Immunsystem

Impfungen für Kinder: Warum sie so wichtig sind

Veröffentlicht am:10.05.2022

aktualisiert am 21.05.2026

11 Minuten Lesedauer

Eltern stehen Impfungen für ihre Kinder manchmal skeptisch gegenüber. Die Vergangenheit hat jedoch gezeigt, wie viel Gutes sie bewirken können: Viele Krankheiten sind inzwischen nahezu ausgerottet – dank der Grundimmunisierung im Kindesalter.

Ein blondes Mädchen bekommt vom Arzt für die Kinderimpfung eine Spritze in den Arm gestochen.

© iStock / KatarzynaBialasiewicz

Impfungen für Kinder rotten Krankheitserreger aus

Laut Robert Koch-Institut (RKI) liegen die Impfquoten für Kinder insgesamt aktuell (2025) zwar auf einem hohen Niveau, allerdings wird die sogenannte Grundimmunisierung bei Kindern oft verspätet oder gar nicht abgeschlossen.

Auch der Schutz älterer Kinder gegen humane Papillomviren (HPV) sei verbesserungswürdig, so das RKI. Weniger als die Hälfte der Jugendlichen sei gegen HP-Viren geimpft, die beispielsweise Gebärmutterhalskrebs bei Frauen und weitere Krebsarten wie Mund- und Rachenkrebs auch bei Männern auslösen können.

Doch Impfungen im Kindesalter zählen zu den wichtigsten Errungenschaften der Medizin. Wer einen Blick in die Vergangenheit wirft, lernt schnell: Impfungen haben das Leben von Millionen Menschen gerettet. Ob es sich um Pocken, Kinderlähmung (Poliomyelitis), Masern oder Mumps handelt: Viele lebensgefährliche oder hoch ansteckende Infektionskrankheiten haben durch eine Grundimmunisierung im Kindesalter ihren Schrecken verloren. Werden in einer Region sehr viele Menschen geimpft, lassen sich einzelne Krankheitserreger regional eliminieren und schließlich weltweit auslöschen. 1979 konnte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Welt für pockenfrei erklären. Europa gilt als frei von der Kinderlähmung. Viele andere schwere Erkrankungen wie Masern sind nach einer Impfung nicht mehr so gefährlich.

Was ist die Grundimmunisierung?

Gerade die ersten Lebensjahre eines Kindes sind wichtig, damit die Kleinen einen vollständigen Impfschutz aufbauen können. Die Grundimmunisierung umfasst eine Reihe von Impfungen, die Babys und Kinder in den ersten Lebensmonaten und -jahren bekommen. Für eine vollständige Grundimmunisierung sind meist mehrere Dosen eines Impfstoffes in bestimmten zeitlichen Abständen nötig. Teilweise sind nach der Grundimmunisierung noch sogenannte Auffrischimpfungen erforderlich, auch im Erwachsenenalter – beispielsweise gegen Tetanus oder Keuchhusten.

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Wie funktioniert eine Impfung?

Bei den Impfstoffen unterscheidet man zwischen Lebend- und Totimpfstoffen. Die Impfstoffe mit einem abgeschwächten aber noch lebenden Erreger nennt man Lebendimpfstoff, bei Impfstoffen mit einem abgetöteten Erreger oder einem Bestandteile des abgetöteten Erregers handelt es sich um Totimpfstoffe.

All diese Erreger in den Impfstoffen wurden durch spezielle Zucht, Bestrahlung oder chemische Behandlung geschwächt, getötet oder im Beispiel einzelner Erregerbestandteile gentechnisch hergestellt.

Totimpfstoffe können keine Erkrankung selbst auslösen. Anders ist das bei Lebendimpfstoffen. Hier sind besondere Voraussetzungen erforderlich, damit das Immunsystem kompetent auf den Lebendimpfstoff reagieren kann. Lebendimpfstoffe sind deswegen nicht bei allen Erkrankungen möglich.

Die Immunabwehr reagiert auf die veränderten Erreger in den Impfstoffen wie auf echte Erreger und produziert die passenden Antikörper. Durch die mehrfachen Impfdosen baut der Körper ein Antikörper-Gedächtnis auf. Im Fall einer Infektion kommt es somit nicht zu einer Erkrankung, sondern der Körper kann mit den bereits vorhandenen Antikörpern den Erreger erfolgreich bekämpfen.

Impftermine für Kinder, Jugendliche und Erwachsene

In welchem Alter ist welche Impfung ratsam?

Grundsätzlich werden die meisten Impfungen bei Säuglingen und Kleinkindern durchgeführt. So sind diese möglichst früh vor einer Ansteckung mit den meist hoch infektiösen Erkrankungen geschützt. Es gibt aber auch wichtige Impftermine für Jugendliche und Erwachsene. Eine Übersicht über die empfohlenen Standardimpfungen für alle Altersgruppen gibt der Impfkalender der STIKO. Die Kosten für diese empfohlenen Impfungen trägt die AOK.

