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Chronische Niereninsuffizienz: Wenn die Nieren langsam versagen

Veröffentlicht am:11.05.2026

6 Minuten Lesedauer

Etwa jeder 7. bis 10. Mensch in Deutschland hat eine chronische Niereninsuffizienz, sagen Schätzungen. Was es bedeutet, wenn die Nieren nur noch eingeschränkt funktionieren, woran man das merkt und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Eine Ärztin macht bei einer jungen Patientin eine Ultraschalluntersuchung der Nieren.

© iStock / ljubaphoto

Die Nieren: „Kläranlage“ des Körpers

Die Nieren sind wahre Wunderwerke. Sie reinigen das Blut, schaffen Stoffwechselprodukte und Giftstoffe nach draußen und regulieren, wie viel Wasser und Mineralien im Körper zirkulieren. Sie produzieren aber auch Hormone und steuern darüber unter anderem den Blutdruck und die Produktion roter Blutzellen.

Die allermeisten Menschen haben zwei Nieren. Die Organe haben die Form dicker Bohnen und sitzen rechts und links der unteren Wirbelsäule. Der Urin, den sie produzieren, läuft über die Harnleiter in die Harnblase.

Solange das gut funktioniert, nehmen wir unsere Nieren in der Regel gar nicht wahr. Erst wenn sie nicht mehr richtig arbeiten, merken wir das – und auch dann oft erst sehr spät, denn die Natur hat bei der Nierenfunktion eine dicke Reserve eingeplant: Erst wenn mehr als die Hälfte des Nierengewebes zerstört ist, reichern sich Giftstoffe und Wasser im Körper an, weil sie nicht mehr ausreichend ausgeschieden werden.

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Niereninsuffizienz: Warum arbeiten die Nieren nicht mehr richtig?

Eine Niereninsuffizienz tritt meistens (aber nicht immer!) in der zweiten Lebenshälfte auf. Mit zunehmendem Alter lässt die Funktion der Organe bei allen Menschen etwas nach, gesunde Nieren erfüllen ihre Aufgaben aber trotzdem bis ans Lebensende.

Es gibt sehr viele mögliche Ursachen für eine Niereninsuffizienz, darunter angeborene Krankheiten wie Zystennieren, entzündliche Erkrankungen und Schäden durch Medikamente oder Giftstoffe. Am häufigsten sind heute aber Diabetes mellitus und Bluthochdruck Verursacher einer chronischen Niereninsuffizienz. Diese Krankheiten führen zu Veränderungen an den Blutgefäßen und Zerstörung von Nierengewebe.

Bei einer akuten Niereninsuffizienz verschlechtert sich die Nierenfunktion rasch. Sie kann schnell sehr bedrohlich werden, ist aber meistens reversibel. Die chronische Niereninsuffizienz entwickelt sich hingegen über einen langen Zeitraum und macht anfangs keine Symptome.

Schätzungen gehen davon aus, dass 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung in westlichen Industrieländern an einer chronischen Niereninsuffizienz leiden – also jeder 7. bis 10. Mensch.

Welche Symptome treten bei Niereninsuffizienz auf?

Weil die Nierenkapazität so eine großzügige Reserve hat, bemerkt man ein chronisches Nierenversagen lange gar nicht. Auffällig sind in diesem Stadium meist nur die Blutwerte. Kommt die Nierenleistung an ihre Grenzen, werden Stoffwechselprodukte, andere Giftstoffe und Wasser nicht mehr ausreichend ausgeschieden. Das kann sehr unterschiedliche Symptome hervorrufen, darunter:

  • Ödeme (Schwellungen), oft im Gesicht oder an den Beinen
  • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
  • Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust
  • trockene, juckende Haut
  • ausgeprägte Müdigkeit, Schwäche
  • Atemnot
  • Muskelkrämpfe, Lähmungserscheinungen
  • Konzentrationsstörungen, Verwirrtheit
  • Bluthochdruck
  • Blässe

Folgen wie Bluthochdruck, Wasserüberlastung und Ansammlung von Schadstoffen wirken sich auch auf andere Organe aus. Vor allem das Herz ist betroffen; die Herzmuskelwand kann sich verdicken und versteifen, Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße entstehen und häufig auch Herzrhythmusstörungen. Die verschlechterte Herzfunktion schädigt umgekehrt die Nieren.

Nicht alle Symptome und Krankheitsfolgen treten bei allen Betroffenen auf. Wichtig ist aber bei entsprechenden Symptomen, einen Arzt oder eine Ärztin zu konsultieren, um eine Niereninsuffizienz oder auch eine andere Erkrankung als Ursache zu erkennen und zu behandeln.

Welche Stadien gibt es bei einer Niereninsuffizienz?

