Haut & Allergie

Wie schädlich sind Shellac-, Gel- und Acrylnägel?

Veröffentlicht am:03.07.2026

6 Minuten Lesedauer

Neon-bunt, mit Glitzer, Steinchen oder Blumen – je auffälliger, desto besser. Mit Gel und Shellac lackierte und kunstvoll verzierte Nägel sind ein Hingucker. Doch können sie der Gesundheit schaden? Mehr über Risiken und Schutz.

Einer Frau werden die künstlich modellierten Nägel lackiert.

© iStock / Guillermo Spelucin Runciman

Sind Gel- und Acrylnägel schädlich?

Gel- und Acrylnägel sowie -lacke werden als schädlicher eingestuft als herkömmliche Nagellacke. Sie basieren auf (Meth)acrylaten und enthalten zum Beispiel das Monomer 2-Hydroxypropylmethacrylat (HPMA). Dieses dient zur Aushärtung und kann eine allergische Reaktion wie eine schwere Kontaktdermatitis auslösen.

Mittlerweile werden für die Maniküre auch Sets mit Gel-Lack für den Heimgebrauch angeboten. Das führte zu einem Anstieg allergischer Reaktionen. Eine Allergie auf (Meth)acrylate, verursacht durch Nagelkosmetika, kann bei medizinischen Eingriffen und zahnärztlichen Behandlungen zum Problem werden. Denn (Meth)acrylate sind auch in medizinischen Produkten enthalten.

Zum Beispiel in medizinischen Klebstoffen, Verbänden, orthopädischen Prothesen, Zahnprothesen oder -füllungen sowie Kontaktlinsen. Patientinnen und Patienten, die bereits gegen mindestens ein (Meth)acrylat sensibilisiert sind, sollten den Kontakt mit weiteren (Meth)acrylaten vermeiden, was die therapeutischen Möglichkeiten einschränkt.

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Welche unerwünschten Begleiterscheinungen können durch Gel-Nagellack noch auftreten?

Durch Gel-Nagellack verringert sich die Konzentration der wichtigen Schwefelaminosäuren Cystein und Methionin, die wichtig für die Nagelplatte sind. Durch den Aminosäuremangel wird auch die Anzahl der Disulfidbrücken verringert. Das beeinträchtigt die Festigkeit, Flexibilität und Stabilität der Nägel.

Außerdem steigt durch Gel-Nagellack der pH-Wert der Nägel. Deshalb können häufiger Infektionen auftreten und die Nägel anfälliger für Schädigungen werden. Gelnägel sowie Acrylnägel dienen vor allem dazu, die natürlichen Nägel zu verlängern. Mit Gel-Lack ist das nicht möglich.

Macht Shellac die Nägel kaputt?

Shellac ist ein Naturprodukt und an sich nicht schädlich. Gewonnen wird Shellac aus den Ausscheidungen der Lackschildlaus. Er zeichnet sich durch seine filmbildenden und haftenden Eigenschaften aus und trocknet schnell. Problematisch ist – wie bei Gel-Lacken – das Auftragen und Enfernen.

Shellac wird entweder mit einer Fräsmaschine abgeschliffen oder mit Aceton eingeweicht und dann entfernt. Beide Methoden können den Nagel schädigen. Durch das Abschleifen werden sie dünn, trocken und brüchig. Aceton lässt sie langfristig brüchiger werden und austrocknen.

Auch die für die Maniküre und Pediküre verwendeten Werkzeuge können den Nagel und die umliegende Haut schädigen und Infektionen verursachen.

Seit wann gibt es Nagellack?

Schon in der Antike wurden in China und Ägypten Nägel mit Hennablättern und Ton rötlich-braun gefärbt und geschmückt. Im Mittelalter waren kräftige Farben auf den Nägeln dagegen verpönt. Sie sollten natürlich und kurz gehalten werden. Stattdessen haben die Menschen ihre Nägel mit Cremes und Ölen gepflegt.

Erst in den 1920er Jahren wurden die ersten modernen Nagellacke entwickelt – inspiriert von Lacken aus der Automobilindustrie. 1930 kam der erste farbige Nagellack auf den Markt. Zwei Jahre später entstand mit Revlon das erste Nagellackunternehmen.

Schadet Gel-Lack den Nägeln?

Gel-Lack muss aushärten und das kann zu Schäden am Nagel führen. Zum Aushärten der einzelnen Lackschichten werden UV-Nagellampen benutzt. Während der Maniküre hält man die Hand etwa vier bis sechs Mal unter die Lampe. Insgesamt dauert dies weniger als zehn Minuten.

UV-Lampen zum Aushärten stehen jedoch im Verdacht, Hautzellen und DNA zu schädigen. Ihre UVA-Strahlung und UVB-Strahlung kann womöglich Hautkrebs auslösen. Viele Nagelstudios nutzen mittlerweile auch LED-Lampen, die den Lack schneller aushärten lassen – in 30 bis 60 Sekunden.

