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Virale Hepatitis A, B, C, D und E: Was sind die Unterschiede?

Veröffentlicht am:21.05.2026

14 Minuten Lesedauer

Hepatitis ist nicht gleich Hepatitis. Für die infektiösen Formen A, B, C, D und E sind unterschiedliche Erreger verantwortlich. Was die einzelnen Viren unterscheidet und was das für die Vorsorge, mögliche Impfungen und die Behandlung bedeutet.

Eine junge Frau sitzt in einem Behandlungszimmer. Neben ihr steht ein Mann in einem weißen Kittel, der Einweghandschuhe trägt. In der linken Hand hält er eine Spritze, mit der rechten Hand schiebt er den Ärmel der Frau bis zur Schulter hoch, so dass ihr Oberarm frei liegt.

© iStock / RossHelen

Was ist eine Hepatitis?

Hepatitis ist der Oberbegriff für eine Leberentzündung. Solche Entzündungen können unterschiedliche Ursachen haben, darunter auch nichtinfektiöse:

  • Alkoholkonsum,
  • Überdosierung von Medikamenten oder
  • eine nichtalkoholische Fettleber.

Häufig wird die Infektion aber durch bestimmte Viren verursacht. Es gibt verschiedene Hepatitis-Viren, die nach der Reihenfolge ihrer Entdeckung als Hepatitis-A-, -B-, -C-, -D- und -E-Viren bezeichnet werden. Analog dazu heißen die viralen Hepatitis-Formen Hepatitis A, Hepatitis B und so weiter.

Welche Symptome hat eine akute Hepatitis?

Bei einer akuten Hepatis kommt es zu einer schnell auftretenden Entzündung der Leber, die innerhalb weniger Wochen bis Monate abklingt. Sie kann ganz ohne Symptome verlaufen, leichte grippeähnliche Symptome auslösen oder bis zu Leberversagen führen.

Mögliche Symptome sind:

  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Fieber
  • Schmerzen im rechten Oberbauch

Manchmal tritt eine Gelbsucht auf. Der Urin kann ungewöhnlich hell bis weiß sein. Auch Juckreiz und Gelenkbeschwerden sind möglich.

Oft bleibt die Infektion unbemerkt und die Viren werden vom Immunsystem erfolgreich bekämpft, so dass keine Behandlung erforderlich ist. Ansteckend sind akut Infizierte trotzdem.

Was ist eine chronische Hepatitis?

Wenn das Immunsystem die Viren nicht besiegen kann, entsteht eine chronische Hepatitis. Man spricht von einer chronischen Hepatitis, wenn diese länger als sechs Monate besteht.

Unbehandelt drohen langfristig schwere Lebererkrankungen wie Leberzirrhose und Leberkrebs. Chronische Infektionen werden vor allem durch das Hepatitis-B- oder C-Virus verursacht.

Welche Form der Hepatitis ist am häufigsten?

Hepatitis B ist weltweit eine der häufigsten Infektionskrankheiten überhaupt. Auch Hepatitis C ist global stark verbreitet. Über 90 Prozent der weltweiten Hepatitis-Todesfälle gehen auf die Viren Hepatitis B und C zurück.

In Ländern mit hohen Hygienestandards wie Deutschland sind virale Hepatitis-Erkrankungen seltener als in Schwellenländern. Am häufigsten sind auch hierzulande Hepatitis B und C; im Vergleich zu anderen Infektionskrankheiten wie zum Beispiel Grippe kommt infektiöse Hepatitis in Deutschland aber selten vor.

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Was ist der Unterschied zwischen Hepatitis A, B, C, D und E?

Alle Hepatitis-Viren können entzündliche Lebererkrankungen auslösen. Sie unterscheiden sich jedoch in Bezug auf ihr Vorkommen und ihren Übertragungsweg.

  • Hepatitis-A-Virus

    Das Hepatitis-A-Virus wird meist unter schlechten hygienischen Bedingungen durch verunreinigtes Trinkwasser oder Nahrungsmittel übertragen. Viren können über ungewaschene Hände an Nahrungsmittel gelangen und über Fäkalpartikel an Händen oder Gegenständen weitergetragen und über den Mund aufgenommen werden.

