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HPV-Impfung: Wirksamkeit und Nebenwirkungen

Eine Person hält eine Spritze für eine HPV-Impfung in der Hand, im Hintergrund ist ein junges Mädchen.

© iStock / Manit Chaidee

Lesezeit: 6 MinutenAktualisiert: 21.10.2021

Humane Papillomviren (HPV) gehören zu den häufigsten Erregern sexuell übertragbarer Erkrankungen. Nahezu jeder sexuell aktive Mensch kommt im Laufe seines Lebens mit ihnen in Kontakt. Für wen eine Impfung empfohlen wird, wann geimpft werden sollte und ob Nebenwirkungen auftreten können, erfahren Sie hier.

Inhalte im Überblick

    Was ist HPV?

    Fast jeder, der sexuell aktiv ist, infiziert sich einmal im Leben mit humanen Papillomviren (HPV). Die Viren zählen zu den häufigsten Erregern sexuell übertragbarer Krankheiten. Eine Erhebung aus 2010/2011 hat gezeigt: In Deutschland waren 35 Prozent der Frauen im Alter zwischen 20 und 25 Jahren mit einem potenziell krebserregenden HPV-Typ infiziert.

    Die Ansteckung erfolgt hauptsächlich über Vaginal- und Analverkehr. Die Viren können aber auch beim Oralsex auf den Mund- und Rachenbereich übertragen werden. Sie gelangen über Mikroverletzungen der Haut oder über die Schleimhäute in den Körper. In seltenen Fällen werden HP-Viren auch durch eine Schmierinfektion übertragen.

    Die Infektion verläuft in den meisten Fällen symptomlos und bleibt daher unbemerkt.

    HPV-Typen

    HPV-Erreger werden unterschieden in Hochrisiko-Typen (vor allem 16 und 18) und Niedrigrisiko-Typen (vor allem 6 und 11).

    Die Hochrisiko-Typen werden als solche bezeichnet, weil sie Krebs auslösen können. Neben den Hochrisiko-Typen 16 und 18 gibt es noch mindestens 13 weitere, die Krebs hervorrufen können.

    Die Niedrigrisiko-Typen können Genitalwarzen (Kondylome) verursachen. Diese kleinen, stecknadelkopfgroßen Hautwucherungen sind zwar harmlos, können aber zu schmerzhaften und juckenden Ekzemen im Analbereich führen und erfordern teilweise eine langwierige ärztliche Behandlung.

    Eine Infektion mit dem Typ 16, 18 oder einem anderen Hochrisiko-Typ bedeutet nicht, dass zwangsläufig Krebs entsteht. Denn meistens bestehen die Infektionen nur vorübergehend. Das Immunsystem bekämpft den Erreger, sodass er nach ein bis zwei Jahren nicht mehr nachweisbar ist. Es gibt aber auch anhaltende Infektionen, die durchschnittlich etwa drei bis sechs Jahre nach der Infektion zu Krebsvorstufen führen und dann Gebärmutterhalskrebs und andere Krebsarten auslösen können.

    Welche Krebsarten können sich durch eine HPV-Infektion entwickeln?

    Wenn HPV-Infektionen fortbestehen, können sie über Krebsvorstufen zu folgenden Krebserkrankungen führen:

    • Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom)
    • Karzinome am Anus und im Genitalbereich 
    • Karzinome in Mundhöhle und Rachen

    Frauen sind vor allem vom Zervixkarzinom betroffen. Es wird zu nahezu 100 Prozent durch HPV verursacht. Insbesondere homosexuell aktive Männer erkranken hauptsächlich an Karzinomen im Mund- und Rachenbereich sowie an Anus und Penis.

    Wie viele Frauen und Männer sind von HPV-bedingten Tumoren betroffen?

    Laut dem Zentrum für Krebsregisterdaten erkranken in Deutschland pro Jahr 6.250 Frauen und 1.600 Männer an HPV-bedingten Karzinomen.

    Jährlich erhalten 4.600 Frauen die Diagnose „Zervixkarzinom“, 1.500 bis 1.600 Frauen versterben daran. Ungefähr 56.000 Frauen müssen sich jährlich einer Konisation unterziehen, weil bei ihnen eine HPV-bedingte Krebsvorstufe festgestellt wurde. Bei einer Konisation wird der Gebärmutterhals kegelförmig ausgeschnitten. Das Risiko für Frühgeburten erhöht sich durch diesen operativen Eingriff für alle zukünftigen Schwangerschaften.

    Warum ist eine HPV-Impfung sinnvoll?

    Die HPV-Impfung (umgangssprachlich: Gebärmutterhalskrebs-Impfung) schützt zu nahezu 100 Prozent vor einer Infektion mit den HPV-Typen, die im Impfstoff enthalten sind. Mit der Impfung kann das Risiko für eine HPV-Infektion und für Krebserkrankungen wirksam reduzieren werden.

    Eine schwedische Studie aus dem Jahr 2020 konnte zeigen, dass Mädchen, die vor dem Alter von 17 Jahren geimpft wurden, ein um 88 Prozent geringeres Risiko haben, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. Die Studienergebnisse basieren auf den Daten von mehr als 1,5 Millionen Mädchen und Frauen zwischen 10 und 30 Jahren.

    Da es zwischen 10 und 30 Jahren dauern kann, bis aus einer HPV-Infektion Krebs entstanden ist, und die Impfung erst seit dem Jahr 2006 in Deutschland zugelassen ist, gibt es noch keine aussagekräftigen Studien zum Einfluss der Impfung auf HPV-bedingte Tumore an Vagina, Vulva, Penis, Anus und im Mund-Rachen-Raum. Bei diesen Krebsarten dauert es teilweise sogar noch länger, bis sich aus der HPV-Infektion Krebs entwickelt.

