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Symptome und Behandlungsmöglichkeiten bei Mundhöhlenkrebs

Eine Ärztin untersucht eine Frau auf Mundhöhlenkrebs.

© iStock / AlexRaths

Lesezeit: 4 MinutenAktualisiert: 27.05.2021

Jährlich erkranken etwa 12.000 Menschen in Deutschland an bösartigen Tumoren der Mundhöhle und des Rachens. Damit ist diese Art von Krebs nicht so selten wie vielleicht gedacht. Meist gehen diese Tumoren von der Schleimhaut aus. Männer häufiger betroffen als Frauen – mehr als doppelt so häufig.

Inhalte im Überblick

    Prof. Dr. Windfuhr, Chefarzt der Klinik für Hals-, Nasen-, Ohren-Heilkunde der Kliniken Maria Hilf GmbH.

    Bei all diesen Krebsarten spielt chronischer Tabak- und hoher Alkoholkonsum als Risikofaktor eine wichtige Rolle, gemeinsam erhöhen diese das Risiko für diesen Krebs auf das 30-fache, allerdings gibt es auch andere Ursachen für diese Tumore.

    Prof. Dr. Windfuhr ist Chefarzt der Klinik für Hals-, Nasen-, Ohren-Heilkunde der Kliniken Maria Hilf GmbH. Er beleuchtet im Interview das Thema Mundhöhlenkrebs näher.

    Was ist ein Mundhöhlenkarzinom?

    Hierbei handelt es sich um eine seltene Krebserkrankung, die sich meist von der Schleimhaut der Mundhöhle, sehr viel seltener von den kleinen Speicheldrüsen entwickelt, die sich dort befinden. Zur Mundhöhle zählen die Innenseite der Lippen, das Zahnfleisch, die Wangen, der harte Gaumen, die erkennbare Zunge und der Bereich unter der Zunge.

    Alkohol und Nikotin bleiben die wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung einer Krebserkrankung im Bereich der Mundhöhle.

    Im hinter der Mundhöhle gelegenen Mundrachen spielen Papillomviren (HPV) für die Krebsentstehung eine zunehmende Rolle. Die Patienten sind meist zwischen 55 und 75 Jahre alt, Männer erkranken doppelt so häufig wie Frauen.

    Welche Symptome deuten auf ein Mundhöhlenkarzinom hin?

    Normalerweise ist die Mundschleimhaut glatt, rot bis rosa und vor allem weich. Zeigt sich die Schleimhaut plötzlich anders, können Entzündungen dahinterstecken, wie beispielsweise Aphten.

    Wenn sich Schleimhautveränderungen aber über mehr als zwei Wochen zeigen, sollte eine ärztliche Beurteilung erfolgen, denn es könnte sich um Mundhöhlenkrebs handeln. Jede weißliche Verfärbung, Einziehung, Vorwölbung, vermehrter Speichelfluss, Sprech- und Schluckstörungen sowie jede dauerhaft schmerzhafte Stelle wird dann genau untersucht und im Zweifelsfall eine Gewebeprobe entnommen.

    Ein Arzt untersucht einen Mann am Hals.

    © iStock / vm

    „Wenn sich Schleimhautveränderungen aber über mehr als zwei Wochen zeigen, sollte eine ärztliche Beurteilung erfolgen, denn es könnte sich um Mundhöhlenkrebs handeln.“

    Prof. Dr. Windfuhr
    Chefarzt der Klinik für Hals-, Nasen-, Ohren-Heilkunde der Kliniken Maria Hilf GmbH

    Welche Behandlungsoptionen stehen zur Verfügung?

    Die Behandlungsmöglichkeiten richten sich nach der Größe und Metastasierung des Tumors. In den meisten Fällen ist es zwar möglich, den Tumor durch eine Operation zu entfernen, oft liegen jedoch Halslymphknotenmetastasen vor, weswegen nach abgeschlossener Wundheilung noch eine Bestrahlungstherapie erfolgt.

