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Eifersucht: Wie eine Beziehung den Druck übersteht

Ein glückliches Paar liegt im Bett und hält sich im Arm 
Lesezeit: 4 MinutenAktualisiert: 17.08.2020

Die Eifersucht kann Beziehungen erschweren, dominieren und zerstören. Wer es aber schafft, souverän mit ihr umzugehen, wird belohnt – mit einem Liebes-Kick für die Partnerschaft.

Inhalte im Überblick

    Die Eifersucht ist Teil unseres Alltags, sie begegnet uns im Arbeitsalltag, in Freundschaften und vor allem in Liebesbeziehungen. Sie lässt sich nicht gänzlich vermeiden. Aber welches Ausmaß an Eifersucht ist normal? Und wie gehen wir am besten mit der eigenen Eifersucht und der des Partners um? Hier finden Sie Antworten. 

    Eifersucht: Was ist das eigentlich genau?

    „Eifersucht ist kein Gefühl. Eifersucht ist ein Cocktail aus verschiedenen Gefühlen und Verhaltensweisen. Welche sind das? Hierzu zählen: Angst, Misstrauen, Minderwertigkeitsgefühle, sich vernachlässigt fühlen, Neid, verdächtigen, hinterherspionieren, kontrollieren, Schuldgefühle, Ärger und Wut bis hin zu Hass“, so  beschreibt Psychotherapeut Dr. Ralf Merkle das Phänomen der Eifersucht in seinem Buch „Eifersucht: Vertrauen lernen – die Angst, nicht geliebt zu werden, überwinden“. 

    Wie viel Eifersucht ist normal?

    Jüngere Menschen sind eifersüchtiger als ältere. Der Grund: Die Beziehung ist in jungen Jahren oft noch nicht so gefestigt, die Verlustangst also größer, erklärt Dr. Thomas Deutschbein, Autor von „Freiheit von der Eifersucht – Wege zu einer normalen Partnerschaft“. „Eifersucht ist in diesem Weltbild das Warnsignal, welches anzeigt, dass die Beziehung nicht so fest ist wie gewünscht. Wenn die Beziehung als fest erlebt wird, sei es durch langjährige Vertrautheit oder dadurch, dass man sich einig ist, dann tritt Eifersucht in den Hintergrund, denn das Ziel ist erreicht“, so Deutschbein weiter.

    Er bestätigt aber auch, dass es nicht ohne geht: Die Eifersucht gehört zu jeder gesunden Liebesbeziehung dazu! Wir brauchen sie, um achtsam zu bleiben. Und welches Maß ist dabei gesund? Das lässt sich pauschal leider nicht beantworten. Was für den einen normal ist, ist für den anderen schon zu viel. Trotzdem sollten sich zu Eifersucht neigende Menschen folgende Fragen stellen: 

    • Basiert meine Eifersucht auf schlüssigen Argumenten?
    • Lässt sich die Eifersucht mit einem klärenden Gespräch aus der Welt schaffen?
    • Empfindet mein Partner meine Eifersucht schon als stark störend?
    • Belastet meine Eifersucht die Beziehung?

    Wenn die Antworten auf diese Fragen alle in die gleiche Richtung gehen, besteht die Gefahr, dass zu viel Eifersucht die Beziehung begleitet. Zudem könnte es sein, dass die Partnerschaft auf Dauer von Misstrauen, Herzschmerz und Streit dominiert wird. Eifersucht sollte nie das Dauerthema der Beziehung sein.

    Wie bekomme ich die Eifersucht unter Kontrolle?

    Dass man bei Eifersuchtsattacken tatsächlich nicht Herr oder Herrin seiner Sinne ist, zeigt eine Studie der Universität DelawareFrauen, die künstlich eifersüchtig gemacht wurden, fühlten sich so unwohl, dass sich bei visuellen Tests ihre Reaktionsfähigkeit verschlechterte. Eifersucht gilt auch wegen des Kontrollverlusts als ungeliebtes Gefühl, bei dem ein wenig Peinlichkeit sowie Verbitterung mitschwingt und das auf ein Ungleichgewicht in der Beziehung hindeuten kann. 

