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Hilfe bei Mobbing: Das können Sie tun

Jugendliche leidet unter Mobbing in der Schule.

© iStock / FatCamera

Lesezeit: 4 Minuten28.01.2022

Mobbing kann einen Menschen langfristig krank machen. Daher ist es wichtig, sich frühzeitig Hilfe zu suchen. Ab wann ein Konflikt Mobbing ist und welche Strategien sinnvoll sind, um die psychische Gewalt zu beenden, das erfahren Sie hier.

Inhalte im Überblick

    Was ist Mobbing?

    Das Wort Mobbing stammt aus dem Englischen („to mob“ = schikanieren, im Englischen wird aber der Begriff „bullying“ genutzt). Es bedeutet, dass eine Person systematisch und über einen längeren Zeitraum permanent beziehungsweise regelmäßig schikaniert, gedemütigt und seelisch verletzt wird. Das kann auf verschiedene Weise erfolgen, zum Beispiel durch Worte (etwa Schimpfwörter, Bedrohungen), körperliche Gewalt, soziale Ausgrenzung, Verbreitung falscher Gerüchte oder ständige Kritik. Allerdings ist nicht jeder Konflikt direkt Mobbing. Überall, wo Gruppen von Menschen aufeinandertreffen, kann es zu Differenzen, Tuscheleien und Streitereien kommen. Auch Auseinandersetzungen, die starke Emotionen wecken, sind normal. In der Regel herrscht an den Orten oder Einrichtungen, an denen Menschen zusammenkommen, eine Kultur, die aufkommende Konflikte bearbeitet und durch Gespräche löst. Wenn diese Kultur aber einmal gestört ist, kann sich daraus Mobbing entwickeln.

    Mobbing tritt sowohl unter Kindern als auch unter Erwachsenen auf. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) geht davon aus, dass rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz sind. Und in den deutschen Schulen geben 23 Prozent aller 15-jährigen Jugendlichen an, regelmäßig von ihren Mitschülern drangsaliert zu werden. Das zeigen Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die im Rahmen der PISA-Studie 2018 erhoben wurden.

    Mobbing kann verschiedene Symptome hervorrufen und regelrecht krank machen. Neben körperlichen Beschwerden wie Schlafstörungen, Magen-Darm-Problemen, Herzklopfen oder Kopfschmerzen können auch Gefühle wie Trauer, Selbstzweifel oder Angst entstehen. Viele Mobbingopfer ziehen sich immer mehr zurück und leiden unter Konzentrationsschwierigkeiten, sodass die Leistungen in der Schule oder der Arbeit nachlassen können.

    Die andauernde Stressbelastung kann zu ernsthaften Erkrankungen wie etwa Depression oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Zudem steigt die Gefahr, süchtig zu werden (zum Beispiel nach Alkohol) oder im schlimmsten Fall sogar Suizid zu begehen. Rund ein Drittel der Gemobbten benötigt therapeutische Hilfe, um das Erlebte zu verarbeiten.

    Was ist der Grund für Mobbing?

    Viele Mobbingopfer fragen sich, warum es ausgerechnet sie trifft. Wichtig zu wissen: Jeder kann zum Opfer werden. In der Regel beginnt es mit einem unbewältigten Konflikt oder mit einem Machtkampf. Irgendwann geht es nicht mehr um die Sache, sondern an die Stelle des Konflikts tritt eine bestimmte Person, die mit der Zeit durch wiederholte Kränkungen immer mehr in die Rolle des Außenseiters gedrängt wird. Das Opfer trägt dabei keine Schuld und löst den Ablauf nicht durch eigenes Fehlverhalten aus. In weiten Teilen sind es die Umstände, die einen Mobbingprozess beeinflussen. Begünstigend wirken zum Beispiel folgende:

    • geringes Selbstwertgefühl des Täters, der sich durch andere in seiner Position und/oder seinem Ansehen bedroht fühlt
    • Persönlichkeitsmerkmale des Opfers, die dem Täter eine willkommene Angriffsfläche bieten (beispielsweise eher introvertiert, besonders engagiert, zu einer Randgruppe zugehörig und Ähnliches)
    • schwierige Situationen wie etwa sich verändernde Hierarchien, zu einer festen Gruppe neu hinzukommende Menschen (der „Neue“ in der Klasse sein) oder Krisensituationen (zum Beispiel Angst um den Arbeitsplatz)
    • strukturelle Mängel (zum Beispiel schlechte Organisation, unzureichendes Konfliktmanagement etwa von Lehrern, ungünstiges Führungsverhalten, strenge Hierarchien), die unter anderem Konkurrenz- und Leistungsdruck fördern.

