Psychologie
Looksmaxxing: Wie gefährlich ist der Online-Trend?
Veröffentlicht am:22.05.2026
5 Minuten Lesedauer
Der eigene Körper als Projekt: Looksmaxxing verspricht vor allem jungen Männern Erfolg durch Attraktivität. Doch die Szene setzt auf strenge Ideale, harte Bewertungen und riskante Methoden – mit Folgen für Selbstwert und Gesundheit.

© iStock / FabrikaCr
Was ist Looksmaxxing?
Looksmaxxing bedeutet, das eigene Aussehen so weit wie möglich zu optimieren. Das Ziel: Vor allem junge Männer wollen dadurch ihr „genetisches Potenzial“ voll ausschöpfen, um attraktiver zu werden und gesellschaftlich anerkannter zu sein.
In den letzten Jahren ist der Social-Media-Trend vor allem auf TikTok immer beliebter geworden. Wer Looksmaxxing betreibt unterscheidet dabei zwischen zwei Formen der Selbstoptimierung: Softmaxxing und Hardmaxxing.
Das erste umfasst harmlosere Tipps zu Hautpflege, Frisur oder Fitness. Hardmaxxing dagegen meint extreme Eingriffe – von Steroiden über riskante Schönheits-Operationen bis hin zu selbstverletzenden Praktiken wie dem Bone Smashing, bei dem die Männer beispielsweise durch Schläge auf ihre Kieferknochen ein markanteres Aussehen erzielen wollen.
Wie ist Looksmaxxing entstanden?
Looksmaxxing stammt ursprünglich aus der Incel-Szene. „Incel“ ist die Abkürzung für „involuntary celibate“ und damit für Männer, die sich als unfreiwillig ohne Beziehung oder Sex erleben. In ihren Foren suchen sie nach Erklärungen und eine davon lautet: ihr Aussehen. Eigenschaften wie Persönlichkeit, Charakter oder Status sehen sie dagegen oft als zweitrangig an.
In der Regel gehören die Looksmaxxing-Communities, beispielsweise auf TikTok, Instagram oder Reddit, zur sogenannten „Manosphere“. Dieses Netzwerk aus Männern teilt sich ein Weltbild, das sich an der Red-Pill- oder der Black-Pill-Ideologie orientiert. Ihre Anhänger gehen davon aus, dass sie benachteiligt werden und unter einer Feindseligkeit gegenüber Männern leiden, zudem unterstützen sie Frauenfeindlichkeit sowie traditionelle Geschlechterrollen.
Mittlerweile ist der Looksmaxxing-Trend vor allem auf Social-Media-Plattformen so populär, dass Forscher und Forscherinnen ihn zunehmend als potenzielles gesundheitliches und gesellschaftliches Problem diskutieren, das mehr Aufmerksamkeit von Forschung, Öffentlichkeit und Politik erfordert.
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Was macht Looksmaxxing so gefährlich?
Looksmaxxing wirkt nach außen wie Selbstoptimierung, es funktioniert in vielen Fällen aber als System der Erniedrigung. Online bewerten Männer ihre Körper gegenseitig anhand der sogenannten PSL-Skala (ein Bewertungssystem aus der Manosphere) und ordnen sich in eine Rangordnung ein.
Wer mit einer neun oder zehn von zehn bewertet wird, gilt als „Chad“, das männliche Idealbild der Manosphere. Wer dagegen mit einer drei von zehn oder niedriger abschneidet, ist ein „subhuman“, ein Mensch unter dem Minimum. Selbst Looksmaxxing soll diese Männer nicht mehr zu einem „Chad“ machen können.
Die Bewertungen sind selten konstruktive Rückmeldungen, sondern fast immer geprägt von aggressivem Verhalten und Beleidigungen. Forschende nennen es „masculine demoralisation“: Männer vermitteln anderen Männern, dass sie nicht den gängigen Schönheitsidealen entsprechen und keine Aussicht auf eine romantische oder sexuelle Beziehung haben sowie als Männer versagen.