Ein Junge bekommt von einer Ärztin eine Impfung verabreicht.

© iStock / FatCamera

Auch im Jugend- und Erwachsenenalter sind gewisse Impfungen ratsam, beispielsweise die HPV-Impfung.

Seit wann gibt es Impfungen?

Impfungen wurden bereits im 18. Jahrhundert durchgeführt. Die erste wissenschaftliche Veröffentlichung, die belegt, dass eine Impfung tatsächlich wirkt, gab es Ende des 18. Jahrhunderts. Damals verabreichte der englische Landarzt Edward Jenner einem Jungen Material aus einer menschlichen Kuhpockenpustel. Der Junge entwickelte leichtes Fieber. Wochen später überprüfte Jenner seinen Versuch und infizierte den Jungen künstlich mit Menschenpocken, an denen das Kind nicht erkrankte. Jenner sah sich von der Wirksamkeit seines Impfstoffs bestätigt und veröffentlichte 1798 seine Entdeckung. Er wurde schnell berühmt und ging in die Annalen der Medizingeschichte ein. Heute wäre eine solche Vorgehensweise natürlich nicht mehr vorstellbar.

Der riskante Versuch Jenners löste eine heftige Kontroverse über Impfungen aus. Kritische Menschen befürchteten, dass durch Impfungen andere Erkrankungen übertragen werden könnten – oder sie glaubten, dass Impfungen ohnehin nicht helfen. Andere haben Impfungen aus religiösen Gründen abgelehnt. Doch die Skeptiker und Skeptikerinnen blieben in der Minderheit. Anfang des 19. Jahrhunderts gab es in Europa eine regelrechte Impfeuphorie. Medizinische Fachleute hofften, Impfungen könnten die Bevölkerung endlich von verschiedenen bedrohlichen Seuchen befreien. Zum Teil haben sich diese Hoffnungen bewahrheitet.

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Historische Meilensteine der Kinderimpfung

Im 19. Jahrhundert begannen zahlreiche Menschen in der Wissenschaft, Impfungen zu erforschen. Sie suchten nach wirksamen Mitteln gegen Tuberkulose, Diphtherie, Keuchhusten sowie Tetanus – genauso wie nach Impfstoffen gegen Cholera, Tollwut und Polio.

  • Tuberkulose im Griff

    Erster Hoffnungsträger war der Impfstoff „Tuberkulin“. Der deutsche Mediziner und Mikrobiologe Robert Koch (1843–1910) hatte ihn Anfang der 1890er-Jahre entdeckt und vermutet, dass die Mischung aus abgeschwächten Tuberkelbazillen mit Glycerin und Wasser als Impfstoff gegen Tuberkulose taugen könnte. Das bestätigte sich nicht. Für die Entdeckung des Tuberkulose-Erregers erhielt Koch zwar den Nobelpreis, eine wirksame Impfung wurde aber erst im 20. Jahrhundert entwickelt. Inzwischen ist die Fallzahl in Deutschland so niedrig, dass die STIKO eine generelle Impfung gegen Tuberkulose nicht mehr empfiehlt.

  • Tollwut-Impfung hilft selbst nach einer Infektion

    Ein weiterer Meilenstein der Entwicklung der Impfung war eine gewagte Tat von Louis Pasteur. Der französische Chemiker hatte bereits zahlreiche Tierversuche mit dem Tollwuterreger durchgeführt. Als ihm ein neunjähriger Junge vorgestellt wurde, der von einem tollwütigen Hund gebissen worden war, startete er 1885 seinen ersten Heilversuch an einem Menschen: Er verabreichte dem Jungen eine von ihm entwickelte abgeschwächte infektiöse Suspension (ein Stoffgemisch aus einer Flüssigkeit und darin verteilten Festkörpern) aus dem Rückenmark eines Kaninchens. Der Junge erhielt mehrere Injektionen – und erkrankte nicht, obwohl er bereits gebissen worden war. Bis heute gibt es kein wirksames Medikament gegen Tollwut. Daher werden auch infizierte Menschen nach einer Infektion wiederholt geimpft, um den Ausbruch der sonst tödlichen Krankheit zu verhindern. Das nennt man Post Expositions-Prophylaxe.

    Eine präventive Impfung für Menschen mit erhöhtem Infektions-Risiko sollte möglichst vorher erfolgen.

  • Kinderimpfung hat Polio in Europa ausgerottet

    In den 1950er-Jahren entwickelte Jonas Edward Salk einen ersten Impfstoff gegen Kinderlähmung (Poliomyelitis). Später setzte sich der Impfstoff des Virologen Albert Sabin durch, der auf lebenden, aber in ihrer Aktivität abgeschwächten Polio-Viren basierte.

