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Was kann ich tun, wenn mein Kind zu dick ist?

Kind isst Brot mit Gurken, denn eine gesunde Ernährung verhindert Übergewicht.

© AOK

Lesezeit: 8 MinutenAktualisiert: 12.03.2021

Noch Babyspeck oder doch schon Übergewicht? Fest steht: Aus dicken Kindern und Jugendlichen werden oft übergewichtige Erwachsene. Eltern können einiges tun, um überflüssige Kilos bei ihrem Nachwuchs zu reduzieren – oder zu vermeiden, dass sie überhaupt entstehen.

Inhalte im Überblick

    Bei starkem Übergewicht kann die Gesundheit leiden!

    Wenn Kinder und Jugendliche etwas zu dick sind, heißt es oft: Das ist doch nur Babyspeck, der verwächst sich! Tatsächlich haben Forscher der Universität Leipzig herausgefunden, dass diese weit verbreitete Meinung nicht stimmt. Dazu analysierten sie das Gewicht von über 51.000 Kindern, von der Geburt an bis hin zur Pubertät und zum Erwachsenenalter. Das Ergebnis zeigte deutlich, dass fast 90 Prozent der Kinder, die im Alter von drei Jahren als übergewichtig eingestuft wurden, auch als Jugendliche zu viel Gewicht auf die Waage brachten.

    Vor allem starkes Übergewicht ist mit einer ganzen Reihe gesundheitlicher Probleme verbunden: So erhöht es zum Beispiel das Risiko, an Diabetes Typ 2, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Gelenkbeschwerden zu erkranken. Nicht unerheblich sind auch die psychischen Folgen, denn Jugendliche mit Übergewicht werden oft gemobbt, gehänselt, ungleich behandelt und auch wegen ihres Gewichts stigmatisiert.

    Häufig führt es dazu, dass übergewichtige Teenager wenig Selbstvertrauen und ein geringeres Selbstwertgefühl als Gleichaltrige haben. Oft neigen die Kinder auch zu depressiven Symptomen.

    Der Einfluss der Lebensmittel-Werbung

    Eine von der AOK geförderte Studie der Universität Hamburg zeigt, dass in 92 Prozent der Lebensmittelwerbespots, die Kinder im Fernsehen und im Internet sehen, Produkte mit einem zu hohen Zucker-, Fett- oder Salzgehalt beworben werden, insbesondere Fastfood, Süßigkeiten sowie fett- und zuckerhaltige Milchprodukte. Dabei sind mediennutzende Kinder zwischen 3 und 13 Jahren im Durchschnitt 15 Werbespots für ungesunde Produkte am Tag ausgesetzt. 70 Prozent der Spots wenden sich direkt an Kinder. 

    Eine besorgniserregende Entwicklung, denn Werbung beeinflusst das Essverhalten von Kindern – und diese beeinflussen oft die Kaufentscheidungen der Eltern. Achten Sie daher auf versteckte Zutaten in Fertiglebensmitteln sowie den Gesamtzuckergehalt in den Nährwertangaben und verzichten Sie nach Möglichkeit auf Fertiggerichte und stark verarbeitete Lebensmittel.

    Sprechen Sie mit Ihren Kindern über die Auswirkungen, die stark zucker- oder fetthaltige Produkte auf ihren Körper haben und sorgen Sie dafür, dass Ihre Kinder möglichst wenig mit Werbung konfrontiert werden. Die Initiative „SCHAU HIN! Was dein Kind mit den Medien macht“ bietet Erziehenden dabei Unterstützung.

    BMI-Rechner: Ist mein Kind adipös?

    Viele Eltern sind sich unsicher, ob ihr Kind übergewichtig ist oder nicht. Als ersten Anhaltspunkt kann man den Body Mass Index (BMI) berechnen. Der setzt sich wie folgt zusammen:

    Körpergewicht in kg : (Körperhöhe in m)2 = BMI in kg / m2

    Weil sich bei Kindern und Jugendlichen im Laufe des Heranwachsens das Verhältnis von Größe zu Gewicht ständig verändert, müssen die Ergebnisse des BMI anders als bei Erwachsenen bewertet werden. Zusammen mit dem Wachstum kann mit dem BMI beurteilt werden, ob ein Kind normal- oder übergewichtig ist. Für Jungen und Mädchen gibt es unterschiedliche Wachstumskurven.  

    Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) bietet auf ihrer Webseite einen BMI-Rechner für Kinder und Jugendliche an, der diese zusätzlichen Faktoren berücksichtigt. Bei Verdacht auf Übergewicht sollte man aber in jedem Fall den Kinder- und Jugendarzt zu Rate zu ziehen. Dieser kann dem Übergewicht zugrundeliegende Erkrankungen ausschließen und Sie dabei unterstützen, der Gewichtszunahme entgegenzuwirken.  

