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Schüchterne Kinder bestärken

Mädchen lacht beim Spielen mit Freunden.

© AOK

Lesezeit: 6 MinutenAktualisiert: 01.03.2021

Sei frech und wild und wunderbar – lautet ein Rat von Astrid Lindgren. Doch was, wenn das eigene Kind so gar nicht frech und wild, sondern eher zurückhaltend und vorsichtig ist? Jeder hat ein anderes Temperament – und das ist auch gut so. Doch wenn Kinder durch ihre Schüchternheit benachteiligt und stark belastet werden, sollten Eltern etwas unternehmen. Was sie tun können, erläutert ein Experte.

Inhalte im Überblick

    Schüchtern sein: Wann wird es zum Problem?

    Wenn ein Kind sehr schüchtern und zurückhaltend ist, können Eltern befürchten, ihr Kind werde sich in der Welt nicht behaupten können, keine Freunde finden oder leicht übersehen werden. Kinder- und Jugendpsychiater und -psychotherapeut Professor Stephan Bender von der Uniklinik Köln gibt Entwarnung: "Schüchtern zu sein, ist eine Persönlichkeitseigenschaft, die völlig wertneutral und überhaupt nicht schlimm ist.

    Ob das Kind eher extrovertiert oder introvertiert ist, wird ihm mit in die Wiege gelegt. Wie ausgeprägt diese Merkmale sind, kann aber beeinflusst werden. „Man sollte nicht versuchen, das Temperament seines Kindes zu ändern und es zu verbiegen. Aber wenn es in einen krankhaften Bereich geht, kann man mit Erfahrung und Training viel erreichen“, sagt der Experte.

    Ab wann ist Schüchternheit also ein Problem? „Ängstlichkeit wird dann klinisch relevant, wenn man merkt, dass sie das Kind belastet oder wenn ihm dadurch Nachteile entstehen. Dann ist es nicht mehr nur eine Persönlichkeitseigenschaft, dann sollte es behandelt werden.“, meint Professor Bender. Eltern können zunächst mit ihrem Kinderarzt über die Einschränkungen für das Kind sprechen und in Absprache mit ihm den Kontakt zu einem  Kinder- und Jugendpsychiater oder -psychotherapeuten suchen.

    „Es ist überhaupt nicht schlimm, wenn ein Kind schüchtern ist. Jedes Kind hat ein anderes Temperament und das ist vollkommen in Ordnung so.“

    Prof. Dr. Stephan Bender
    Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Uniklinik Köln

    So können Eltern ihren Kindern helfen

    „Die Behandlung von Angststörungen besteht darin, sich den Ängsten zu stellen und dann auch die Erfahrung zu machen: Mir passiert nichts, und ich kann das“, sagt Bender. Wenn ein Kind sich beispielsweise nicht traut, vor der Klasse zu sprechen, besteht die Therapie darin, es anzuleiten, seine Angst auszuhalten und diese Situationen zu üben.

    Kind lacht vor Freude auf Schaukel.

    © AOK

    Auch Eltern können viel tun, um ihr Kind zu unterstützen. So sollten sie es beispielsweise ermutigen, die Dinge, die ihm nicht ganz so leichtfallen, trotzdem zu tun. Sie sollten versuchen, ihrem Kind nicht alles abzunehmen, sondern ihm altersangemessene Dinge zutrauen. Das kann zum Beispiel der Gang alleine zum Bäcker oder das Einladen von Freunden zu sich nach Hause sein.

    „Eltern sollten ihrem Kind nicht alles abnehmen und ihm auch mal Dinge anvertrauen, die seinem Alter entsprechen.“

    Prof. Dr. Stephan Bender
    Direktor der Klinik für Psychatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Uniklinik Köln

    Vorbildfunktion beeinflusst Schüchternheit

    Ein ebenfalls wichtiger Aspekt ist die Vorbildfunktion. Je jünger das Kind ist, desto stärker orientiert es sich an seinen Bezugspersonen. Wie ängstlich und schüchtern sind diese? Was trauen sie dem Kind zu? Eine große Hilfe ist es, dem Kind Situationen vorzuleben, die ihm Schwierigkeiten bereiten. Eltern können somit über positive Erfahrungen und das eigene Vorleben ganz viel steuern.

    Der Experte rät zudem: Man sollte seinem Kind auch vermitteln, dass es in Ordnung ist, schüchtern zu sein. Und es für die Dinge loben, die es geschafft hat.

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