Organe
Was die Forschung über die Wirkung der Mariendistel wirklich weiß
Die Mariendistel hat als Heilpflanze einen guten Ruf: Ihr Wirkstoff Silymarin soll Leberzellen schützen und regenerieren. Doch wie gut ist das belegt? Und was sollte man beim Kauf von Mariendistel-Präparaten beachten?

© iStock / rezkrr
Warum gilt Mariendistel als Leberpflanze?
Die Mariendistel (Silybum marianum) ist eine traditionelle Heilpflanze, die über Jahrhunderte hinweg in Klostergärten kultiviert wurde. Bereits im 12. Jahrhundert nutzte Hildegard von Bingen sie gegen Vergiftungen und Gelbsucht, die oft ein Symptom für Lebererkrankungen sind.
Ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet, wächst die Mariendistel mittlerweile weltweit – in Mitteleuropa auch verwildert an Wegrändern und Brachflächen. Unverkennbar sind ihre weiß marmorierten, stark bedornten Blätter und die purpurfarbenen Blütenköpfe.
Die Mariendistel wird bis heute unterstützend bei Leberbeschwerden eingesetzt, vor allem die getrockneten Samen. Aber auch die Blüten, Blütenknospen, Blätter und Wurzeln der Mariendistel werden für Kräutertees, Tinkturen und homöopathische Mittel genutzt.
Welche Wirkung hat Mariendistel?
In den Samen der Mariendistel steckt der Wirkstoff Silymarin, der aus den getrockneten Früchten der Pflanze gewonnen wird. Im Labor zeigt Silymarin schützende Effekte auf intakte Leberzellen sowie auf solche, die noch nicht dauerhaft geschädigt sind. Denn der Stoff verringert oxidativen Stress und die daraus entstehende Zellschädigung.
Zudem kann Silymarin die Durchlässigkeit der Zellmembran stabilisieren. Dadurch bleibt der Spiegel des körpereigenen Antioxidans Glutathion in der Leber erhalten. Dabei ist Silymarin selbst kein einzelner Stoff, sondern ein Komplex, der sich aus mehreren pflanzlichen Verbindungen mit antioxidativer Wirkung zusammensetzt, wie Silibinin A und B sowie dem Flavonoid Taxifolin.
Passende Artikel zum Thema
Fettleber: Ist Mariendistel wirklich gut für die Leber?
Eine der Erkrankungen, bei der Mariendistel-Präparate oft eingesetzt werden, ist die Fettleber. Dabei lagert sich überschüssiges Fett in der Leber ein. Allerdings ist die Studienlage zu einer signifikanten Wirkung von Mariendistel nicht eindeutig.
Einerseits zeigten sich zwar positive Effekte: Silymarin konnte den Energiestoffwechsel beeinflussen, Leberschäden abschwächen und Veränderungen im Lebergewebe verbessern. Andererseits waren die Silymarin-Dosen und Studiendesigns zu unterschiedlich und teilweise sogar mangelhaft, sodass Mariendistel-Produkte nicht in die aktuelle Behandlungsleitlinie für nicht-alkoholische Fettlebererkrankungen aufgenommen werden konnten.
Silymarin gilt zwar als möglicher Ansatz zur Behandlung einer Fettleber, aber nicht als gesichert wirksam. Wer an einer Fettleber leidet, sollte sein Gewicht reduzieren, sich mehr bewegen und Alkohol meiden. Diese Maßnahmen sind durch Studien gut belegt und können die Fettleber, solange noch keine Leberzirrhose vorliegt, vollständig rückgängig machen.
Kann man Mariendistel bedenkenlos einnehmen?
Nicht jedes Mariendistel-Präparat ist automatisch sinnvoll. Arzneimittel mit standardisiertem Silymarin-Extrakt können bei chronisch-entzündlichen Lebererkrankungen, Leberzirrhose und bei Leberschäden, die durch Gifte verursacht werden, unterstützend wirken. Nahrungsergänzungsmittel mit Mariendistel unterscheiden sich davon jedoch deutlich.
Nahrungsergänzungsmittel gelten rechtlich als Lebensmittel und müssen keinen standardisierten Wirkstoffgehalt garantieren. Deshalb sollte man von ihnen auch nicht erwarten, dass sie Krankheiten vorbeugen, sie lindern oder heilen können. Zudem dürfen Nahrungsergänzungsmittel mit Mariendistel keine Heilwirkung versprechen. Aussagen wie „hilft bei Fettleber“ sind verboten.
Wer in Drogerien oder Online-Shops Mariendistel-Produkte sieht, die trotzdem mit einem Leber-Versprechen werben, sollte genauer hinschauen: Viele Hersteller fügen Cholin bei, für das eine zugelassene Werbeaussage existiert. Diese lautet allerdings nur, dass Cholin „zur Erhaltung einer normalen Leberfunktion beiträgt“ – nicht zur Behandlung einer erkrankten Leber.
Welche Nebenwirkungen kann Mariendistel haben?
Mariendistel gilt als gut verträglich, kann aber wie jedes Präparat Nebenwirkungen verursachen. Diese reichen von Übelkeit und Bauchschmerzen über Sodbrennen bis hin zu Durchfall.
Wer gegen Korbblütler wie Kamille oder Arnika allergisch reagiert, sollte vorsichtig sein: Da Mariendistel auch zu den Korbblütlern zählt, kann sie allergische Reaktionen auslösen.
Zudem können Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten entstehen, beispielsweise Blutverdünnern. Wer dauerhaft Medikamente nimmt, sollte die Einnahme von Mariendistel deshalb vorher ärztlich abklären.
Wann sollte man Mariendistel nicht einnehmen?
Die Leber sendet wenig Warnsignale, an denen auch medizinische Laien erkennen können, dass etwas nicht stimmt. Die Fettleber beispielsweise verursacht meist keine Schmerzen und wird häufig nur zufällig entdeckt. Deshalb ist eine Selbstmedikation mit Mariendistel-Präparaten nicht immer empfehlenswert.
Wer bei Verdacht auf erhöhte Leberwerte oder auf eine Lebererkrankung ohne ärztliche Abklärung zu Präparaten mit Mariendistel greift, verzögert möglicherweise eine notwendige Therapie.
Arzneimittel mit Mariendistel können zwar bei Leberbeschwerden unterstützend eingesetzt werden, doch die Empfehlung dafür sollte von einer Ärztin, einem Arzt oder aus einer Apotheke kommen.
Passende Angebote der AOK
Ernährungsberatung
Individuelle Vor-Ort-Termine, Gruppenkurse, Telefonberatung oder Onlineangebote: Die Ernährungsfachleute der AOK sind gern persönlich für Sie da.
Die Inhalte unseres Magazins werden von Fachexpertinnen und Fachexperten überprüft und sind auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft.
Nabu Mecklenburg Vorpommern: Die Mariendistel.
Shudi Li, Fei Duan, Suling Li, Baoping Lu: Administration of silymarin in NAFLD/NASH: A systematic review and meta-analysis, Annals of Hepatology, Volume 29, Issue 2, 2024, 101174, ISSN 1665-2681.
Verbraucherzentrale Brandenburg: Hilft Mariendistel bei Fettleber? Stand:18.2.2026.
medizin transparent / Donau-Universität Krems: Mariendistel Gegen Fettleber unbelegt.







