Haut & Allergie
Propolis: Wirkung und Risiken des natürlichen Bienenharzes
Veröffentlicht am:03.06.2026
5 Minuten Lesedauer
Propolis ist ein Naturprodukt, das Antioxidantien enthält, doch nicht automatisch gesund ist. Die gehypte gesundheitsfördernde Wirkung des Bienenharzes ist bisher nicht belegt. Stattdessen kann es Allergien auslösen und Wechselwirkungen mit Medikamenten verursachen.

© iStock / bjones27
Was ist Propolis?
Propolis, auch Bienenharz genannt, ist eine klebrige Substanz, die Bienen selbst herstellen. Es besteht aus Harzen, die Bienen von Knospen und Rinden von Laubbäumen sammeln, dazu aus Wachs, Pollenanteilen und Speichelsekret, das einige Enzyme enthält. Bienen nutzen Propolis, um den Bienenstock abzudichten, Waben zu stabilisieren und die Temperatur im Inneren zu regulieren. Zudem hält die Masse, die je nach Herkunftsregion Schattierungen von Rot, Braun, Gelb bis hin zu Grün haben kann, Fressfeinde als auch Bakterien und Pilze vom Bienenstock fern. Propolis hat einen intensiven Geruch und einen bitteren, scharfen Geschmack. Je nach Temperatur ist die Masse fest oder weich und geschmeidig. Propolis kann als Naturprodukt beim Imker gekauft werden oder ist verarbeitet als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich.
Propolis enthält mehr als 300 unterschiedliche chemische Komponenten und soll antibakteriell, antientzündlich und gegen Pilze wirken. Die genaue chemische Zusammensetzung des Bienenharzes hängt stark von der Herkunftsregion und der Bienenart ab, denn sie entscheiden, welche Pflanzen die Bienen zu welcher Jahreszeit gesammelt haben. So haben Studien gezeigt, dass Propolis aus Italien und Russland etwa mehr Polyphenole enthielt als brasilianisches Propolis und somit eine stärkere antioxidative Wirkung hat. Daher sind allgemeingültige Aussagen über die Wirkung von Propolis nur schwer zu treffen. Auch die Lagerungsbedingungen des geernteten Harzes scheinen eine Rolle zu spielen.
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Welche Wirkung hat Propolis?
Bereits seit Jahrhunderten wird Propolis gesammelt und medizinisch genutzt, zum Beispiel um Infektionen vorzubeugen oder Wunden zu heilen. Schon die Ägypter nahmen das Bienenharz, um ihre Toten damit einzubalsamieren. Es war Bestandteil griechischer Parfums, italienischer Politur für Violinen und wurde im Zweiten Weltkrieg als entzündungshemmendes Medikament zur Wundheilung eingesetzt.
Heute werben Influencer und Influencerinnen oder Start-ups für Nahrungsergänzungsmittel mit dem Naturprodukt und loben seine gesundheitlichen Vorteile und seine immunstärkende Wirkung aus. Doch lassen sich diese Behauptungen tatsächlich belegen?
Studien am Menschen zu Propolis sind rar und liefern bisher keine eindeutigen Beweise für eine gesundheitsfördernde Wirkung. So gibt es beispielsweise keine Hinweise darauf, dass Propolis Atemwegserkrankungen wie Erkältung, COVID-19 oder Grippe vorbeugen kann. Zudem hat die Europäische Lebensmittelaufsichtsbehörde EFSA festgestellt: Werbeversprechen über das Bienenharz, die gesundheitliche Vorteile (etwa für Atemwege, Darm, Leber, Durchblutung, Mundgesundheit, Immunsystem oder seine antibakterielle und antimykotische Wirkungen) beinhalten, sind irreführend und unzulässig.

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Die Anwendungsgebiete von Propolis
Wissenschaftliche Untersuchungen, die zumeist in Laboren oder an Tieren stattfanden, legen nahe, dass Propolis möglicherweise bei
- Lippenherpes und
- oraler Mukositis, einer schmerzhaften Mundschleimhautentzündung, helfen könnte.
Beim Lippenherpes konnten die kleinen Fieberbläschen bei einer Behandlung mit Propolis schneller abheilen als ohne Behandlung.
Auch bei der oralen Mukositis, einer sehr schmerzhaften Nebenwirkung von Chemotherapien zeigte Propolis vielversprechende Ansätze. Hier könnte das Bienenharz – allerdings nur nach ärztlicher Rücksprache und aufgrund des Allergiepotentials unter ärztlicher Aufsicht – eine sinnvolle Option sein.
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Wann kann Propolis gefährlich sein?
Propolis ist ein Naturprodukt mit hohem allergischen Potential: 4,2 Prozent der Bevölkerung reagieren allergisch auf das Bienenharz. Auch wer an einer Bienen- oder Wespenallergie leidet, sollte auf keinen Fall Propolis zu sich nehmen, da es im schlimmsten Fall einen lebensgefährlichen allergischen Schock auslösen könnte.
Auch bei folgenden anderen Krankheiten und Allergien kann Propolis zu einer Verschlimmerung der Symptome beitragen:
- Heuschnupfen
- Asthma
- Neurodermitis: Hier kann eine Kreuzallergie mit Propolis vorkommen.
Zudem kann es bei der Einnahme von manchen Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln zu Wechselwirkungen kommen: Dazu gehören Blutverdünner, denn Propolis hat ebenfalls eine gerinnungshemmende Wirkung, wodurch es schneller zu Blutungen kommen kann. Das gilt ebenfalls für die gleichzeitige Einnahme von Präparaten mit Gingko, Ingwer oder Knoblauch. Daneben kann Propolis die Leberenzyme CYP450 hemmen, die für den Abbau von manchen Medikamenten zuständig sind. Dazu gehören einige Cholesterinsenker, Immunsuppressiva, Antidepressiva und Betablocker. Gerade Patienten, die mehrere Arzneimittel einnehmen, sollten deshalb vor der Anwendung von Propolis immer Rücksprache mit einem Arzt oder einer Ärztin halten oder sich in einer Apotheke informieren.
Auch schwangere oder stillende Menschen sollten lieber auf die Einnahme von Propolis verzichten, da zu wenig über die möglichen Risiken bekannt ist.
Propolis kann die Schwermetalle Blei und Cadmium enthalten. Auch die potenziell krebserregenden Pflanzengifte Pyrrolizidinalkaloide, die bereits in kleinen Mengen schädlich sind, können in dem Bienenprodukt vorkommen.
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