Die medizinische Einteilung der Stadien richtet sich nach den Laborwerten. Entscheidend sind Blutwerte wie Kreatinin (dessen Wert bei nachlassender Nierenfunktion steigt) und Messungen im Urin, anhand derer die sogenannte glomeruläre Filtrationsrate (GFR) berechnet wird. Für eine erste Einordnung kann die Nierenleistung aber auch nur anhand von Kreatinin im Blut sowie Alter und Geschlecht geschätzt werden – „geschätzte glomeruläre Filtrationsrate“ (eGFR) genannt:

  • Stadium 1: GFR über 90, leichte Funktionseinschränkung der Niere, Kreatinin oft noch normal, teilweise Eiweiß im Urin
  • Stadium 2: GFR 60 bis 89, kompensierte Retention, noch keine oder nur sehr wenig Beschwerden
  • Stadium 3: GFR 30 bis 59, dekompensierte Retention, Kreatinin und Harnstoff im Blut deutlich erhöht, körperliche Beschwerden beginnen
  • Stadium 4: GFR 15 bis 30, ausgeprägtes chronisches Nierenversagen, viele Medikamente müssen in ihrer Dosis angepasst werden oder dürfen nicht mehr gegeben werden
  • Stadium 5: GFR unter 15, terminales Nierenversagen, häufig Dialyse notwendig

Wie erkennt man eine Niereninsuffizienz?

Weil die Erkrankung sich in frühen Stadien meist noch nicht durch Symptome bemerkbar macht, spielt die Früherkennung eine wichtige Rolle. Vor allem Personen mit Bluthochdruck oder Diabetes mellitus sollten regelmäßig die Nierenwerte kontrollieren lassen.

Sind die Blutwerte auffällig oder gibt es andere Hinweise auf eine Nierenerkrankung, werden weitere Untersuchungen durchgeführt. In der Regel sind das Urinanalysen und eine Ultaschalluntersuchung der Nieren.

Gesundheits-Check-up

Gesetzlich Krankenversicherte haben zwischen 18 und 34 Jahren einmalig und ab 35 Jahren alle drei Jahre Anspruch auf einen allgemeinen Gesundheits-Check-up zur Früherkennung häufiger Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus oder Nierenerkankungen. Zur Leistung gehören Anamnese, körperliche Untersuchung, Laboruntersuchungen sowie eine Beratung über die Untersuchungsergebnisse und zu individuellen Risikofaktoren.

Kann man an einer Niereninsuffizienz sterben?

Ja, im Endstadium kann eine Niereninsuffizienz zum Tod führen. Werden Stollfwechselprodukte, Giftstoffe und Wasser nicht mehr ausreichend ausgeschieden, wirkt sich das auf den gesamten Organismus aus – der Körper vergiftet sich quasi selbst.

In früheren Zeiten bedeutete eine Niereninsuffizienz im Endstadium den sicheren Tod. Heute kann man mit der Dialyse („künstliche Niere“) Teile der Nierenfunktion ersetzen und so durch regelmäßige Therapie (abhängig von den Begleiterkrankungen) ein Überleben über Jahre ermöglichen.

Chronische Niereninsuffizienz: Behandlung

Zerstörtes Nierengewebe kann nicht wiederhergestellt werden. Eine chronische Niereninsuffizienz ist deshalb irreversibel; das heißt, sie kann nicht geheilt oder rückgängig gemacht werden. Eine Behandlung kann aber das Fortschreiten verlangsamen oder sogar verhindern – und in fortgeschrittenen Stadien die fehlende Nierenfunktion übernehmen (Dialyse).

Dialyse-Apparat neben einem Patienten im Klinikbett.

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Bis sich ein geeignetes Spenderorgan findet, muss eine fortgeschrittene Niereninsuffizienz mit Dialyse („künstlicher Niere“) behandelt werden.

Behandlung in frühen Krankheitsstadien

In frühen Krankheitsstadien, wenn die Nieren noch weitgehend normal arbeiten, geht es darum, das Fortschreiten der Niereninsuffizienz zu bremsen und andere Organe zu schützen. Auslösende Ursachen wie Bluthochdruck und Diabetes mellitus sollten sorgfältig behandelt, also Blutdruck und Blutzuckerspiegel gut eingestellt werden.

Hat die Funktionseinschränkung der Nieren bereits zu Anämie (Blutarmut) oder Störungen des Knochenstoffwechsels geführt, kommen weitere Medikamente hinzu. Manchmal werden auch harntreibende Arzneimittel gegeben, um die restliche Nierenfunktion zu unterstützen.

Wichtig sind in allen Stadien der Erkrankung eine angepasste Ernährung und die richtige Trinkmenge, die die eingeschränkte Nierenfunktion berücksichtigen. Mit diesen Maßnahmen kann eine weitere Verschlechterung der Nierenfunktion oft lange hinausgezögert werden.

Behandlung bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz

In fortgeschrittenen Stadien, wenn die Nieren praktisch gar nicht mehr arbeiten, braucht es einen Ersatz für ihre Filter- und Klärfunktion. Bei der Dialysebehandlung ersetzt eine Art Filtermaschine die Nieren. Das komplette Blut wird durch das Dialysegerät geleitet und dort von überschüssigen und harnpflichtigen Substanzen gereinigt. Die Behandlung erfolgt entweder in speziellen Dialysezentren mehrmals die Woche über mehrere Stunden oder als Peritonealdialyse zu Hause. Zurzeit erhalten in Deutschland etwa 80.000 Menschen Dialyse.

Einige Patientinnen und Patienten bekommen die Möglichkeit einer Nierentransplantation: Eine gesunde, funktionstüchtige Niere eines toten oder lebenden Spenders beziehungsweise einer Spenderin wird eingesetzt und übernimmt, wenn alles klappt, die Funktion der ausgefallenen Organe. Die Betroffenen müssen allerdings lebenslang Medikamente einnehmen, um eine Abstoßung des fremden Organs zu verhindern.

Fachlich geprüft
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