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Eifersucht: Wie Sie der Angst vor dem Liebesverlust selbstbewusst begegnen

In vielen Beziehungen ist Eifersucht ein großes Thema.

© iStock / RgStudio

Lesezeit: 5 MinutenAktualisiert: 03.05.2021

Das Wort „Eifersucht“ leitet sich von den althochdeutschen Begriffen „eiver“ („das Bittere“) und „suht“ („Krankheit“) ab – und es stimmt: Wer ständig eifersüchtig ist, kann die Beziehung bitter machen, sie regelrecht vergiften. Ab wann Eifersucht nicht mehr normal ist und wie sich die negativen Gefühle in den Griff bekommen lassen, erklärt der Psychotherapeut und Beziehungsexperte Dr. Wolfgang Krüger im Interview.

Inhalte im Überblick

    Dr. Wolfgang Krüger ist Diplom-Psychologe und praktizierender Psychotherapeut in Berlin. Er hat zahlreiche Bücher rund um das Thema Liebe verfasst, unter anderem „Eifersucht – der selbstbewusste Umgang mit einem ungeliebten Gefühl“ (BOD Verlag, 2019). Als Tiefenpsychologe hat er den Schwerpunkt seiner Arbeit auf die Überwindung von Ängsten und Depressionen sowie die Aufarbeitung von Beziehungsschwierigkeiten gelegt.

    War jeder schon mal eifersüchtig?

    Absolut, jeder Mensch kennt Eifersucht. Wir fühlen sie in der Kindheit Geschwistern gegenüber, später im Freundeskreis oder natürlich in Liebesbeziehungen. Etwa zehn Prozent der Menschen behaupten, sie wären prinzipiell nicht eifersüchtig, die meisten davon sind Männer. Doch letztlich verdrängen sie die Eifersucht nur, weil sie ein ganz schreckliches Gefühl ist: Man fühlt sich klein, abhängig, außerdem wird Eifersucht oft lächerlich gemacht. Wer sie jedoch verdrängt und dann einen Seitensprung des Partners erleben muss, gerät oft in eine besonders große Krise.

    Wie intensiv kann Eifersucht sein?

    Die erste Form ist die „milde Eifersucht“, die wir alle kennen. Sie tritt situationsbezogen auf, etwa wenn der Partner auf einer Party sehr angeregt mit einer Person im Gespräch ist. Bei dieser Form lässt sich die eifersüchtige Person aber schnell vom Partner überzeugen, dass kein Grund zur Sorge besteht.

    Bei der „mittleren Eifersucht“ erleben wir die Eifersucht häufiger, aber immer noch situationsbezogen. Wir finden etwa, dass unser Partner anderen Personen oft zu viel Aufmerksamkeit schenkt.

    Bei der „massiven Eifersucht“, der dritten Form hingegen, ist die eifersüchtige Person ständig eifersüchtig. In diesem Fall ist die Eifersucht neurotisch.

    Woran merkt man, dass die eigene Eifersucht nicht normal ist?

    Normal wäre: Ich binde meinen Partner durch Vertrauen, Anerkennung und Erotik an mich und kann mich darauf verlassen, dass er sich nicht von mir trennt oder auf der Suche nach Abenteuern ist. Dabei gelegentlich situationsbedingt eifersüchtig zu sein, wie das bei der „milden Eifersucht“ der Fall ist, lässt sich als Liebesbeweis interpretieren. Die Eifersucht ist dann noch in einem weiteren Sinne positiv: Sie dient als Warnsignal, das helfen kann eine Beziehung zu bewahren.

    Indem wir kleine Flirts oder Veränderungen am Partner bemerken, können wir richtig reagieren, dem Partner wieder mehr Aufmerksamkeit schenken und so verhindern, dass die Beziehung an einem Seitensprung scheitert. Je häufiger wir jedoch eifersüchtig sind und je mehr das die Beziehung belastet, desto ungesünder wird die Eifersucht.

    „Wer den Partner kontrolliert, seine Passwörter herausfindet, um seine Nachrichten zu lesen oder ihm Vorwürfe macht, ihm droht und ihn unter Druck setzt, leidet unter der dritten, massiven Form der Eifersucht.“

    Dr. Wolfgang Krüger
    Psychotherapeut

    Warum sind wir überhaupt eifersüchtig?

    Im Fall der massiven Eifersucht liegen die Ursachen fast immer in der Kindheit. Etwa wenn sich die Eltern früh trennen oder jüngere Geschwister geboren werden, die mehr Aufmerksamkeit verlangen. Das kann dazu führen, dass Bindungen als etwas Unzuverlässiges erlebt werden. Diese Menschen haben Angst, dass ihnen das immer wieder passiert.