Eine Frau hält ihre Hand mit den blau und weiß lackierten Nägeln unter eine UV-Lampe.

© iStock / Galina Kiseleva

Damit der Gel-Lack aushärtet, werden UV-Lampen genutzt.

Können Gel-Nägel & Co. Hautkrebs verursachen?

Nicht der verwendete Lack, sondern die Aushärtung unter der UV-Lampe ist bedenklich. Denn ultraviolette Strahlung kann das Risiko für Hautkrebs erhöhen – sowohl die natürliche, als Teil der Sonnenstrahlung, als auch die künstliche durch UV-Lampen im Solarium. Eine Auswertung von 14 wissenschaftlichen Artikeln schätzt das Risiko durch UV-Lampen für die Nagelhärtung jedoch als gering ein.

Begründet wird das damit, dass die Bedingungen in den Studien nicht den typischen Gebrauch (10 Minuten in zwei Wochen) widerspiegeln würden. Die Bestrahlungszeiten seien viel länger und die Dosen viel höher gewesen. Die vorhandenen Belege würden darauf hindeuten, dass für die Nutzerinnen und Nutzer solcher UV-Lampen ein minimales Hautkrebsrisiko bestehe. Die Wissenschaft ist sich aber nicht einig.

Ob es einen Zusammenhang zwischen UV-Lampen und der Entstehung von Hautkrebs gibt, wird in der Forschung kontrovers diskutiert. Laborexperimente mit Säugetierzellen zeigten jedoch Warnsignale: Die Bestrahlung mit UV-Licht führte zu DNA-Schäden und dauerhaften Mutationen in den Zellen.

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Gel-Nägel: Wie können Sie sich schützen?

Um die Haut von Händen und Füßen vor den UV-Strahlen zu schützen, können Sie eine Sonnencreme verwenden oder fingerlose Handschuhe bei der Maniküre tragen. Das wird vor allem für diejenigen empfohlen, die häufig UV-Lampen verwenden.

Für UV-Lampen fehlt es bisher an Vorschriften und einheitlichen Sicherheitsstandards. LED-Lampen sind aufgrund kürzerer Härtezeiten gegenüber UV-Lampen zu bevorzugen.

Worauf sollten Sie beim Kauf von Gelen und Lacken achten?

Beim Kauf von Gelen und Lacken sollten Sie auf die Zusammensetzung achten. Allerdings weisen wissenschaftliche Studien darauf hin, dass auf den Etiketten nicht immer die tatsächlichen Inhaltsstoffe ausgewiesen sind.

Alle Nagellacke auf Basis von (Meth)acrylaten sind stark sensibilisierend. In traditionellen Nagellacken sind Stoffe enthalten, die als toxisch (giftig) eingestuft sind: Toluolsulfonamid-Formaldehydharz (TSFR), Dibutylphthalat (DBP) und Toluol. Sie wurden auch in Lacken nachgewiesen, die als „giftfrei“ deklariert waren.

Welche Inhaltsstoffe sind in Nagellacken verboten?

Seit dem 1. September 2025 gilt in der EU ein Verbot für Trimethylbenzoyl Diphenylphosphine Oxide (TPO) in Kosmetika. Das Verbot gilt sowohl für den Verkauf als auch für die Verwendung. Restbestände dürfen nicht verbraucht werden. Davon betroffen sind auch Gele und Lacke, die unter UV-Lampen aushärten.

TPO sorgt dafür, dass sie schnell aushärten. Die EU stufte TPO als reproduktionstoxischen Stoff ein, der die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen oder sich schädlich auf die Entwicklung von Nachkommen auswirken kann. Auch Formaldehyd ist in kosmetischen Mitteln verboten.

Ist Nagellack in der Schwangerschaft tabu?

Entscheidend ist, welche Inhaltsstoffe im Nagellack enthalten sind. Als kritisch gelten Toluol und Phthalate. Sie werden hauptsächlich durch Dämpfe beim Auftragen und Trocknen des Nagellackes aufgenommen. Deshalb ist es wichtig, bei der Maniküre auf eine gute Belüftung im Raum zu achten.

Es gilt als unbedenklich, wenn Frauen während der Schwangerschaft gelegentlich ihre Nägel mit Produkten lackieren, die keine giftigen Stoffe enthalten. Wer ganz sicher gehen möchte, sollte aber auf Nagellack verzichten.

Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass Schwangere, die im Nagelstudio arbeiten, ein höheres Risiko für eine Fehlgeburt haben. Allerdings kann der Kontakt mit Chemikalien und Schadstoffen in den Studios sehr unterschiedlich sein. Methylmethacrylat, Toluol, Benzol und andere Chemikalien wurden in Luftüberwachungsstudien gemessen. Wie sie sich in der Schwangerschaft auswirken, ist aber noch nicht ausreichend erforscht.

Fachlich geprüft
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