Kinder
Bluthochdruck bei Kindern: Wie Eltern erste Anzeichen erkennen
Veröffentlicht am:06.08.2026
6 Minuten Lesedauer
Ein hoher Blutdruck bleibt oft unbemerkt – gerade bei Kindern wird das Risiko unterschätzt. Was sind die Ursachen der „stillen Krankheit“, welche Warnzeichen für Bluthochdruck gibt es bei Kindern und wie sieht die Behandlung aus?

© iStock / Halfpoint / KI-bearbeitet
Inhalte im Überblick
- Wie häufig tritt Bluthochdruck bei Kindern und Jugendlichen auf?
- Welche Ursachen hat Bluthochdruck bei Kindern?
- Wie hoch darf der Blutdruck bei Kindern sein?
- Wie oft sollten Eltern den Blutdruck ihres Kindes messen?
- Welche Folgen hat Bluthochdruck bei Kindern?
- Wie wird Bluthochdruck bei Kindern behandelt?
Wie häufig tritt Bluthochdruck bei Kindern und Jugendlichen auf?
Bluthochdruck (Hypertonie) ist im Kindes- und Jugendalter sehr selten. In Deutschland sind etwa zwei bis drei Prozent der Kinder und Jugendlichen davon betroffen, das sind etwa 400.000 junge Menschen. Bei Kindern und Jugendlichen mit Übergewicht ist das Risiko für Bluthochdruck besonders hoch.
Während etwa zwei Prozent der nicht übergewichtigen Kinder an Bluthochdruck leiden, sind es bei stark übergewichtigen Jugendlichen 25 Prozent, also jeder Vierte. Wichtig ist, dass Bluthochdruck bei Kindern früh erkannt und behandelt wird. Sonst drohen schwere Folgen für die Gesundheit.
Herz, Gehirn und Nieren können langfristig geschädigt werden. Statistisch gesehen ist auch die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sich der Bluthochdruck im Erwachsenenalter manifestiert. Daher ist es wichtig, den Blutdruck von Kindern im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig zu messen.
Welche Ursachen hat Bluthochdruck bei Kindern?
Bei jüngeren Kindern ist meist eine chronische Erkrankung der Nieren oder des Herzens die Ursache für Bluthochdruck. Doch mit zunehmendem Alter verändern sich die Ursachen. Bei Jugendlichen führt vor allem ein erhöhter Body-Mass-Index zu einer Hypertonie.
Auch genetische Faktoren und ein niedriges Geburtsgewicht können eine Rolle spielen. Bei Kindern mit dem Hyperaktivitätssyndrom kann die Behandlung mit Methylphenidat zu Bluthochdruck führen, bei Jugendlichen auch der Missbrauch von Medikamenten oder stimulierenden Substanzen.
Wenn die Eltern übergewichtig sind oder an Bluthochdruck leiden, steigt bei den Kindern das Risiko für einen zu hohen Blutdruck. Diagnostik und Therapie sind bei Säuglingen und Kleinkindern jedoch herausfordernd. Es fehlen geeignete Blutdruckmessgeräte und Medikamente.

© iStock / AleksandarNakic
Wie hoch darf der Blutdruck bei Kindern sein?
Die Deutsche Hochdruckliga bietet zur Orientierung folgende Faustregel:
- Beim systolischen Blutdruck liegt die Obergrenze bei 100 + das Alter mal 2.
- Die Obergrenze beim diastolischen Blutdruck liegt bei Kindern unter zehn Jahren bei 60 + das Alter mal 2. Für Kinder über 10 Jahren gilt 70 + das Alter in Jahren.
Die Deutsche Hochdruckliga hat außerdem eine vereinfachte Tabelle mit Grenzwerten für Kinder und Jugendliche zusammengestellt. Zuerst ist der systolische und dann der diastolische in mm Hg angegeben. Die Werte gelten für Kinder und Jugendliche, deren Körpergröße im mittleren Normbereich liegt.
| Alter des Kindes (Jahre) | Jungen | Mädchen |
|---|---|---|
| 3 | 110/70 | 109/71 |
| 4 | 110/70 | 110/71 |
| 5 | 111/71 | 111/72 |
| 6 | 111/71 | 112/72 |
| 7 | 113/72 | 114/73 |
| 8 | 114/73 | 115/74 |
| 9 | 116/74 | 117/74 |
| 10 | 118/75 | 119/75 |
| 11 | 120/76 | 122/76 |
| 12 | 124/77 | 124/76 |
| 13 | 122/78 | 126/78 |
| 14 | 132/80 | 127/79 |
| 15 | 136/82 | 128/80 |
| ab 16 | 140/90 | 140/90 |
Für Kinder, die für ihr Alter groß sind, liegen die Normwerte etwa 2 bis 4 mm Hg höher. Für Kinder, die kleiner sind, liegen sie 2 bis 4 mm Hg niedriger.
Was geben die beiden Blutdruckwerte an?
Der Blutdruck wird immer mit zwei Messwerten angegeben: dem oberen (systolischen) und dem unteren (diastolischen) Blutdruckwert. Der obere Wert gibt den Druck in den Blutgefäßen beim Herzschlag an, der untere den Druck, wenn der Herzmuskel erschlafft.
