Krebs
Eierstockkrebs: Symptome, Risikofaktoren und Therapie
Veröffentlicht am:12.05.2026
10 Minuten Lesedauer
In Deutschland erkranken jährlich etwa 7.200 Frauen an Eierstockkrebs. Da lange Zeit keine Beschwerden auftreten, bleibt die Erkrankung meist lange unentdeckt. Welche Faktoren Eierstockkrebs begünstigen und wie eine Behandlung abläuft.

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Inhalte im Überblick
- Was ist Eierstockkrebs?
- Wie entsteht Eierstockkrebs?
- Wie kann man Eierstockkrebs vorbeugen?
- Gibt es eine Früherkennung für Eierstockkrebs?
- Symptome: Welche Beschwerden können auf Eierstockkrebs hindeuten?
- Wie verläuft Eierstockkrebs?
- Therapie: Wie wird Eierstockkrebs diagnosiziert und behandelt?
- Was passiert, wenn der Krebs wiederkommt?
- Was passiert, wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist?
Was ist Eierstockkrebs?
Bei Eierstockkrebs (auch Ovarialkarzinom) handelt es sich um einen bösartigen Tumor der Eierstöcke (Ovarien), die Teil der weiblichen Geschlechtsorgane sind. Sie bestehen aus verschiedenen Arten von Zellen und Geweben. Krebs kann sich aus all diesen verschiedenen Zellarten entwickeln, deshalb gibt es auch unterschiedliche Arten von Eierstockkrebs.
Manchmal können sich auch Krebszellen von anderen Körperteilen in den Eierstöcken ansiedeln, sogenannte Metastasen. Diese werden anders behandelt als der eigentliche Eierstockkrebs.
Jedes Jahr erkranken in Deutschland ungefähr 7.200 Frauen an Eierstockkrebs. Die Erkrankungsraten steigen bis zum 85. Lebensjahr kontinuierlich an. Zwar können auch jüngere Frauen betroffen sein, das passiert jedoch seltener als bei älteren Frauen. Im Durchschnitt sind Frauen bei der Diagnosestellung 68 Jahre alt.
Welche Arten von Eierstockkrebs gibt es?
- Epitheliale Tumoren gehen von der äußersten Zellschicht der Eierstöcke aus und treten am häufigsten auf. Eine besondere Art sind die sogenannten Borderline-Tumoren, die man nicht klar als gut- oder bösartig einstufen kann.
- Keimstrangstromatumoren entwickeln sich aus dem Stützgewebe der Eierstöcke und sind deutlich seltener.
- Keimzelltumoren sind ebenfalls selten. Diese Krebsart entsteht aus den Eizellen im Eierstock. Sie kann schon bei Kindern und jungen Frauen auftreten.
Was sind Zysten in den Eierstöcken?
Zysten sind Hohlräume in den Eierstöcken, die mit Flüssigkeit gefüllt sind. Besonders bei jungen Frauen kommen sie oft vor. Sie können sehr groß werden, sind aber meistens gutartig und kein Eierstockkrebs.
Wie gefährlich ist Eierstockkrebs?
Je früher Eierstockkrebs entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Jedoch wird er oft erst spät erkannt, weil die betroffenen Frauen anfangs meist keine Beschwerden haben.
Etwa drei von vier Eierstocktumoren werden erst entdeckt, wenn sie sich ausgebreitet haben oder der Tumor in weiter entfernt liegende Organe gestreut hat (Stadium 3 oder 4). Dann sind die Heilungsaussichten schlechter. Positiv ist, dass in Deutschland seit dem Jahr 2000 weniger Frauen an Eierstockkrebs erkranken oder sterben.
Dies könnte vor allem an der häufigeren Verwendung der Pille und an verbesserten Diagnose- und Behandlungsmethoden liegen. Auch der seit den 2000er Jahren geringere Einsatz von Hormonersatztherapien könnte sich günstig ausgewirkt haben.
Wie entsteht Eierstockkrebs?
Eierstockkrebs entsteht durch Schäden im Erbgut, also in den Genen. Dadurch verwandeln sich normale Körperzellen in bösartige Krebszellen. Sie wachsen unkontrolliert und können gesundes Gewebe zerstören.
Solche Genveränderungen entstehen zufällig im Laufe des Lebens. Manche können aber auch vererbt werden. Die Ursache für Eierstockkrebs kennt man in vielen Fällen nicht. Es gibt aber bestimmte Risikofaktoren, die Eierstockkrebs begünstigen können.
Was kann man bei hohem erblichem Risiko tun?
Frauen, die solch eine genetische Vorbelastung in sich tragen, haben ein erhöhtes Risiko für Eierstockkrebs. Um ihm vorzubeugen, können sie sich gegebenenfalls die Eierstöcke und Eileiter in einer Operation entfernen lassen. Die Betroffenen sollten sich dazu ausführlich von ihrer Ärztin oder ihrem Arzt beraten lassen.
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Was sind Risikofaktoren für Eierstockkrebs?
Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass meist mehrere Umstände zusammenkommen müssen, damit Eierstockkrebs entsteht. Es gibt jedoch einige Risikofaktoren, die die Entstehung begünstigen können. Dazu gehören:
- höheres Alter
- keine Geburten
- Unfruchtbarkeit
- Hormonersatztherapie nach den Wechseljahren
- Übergewicht
- vererbte Veränderungen in bestimmten Genen
- Asbest
Es gibt noch weitere mögliche Risikofaktoren. Dazu sind die Ergebnisse aus Studien aktuell jedoch nicht eindeutig.
Wie kann man Eierstockkrebs vorbeugen?
Es gibt wiederum auch einige Schutzfaktoren, die das Risiko für Eierstockkrebs verringern können. Dazu gehören:
- viele Geburten
- längere Stillzeiten
- Einnahme der Antibabypille
- Sterilisation
Diese schützenden Faktoren sind aber nicht für jede Frau passend oder möglich. Und selbst wer alle Risikofaktoren meidet und sehr gesund lebt, ist vor Eierstockkrebs nicht sicher.

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Gibt es eine Früherkennung für Eierstockkrebs?
In Deutschland gibt es keine allgemeine Untersuchung zur Früherkennung von Eierstockkrebs. Denn bisher hat noch keine Methode nachweislich dazu geführt, dass weniger Frauen an Eierstockkrebs sterben, auch nicht Ultraschalluntersuchungen der Eierstöcke, die manche Frauenarztpraxen als individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) anbieten.
Häufig werden durch sie Frauen durch falsch positive Ergebnisse unnötig beunruhigt oder gesunde Eierstöcke entfernt. Auch ärztliche Fachgesellschaften raten deshalb davon ab, diese Früherkennungsuntersuchung bei Frauen ohne Symptome oder ohne erbliche Vorbelastung durchzuführen.
Symptome: Welche Beschwerden können auf Eierstockkrebs hindeuten?
Eierstockkrebs bleibt häufig lange unbemerkt, weil er am Anfang meist keine auffälligen Beschwerden verursacht. Denn der Krebs hat im Becken und der Bauchhöhle viel Platz zum Wachsen. Wenn Symptome auftreten, ist der Tumor oft schon größer oder hat sich ausgebreitet.
Das können mögliche Anzeichen für Eierstockkrebs sein:
- Magen- und Darmprobleme wie Blähungen und Völlegefühl
- unklare Bauchschmerzen
- häufigeres Wasserlassen
- Veränderungen beim Stuhlgang
- Zunahme des Bauchumfangs
- unklare Gewichtsabnahme
Wichtig: Viele dieser Symptome können auch bei anderen Krankheiten auftreten. Aber wenn sie immer wieder oder über längere Zeit bestehen, sollten sie ernst genommen werden. Dies gilt besonders bei Frauen über 50.
Wie verläuft Eierstockkrebs?
Wie schnell der Tumor wächst und sich ausbreitet, hängt von seinen Eigenschaften ab. Viele Eierstocktumore wachsen jedoch schnell.
Der Krebs kann sich auch in weitere Körperteile ausbreiten und dort Absiedlungen, sogenannte Metastasen, bilden. Man sagt umgangssprachlich auch, dass der Krebs „gestreut“ hat.
Wie Eierstockkrebs bei einer Frau verläuft, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu zählen das Alter, der allgemeine Gesundheitszustand, die Art und Ausbreitung des Krebses zum Zeitpunkt der Diagnose und ob bei einer Operation der gesamte Tumor entfernt werden kann und eine Behandlung gemäß dem aktuellen Stand der ärztlichen Leitlinien folgt.
Infobox: Aufklärung und Information
Auch wenn Eierstocktumore schnell wachsen: Informieren Sie sich vor der Behandlung gut und holen Sie sich gegebenenfalls eine ärztliche Zweitmeinung ein.
Die Initiative Leitlinienprogramm Onkologie hat einen Ratgeber für Patientinnen erstellt, in der Sie über Eierstockkrebs im Allgemeinen, aber auch über Ihre Rechte wie eine ärztliche Zweitmeinung aufgeklärt werden.
Therapie: Wie wird Eierstockkrebs diagnosiziert und behandelt?
Besteht ein Verdacht auf Eierstockkrebs, untersucht zunächst die Frauenärztin oder der Frauenarzt die betroffene Patientin. Bestätigt sich der Verdacht, ist meist eine Operation mit anschließender Chemotherapie notwendig.
Wie erfolgt die Abklärung bei bei Verdacht auf Eierstockkrebs?
Zunächst befragt die Frauenärztin oder der Frauenarzt die Patientin zu ihrer Krankengeschichte, ihren Beschwerden und Risikofaktoren. Anschließend tastet sie oder er die inneren Geschlechtsorgane ab und führt einen vaginalen Ultraschall durch.
Weitere bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT) oder Positronen-Emissions-Tomographie (PET) können dabei helfen, andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen und die Tumorgröße zu bestimmen.
