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Situationship: Wenn der Beziehungsstatus unklar bleibt

Veröffentlicht am:27.04.2026

4 Minuten Lesedauer

Man trifft sich regelmäßig, schreibt sich täglich, schläft miteinander – doch die Frage „Was sind wir eigentlich?“ bleibt ungeklärt: Willkommen in der Situationship. Wann das Phänomen zur Belastung wird und wie man aktiv Klarheit schafft.

Situationship: Ein junger Mann und eine junge Frau liegen im Sonnenschein auf einer Wiese.

© iStock / LightFieldStudios

Was ist eine Situationship überhaupt?

Zwei Menschen verbringen Zeit miteinander, zeigen Zuneigung, haben Sex – und verhalten sich wie ein Paar. Zwar ist eine Situationship mehr als eine Freundschaft mit sexuellen Vorteilen, trotzdem bleibt sie weniger verbindlich als eine romantische Paarbeziehung oder eine offene Beziehung. Denn die Beteiligten benennen diese nicht als solche, offiziell existiert sie nicht.

Der Begriff Situationship stammt aus dem Englischen und setzt sich aus den Wörtern „Situation“ und „Relationship“ (Englisch für Beziehung). Unter jungen Erwachsenen wie Studierenden sind unverbindliche Beziehungsmodelle kein Randphänomen, sondern kommen regelmäßig vor.

Doch woran lässt sich überhaupt erkennen, ob man eine Situationship führt? Eine Studie fand heraus: Wer in einer Situationship steckt, verspürt den stärksten Wunsch nach einer echten Beziehung mit dieser Person. Stärker als bei jeder anderen unverbindlichen Beziehungsform.

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Wie belastend ist eine Situationship?

Unverbindliche Beziehungen, bei denen der Sex im Vordergrund steht, können mit messbar niedrigerem psychischem Wohlbefinden einhergehen, wie einem geringeren Selbstwert, weniger Lebenszufriedenheit, mehr Angst und mehr depressiven Symptome.

Entscheidend dabei ist auch, wie lange die Unklarheit andauert. Studien zeigen, dass unverbindliche, sexuelle Beziehungen kurzfristig – also innerhalb eines Jahres – das psychische Wohlbefinden beeinträchtigen können, ohne dabei zwingend langfristige Schäden zu hinterlassen.

Trotzdem muss die Situationship nicht zwangsläufig belasten. Ob und wie stark jemand darunter leidet, hängt von vielen Faktoren ab, und vor allem davon, ob die eigenen Bedürfnisse und Erwartungen mit der Realität übereinstimmen.

Wem tut eine Situationship gut?

Für manche Menschen ist eine Situationship eine bewusste Wahl. Eine Studie mit Frauen zwischen 33 und 58 Jahren belegt, dass viele von ihnen Situationships aktiv als neue Form der Intimität erprobten – aus Frustration über Ehe und feste Bindungen, nach enttäuschenden Dating-Erfahrungen und ohne Interesse an Enthaltsamkeit. Situationships ermöglichten es ihnen, sexuelle und romantische Nähe zu genießen, gleichzeitig ihre Autonomie zu bewahren und ihre Identität als Singles zu behalten.

Wie schafft man aktiv Klarheit in einer Situationship?

Der beste Weg ist es, ein Gespräch über den Beziehungsstatus einzufordern. Versuchen Sie dabei, in Ich-Botschaften zu sprechen und nicht zu generalisieren. Solch eine klärende Unterhaltung schützt im besten Fall sogar die eigene mentale Gesundheit, denn fehlende Kommunikation über Erwartungen kann dazu beitragen, dass die Situationships einen psychisch belastet.

Fällt es schwer, um ein offenes Gespräch über die Beziehung zu bitten, kann das einen einfachen Grund haben: Viele Menschen haben nie gelernt, wie man es führt. In einer Befragung mit mehr als 3.000 jungen Erwachsenen gaben 70 Prozent an, sie hätten sich von ihren Eltern mehr Orientierung zu emotionalen Aspekten von Beziehungen gewünscht. Rund 65 Prozent hätten sich das auch im Schulunterricht erhofft.

Eine junge Frau und ein junger Mann sitzen auf einer Wiese und unterhalten sich über ihre Situationship.

© iStock / QunicaStudio

Ein klärendes Gespräch über den Beziehungsstatus und die Erwartungen bei einer Situationship kann die Beteiligten entlasten.

Wann ist psychologische Unterstützung sinnvoll?

Geraten Sie immer wieder in Situationships und leiden darunter? Gelingt es Ihnen nicht, Gespräche über den Beziehungsstatus einzufordern? Wer sich in einer belastenden Situationship befindet und merkt, dass es ihm oder ihr nicht gut geht, sollte das ernst nehmen und sich Unterstützung holen. Psychologische Beratung oder Psychotherapie kann helfen, eigene Muster zu verstehen.

Wichtig zu wissen: Laut Forschern und Forscherinnen stehen depressive Symptome und Suizidgedanken in der Jugend im Zusammenhang mit dem Eingehen unverbindlicher Beziehungen im jungen Erwachsenenalter. Und unverbindliche sexuelle Beziehungen sind mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Suizidgedanken im jungen Erwachsenenalter verbunden – ob eines das andere auslöst, lässt sich daraus aber nicht ableiten.

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