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Immunsystem

Impfreaktionen: Vorteile und Risiken des Impfens

Veröffentlicht am:16.04.2026

6 Minuten Lesedauer

Viele Impfungen werden bereits im Kindesalter empfohlen. Doch immer wieder werden Stimmen laut, die vor gesundheitlichen Schäden warnen. Welche Beschwerden können auftreten und warum ist Impfen so wichtig?

Auf einem aufgeschlagenen Impfpass liegt eine Spritze und ein Fläschchen mit Impfstoff steht darauf. Das Impfdatum ist eingetragen und das internationale Impfzertifikat eingeklebt.

© iStock / peterschreiber.media

Wann tritt eine Impfreaktion auf?

Nach einer Impfung kann es zu einer akuten Impfreaktion kommen. Typische Beschwerden sind:

Sie sollten in der Regel kein Grund zur Sorge sein und sind meist nach wenigen Tagen ohne Folgen wieder verschwunden.

Impfreaktionen zeigen, dass sich das Immunsystem mit dem Impfstoff auseinandersetzt und die Immunabwehr anspringt. Durch die Impfung wird eine Infektion mit Erregern wie Viren und Bakterien vorgetäuscht. Der Körper bildet Antikörper sowie Immunzellen und kann die Erreger künftig abwehren.

Moderne Impfstoffe sind generell sehr sicher und gut verträglich. Äußerst selten treten Beschwerden auf, die über das übliche Maß und die Impfreaktion hinausgehen. Fachleute sprechen dann von Impfkomplikation. Eine Impfkomplikation kann zum Beispiel eine allergische Reaktion auf den Impfstoff sein. Solche Impfnebenwirkungen sind meldepflichtig. Deutschland hat ein zentrales Überwachungssystem.

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Wo werden Impfkomplikationen gemeldet?

Ärzte und Ärztinnen melden dem zuständigen Gesundheitsamt, wenn Sie den Verdacht haben, dass bei einer Patientin oder einem Patienten eine Impfkomplikation besteht. Die Meldung ist auch direkt beim Paul-Ehrlich-Institut (PEI) möglich. Auch betroffene Personen können ihren Verdacht dort melden.

Das Gesundheitsamt leitet die Angaben zum Impfstoff, zum Zeitpunkt der Impfung und zu den Beschwerden an die zuständige Landesbehörde weiter. Diese wiederum übermittelt die Informationen an das PEI.

Dort werden alle Meldungen kontinuierlich ausgewertet und es wird geprüft, ob ein begründeter Zusammenhang zwischen der Impfung und den gesundheitlichen Beschwerden besteht. Gibt es Risikosignale, also neue Informationen zur Sicherheit des zugelassenen Impfstoffs, werden weitere, meist epidemiologische Studien durchgeführt.

Impfstoffe: Zulassung und Sicherheit

Impfstoffe sind Arzneimittel. Vor der Zulassung der Impfstoffe in der Europäischen Union müssen mehrere Studienphasen durchlaufen werden, um die Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit des Impfstoffes festzustellen. In Deutschland erfolgt die Zulassung durch die Bewertung des Paul-Ehrlich-Instituts. Nach der Zulassung können weitere Studien zu den Impfstoffen durch die herstellenden Betriebe sowie Universitäten und Forschungsinstitute durchgeführt werden, um offene Fragestellungen zu klären.

Welchen Schutz bieten Impfungen?

Impfungen können Leben retten. Sie sind eine wichtige und wirksame Maßnahme, um sich vor einer Ansteckung und schweren Krankheiten zu schützen und sie können auch für dauerhafte Immunität sorgen. Weltweit werden durch das Impfen jedes Jahr Millionen von Neuinfektionen und Todesfällen verhindert.

Welche Impfungen in Deutschland offiziell empfohlen und von den Krankenkassen erstattet werden, entscheidet die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. Eine Impfpflicht gibt es nicht. Jede Bürgerin und jeder Bürger entscheidet selbst, ob sie oder er sich impfen lassen möchte.

Seit März 2020 gilt allerdings das Masernschutzgesetz. Kinder, die eine Kita oder Schule besuchen, müssen gegen Masern geimpft sein. Das gilt auch für Tagesmütter, Beschäftigte in Kitas, Schulen, Flüchtlingsunterkünften sowie im Gesundheitswesen. Denn Masern können tödlich verlaufen.