Eine endgültige Diagnose ist jedoch meist nur durch eine Operation möglich. Das bedeutet, dass erst während des Eingriffs festgestellt wird, ob es sich um Eierstockkrebs handelt und wie weit sich der Tumor ausgebreitet hat. Mit dem Eingriff beginnt in der Regel auch die Behandlung.
Die weitere Therapie richtet sich nach dem Stadium, der Krebsart und dem Gesundheitszustand der Patientin. Man unterscheidet dabei zwischen:
- Frühe Stadien (Stadium 1–2): Der Tumor ist noch auf einen oder beide Eierstöcke oder die unmittelbaren Geschlechtsorgane im Becken begrenzt.
- Fortgeschrittene Stadien (Stadium 3–4): Der Tumor hat sich bereits auf andere Organe ausgebreitet oder hat Metastasen in anderen Körperbereichen gebildet.
Was passiert bei der Operation?
Die Operation zielt darauf ab, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen. Wie genau operiert wird, richtet sich nach der Ausdehnung des Krebses.
Bei einem frühen Stadium und einem kleinen Tumor genügt es oft, den betroffenen Eierstock und den dazugehörigen Eileiter zu entfernen. Hat sich der Krebs weiter ausgebreitet, müssen unter Umständen auch Teile von Nachbarorganen wie Darm, Gebärmutter oder bestimmte Lymphknoten entfernt werden.
Wann ist eine Chemotherapie notwendig?
Nach der Operation erhalten die meisten Patientinnen eine Chemotherapie. Dabei nehmen sie spezielle Medikamente (Zytostatika) ein, die den Tumor verkleinern und gegebenenfalls Metastasen abtöten sollen.
Patientinnen mit fortgeschrittenem Eierstockkrebs bekommen möglicherweise auch noch weitere Medikamente, sogenannte zielgerichtete Therapien. Zusätzlich können sie unterstützende Behandlungen erhalten, die helfen, ihre Lebensqualität zu verbessern, wie etwa eine psychoonkologische Beratung in einer Krebsberatungsstelle. Diese Angebote stehen auch Angehörigen zur Verfügung.
Da die Chemotherapie im ganzen Körper wirkt, kann sie auch gesunde, schnell wachsende Zellen beeinflussen, zum Beispiel in der Haut, den Haaren, den Schleimhäuten oder bei der Blutbildung. Diese Nebenwirkungen sind behandelbar und bilden sich meist nach Abschluss der Therapie zurück.
Nachsorge: Wie geht es nach der Behandlung weiter?
Nach der aktiven Behandlung stehen Ärztinnen und Ärzte den Patientinnen weiterhin zur Seite. Dazu gehören regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen und Maßnahmen zur Rehabilitation. Als Rehabilitation bezeichnet man alle medizinischen, psychosozialen und beruflichen Leistungen, die der Patientin die Rückkehr in Familie, Gesellschaft und Berufsleben erleichtern.
Die Krebsnachsorge ist wichtig und wird individuell auf die Patientin, ihre Tumorart und ihre Bedürfnisse zugeschnitten.
Was passiert, wenn der Krebs wiederkommt?
Wenn der Eierstockkrebs nach einer erfolgreichen Behandlung erneut auftritt, nennen Fachleute dies einen Rückfall oder ein Rezidiv. Bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs besteht ein stark erhöhtes Risiko für einen solchen Rückfall. Die Mehrheit der Patientinnen mit fortgeschrittenem Eierstockkrebs erleidet einen Rückfall.
Wie wird ein Rückfall festgestellt?
Wenn sich im Rahmen der Nachsorge Hinweise auf einen Rückfall ergeben oder eine Patientin Beschwerden hat, können bildgebende Untersuchungen klären, ob es sich um einen Rückfall handelt.
Obwohl es in der Leitlinie nicht empfohlen wird, kommt es vor, dass im Rahmen der Nachkontrollen der Tumormarker CA 125 im Blut bestimmt wird. Ergibt sich daraus ein Verdacht auf einen Rückfall, sollte das weitere Vorgehen mit der Patientin besprochen werden. Selbst wenn der Rückfall behandelt wird, bevor die Patientin Beschwerden zeigt, leben diese Patientinnen im Durchschnitt nicht länger.
Wie wird ein Rückfall behandelt?
Welche Therapie dann passend ist, hängt von vielen Faktoren ab: dem Alter und dem Gesundheitszustand der Patientin, der Art des Tumors sowie den bereits durchgeführten Behandlungen. Die Therapiemöglichkeiten sind dieselben wie bei der ersten Erkrankung, doch die individuellen Heilungschancen können sehr unterschiedlich ausfallen.
Was passiert, wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist?
Wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist, steht die bestmögliche Betreuung der Patientin im Vordergrund. Ärztliche und pflegerische Unterstützung sind in der Situation sehr wichtig. Die Ziele sind dann:
- die Lebensqualität der Patientin so lange wie möglich gut zu erhalten
- wenn möglich das Fortschreiten des Eierstockkrebses durch geeignete Therapien zu verlangsamen
Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind auch in dieser Phase wichtig, um belastende Beschwerden frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
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