    Gesunde Gewohnheiten lernen

    Eltern können ihren Kindern helfen, gesunde Verhaltensweisen zu lernen. Damit lässt sich Übergewicht nicht nur vorbeugen. Wer ungesunde Gewohnheiten verändert, kann auch überflüssige Kilos leichter loswerden. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V. (DGJK) empfiehlt Familien folgende Grundregeln:

    • Seien Sie Vorbilder und entdecken Sie gemeinsam mit Ihren Kindern den Spaß an Sport und Bewegung. Wählen Sie Freizeitaktivitäten aus, die Ihnen als Familie Spaß machen.
    • Bringen Sie Bewegung in Ihren Alltag, denn jede Form von körperlicher Bewegung hilft bei der Gewichtstabilisierung und bei der Gewichtsabnahme, z. B. mit dem Rad zur Schule oder zum Einkaufen fahren oder Treppen steigen, statt Fahrstuhl oder Rolltreppe zu fahren
    • Bleiben Sie täglich mehr als 1 Stunde körperlich aktiv und gehen Sie an mindestens 3 Tagen pro Woche mehr als 12.000 Schritte pro Tag (nehmen Sie dafür Ihr Smartphone zur Hilfe, das meistens über einen integrierten Schrittzähler verfügt).
    • Ändern Sie Ihre Gewohnheiten Schritt für Schritt, z. B. einmal pro Woche, und behalten Sie diese gesundheitsfördernden Veränderungen langfristig bei.
    • Loben Sie Ihr Kind für kleine, durchgehaltene Änderungen. Es ist hilfreich, dafür einen Kalender oder ein Protokoll anzulegen.
    Kind hat die Wahl zwischen einem Apfel und einem süßem Lolli.

    © AOK

    Übergewicht vermeiden: Tipps zur richtigen Ernährung

    Die richtige Ernährung leistet einen wesentlichen Beitrag für die Gesundheit und auch für ein normales Gewicht. Für ausreichend Energie und Nährstoffe sorgen z. B. regelmäßige Mahlzeiten, die über den Tag verteilt werden: Frühstück, Mittagessen, Abendessen und eine Zwischenmahlzeit am Vor- und Nachmittag sind ideal.

    Zwischen den Mahlzeiten benötigen Kinder keine Snacks. Eltern sollten auch darauf achten, möglichst abwechslungsreiches Essen anzubieten. Nur so können alle wichtigen Nährstoffe aufgenommen werden. Generell gilt: Fast Food, gezuckerte Getränke und Süßigkeiten sollten nur selten und in kleinen Mengen gegessen werden.

    Wichtig sind zudem gemeinsame Mahlzeiten. Schließlich bringt ein gemeinsames Essen Spaß und stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl der Familie. Beziehen Sie Ihre Kinder je nach Alter auch beim Kochen mit ein. So lernen sie nicht nur etwas über über die Zubereitung gesunder Mahlzeiten, das selbst geschnittene Gemüse beispielsweise schmeckt auch viel besser. 

    Zu gemeinsamen Mahlzeiten gehört auch, dass während des Essens der Fernseher ausgeschaltet ist, kein Handy stört und auch die Zeitung weggelegt wird. Nur dann können sich alle Familienmitglieder ohne Ablenkung unterhalten – und das gemeinsame Essen genießen.

    Handy, Internet, Fernsehen – welche Rolle die Medien spielen

    Was viele Eltern vergessen: Computerspiele, Surfen im Internet, Chatten und Fernsehen verhindern Bewegung und ersetzen bei vielen Kindern soziale Kontakte. Außerdem begünstigen solche bewegungsarmen Beschäftigungen die Entwicklung von Übergewicht. Versuchen Sie deshalb, den Medienkonsum Ihrer Kinder zu kontrollieren und gegebenenfalls zu verringern.

    Diese Tipps können dabei helfen: 

    • Fernseher im Kinderzimmer sind tabu.
    • Feste Zeiten vereinbaren: Als Orientierung gilt ein Limit der Medienzeit von 10 Minuten pro Lebensjahr am Tag oder 1 Stunde pro Lebensjahr in der Woche. Bis 5 Jahre sollten Kinder maximal eine halbe Stunde am Stück, von 6 bis 9 Jahren maximal eine Stunde am Stück Fernsehen oder andere Medien nutzen.
    • Regeln einhalten: Suchen Sie mit Ihrem Kind eine TV-Sendung aus und vereinbaren Sie mit ihm, dass es danach den Fernseher (eigenhändig) ausschaltet.
    • Alternativen anbieten: Spielen Sie mit Ihrem Kind Gesellschaftsspiele, unterhalten Sie sich mit Ihrem Kind über Erlebnisse aus der Schule oder lesen Sie ihm aus dem Lieblingsbuch vor.
    • Hier ist das Handy tabu: Gewöhnen Sie Ihrem Kind an, dass das Handy bei gemeinsamen Treffen mit Freunden, beim Essen, bei den Hausaufgaben und vor allem vor dem Schlafengehen „offline“ ist.
    • Seien Sie ein Vorbild: Auch Erwachsene können ihre Finger kaum vom Handy lassen. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass es „handyfreie“ Zeiten gibt und dass diese Spaß machen können.

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