Gemessen werden die beiden Werte in Millimeter Quecksilbersäule (mm Hg). Der Grund dafür ist, dass der Blutdruck früher mit einem Steigrohr gemessen wurde, das mit Quecksilber gefüllt war.
Welche Symptome verursacht Bluthochdruck bei Kindern?
Bei den meisten Kindern verursacht Bluthochdruck keine Symptome. Es gibt jedoch Anzeichen dafür:
- Kopfschmerzen, die immer wieder auftreten oder nicht verschwinden
- Nasenbluten
- Übelkeit und Erbrechen
- unscharfes und verschwommenes Sehen
- Schmerzen in der Brust
- Herzklopfen
- neurologische Störungen (des Gehirn und Nervensystems) mit Taubheitsgefühl, Verwirrung oder Bewegungsstörungen
Die Beschwerden sollten ärztlich abgeklärt werden. Die Deutsche Hochdruckliga rät, den Blutdruck bei Kindern ab drei Jahren regelmäßig zu messen und alle zwei Jahre bei unauffälligen Werten zu kontrollieren.
Blutdruck messen bei Kindern
Das Kind sollte vor der Blutdruckmessung etwa fünf Minuten in Ruhe und in einer ruhigen Atmosphäre sitzen. Bei Säuglingen und Kleinkindern wird der Blutdruck im Liegen, bei älteren Kindern im Sitzen gemessen. In der Regel erfolgt die Messung am rechten Oberarm. Sie soll dreimal wiederholt werden.
Für die Diagnose Bluthockdruck sind allerdings mehrere Messungen im Abstand von Tagen oder Wochen notwendig oder eine 24-Stunden-Blutdruckmessung (ABDM).
Wie oft sollten Eltern den Blutdruck ihres Kindes messen?
Eltern sollten den Blutdruck ihres Kindes zuhause regelmäßig messen. Die Deutsche Hochdruckliga empfiehlt, ihn mindestens einmal pro Woche morgens und abends vor dem Schlafengehen zu messen. Die Messungen helfen bei der Überwachung.
Steht ein Termin bei der Kinderärztin oder dem Kinderarzt an, sollten Eltern den Blutdruck des Kindes mindestens an drei Tagen und möglichst sieben Tage lang morgens und abends messen. Sie sollten die Werte notieren und sie mit zum Arzttermin nehmen.
Passende Angebote der AOK
Gesundheitsförderung mit dem AOK-Kindertheater „Henrietta & Co.“
Mit dem Informations- und Präventionsprogramm „Henrietta & Co.“ lernen Kinder Gesundheitsprävention schon in der Grundschule.
Welche Folgen hat Bluthochdruck bei Kindern?
Wird Bluthochdruck bei Kindern und Jugendlichen nicht erkannt, können die Gefäße von Herz, Gehirn und Nieren langfristig geschädigt werden. Das kann im späteren Lebensalter eine höhere Morbidität und mehr Todesfälle im Verhältnis zu den tatsächlich erkrankten Menschen zur Folge haben.
Je höher der Blutdruck im Jugendalter ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass im Erwachsenenalter der Bluthochdruck (Hypertonus) dauerhaft erhöht ist. Schon früh können vaskuläre Schäden auftreten, also Verletzungen und Funktionsstörungen der Blutgefäße.
Wie wird Bluthochdruck bei Kindern behandelt?
Die Behandlung von Bluthochdruck ist abhängig von der Ursache. Kinder und Jugendliche mit hohen Blutdruckwerten erhalten eine medikamentöse Behandlung. Zusätzlich sind ein gesunder Lebensstil und eine Umstellung der Ernährung sowie ein Gewichtsverlust bei übergewichtigen Kindern sinnvoll.
Ratsam ist auch eine ausgewogene Ernährung mit viel Protein, Fisch, Geflügel, Vollkornprodukten, Ballaststoffen, Kalium, Kalzium, Magnesium sowie wenig Fleisch, Cholesterin und gesättigten Fettsäuren. Gemüse, Obst und Milchprodukte sollten ebenfalls auf dem Speiseplan stehen.
Auf gesüßte Getränke sollten Kinder mit Bluthochdruck verzichten und die Natriumaufnahme reduzieren. Ein Gramm weniger Salz pro Tag kann zu einer Blutdrucksenkung von etwa 6,3 mm Hg systolisch und 3,5 mm Hg diastolisch führen. Wichtig sind zudem regelmäßige körperliche Aktivitäten.
Passende Artikel zum Thema
Die Inhalte unseres Magazins werden von Fachexpertinnen und Fachexperten überprüft und sind auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft.
Brigitte Stiller: Arterielle Hypertonie bei Kindern und Jugendlichen.
Deutsche Gesellschaft für pädiatrische Kardiologie und angeborene Herzfehler e.V.: Artielle Hypertonie im Kindes- und Jugendalter, S2k Leitline, Überarbeitung 04/2022.
Gülsen Server, Martin Köstenberger & Medizinische Universität Graz: Bluthochdruck bei Kindern, 05.02.2026.
Cal H. Robinson, Rahul Chanchlani: High Blood Pressure in Children and Adolescents: Current Perspectives and Strategies to Improve Future Kidney and Cardiovascular Health, 01.03.2022.








