und auskleiden können. Alles, was Mädchen zu ihrer Untersuchung mitbringen müssen, ist ihre Krankenversicherungskarte. Über die Versichertenkarte rechnet die Arztpraxis direkt mit der Krankenkasse ab – der erste Frauenarztbesuch ist somit kostenfrei für die junge Frau.

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