Immunsystem
Biologika: Biotech-Medikamente mit großer Wirkung
Biologika unterscheiden sich in Herstellung und Wirkweise grundlegend von herkömmlichen Arzneimitteln. Gegen welche Krankheiten haben sie sich bereits bewährt und welche neuen Therapieoptionen könnten in Zukunft möglich sein?

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Was sind Biologika?
Biologika (oder Biopharmazeutika) sind Eiweißstoffe, die aus lebenden Zellkulturen oder mithilfe gentechnisch veränderter Organismen in einem aufwendigen biotechnologischen Verfahren gewonnen werden.
Viele Biologika ähneln in ihrer Struktur körpereigenen Substanzen, was sie unter anderem für die Therapie von Erkrankungen des Immunsystems interessant macht.
Sind Biologika Naturheilmittel?
Der Name „Biologikum“ ist irreführend und verleitet zu der Annahme, Biologika seien pflanzliche Naturheilmittel. Pflanzliche Arzneimittel dürfen nur Pflanzen oder Pflanzenteile und keine tierischen oder chemischen Zusätze enthalten.
Biologika werden aber aus Zelllinien von Mikroorganismen (zum Beispiel Hefe oder E. coli-Bakterien) oder aus Zellen tierischen Ursprungs hergestellt.
Sind Biologika chemisch-synthetische Arzneimittel?
Biologika sind auch keine chemisch-synthetisch hergestellten Arzneimittel (wie die meisten bekannten Arzneimittel). Chemisch-synthetische Arzneimittel werden ausschließlich aus synthetischen Inhaltsstoffen hergestellt. Sie enthalten keine biologischen Bestandteile.
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Welche Arten von Biologika gibt es?
Es gibt sehr viele unterschiedliche Biologika, darunter:
- Monoklonale Antikörper wie TNF-Blocker (Tumor-Nekrose-Faktor-Blocker): unter anderem zur Therapie von Krebs sowie von chronischen Entzündungen (zum Beispiel rheumatische Erkrankungen)
- Blutgerinnungsfaktoren
- Interferone und Interleukin-Analoga: körpereigene Eiweißstoffe, die bei der Immunantwort eine Rolle spielen. Als Biologika werden Interferone beispielsweise bei der Behandlung von Hepatitis C eingesetzt.
- Hormone und sogenannte hämatopoetische Wachstumsfaktoren (zum Beispiel Wachstumshormone)
Ist Insulin ein Biologikum?
Das Arzneihormon Insulin zählt zu den ältesten Biologika. Seit den 1980er-Jahren wird biotechnologisch hergestelltes Insulin zur Behandlung von Diabetes genutzt. Seitdem hat sich in der medizinischen Forschung viel getan und inzwischen sind in Deutschland rund 300 Biologika zugelassen.
Welche Darreichungsformen sind bei Biologika möglich?
Biologika sind in der Regel nicht in Tablettenform erhältlich, da die Moleküle dieser Wirkstoffe bei oraler Aufnahme im Magen-Darm-Trakt abgebaut werden, bevor sie ihre Wirkung entfalten können. Daher müssen Biologika meist gespritzt werden.
Nach einer fachkundigen Einweisung können Patienten und Patientinnen das auch selbst tun. Zur Erleichterung gibt es sogenannte Pens. Ein Beispiel hierfür ist der Insulin-Pen für Menschen mit Diabetes. Eine andere Möglichkeit ist die intravenöse Verabreichung in Form einer Infusion.
Was ist das Wirkprinzip von Biologika?
Biologika wirken gezielt auf Vorgänge im Körper – häufig, indem sie nicht nur die Gestalt, sondern auch die Funktion körpereigener Substanzen und Botenstoffe nachahmen. Monoklonale Antikörper imitieren beispielsweise Antikörper der körpereigenen Immunabwehr.
Als biotechnologisch hergestellte Antikörper können Biologika in Krankheitsmechanismen eingreifen, indem sie bestimmte Stoffe oder deren Andockstellen in Zellen blockieren. Auf diese Weise bleiben schädliche Reaktionen des Körpers aus.

