Gehirn & Nerven
Mythen und Fakten zu Linkshändern
Veröffentlicht am:21.07.2026
6 Minuten Lesedauer
Paul McCartney, Barack Obama und Lady Gaga haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind linkshändig. Lange galt das in der Gesellschaft als abnorm, bestenfalls besonders. Das weiß die Forschung mittlerweile über die Linkshändigkeit und das ist noch ungeklärt.

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Wie viel Prozent der Menschen sind Linkshänder?
Fasst man die Ergebnisse großer wissenschaftlicher Studien zusammen, liegt der Anteil der Linkshändigen bei 10,6 Prozent – das bedeutet, etwa jede zehnte Person ist Linkshänder oder Linkshänderin. Tatsächlich ist die Frage allerdings komplexer, als sie zunächst wirkt: Viele Menschen wechseln je nach Tätigkeit die bevorzugte Hand oder Körperhälfte.
Ein festgeschriebenes wissenschaftliches Kriterium für Linkshändigkeit gibt es nicht. Auch das Phänomen, dass einige Menschen beide Seiten gleichwertig nutzen (Beidhändigkeit), kommt in vielen Untersuchungen zu kurz; je nach angelegten Kriterien rutschen sie in die Gruppe der Rechts- oder Linkshändigen.
Männer sind insgesamt etwas häufiger linkshändig als Frauen. Auch zwischen verschiedenen Kulturen und Regionen gibt es Schwankungen beim Linkshändigen-Anteil im Bereich von 5 bis 25 Prozent. Vermutlich spielt dabei eine Rolle, wie anerkannt Linkshändigkeit in der Gesellschaft ist, ob Linkshändige in der Vergangenheit „umerzogen“ wurden oder sich Betroffene an erwünschtes Verhalten anpassen.
Wie angesehen ist die Linkshändigkeit?
In vielen Kulturen gilt die linke Hand traditionell als unrein. Auch in Deutschland wurde Linkshändigkeit bis in die 1960er-Jahre als schlechte Gewohnheit eingestuft, die es abzuerziehen galt. Zwar ist diese Praxis längst überholt, aber noch immer haben linkshändige Menschen mit manchen Vorurteilen und Alltagshürden zu kämpfen.
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Ist Linkshändigkeit angeboren oder eine Erziehungssache?
Heute ist bekannt: Linkshändigkeit ist keine Erziehungssache. Viele Eltern beobachten, dass ihr Kind bereits als Baby oder Kleinkind mit einer Hand bevorzugt greift oder winkt. Tatsächlich beginnt die Neigung zu einer Körperseite sogar noch früher: Ultraschallaufnahmen von ungeborenen Kindern im Mutterleib zeigen, dass die meisten am rechten Daumen lutschen und häufiger den rechten Arm bewegen.
Die bevorzugte Nutzung der rechten Körperhälfte aus der Kindheit setzt sich fort, sodass Menschen als Erwachsene mit der rechten Hand Briefe schreiben oder auf dem Smartphone scrollen. Dazu tragen wohl die Gene bei. Forschende vermuten, dass die Vererbung auch bei Linkshändern und Linkshänderinnen eine Rolle spielt.
Adoptierte Kinder gleichen in ihrer Händigkeit eher den leiblichen Eltern als den Adoptiveltern. Eineiige Zwillinge bevorzugen häufiger die gleiche Hand als zweieiige – aber nicht immer. Inzwischen sind verschiedene Merkmale im Erbmaterial aus Studien bekannt, die sich bei Linkshändigen besonders häufig finden.
Denken Linkshänder und Linkshänderinnen anders?
Linkshändige Menschen haben im Durchschnitt eine etwas andere Gehirnstruktur als rechtshändige. Vereinfacht gesagt: Bei Linkshändigkeit ist die rechte Gehirnhälfte gegenüber der linken dominant, da für die Handmotorik vorwiegend die jeweils gegenüberliegende Gehirnhälfte zuständig ist.