    Importierte Lebensmittel aus Gebieten, in denen Hepatitis A verbreitet ist, können Infektionsquellen sein. Beispiele hierfür sind gefrorene Beeren und daraus hergestellte Produkte. Eine Ansteckung ist auch durch Blut und Blutprodukte möglich, beispielsweise über mehrfach genutzte Spritzenbestecke bei Drogenabhängigen.

    Außerdem ist eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung durch Kontakt mit einer infizierten Person möglich, zum Beispiel durch Sexualkontakte – meist orale und anale Praktiken, wenn zum Beispiel ein Finger zuerst mit dem Anus und dann mit dem Mund in Berührung kommt.

    • Die Zeit zwischen Infektion und Erkrankung beträgt 15 bis 50 Tage.
    • Es kommt nicht zu chronischen Verläufen.
    • Gegen eine Hepatitis-A-Infektion gibt es einen Impfstoff.
    • Nach einer Impfung oder einer Infektion besteht ein langanhaltender Schutz vor einer erneuten Infektion.
  • Hepatitis-B-Virus

    Bei Infizierten können sich Viren in großen Mengen im Blut befinden. Bereits eine geringe Menge Blut kann zur Übertragung führen, wenn es durch kleine Hautverletzungen oder über die Schleimhäute in den Körper gelangt. Unter anderem in Familien und Gemeinschaftseinrichtungen wie Pflege- oder Kinderheimen kann es zu Ansteckungen kommen.

    In geringeren Mengen kommt das Virus auch in anderen Körperflüssigkeiten wie Speichel, Sperma oder Scheidenflüssigkeit vor. Daher ist auch eine sexuelle Übertragung möglich und eine infizierte Schwangere kann das Virus während der Geburt auf ihr Kind übertragen.

    Die Übertragung durch Blutprodukte ist nicht ausgeschlossen, aber seit der Einführung von Tests und einer besseren Spenderauswahl sehr selten geworden.

    Hepatitis-B-Viren überleben einige Zeit außerhalb des Körpers. Daher kann man sich auch über gemeinsam benutzte Gegenstände anstecken, an denen Blut haftet; beispielsweise durch Spritzen- und Kanülentausch bei Drogengebrauch oder durch mangelnde Hygiene beim Tätowieren, Piercen oder Ohrlochstechen.

    Ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht für Angehörige medizinischer Berufe sowie für Menschen, die häufig wechselnde Sexualpartner oder -partnerinnen haben oder sich Drogen spritzen.

    • Die Zeit zwischen Infektion und Ausbruch der Erkrankung beträgt 45 bis 180 Tage.
    • Nach einer überstandenen Infektion besteht in der Regel eine lebenslange Immunität.
    • Gegen Hepatitis B stehen Schutzimpfungen zur Verfügung.
  • Hepatitis-C-Virus

    Hepatitis-C-Viren kommen im Blut infizierter Menschen vor und können übertragen werden, wenn infiziertes Blut in den Blutkreislauf einer anderen Person gelangt. Die Übertragung erfolgt jedoch nicht so leicht wie bei Hepatitis B.

    Je nach Viruskonzentration können Erreger auch in anderen Körperflüssigkeiten wie Speichel, Schweiß oder Sperma vorhanden sein. Eine Ansteckung darüber ist jedoch sehr unwahrscheinlich. Übertragungen durch Alltagskontakte ohne Beteiligung von Blut sind nicht bekannt.

    Hepatitis-C-Viren können einige Zeit außerhalb des Körpers überleben. Daher ist eine Ansteckung über Gegenstände möglich. In Deutschland stellt das Teilen von Spritzen und anderen Utensilien beim Drogenkonsum das Hauptrisiko dar.

    Eine sexuelle Übertragung von Hepatitis-C-Viren ist grundsätzlich möglich, das Übertragungsrisiko jedoch gering. Ein höheres Ansteckungsrisiko haben Menschen, die Sexualpraktiken mit Verletzungsgefahr ausüben, zum Beispiel ungeschützten Analverkehr. Auch mit HIV Infizierte haben ein höheres Ansteckungsrisiko.