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Warum sind Impfungen so wichtig?

UNICEF und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weisen darauf hin, dass der Impfschutz von Kindern zurückgeht und ihre Gesundheit gefährdet ist. In der Europäischen Region der WHO (53 Länder in Europa und Zentralasien) gehen die Impfquoten zurück. 2024 gab es zum Beispiel deutlich mehr Fälle von Keuchhusten (Pertussis) und Masern.

Um den Ausbruch solcher Krankheiten zu vermeiden, ist eine Herdenimmunität notwendig. 95 Prozent der Menschen in einer Bevölkerungsgruppe müssen ausreichend durchgeimpft sein. Dieses Ziel verfehlten mehr als die Hälfte der Länder in der Europäischen Region bei Mumps, Masern, Röteln sowie Diphtherie, Tetanus und Pertussis.

Hohe Impfquoten tragen dazu bei, dass Krankheiten zurückgedrängt werden oder völlig verschwinden:

  • Kinderlähmung: Europa gilt seit 2002 als poliofrei.
  • Pocken: Seit 1980 gelten sie weltweit als ausgerottet.
  • Wundstarrkrampf (Tetanus): in Deutschland werden pro Jahr 10 bis 15 Fälle bekannt.
  • Diphtherie: in westlichen Ländern zwar sehr selten, doch in den vergangenen Jahren kam es in Deutschland zu einigen wenigen Todesfällen.

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Welche Risiken und Nebenwirkungen hat das Impfen?

In Deutschland wurden 2022 und 2023 über 105 Millionen Impfungen durchgeführt und insgesamt 8.659 Verdachtsfälle zu Nebenwirkungen von Impfstoffen gemeldet. Erwachsene hatten vor allem das Bewusstsein (Synkope) verloren, bei Kindern traten Krampfanfälle mit und ohne Fieber auf. Auch 74 Todesfälle wurden gemeldet.

Die meisten Meldungen zu Nebenwirkungen bei Kindern gingen zu dem Impfstoff Bexsero gegen Meningokokken B, Gardasil 9 gegen HPV und dem Mumps-Masern-Röteln-Impfstoff Priorix ein. 52 Prozent der Verdachtsfälle bei Erwachsenen betrafen den Impfstoff Shingrix zum Schutz vor Herpes zoster (Gürtelrose) und postherpetischer Neuralgie.

Das PEI wertete die Meldungen aus und die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bewerten die Reaktionen auf die Injektion überwiegend als unerwünschte Nebenwirkung und in seltenen Fällen als unerwünschte Ergebnisse von besonderem Interesse (Adverse Events of Special Interest). Bei den Todesfällen wird kein kein Zusammenhang mit der Impfung gesehen.

Zu sehen ist der linke Oberarm einer Frau. Nach der Impfung ist die Einstichstelle gerötet und leicht geschwollen.

© iStock / romrodinka

Nach einer Impfung kann es zu einer akuten Reaktion an der Einstichstelle kommen.

Sind Impfreaktionen immer gleich?

Studien zeigen, dass bei Frauen häufigere und stärkere Nebenwirkungen auftreten als bei Männern. Auch die Immunantwort ist bei ihnen anders. Genetische und hormonelle Faktoren spielen dabei eine Rolle. Östrogene fördern die Immunantwort, Androgene hemmen sie.

Ältere Menschen haben ein weniger aktives Immunsystem und benötigten darum häufig eine höhere Dosis, zum Beispiel bei der Grippeimpfung. Oder die Impfung ist sogar mit höheren Risiken verbunden, wie bei der Gelbfieberimpfung.

Werden Nebenwirkungen nach dem Impfen vertuscht?

Viele Mythen und Halbwahrheiten kursieren rund um das Impfen. Es soll gefährlich sein, Allergien fördern oder Autismus auslösen. Schwere Nebenwirkungen und das Ausmaß der Impfschäden würden vertuscht. Ein Impfschaden ist eine gesundheitliche Schädigung, die nach der Impfung länger als sechs Monate anhält.

Treten schwere Nebenwirkungen auf, die zum Glück sehr selten sind, wird die Öffentlichkeit darüber informiert. Die Vorteile des Impfens überwiegen bei Weitem. Während der Corona-Pandemie wurden dadurch mehr als 1,4 Millionen Menschenleben allein in Europa und einigen Ländern Zentralasiens gerettet.

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