    Die Ursache für die Eifersucht kann aber auch mangelndes Selbstvertrauen sein. Wer unzufrieden mit sich selbst ist, empfindet häufig Angst, dass der Partner an der nächsten Ecke eine „bessere“ Person für eine Beziehung findet.

    Fehlende Unabhängigkeit ist eine weitere Ursache: Wer sein Leben zu stark von dem des Partners abhängig macht und nicht mehr eigenständig agiert, verliert ebenfalls an Selbstachtung – und kann in der Folge zur Eifersucht neigen.

    Eine Frau blickt mit Eifersucht auf ihren Partner.

    © iStock / fizkes

    Was kann derjenige tun, dem misstraut wird?

    Wenn die Eifersucht sich auf bestimmte Situationen bezieht, helfen offene, ehrliche Gespräche. So kann derjenige, dem misstraut wird, erheblich dazu beitragen, dass der andere die Eifersucht überwindet. Ist der eine Beziehungspartner beispielweise eifersüchtig, wenn der andere in den sozialen Medien Bilder liket oder Fotos postet, sollte ein Gespräch darüber geführt werden, in dem klare Grenzen zur Sprache kommen. Der Partner darf im Netz nur das tun, was in einem freundschaftlichen, nicht anzüglichen Rahmen stattfindet und wobei er keinerlei schlechtes Gewissen empfindet.

    Wie kann man die eigene Eifersucht überwinden?

    Es ist entscheidend, am Selbstbewusstsein zu arbeiten. Fast alle Menschen haben ein zu geringes Selbstvertrauen. Diese Übung hilft, Eifersucht zu bekämpfen: Denken Sie jeden Abend vor dem Schlafengehen darüber nach, was Sie heute gut gemacht haben und was Sie an sich selbst gut finden.

    „Wenn wir den Blick auf unsere positiven Eigenschaften lenken, wird uns klar, dass wir nicht beliebig austauschbar sind.“

    Dr. Wolfgang Krüger
    Psychotherapeut

    Es kann auch helfen, Freunde zu fragen, welche unserer Eigenschaften sie als positiv bewerten. Wer weiß, wie wunderbar er ist, muss nicht eifersüchtig sein.

    Mangelndes Selbstvertrauen kommt etwa auch zustande, wenn man seine Lebensziele nicht verwirklicht. Wer zum Beispiel nie seine Diplomarbeit fertig geschrieben hat oder unzufrieden mit seinem Lebensschwerpunkt ist, sollte etwas ändern und nicht weiterhin prokrastinieren. Außerdem ist, wie schon erwähnt, die Unabhängigkeit vom Partner entscheidend, um sich von Eifersucht zu befreien. Wer sich zunehmend abhängig fühlt, sollte sich wieder mehr auf seine Interessen und den eigenen Freundeskreis konzentrieren. Jeder sollte mehrere Menschen um sich haben, mit denen er alles bereden kann. Der Partner darf nicht der einzige Lebensmittelpunkt sein, um den ständig alles kreist.

    Ist die Eifersucht massiv, ist jedoch therapeutische Hilfe notwendig. Eifersucht lässt sich in einer Psychotherapie gut heilen.

    Was kann man tun, wenn ein konkreter Anlass zur Eifersucht besteht?

    Ein Beispiel: Einer Ehefrau fällt auf, dass ihr Mann sich anders verhält als sonst. Er wäscht sich auf einmal täglich die Haare, er hat abgenommen, obwohl ihm das jahrelang sehr schwer gefallen ist und ist stets bestens gelaunt, wenn er aus dem Büro kommt. Beim gemeinsamen Frühstück erzählt er dann auch noch von einer neuen Kollegin, obwohl er sonst am Wochenende nie über die Arbeit spricht. Kommen kleine Beobachtungen dieser Art zusammen, ist der Anlass zur Eifersucht da. Die Ehefrau hat nun, wenn ihr Frühwarnsystem funktioniert und sie eifersüchtig wird, die Möglichkeit, einen Betrug, der sich eventuell anbahnt, zu verhindern.

    Wer sich in einer ähnlichen Situation befindet und vermutet, dass die Partnerin oder der Partner fremdgehen könnte, kann die Beziehung wieder enger gestalten und so einer negativen Entwicklung im Frühstadium vorbeugen.

    Dates vereinbaren, wieder mehr gemeinsam unternehmen, zwischendurch ein Geschenk machen, wieder mehr Sexualität in den Alltag integrieren – das alles hilft, ein locker gewordenes Band zwischen Partnern wieder zu festigen.

    Außerdem können wir hinterfragen:

    • Habe ich meinem Partner in letzter Zeit genug Aufmerksamkeit geschenkt oder habe ich ihn schlecht behandelt?
    • War ich zum Beispiel oft schlecht gelaunt und habe das an ihm ausgelassen?

    Eifersucht kann ein Warnsignal sein, dass in der Beziehung etwas nicht stimmt.

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