    Welche Vorteile bietet die IMRT-Technik (Intensitäts-Modulierte Strahlentherapie)?

    Bei der Bestrahlungstherapie soll das Tumorgewebe gezielt durch eine hohe Strahlendosis zerstört und das gesunde Gewebe um den Tumor von der Bestrahlung verschont werden. Bei der intensitätsmodulierten Strahlentherapie (IMRT) wird die Bestrahlungsintensität durch Anwendung von Filtern individuell angepasst, wodurch empfindliche Strukturen, wie beispielsweise der Sehnerv, das Rückenmark oder das Gehirn geschont werden können.

    Was sind Immun-Checkpoint-Inhibitoren und wann kommen sie zum Einsatz?

    Tumorzellen haben raffinierte Techniken entwickelt, um sich unter dem Radar des menschlichen Immunsystems unkontrolliert zu vermehren. Dabei nutzen sie ein Verbrüderungsmolekül mit Immunzellen, von denen sie sonst sofort zerstört würden. Dieses Molekül nennt sich Checkpoint.

    Seit einigen Jahren gibt es Medikamente in Form von Antikörpern, die diesen Checkpoint blockieren können, wodurch die Tumorzellen sich nicht mehr verstecken können. Bei Kopf-Hals-Tumoren kommen diese Medikamente bei fortgeschrittenen oder bereits vortherapierten Tumorerkrankungen zum Einsatz.

    Wie sieht die Nachsorge im Anschluss an eine Erkrankung aus?

    Leider müssen wir bei etwa 20 Prozent der Patienten mit einem Mundhöhlenkrebs trotz vollständiger Therapie erneut einen Mundhöhlenkrebs feststellen. Die gezielte und regelmäßige ärztliche Untersuchung ist unerlässlich, weil 39 Prozent der Patienten dies nicht bemerken.

    Manche Patienten entwickeln auch eine andere Krebserkrankung, häufig in der Lunge. In der Tumornachsorge müssen diverse Aspekte der Lebensqualität befragt werden. Die Nachsorgeintervalle betragen drei Monate in den ersten beiden Jahren nach beendeter Therapie und werden dann für weitere drei Jahre halbjährlich vorgenommen.

    Neben der Rachen- und Kehlkopfendoskopie werden hierbei immer auch die Halslymphknoten mittels Ultraschalluntersuchung untersucht. Zusätzlich sollten Untersuchungen wie CT oder MRT während der ersten zwei Jahre in halbjährlichen und anschließend bis zum fünften Jahr in jährlichen Abständen erfolgen.

    Die AOK rät zu regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen

    Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt halten Zähne und Zahnfleisch gesund. Zudem liefern sie einen wichtigen Beitrag zur Krebsfrüherkennung. Bei der Untersuchung begutachtet der Zahnarzt neben Zähnen und Zahnfleisch auch die Mundhöhle sowie die Mundschleimhaut. Dadurch können Auffälligkeiten frühzeitig erkannt und weiter abgeklärt werden.

    Einmal pro Halbjahr können AOK-Versicherte ihren Zahnarzt auf Kassenleistung aufsuchen. In dem Fall profitieren sie auch von dem Bonusprogramm, das einen Bonus auf den Festzuschuss ermöglicht. Voraussetzung dafür sind jährliche Stempel im Bonusheft.

    Hilfe und Unterstützung für Angehörige

    Die AOK bietet einen Online-Coach für Angehörige von Menschen an, die an Krebs erkrankt sind. Das Programm wurde in Zusammenarbeit mit Experten des Universitätsklinikums Leipzig und des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums entwickelt. Der „Familiencoach Krebs“ hilft dabei, Familienmitglieder und Freunde zu unterstützen und sich selbst vor emotionaler, körperlicher oder sozialer Überlastung zu schützen. Zudem informiert das Online-Angebot über die Entstehung, Diagnose und Behandlung verschiedener Krebserkrankungen und beantwortet sozialrechtliche Fragen, die im Zusammenhang mit der Erkrankung eines nahestehenden Menschen entstehen können.

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