Psychologie

Wechseljahre: Wie sie unser Verhältnis zu Schönheit verändern können

Veröffentlicht am:29.07.2026

6 Minuten Lesedauer

von Jennifer Ann Steinort

Die Wechseljahre bringen körperliche und emotionale Veränderungen mit sich, die das persönliche Schönheitsempfinden beeinflussen können. Tipps für einen selbstbewussten Umgang mit dem eigenen Körper.

Eine Frau betrachtet sich im Spiegel und fasst sich in ihr graues Haar.

© iStock / FujiCraft

Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Wechseljahren und Schönheitsempfinden?

Viele Menschen verbinden Schönheit vor allem mit dem Aussehen von Haut und Haaren oder mit dem Körpergewicht. Wenn die Östrogenproduktion in den Wechseljahren zurückgeht, verändert sich die Haut deutlich. Schließlich sind die Östrogene eng verbunden mit der Dicke, der Durchfeuchtung und der Elastizität der Haut. Was bereits in den Wechseljahren spürbar ist, setzt sich nach der letzten Regelblutung im Leben einer Frau fort: Die Haut verliert in den ersten fünf Jahren nach der Menopause im Schnitt etwa 30 Prozent ihres Kollagens, was sie dünner, trockener und faltenanfälliger macht.

Auch die Haare verändern sich in den Wechseljahren. Die Wachstumsphase der Haarfollikel verkürzt sich, die Kopfhaare werden dünner, weil sie weniger Zeit zum Wachsen haben. Gleichzeitig verschiebt sich das Hormonverhältnis zugunsten der männlichen Sexualhormone, den Androgenen, was bei manchen Frauen zu vermehrtem Haarwuchs im Gesicht führt.

Inwieweit das Schönheitsempfinden mit dem Körpergewicht und den Wechseljahren zusammenhängt, da sind sich Forschende nicht einig. Einige Studien fanden bei Frauen in oder nach den Wechseljahren eine größere Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper als davor, eine andere Studie kam sogar zum gegenteiligen Ergebnis: Frauen waren hier nach den Wechseljahren zufriedener mit ihrem Gewicht als Frauen davor.

Wie attraktiv fühlen sich Frauen in den Wechseljahren?

Forschende aus Kanada haben in einer Übersichtsarbeit ausgewertet, wie Frauen ihren Körper in den Wechseljahren erleben. Ihr Ergebnis: Wer stärker unter Wechseljahresbeschwerden leidet, bewertet auch den eigenen Körper häufiger negativ – weniger die Menopause selbst als vielmehr die Stärke der Beschwerden spielt dabei eine Rolle.

Die Wechseljahre gelten gesellschaftlich oft als reines Zeichen des Älterwerdens, bei dem Frauen angeblich automatisch an Attraktivität und Weiblichkeit verlieren. Wie eine Frau diese Phase tatsächlich erlebt, hängt aber von mehreren Faktoren ab: ihrer Lebenssituation, ihrem Selbstbild und nicht zuletzt davon, wie sie grundsätzlich zum Älterwerden steht.

Frauen reagieren auf ihr verändertes Aussehen in den Wechseljahren sehr unterschiedlich. Die eine befürchtet, an Attraktivität einzubüßen, die nächste spürt keinen Unterschied zu vorher. Und manche empfinden das Ausbleiben der Periode schlicht als Erleichterung.

Bewerten Frauen die Attraktivität ihres Gegenübers in den Wechseljahren anders als vorher?

Mit den Wechseljahren könnte sich laut einer Studie auch verschieben, was Frauen an Männern attraktiv finden: Frauen nach der Menopause bewerteten sehr maskuline, V-förmige Männerkörper als weniger attraktiv als Frauen vor der Menopause. Ein ähnliches Muster zeigte sich beim Blick auf Gesichter: Frauen stuften in einem Experiment mit zwei digital bearbeiteten Versionen desselben Frauengesichts – einer feminineren und einer maskulineren – häufiger die feminisierte Variante als attraktiver ein. Möglicherweise, weil mit sinkender Fruchtbarkeit auch die Konkurrenzwahrnehmung gegenüber anderen Frauen abnimmt. Bei der Bewertung männlicher Gesichter gab es dagegen kaum einen Unterschied zwischen Frauen vor oder nach der Menopause.

Wie stark beeinflussen die Wechseljahre das Selbstwertgefühl?

Eine Befragung von über 460 Frauen im Alter zwischen 42 und 83 Jahren zeigt, dass sich körperliche Veränderungen in den Wechseljahren auch auf das Selbstwertgefühl auswirken können. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, dass die Wechseljahre ihr Selbstwertgefühl beeinträchtigt haben. Besonders häufig nannten sie Veränderungen an Haut und Haaren: Rund 70 Prozent berichteten von schlafferer Haut, mehr als 70 Prozent von einer schlechteren Haarqualität.

Fast die Hälfte der Befragten gab zudem an, vor den Wechseljahren nicht ausreichend über diese möglichen Veränderungen informiert worden zu sein. Eine bessere Aufklärung könnte daher dazu beitragen, dass Frauen die körperlichen Veränderungen in den Wechseljahren besser einordnen können und sich weniger davon überrascht fühlen.

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Die Wechseljahre als Phase der Neuorientierung

Die Zeit um die Menopause herum ist für viele Frauen ein Anlass, einen Schritt zurückzutreten und das bisherige Leben neu zu bewerten: Welche Prioritäten haben sich verschoben, was zählt jetzt wirklich? Auch der Blick auf das eigene Äußere gehört oft zu dieser Bestandsaufnahme dazu, denn er verändert sich in dieser Phase genauso wie vieles andere im Leben, etwa das Erwachsenwerden der Kinder.

Manche Frauen beschreiben die Wechseljahre als neue Freiheit, als Aufbruch in einen Lebensabschnitt mit mehr Energie. Andere kämpfen eher mit dem Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden oder an Bedeutung zu verlieren. Diese Gegensätze zeigen, wie unterschiedlich Frauen auf dieselbe Lebensphase reagieren können.

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Drei ältere Frauen sitzen lächelnd nebeneinander auf einem Bett und machen ein Selfie.

© iStock / mapodile

Das Schönheitsempfinden in den Wechseljahre kann von Frau zu Frau unterschiedlich sein, wichtig ist die Selbstakzeptanz.

Wie kann ich in den Wechseljahren gelassener mit Veränderungen umgehen?

Körperliche Veränderungen gehören zu den Wechseljahren dazu. Mit diesen Tipps können Sie sich die Phase oft leichter gestalten:

  • Machen Sie sich bewusst, dass es keinen „richtigen“ Weg durch die Wechseljahre gibt – jede Frau findet ihre eigene Art, mit dieser Phase umzugehen.
  • Informieren Sie sich frühzeitig über mögliche körperliche Veränderungen, denn fehlendes Wissen kann unnötig verunsichern.
  • Nehmen Sie Beschwerden wie Hitzewallungen oder Schlafprobleme ernst und sprechen Sie diese bei Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt an, für viele Symptome gibt es Maßnahmen zur Linderung.
  • Nutzen Sie die Phase der Neuorientierung, um zu reflektieren, was Ihnen wirklich wichtig ist – das kann auch Ihren Blick auf sich selbst verändern.
  • Seien Sie offen dafür, dass sich Ihr Verhältnis zu Attraktivität verändern kann, das muss nicht negativ sein. Versuchen Sie, Ihren Körper so anzunehmen, wie er ist, und ihm mit Wertschätzung zu begegnen.
Fachlich geprüft
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