Selbst umerzogene Linkshändige planen zeitlebens ihre Bewegungen mit der eigentlich dominanten Gehirnhälfte, wie Forschende mit Aufnahmen einer funktionellen Kernspintomographie zeigten. Im Vergleich der Gehirnstrukturen fällt auf, dass unter anderem die Areale für Sprache, Verhaltenskontrolle und Schmerzwahrnehmung bei Linkshändigen anders verteilt sind.
In Studien zeigen sich kaum Unterschiede in den Persönlichkeitsmerkmalen von Rechts- und Linkshändigen. Bis auf eine Ausnahme: Speziell Linkshänderinnen scheinen im Durchschnitt extrovertierter zu sein als ihre rechtshändigen Geschlechtsgenossinnen – und das, obwohl die meisten Menschen Linkshändige generell als introvertierter einschätzen.
Welche großen Persönlichkeiten sind linkshändig?
Nicht nur eine Reihe von US-Präsidenten und Popstars, sondern auch viele große historische Persönlichkeiten wie Albert Einstein, Marie Curie oder Bill Gates vereint das Merkmal der Linkshändigkeit. Manche Menschen sehen das als Beleg dafür, dass Linkshändige überdurchschnittlich intelligent seien.
Was kann man über die Intelligenz bei Linkshändern sagen?
Ein Zusammenhang zwischen Händigkeit und Intelligenz ist wissenschaftlich nicht belegt. Die Datenlage ist nicht einheitlich und fällt zum Teil sogar leicht zugunsten der Rechtshändigen aus. Fasst man die Ergebnisse mehrerer großer Übersichtsstudien zusammen, haben Rechts- und Linkshändige insgesamt einen vergleichbaren Intelligenzquotienten (IQ).

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Wie fördert man linkshändige Kinder richtig?
Oft fällt die Händigkeit im Alltag kaum auf, oder erst dann, wenn das Kind erstmals frustriert die Schere oder den Buntstift in die Ecke wirft. Diese Tipps helfen dabei, Ihr linkshändiges Kind zu unterstützen:
- Manche Techniken wie Schleife binden sind für linkshändige Kinder schwierig nachzuahmen. Setzen Sie sich Ihrem Kind gegenüber, damit es Handgriffe spiegelbildlich imitieren kann. Das gilt gleichermaßen für das Halten von Stiften: Den sogenannten Dreipunktgriff sollten alle Kinder spätestens im Vorschulalter beherrschen – Linkshändige gespiegelt mit der linken Hand.
- Informieren Sie zum Schulstart die Lehrperson darüber, dass Ihr Kind Linkshänder oder Linkshänderin ist. Eine spezielle Schreibunterlage mit Orientierungslinien erleichtert es dem Kind, sich eine angenehme Schreibhaltung anzugewöhnen.
- Bestimmte Werkzeuge und Materialien sind standardisiert auf Rechtshändigkeit ausgelegt: darunter Scheren, Lineale, Sparschäler und Computermäuse, aber auch Musikinstrumente wie etwa Blockflöten. Das kann für linkshändige Kinder ein großer Stolperstein sein. Im Fachhandel finden Sie all diese Utensilien auch in Ausführungen für Linkshändige.
Worauf kann man im Alltag mit linkshändigen Kindern achten?
Bei mehreren Kindern mit verschiedener Händigkeit an einem Tisch gilt: Setzen Sie zum Malen, Schreiben, Werken und auch beim Essen nach Möglichkeit das linkshändige Kind auf die linke, das rechtshändige auf die rechte Seite. So kommt es nicht zu einem Kampf der Ellbogen.
Wichtig ist: Geben Sie Ihrem Kind nicht das Gefühl, dass es als Linkshänder oder Linkshänderin kompliziert oder problematisch wäre. Achten Sie auch darauf, dass es nicht krampfhaft Handlungen mit rechts imitiert, um dazuzugehören. In der Schule und in der Gesellschaft gilt Linkshändigkeit inzwischen als ganz normal – und doch immer als ein bisschen besonders.
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