    Auch für Hepatitis-C gilt, dass die Übertragung durch Blutprodukte seit Einführung der diagnostischen Testung Anfang der 1990er-Jahre keinen relevanten Übertragungsweg mehr darstellt.

    Eine mit dem Hepatitis-C-Virus infizierte Schwangere kann das Virus während der Schwangerschaft oder bei der Geburt auf ihr Kind übertragen. Dieses Risiko ist gering, erhöht sich jedoch, wenn gleichzeitig eine HIV-Erkrankung besteht.

    • Zwischen einer Ansteckung und dem Erkrankungsbeginn liegen 14 bis 180 Tage.
    • Eine überstandene Infektion schützt nicht vor einer erneuten Erkrankung.
    • Es gibt keine Impfung gegen Hepatitis C.
  • Hepatitis-D-Virus

    Die Übertragungswege entsprechen denen von Hepatitis-B-Viren. Ansonsten ist das Hepatitis-D-Virus ein Sonderfall: Es ist allein nicht lebensfähig. Um sich zu vermehren, benötigt es die Hülle des Hepatitis-B-Virus.

    Eine Infektion mit Hepatitis D ist somit nur in Kombination mit Hepatitis B möglich (sogenannte Koinfektion, Simultaninfektion oder Superinfektion). Hepatitis D tritt also stets zusammen mit Hepatitis B auf, ist das aggressivste Hepatitis-Virus und führt in 70 bis 90 Prozent der Fälle zu schweren chronischen Verläufen.

    • Der wirksamste Schutz gegen das Hepatitis-D-Virus ist eine Impfung gegen Hepatitis B.
  • Hepatitis-E-Virus

    Auch dem Hepatitis-E-Virus kommt eine Sonderrolle zu. Die hauptsächlich in Deutschland und Europa vorkommenden Varianten werden nicht von Mensch zu Mensch, sondern insbesondere durch Schweine und Wildschweine übertragen.

    In Schwellenländern in Südamerika, Afrika und Asien gibt es andere Virentypen (Genotypen), die auch in Menschen leben und von Mensch zu Mensch verbreitet werden können. Die Ansteckung erfolgt in diesen Ländern vor allem durch verunreinigtes Trinkwasser.

    In den Industrieländern wie Deutschland erfolgt die Übertragung aber hauptsächlich durch den Verzehr von unzureichend gegartem Schweine- beziehungsweise Wildfleisch und daraus hergestellten Produkten.

    Wenn sich jemand auf einer Reise in Länder mit anderen Genotypen infiziert, können diese Hepatitis-E-Viren über Blut und Schmierinfektionen weitergegeben werden, was bei Infektionen durch in Deutschland heimische Viren nicht der Fall ist.

    • Zwischen einer Ansteckung und dem Erkrankungsbeginn liegen 15 bis 64 Tage.
    • Es ist unklar, ob eine überstandene Infektion vor einer erneuten Erkrankung schützt.
    • In China gibt es eine Impfung, die aber nicht vor dem deutschen Genotyp schützt.

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Wer muss sich vor einer Hepatitis-Infektion schützen?

Während die Beschwerden bei einer akuten viralen Hepatitis – unabhängig vom Erreger – sehr mild ausfallen oder ganz ausbleiben können, stellt eine chronische Hepatitis eine schwerwiegende und lebensbedrohliche Erkrankung dar – auch das wiederum bei allen Virustypen.

Für die meisten Menschen in Deutschland besteht jedoch kein Grund zur Sorge, da virale Hepatitis-Erkrankungen hier vergleichsweise selten sind. Risikogruppen sollten sich aber schützen, zum Beispiel:

  • Menschen in medizinischen und pflegerischen Berufen und Reinigungspersonal im Krankenhaus
  • Sozialarbeiter, Gefängnis- und Polizeipersonal, die Kontakt zu Risikogruppen haben
  • Enge Kontaktpersonen von an viraler Hepatitis erkrankten Menschen
  • Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern oder ungeschütztem Geschlechtsverkehr
  • Menschen mit einem geschwächten Immunsystem
  • Drogenkonsumierende Menschen, die sich Konsumutensilien teilen
  • Menschen, die in Gebiete mit hohen Hepatitis-Fallzahlen reisen

Wie kann man sich vor einer Hepatitis-Infektion schützen?