Welche körperlichen Risiken hat Looksmaxxing?
Looksmaxxing kann den Körper ernsthaft schädigen, beispielsweise durch das „Bone Smashing“. Dabei schlagen sich Nutzer gezielt auf Knochen wie die Wangenknochen, um Verletzungen zu verursachen. Dadurch soll der Knochen vermeintlich stärker und ausgeprägter nachwachsen. Die möglichen gesundheitlichen Folgen: Blutungen, Blutergüsse und Gewebe-Schäden.
Eine andere Form ist das „Mewing“, bei dem die Zunge gegen den Gaumen gepresst wird, in der Hoffnung, dass der Kiefer eine maskulinere Form bekommt. Allerdings gibt es dafür keine wissenschaftlichen Belege. Denn das Looksmaxxing-Wissen ist ein Mix aus Pseudowissenschaften, Fachjargon und medizinisch ungeprüften Erfahrungsberichten – in der Wissenschaft wird das Phänomen daher als „Bro-science“ bezeichnet.
Dazu kommen Empfehlungen für riskante chirurgische Eingriffe wie Beinverlängerungen, Kieferoperationen, Nasenkorrektur und Augenlidchirurgie. Diese Operationen werden als normale Schritte auf dem Weg zum „Chad" dargestellt und von Laien ohne medizinische Ausbildung empfohlen.

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Wie kann Looksmaxxing die Psyche negativ beeinflussen?
Die psychischen Folgen können von Unzufriedenheit mit dem Körper, über Essstörungen und Depressionen bis hin zu suizidalen Gedanken reichen. Denn in den Looksmaxxing-Communities bewerten sich die Jugendlichen und Männer immer wieder neu und machen ihren Selbstwert stark davon abhängig, wie sie innerhalb dieser Online-Maßstäbe abschneiden.
Durch das gegenseitige Bewerten entstehen unter den Männern enge Bindungen: Sie bestätigen sich in ihren Problemen, verstärken Unsicherheiten sowie emotionale Verletzlichkeit und machen sich abhängiger von den Meinungen innerhalb der Gruppe.
Diese Meinungen kennen in ihrer Radikalität teilweise keine Grenzen, sodass in manchen Looksmaxxing-Foren sogar Suizid aufgrund des Aussehens angeraten wird. Kanadische Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen dokumentierten dutzende Fälle, in denen Nutzer anderen Mitgliedern empfahlen, sich das Leben zu nehmen.
Looksmaxxing: Das empfiehlt die Wissenschaft
Kanadische Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen kritisieren, dass es zu kurz greift, nur auf die Folgen von Looksmaxxing-Communities zu schauen. Wichtiger sei es, auch die möglichen Ursachen in den Blick zu nehmen, vor allem die starke Orientierung an männlicher Überlegenheit und die festen Vorstellungen davon, wie ein „richtiger“ Mann sein soll. Solche Denkweisen tragen dazu bei, dass sowohl Männer als auch Frauen abgewertet werden. Stattdessen plädieren die Forschenden dafür, Männer zu ermutigen, neue Vorstellungen von Männlichkeit zu entwickeln, bei denen Männer so angenommen werden, wie sie sind.
Warnsignale bei Looksmaxxing: Wann ist professionelle Hilfe sinnvoll?
Wer merkt, dass Gedanken über das eigene Aussehen den Alltag dominieren, sollte das ernst nehmen. Warnsignale dafür können sein:
- viel Zeit damit zu verbringen, das eigene Aussehen im Spiegel zu überprüfen
- starke Unzufriedenheit oder Belastung aufgrund des eigenen Aussehens, die den Alltag beeinträchtigt
- anhaltende negative Gedanken und Gefühle in Bezug auf das eigene Aussehen
Dann kann es helfen, die Nutzung von Online- und Social-Media-Inhalten bewusst zu reduzieren, toxischen Accounts zu entfolgen sowie professionelle Hilfe beim Hausarzt oder bei der Hausärztin, einem Psychotherapeuten oder einer Psychotherapeutin in Anspruch zu nehmen.
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