    Wer sollte wann geimpft werden?

    Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung für Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Die AOK übernimmt die Kosten.

    • Die Impfung sollte vor dem ersten sexuellen Kontakt vorgenommen werden, da unklar ist, inwieweit sich bei bereits bestehender HPV-Infektion eine Schutzwirkung entfaltet. Geimpft werden sollte auch dann, wenn sich noch keine sexuellen Kontakte anbahnen, da die Immunantwort im jungen Alter besser ausfällt. Es gilt: Je früher, desto besser.
    • Hat der erste Sex bereits stattgefunden, ist eine HPV-Impfung immer noch empfehlenswert. Selbst wenn zu diesem Zeitpunkt bereits eine bestehende Infektion mit einem HPV-Typ besteht, schützt die Impfung vor den anderen HPV-Typen, die in der Impfung enthalten sind. Ein HPV-Test vor der Impfung ist nicht notwendig.
    • Wurde die Impfung im Alter zwischen neun und vierzehn Jahren versäumt, sollte sie bis zum Alter von 17 Jahren nachgeholt werden. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten für die Impfung bis zum 18. Lebensjahr.
    Ein Junge und ein Mädchen liegen auf einem Sofa und halten sich im Arm.
    Die HPV-Impfung erfolgt am besten vor dem ersten sexuellen Kontakt – so kann sie die größte Wirkung und den besten Schutz entfalten.

    © iStock / Kiwis

    Gibt es verschiedene Impfstoffe?

    Für die HPV-Impfung sind zwei Impfstoffe zugelassen:

    1. Der zweivalente Impfstoff: Cervarix®: Dieser schützt direkt vor einer Ansteckung mit den beiden Hochrisiko-Typen 16 und 18. Etwa 70 Prozent der Gebärmutterhalskrebskarzinome werden auf die Typen 16 und 18 zurückgeführt. Außerdem bewirkt der Impfstoff einen Kreuzschutz gegen die Typen 31, 33 und 45. Das bedeutet: Es besteht auch ein Schutz vor diesen verwandten Erregern, obwohl sie in der Impfung nicht enthalten sind.
    2. Der neunvalente Impfstoff: Gardasil®9: Dieser ist wirksam gegen neun HPV-Typen. Er schützt gegen die Hochrisiko-Typen 16 und 18 sowie 31, 33, 45, 52 und 58. Zusätzlich besteht ein Schutz vor Genitalwarzen, die von den Niedrigrisiko-Typen 6 und 11 ausgelöst werden.

    Muss die HPV-Impfung aufgefrischt werden?

    Nach der bisherigen Studienlage kann noch nicht abschließend beantwortet werden, ob eine Auffrischungsimpfung notwendig ist. Es deutet sich aber an, dass der Impfschutz im Laufe der Jahre nicht abnimmt. Darauf weist eine Studie hin, die an Mädchen beziehungsweise Frauen durchgeführt wird. Diese haben 12 Jahre nach der Impfung immer noch einen hohen Impfschutz gegen die Hochrisiko-Typen 16 und 18.

    Müssen geimpfte Mädchen weiterhin zum Gebärmutterhals-Screening?

    Unabhängig von der Impfung sollten sich Mädchen unbedingt regelmäßig den Untersuchungen zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs unterziehen. Es gibt HPV-Typen, die nicht von der Impfung abgedeckt sind – auch diese können Krebs verursachen. Das Screening ermöglicht das frühe Erkennen von Vorstufen, die dann in der Regel gut behandelbar sind.

    Schützen Kondome vor HPV?

    Da HPV-Infektionen meistens über Sexualkontakte übertragen werden, können Kondome vor humanen Papillomviren schützen und sollten unbedingt genutzt werden.

    Es gibt jedoch keine Garantie dafür, dass eine Ansteckung durch Kondome verhindert werden kann, da HPV auch über die Haut im Genital- und Analbereich, also durch engen Körperkontakt übertragen werden kann. Das Infektionsrisiko verringert sich aber.

    Welche Nebenwirkungen können nach der HPV-Impfung auftreten?

    Bei beiden zugelassenen HPV-Impfstoffen handelt es sich um sogenannte Totimpfstoffe, die keine lebenden Erreger enthalten. Die Impfung kann also keine HPV-Infektion auslösen.

    Die HPV-Impfung wird seit dem Jahr 2007 empfohlen. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) sammelt seitdem Daten zu Nebenwirkungen der Impfung und wertet diese aus. Inzwischen liegen Beobachtungsstudien mit Millionen von Teilnehmern vor. Schwere unerwünschte Nebenwirkungen sind bisher nicht festgestellt worden. Die Impfung gilt als gut verträglich und sehr sicher.

    Sehr häufig treten lokale Reaktionen an der Einstichstelle wie Schwellung, Rötung und Schmerzen auf. Auch über Kreislaufreaktionen wie Schwindel, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Abgeschlagenheit wird häufig berichtet. Dabei handelt es sich um gewöhnliche, ungefährliche Impfnebenwirkungen, die auch bei anderen Impfungen auftreten können und schnell wieder vorübergehen.

    Achtung: Es sollte nicht geimpft werden, wenn gerade eine akute fieberhafte Erkrankung vorliegt. Auch bei einer vorliegenden Schwangerschaft wird die Impfung nicht empfohlen.

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