Angehörige von Risikogruppen sollten ihr individuelles Infektionsrisiko mit ihrem Hausarzt oder ihrer Hausärztin abklären und sich gegebenenfalls gegen Hepatitis A und/oder B impfen lassen. Die Impfung bietet den besten Schutz gegen diese beiden Virentypen sowie gegen Hepatitis D.

Wer eine Reise beispielsweise nach Afrika, Mittel- und Südamerika, Südosteuropa, Asien oder in bestimmte Mittelmeerländer plant, sollte sich über das lokale Ansteckungsrisiko informieren und sich entsprechend impfen lassen.

Beim Aufenthalt in Risikogebieten sind weitere Schutzmaßnahmen hilfreich, um lebensmittelbedingten Infektionen vorzubeugen:

  • Leitungswasser abkochen,
  • keine rohen oder nicht durcherhitzten Speisen verzehren. Die bewährte Regel lautet: „Peel it, cook it, or forget it!“ („Schäle es, koche es oder vergiss es!“)

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Ein Mann und eine Frau essen mit Stäbchen in einem Restaurant. Auf dem Tisch stehen neben den Tellern zwei aufgeschnittene grüne Kokosnüsse, in denen sich Strohhalme befinden.

© iStock / miodrag ignjatovic

Bei schlechten hygienischen Bedingungen kann das Hepatitis-A-Virus durch verunreinigte Nahrungsmittel übertragen werden.

Wie wird eine virale Hepatitis diagnostiziert und behandelt?

Bei Verdacht auf eine durch Viren verursachte Hepatitis stehen verschiedene labortechnische Verfahren zur Verfügung, mit denen sich die jeweiligen Viren respektive deren Antikörper nachweisen lassen. Bei akuten Erkrankungen werden meist nur die Symptome, wie beispielsweise Übelkeit oder Fieber behandelt.

Für eine chronische Hepatitis der Typen B, C, D und E stehen unterschiedliche antiviral wirkende Substanzen zur Verfügung. Kommt es im Rahmen einer chronischen Hepatitis zu einem Leberversagen, ist eine Lebertransplantation derzeit die einzige Behandlungsoption.

Wie unterscheiden sich die Behandlungsmethoden der verschiedenen Hepatitisarten?

  • Bei der Behandlung der chronischen Hepatitis-C kommen meist Tabletten mit mehreren Wirkstoffen für einen Zeitraum von acht oder zwölf Wochen zum Einsatz.
  • Zur Behandlung der chronischen Hepatitis-B ist meist die dauerhafte Einnahme von Medikamenten erforderlich, um die Viruslast zu senken und die weitere Schädigung der Leber zu vermeiden.

Gegen Hepatitis A existiert keine gezielte Behandlungsmöglichkeit. Ziel der Behandlung ist es, die Vermehrung der Viren zu hemmen.

Wie sieht die Hepatitis-Vorsorge aus?

Zur Gesundheitsvorsorge gibt es im Rahmen des Gesundheits-Check-ups einen einmaligen Früherkennungstest für Hepatitis B und C. Für Hepatitis B steht zudem ein Test im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge zur Verfügung.

Der 28 Juli ist der Welt-Hepatitis-Tag

Hepatitis ist weltweit jährlich für mehr als eine Million Todesfälle verantwortlich. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich zum Ziel gesetzt, Hepatitis bis 2030 zu eliminieren.

Der Welt-Hepatitis-Tag, der jedes Jahr am 28. Juli stattfindet, soll die Aufmerksamkeit für die Krankheit erhöhen und die nationalen und internationalen Bemühungen im Kampf gegen Hepatitis verstärken.

Der 28. Juli wurde als Datum gewählt, da es der Geburtstag des Nobelpreisträgers Dr. Baruch Blumberg ist. Er entdeckte das Hepatitis-B-Virus und entwickelte einen Diagnosetest sowie einen Impfstoff gegen das Virus.

Zeit zu handeln: Am 28. Juli ist Welt-Hepatitis-Tag
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