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Wieso sind Biologika teurer als die meisten herkömmliche Arzneimittel?
Biologika sind in ihrer Zusammensetzung wesentlich komplexer als chemische Arzneimittel und dementsprechend aufwendiger in der Herstellung. Durch Biosimilars können die Kosten erheblich gesenkt werden.
Was sind Biosimilars?
Für einige Biologika, deren Patentschutz abgelaufen ist, gibt es inzwischen Nachahmerpräparate, so genannte Biosimilars. Wie bei den Generika chemisch-synthetischer Arzneimittel handelt es sich dabei um wirkstoffgleiche Kopien eines etablierten Medikaments. Biosimilars sind oft deutlich preiswerter als die Originale, da die Entwicklungskosten entfallen und auch für deren Zulassung nicht alle Studien wiederholt werden müssen.
Was sind mögliche Nebenwirkungen von Biologika?
Biologika können, wie alle Medikamente, Nebenwirkungen haben. Sie werden meist als Spritze oder Infusion verabreicht und können Hautausschläge, Juckreiz oder Schmerzen an der Einstichstelle auslösen.
Infektionen der oberen Atemwege sind eine weitere mögliche Nebenwirkung, vor allem bei Immunmodulierenden Antikörpern.
Für wen eignen sich Biologika?
Ein medikamentöser Eingriff ins Immunsystem ist meist nicht die erste Behandlungsoption, auch weil Biologika vergleichsweise teuer sind. Sie eignen sich deshalb vor allem für Patienten und Patientinnen, denen eine Behandlung mit konventionellen Medikamenten nicht ausreichend hilft.
Die Therapieoptionen bespricht der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin mit Ihnen.
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Hauptanwendungen: Wie helfen Biologika bei rheumatoider Arthritis und in der Krebstherapie?
Biologika werden typischerweise zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen eingesetzt sowie in der Krebstherapie. Auch in der Diabetes-Therapie (sogenannte Insulinanaloga), in der Hormontherapie und zur Behandlung von Blutgerinnungsstörungen finden sie Verwendung.
Außerdem sind einige Impfstoffe, beispielsweise gegen Hepatitis B, Biologika.
Biologika bei rheumatoider Arthritis
Biologika in der Krebstherapie
Helfen Biologika gegen Allergien?
Biologika bieten die Möglichkeit, gezielt in die Immunantwort des Körpers einzugreifen. Das ist interessant für die Behandlung von Allergien. In Deutschland sind einige Biologika zur Behandlung von Allergien oder allergieähnlichen Erkrankungen zugelassen und werden in den entsprechenden medizinischen Leitlinien empfohlen.
Beispielsweise kommen bestimmte Biologika bei schwerem allergischem Asthma sowie bei der Nesselsucht (Urtikaria) zum Einsatz.
Die Inhalte unseres Magazins werden von Fachexpertinnen und Fachexperten überprüft und sind auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft.
Bundesärztekammer (BÄK) / Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) / Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma, Version 5.0. 2024.
Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (Österr.): Biopharmazeutika.
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) / gesundheitsinformation.de:
Biologika und Biosimilars, 2023.
Rheumatoide Arthritis: Medikamente zur Vorbeugung von Gelenkschäden, 2023.
Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) / krebsinformationsdienst.de (8/2024): Antikörpertherapie gegen Krebs.
Morita, H. et al. (2022): Biologics for allergic and immunologic diseases. In: Journal of Allergy and Clinical Immunology 150(4) 766-777.
Pschyrembel (online):
Quartuccio, L. et al. (2019): Risk of serious infection among patients receiving biologics for chronic inflammatory diseases: Usefulness of administrative data. Journal of Advanced Research 15, 87-93.
Zuberbier et al. (2022): Deutsche S3-Leitlinie zur Klassifikation, Diagnostik und Therapie der Urtikaria, adaptiert von der internationalen S3-Leitlinie. AWMF-Leitlinienregister (013-028).