    Am liebsten würden die meisten Betroffenen ihre Eifersucht schnell wieder loswerden. Wie das gehen kann? Psychotherapeut Wolfgang Krüger hat in seinem Buch „Aus Eifersucht kann Liebe werden: Die Heilung eines ungeliebten Gefühls“ verschiedene Strategien zusammengefasst, die helfen können, die Eifersucht unter Kontrolle zu bekommen. Und er gibt fünf sinnvolle Tipps: 

    1. Den Partner durch Lob, tiefgehende Gespräche und Erotik an sich binden, statt ihn mit Vorwürfen und Anklagen zu belasten! Das führt dazu, dass die Angst, die Partnerschaft könnte zerbrechen, nachlässt. 
    2. Aktiv werden. Der größte Fehler ist, passiv zu bleiben und still vor sich hin zu leiden. Flirtet der Partner fremd oder spürt man, dass die Beziehung gefährdet ist, ist eine offene Kommunikation das Wichtigste.
    3. Eifersucht ist oft ein Zeichen von Selbstzweifel. Man sollte sich deshalb bewusst machen: Warum bin ich liebenswert? Wenn man es selbst nicht weiß: Partner oder Freunde fragen.
    4. Sich unabhängig vom Partner machen! Das heißt: Freundschaften pflegen, jenseits der Partnerschaft ein Leben haben und auf eigenen Beinen stehen, statt sich an den Partner zu klammern. 
    5. Wenn scheinbar nichts hilft und man die Eifersucht nicht in den Griff bekommt: Professionelle Hilfe suchen. 

    Außerdem haben wir bei Diplom-Psychologin Nele Sehrt aus Hamburg nachgefragt, was ihr persönliches Geheimrezept dafür ist, Eifersucht in den Griff zu bekommen. Ihre Antwort: „Solange Grenzen nicht klar kommuniziert werden und das Paar daher noch keine einheitliche Lösung gefunden hat, ist es schwer, Eifersucht aus dem Leben zu verabschieden. Sinnvoll ist es, wenn man sich fragt, was einen genau auf der Verhaltensebene stört. Was möchte ich für mich beanspruchen, was soll nicht geteilt werden? Dann kann ich das meinem Partner mitteilen. Häufig wünscht man sich, dass der Partner sich mehr abgrenzt gegenüber anderen Personen. Das Verhalten im Miteinander ist es, was besser abgesprochen werden kann. Dabei entscheidet jedes Paar für sich selbst, wo und in welcher Form Grenzen gesetzt werden. Da gibt es keine pauschale Lösung.“

    „Wenn ich die Angst spüre, meinen Partner zu verlieren, erscheint er mir begehrenswerter“

    Wolfgang Krüger
    Psychotherapeut

    Wie Eifersucht die Beziehung bereichern kann

    Eifersucht kann zu einem Perspektivenwechsel führen. Der Partner kann wieder mit anderen Augen gesehen werden. Zu Hause ist man vielleicht ständig von 
    Unordnung in der Wohnung genervt, doch sobald der Partner von Miss oder Mister Supersexy auf einer Party angehimmelt wird, ist er wieder attraktiv.
    „Wenn ich die Angst spüre, meinen Partner zu verlieren, erscheint er mir begehrenswerter“, erklärt Wolfgang Krüger. 
    „Ich fange innerlich an zu glühen, merke plötzlich wieder, dass er eine existenzielle Bedeutung für mich hat. Und dass seine Zuneigung keine 
    Selbstverständlichkeit ist.“ Das intensiviere die Beziehung, so der Experte. Mit einem großartigen Nebeneffekt: „Handelt es sich um eine normale Form der
    Eifersucht, heizt die Verlustangst auch das Sexleben an“, sagt er. „Weil ich mir in einer eigentlich intakten Beziehung sicher bin, dass ich durch Nähe, 
    Anerkennung und Berührung meinen Partner wieder fester an mich binden kann.“

    Ein gewisses Maß an Eifersucht gehört demnach zu jeder gesunden Beziehung. Beginnt die Eifersucht aber die Beziehung zu dominieren oder zu erschweren, 
    ist die Kommunikation mit dem Partner entscheidend, um die Eifersucht unter Kontrolle zu bekommen. Scheuen Sie sich auch nicht davor, sich professionelle
    Hilfe bei einem Paartherapeuten zu suchen … 

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