    Was tun bei Mobbing in der Schule?

    Kinder und Jugendliche, die gemobbt werden, können sich in der Regel nicht selbst helfen. Sie benötigen Unterstützung von außen. Darum ist es wichtig, dass die Betroffenen nicht still leiden. Es hilft, sich einer erwachsenen Person anzuvertrauen. Das können der Klassen- oder Beratungslehrer, Schulpsychologen, Eltern oder Bekannte sein. Die müssen dann entsprechend reagieren:

    Aktive Lehrer: Lehrer müssen sich klar positionieren und die Täter direkt mit ihrem Verhalten konfrontieren und ihnen klarmachen, dass sie die Taten sofort zu beenden haben. Zusätzlich können sie dafür sorgen, dass andere Schüler dieses Verhalten nicht unterstützen. Alternativ aktivieren sie Unterstützergruppen für das Opfer, ohne mit dem Täter zu sprechen. Das hat auch zum Ziel, die durch das Mobbing veränderten sozialen Normen in der Klasse zu überdenken und neu anzupassen.

    Aufmerksame Eltern: Es ist wichtig, die Warnsignale von Mobbing zu kennen und das Kind ernst zu nehmen. Warnsignale können sein, dass das Kind nicht zur Schule gehen will, Krankheiten vorgibt, aber auch Konzentrations- und Lernstörungen. Eine vorschnelle Kontaktaufnahme zum Täter ist nicht sinnvoll. Besser ist es, zuerst die Schule zu informieren und mit der Klassenlehrkraft zu sprechen. Auch der Elternrat oder eine Beratungsstelle kann weiterhelfen.

    Tochter leidet unter Mobbing und redet mit Mutter und Lehrerin über ihr Problem.
    Eltern sollten sich nicht direkt an den Täter wenden, wenn ihr Kind gemobbt wird, sondern an Beratungsstellen oder die Lehrkraft.

    © iStock / SDI Productions

    Hilfe bei Mobbing am Arbeitsplatz

    Es gibt keine Standardlösungen, um sich gegen Mobbing am Arbeitsplatz zu wehren. Wichtig ist es, zuerst einmal die eigene Wahrnehmung zu überprüfen: Ist die Situation wirklich so verfahren, wie ich sie empfinde? Es lohnt sich, auch Unbeteiligte nach ihrer Einschätzung zu fragen. Mitunter führen persönliche Auffälligkeiten oder psychische Probleme dazu, dass man sich anderen gegenüber unbewusst abweisend verhält oder kleine Konflikte als Mobbing auffasst. Ein Tagebuch kann helfen, die eigenen Handlungen und das Verhalten der anderen zu dokumentieren und besser zu beurteilen.

    Erhärtet sich der Mobbing-Verdacht, ist folgendes Vorgehen sinnvoll:

    Gespräch mit anderen Personen und dem Täter suchen: Zunächst eine andere Person ins Vertrauen ziehen und erst danach den Täter direkt auf sein Verhalten ansprechen. Führt das zu keiner Klärung des Konflikts, ist es sinnvoll, den Vorgesetzten zu informieren. Anschließend sollten Personal- oder Betriebsräte sowie spezielle Beratungsstellen miteinbezogen werden. Sie sind auch die richtigen Anlaufstellen, falls der Vorgesetzte selbst der Täter sein sollte. Ändert sich die Situation nicht, ist eine Rechtsberatung sowie psychologische/ärztliche Hilfe wichtig, um langfristige Folgen des Mobbings zu verhindern.

    Sinnvoll ist alles, was das Selbstwertgefühl stärkt: Das können unter anderem Sport, Hobbys oder Treffen mit Freunden sein. Manchmal kann es auch helfen, eine Anpassungsstrategie zu wählen und sich zum Beispiel eine gewisse Gleichgültigkeit anzutrainieren. Entspannungstechniken wie Yoga oder autogenes Training können dafür sorgen, dass man Anfeindungen besser wegsteckt – und die Täter im besten Fall aufgeben.

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