    2002 hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ganz Europa für poliofrei erklärt. Polio-Infektionen traten jedoch noch in anderen Ländern wie Afghanistan und Pakistan auf. Bei bis zu jedem tausendsten infizierten Menschen führte sie zu bleibenden schlaffen Lähmungen der Arm- oder Beinmuskeln. In schlimmen Fällen lähmte sie auch die Sprech-, Schluck- oder Atemmuskulatur. Da Polio wieder eingeschleppt werden könnte, sollten Babys gegen Polio geimpft werden. Diese Impfung ist Bestandteil der bei Babys durchgeführten Sechsfachimpfung.

  • Impfungen schützen auch vor Tetanus

    Das Tetanus-Bakterium ist weltweit verbreitet. Es verbirgt sich in Gartenerde oder im Sandkasten und gelangt schon über eine kleine Wunde in den Körper. Tetanus, auch Wundstarrkrampf genannt, kann tödlich enden, aber schon Ende des 19. Jahrhunderts gab es den ersten Impfstoff. In Deutschland sind Tetanus-Erkrankungen mittlerweile äußerst selten, da diese Impfung Teil der bei Babys durchgeführten Sechsfachimpfung ist.

  • Diphtherie durch Impfung von Kindern sehr selten

    Diphtherie kennt heute kaum noch jemand – im Jahr 2021 wurden dem Robert-Koch Institut 11 Fälle in Deutschland gemeldet. Ohne Impfschutz wären Infektionen mit dem bakteriellen Erreger wahrscheinlich viel häufiger. Das zeigen große Ausbrüche in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion mit mehr als 4.000 Todesopfern. Dort wurde aufgrund der gesellschaftlichen Umbrüche zu Beginn der 1990er-Jahre nur noch unzureichend geimpft. Diphtherie befällt die Schleimhaut im Rachen und die Haut, im schlimmsten Fall ersticken die Patientinnen und Patienten. Die Impfung schützt vor diesen Verläufen.

  • Sicherheit von Impfungen heute

    Heutzutage sind zahlreiche Tests und Studien mit der Entwicklung eines neuen Impfstoffs verbunden. Die Ergebnisse dieser Studien werden von offiziellen Stellen – zum Beispiel dem Paul-Ehrlich-Institut – geprüft, bevor der Impfstoff in Deutschland zugelassen wird und einem Menschen verabreicht werden darf. Zudem sind die modernen Impfstoffe deutlich verträglicher. Durch Meldesysteme werden Verdachtsfälle auf außergewöhnliche Impfreaktionen erfasst und analysiert. Die Wirksamkeit eines Impfstoffes wird auch nach dessen Zulassung stets untersucht und beobachtet.

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Welche Impfungen empfiehlt die STIKO für Babys, Kinder und Jugendliche?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) ist eine unabhängige Gruppe von Experten und Expertinnen, die Empfehlungen für bestimmte Impfungen ausspricht. Sie empfiehlt, den eigenen Impfstatus und den des Kindes regelmäßig zu überprüfen. Impfungen sollten entsprechend der Empfehlungen für das jeweilige Lebensalter durchgeführt oder gegebenenfalls nachgeholt werden. Die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission sind in einem Impfkalender zusammengefasst. Die von der STIKO empfohlenen Impfungen für Säuglinge und Kleinkinder sind:

  • Rotaviren
  • Tetanus
  • Diphtherie
  • Keuchhusten (Pertussis)
  • Hib (Heamophilus influenzae Typ b)
  • Kinderlähmung (Poliomyelitis)
  • Hepatitis B
  • Pneumokokken
  • Meningokokken B
  • Masern
  • Mumps
  • Röteln
  • Windpocken (Varizellen)

Darüber hinaus empfiehlt die STIKO für Neugeborene und Säuglinge zum Schutz vor schweren Atemwegserkrankungen den Einsatz eines bestimmten Antikörpers gegen das Respiratorische Synzytial Virus (RSV).

Für Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 14 Jahren – unabhängig vom Geschlecht – empfiehlt die STIKO eine Impfung gegen humane Papillomviren (HPV). Die Impfung sollte vor dem ersten sexuellen Kontakt erfolgen und wird in zwei Dosen im Abstand von 5 bis 13 Monaten verabreicht.  Zudem gibt es seit Oktober 2025 die Empfehlung der STIKO für eine Impfung gegen bestimmte Gruppen von Meningokokken (Serogruppen ACWY) für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 14 Jahren. Diese ersetzt die frühere Meningokokken-C-Impfung. Dadurch kann das Risiko für schwere Meningokokken-Erkrankungen dieser Typen deutlich reduziert werden.

Weitere Impfungen für Kinder empfiehlt die STIKO nur bei Aufenthalt in einem entsprechenden Risikogebiet, beispielsweise gegen die von Zecken übertragbare Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), bei Reisen ins Ausland oder für Kinder mit bestimmten Grunderkrankungen. Eltern können sich hierzu von ihrem Kinderarzt oder ihrer Kinderärztin beraten lassen.

Doc Felix erklärt, warum eine RSV-Infektionen bei Babys und Kleinkindern einen schweren Verlauf haben kann.
Fachlich geprüft
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