Pflegende Angehörige
Warum löst die Pflege der Angehörigen bei vielen Menschen Ekel aus?
Intimbereich waschen, Wunden versorgen, Ausscheidungen beseitigen – manche Pflegesituationen verursachen ein Ekelgefühl. Das ist menschlich und kein Zeichen von Versagen. Wann Ekel auftreten kann und wie Sie damit umgehen können.

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Welche Beispiele gibt es für Ekel in der Pflege?
Den Intimbereich einer nahestehenden Person waschen, eine Wunde versorgen oder das Reinigen nach einem Toilettenunfall – all diese Situationen können Ekel auslösen, das ist keine Seltenheit.
Selbst wenn sie die Person lieben, empfinden viele pflegende Angehörige bei der Körperpflege sowie dem Kontakt mit Ausscheidungen Abneigung oder Ekel. Zum einen, weil sie nicht wie eine ausgebildete Pflegefachperson darauf beruflich vorbereitet wurden und es ihnen schwerer fällt, professionelle Distanz zu wahren.
Zum anderen ist Ekel eine biologische Schutzreaktion. Studien mit bildgebenden Methoden zeigen, dass Ekelreize bestimmte Hirnbereiche aktivieren, die ursprünglich dafür zuständig sind, verdorbene Nahrung zu erkennen. Körperliche Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Würgereiz, Schwitzen oder ein angespannter Gesichtsausdruck entstehen dabei unwillkürlich.
Sollte man Ekelgefühle in der Pflege ignorieren?
Die Ekelgefühle wegzudrücken oder zu ignorieren, klingt nach einem naheliegenden Ausweg. Allerdings ist das langfristig keine gute Strategie. Wer seine Gefühle dauerhaft unterdrückt, riskiert, dass sie sich in Stress, Anspannung oder sogar Aggressionen gegen die zu pflegende Person entladen.
Dabei haben pflegende Angehörige ohnehin schon ein erhöhtes Risiko für Angsterkrankungen und Depressionen im Vergleich zu Nicht-Pflegenden.
Das bedeutet nicht, dass man Ekel offen zeigen muss. Doch es macht einen Unterschied, ihn innerlich anzuerkennen. Wer ihn als einen natürlichen Teil der Pflegesituation begreift, kann aktiv nach Auswegen suchen, statt sich in Scham zu verlieren.
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Was können pflegende Angehörige bei Ekel tun?
Ein erster wichtiger Schritt ist, sich nicht für Ekelgefühle zu verurteilen. Selbst Pflegefachpersonen empfinden diese Abneigung. Sie haben allerdings Strategien gelernt, um ihre emotionale Belastung zu verringern. Einige davon lassen sich gut auf die Pflege von Angehörigen übertragen:
- Bei intensiven Gerüchen kann es helfen, kurz die Luft anzuhalten.
- Atemübungen wie die 4-7-8-Technik beruhigen das Nervensystem: Atmen Sie vier Sekunden ein, sieben Sekunden die Luft anhalten und acht Sekunden ausatmen.
- Einmalhandschuhe oder ein Mundschutz sind nicht nur hygienisch, sondern schaffen Distanz.
Wer den Blick zudem auf das Ergebnis der Pflegemaßnahme richtet, macht sich die Erleichterung und das Wohlbefinden der pflegebedürftigen Person wieder bewusst. Das kann den Druck in solchen Situationen mindern. Auch ein Perspektivwechsel kann helfen: Die pflegebedürftige Person empfindet die Situation oft als mindestens genauso unangenehm.
Welche Routinen helfen bei Ekel?
In der Pflege gilt wie so oft im Leben: geteiltes Leid ist halbes Leid. Eine dänische Studie zeigt, dass Pflegefachpersonen, die erstmals erfuhren, dass ihre Kollegen und Kolleginnen dieselben Gefühle haben, mit spürbarer Entlastung reagierten.
Laut derselben Studie gewöhnen sich Pflegefachpersonen mit der Zeit an Aufgaben, die anfangs schwer zu ertragen waren – Wiederholung und Routine machen sie leichter. Doch was lässt sich aus diesen Ergebnissen für pflegende Angehörige mitnehmen?
- Sprechen Sie mit anderen pflegenden Angehörigen in Selbsthilfegruppen oder Pflegekursen.
- Je öfter eine Pflegeaufgabe zur normalen Abfolge gehört, desto weniger belastet sie.
- Pflegefortbildungen, die auch den Umgang mit emotionalen Belastungen thematisieren, können helfen, besser mit solchen Situationen umzugehen.

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Intimpflege: Wie kann man Nähe und Distanz in der Pflege einhalten?
Eine gute Vorbereitung sorgt für die nötige Balance aus Nähe und Distanz. Dazu gehört vor allem eine ruhige Atmosphäre. Sie kann die Situation für beide Seiten erleichtern. Schließen Sie vor der Intimpflege Fenster und Türen, sorgen Sie für eine angenehme Raumtemperatur und führen Sie die Pflege möglichst allein durch.
Bereiten Sie alle Utensilien vor, die Sie brauchen, und legen Sie sie griffbereit. Erklären Sie jeden Schritt und reden Sie dabei über etwas Alltägliches, um die Atmosphäre zu entspannen. Möchte die zu pflegende Person lieber schweigen, sollten Sie das ebenso akzeptieren.
Und fördern Sie die Selbstständigkeit der pflegebedürftigen Person: Lassen Sie sie so viele Schritte wie möglich selbst erledigen. Das stärkt das Selbstwertgefühl der Person und nimmt Ihnen gleichzeitig Aufgaben ab, die Ihnen schwerfallen oder Ekel auslösen könnten.
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Ekel in der Pflege: Wann sollte ich mir Unterstützung holen?
Wenn bestimmte Pflegeaufgaben dauerhaft zu viel sind oder Sie überfordern, ist das kein Scheitern, sondern verständlich. Ein ambulanter Pflegedienst beispielsweise kann einzelne Aufgaben wie die Intimpflege übernehmen.
Das Einbinden weiterer Familienmitglieder oder darauf zu achten, dass Pflegeperson und pflegebedürftige Person dasselbe Geschlecht haben, kann die Situation ebenfalls erleichtern.
Pflegekurse für Angehörige bieten Ihnen praktisches Wissen sowie den Austausch mit anderen – und damit das Gefühl, mit den eigenen Emotionen nicht allein zu sein.
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Das sichere Haus / Deutsches Kuratorium für Sicherheit in Heim und Freizeit e.V.: Ekel.
Dorsch, Lexikon der Psychologie: Ekel, neurophysiologische Grundlagen, Stand 15.06.2016.
Jenna L Wells, Alice Y Hua, Robert W Levenson: Poor Disgust Suppression Is Associated with Increased Anxiety in Caregivers of People with Neurodegenerative Disease, The Journals of Gerontology: Series B, Volume 76, Issue 7, September 2021, Pages 1302–1312.
pflege.de: Intimhygiene bei Pflegebedürftigen.
Folker, L. (2025): Dental Disgust—An Ethnography of Abjection in Elderly Care. Sociol Health Illn, 47: e70061.








