Krebs
Kolposkopie: Verdacht auf Gebärmutterhalskrebs abklären
Veröffentlicht am:28.04.2026
6 Minuten Lesedauer
Die Kolposkopie ist eine wichtige Untersuchung zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs. Auffällige Befunde wie ein positiver PAP-Test lassen sich mit einer Betrachtung durch das Kolposkop abklären. Wie sie abläuft und was die Ergebnisse bedeuten.

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Was ist eine Kolposkopie?
Die Kolposkopie – auch Scheidenspiegelung oder Gebärmutterhalsspiegelung – ist eine spezielle gynäkologische Untersuchung zur genauen Betrachtung des Gebärmutterhalses und der Vagina. Dabei verwendet die Ärztin oder der Arzt zur Vergrößerung ein spezielles Mikroskop, das Kolposkop. So lassen sich kleinste Veränderungen am Gewebe erkennen, die mit bloßem Auge oft nicht sichtbar sind. Bei Bedarf ist es auch möglich, direkt während der Untersuchung eine kleine Gewebeprobe (Biopsie) zu entnehmen.
Ziel der Kolposkopie ist es, mögliche Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs frühzeitig zu entdecken und gezielt zu behandeln. Das Verfahren spielt somit eine wichtige Rolle bei der Früherkennung und Vorbeugung von Gebärmutterhalskrebs.
Der deutsche Gynäkologe Hans Hinselmann beschrieb die Kolposkopie erstmals 1925 als Methode in der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs. Der Begriff Kolposkopie leitet sich ab von den griechischen Wörtern „Kolpo“ für Vagina und „skopie“ für betrachten oder untersuchen.
Wann wird eine Kolposkopie durchgeführt?
Wenn Gynäkologen und Gynäkologinnen ihren Patientinnen eine Kolposkopie empfehlen, heißt das noch lange nicht, dass eine ernste Erkrankung vorliegt. Die Untersuchung kommt zum Einsatz, um einen vorhergehenden Befund abzuklären oder den Heilungsverlauf einer Behandlung zu kontrollieren, beispielsweise:
- bei einer Entzündung des Gebärmutterhalses (Zervizitis)
- bei Genitalwarzen
- nach einem auffälligen PAP-Test oder positivem HPV-Test
- bei Polypen oder anderen gutartigen Wucherungen am Gebärmutterhals
- bei Krebsvorstufen im Gewebe des Gebärmutterhalses oder der Vagina
- bei Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) oder Krebs der Vagina
Die Kolposkopie kann auch zur Kontrolle nach der Behandlung von Dysplasien, also Krebsvorstufen oder einer Krebserkrankung des Gebärmutterhalses eingesetzt werden. Die Kosten für diese medizinisch notwendigen Kolposkopien übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung.
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Wie läuft eine Kolposkopie ab?
Die Kolposkopie dauert ungefähr 10 bis 20 Minuten und verläuft ähnlich wie die gewohnte Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt oder bei der Frauenärztin. Die Patientin liegt hierzu auf einem gynäkologischen Untersuchungsstuhl.
Um die Sicht auf den Gebärmutterhals zu verbessern, hält der Arzt oder die Ärztin die Seitenwände der Vagina mit einem speziellen Instrument, dem Spekulum, auseinander. Das Kolposkop wird nicht in den Körper eingeführt, sondern vor der Vagina positioniert. Mithilfe der 6- bis 40-fachen Vergrößerung und einer zusätzlichen Beleuchtung lassen sich kleine Veränderungen oder Auffälligkeiten am Gewebe sowie Blutungen erkennen.
Indem der Arzt oder die Ärztin Essig oder Jod auf die Schleimhaut aufträgt, lassen sich verdächtige Bereiche erkennen. Kleine Teile veränderten Gewebes lassen sich schon während der Kolposkopie entnehmen (Biopsie) und zur genauen Beurteilung in ein Labor schicken. Der Arzt oder die Ärztin kann die Entnahmestelle anschließend mit einer blutstillenden Lösung behandeln.

Was bewirkt die Essiglösung bei einer Kolposkopie?
Ärzte und Ärztinnen bringen zur genauen Diagnose wenige Tropfen einer Essiglösung mithilfe eines Tupfers auf die Schleimhaut des Gebärmutterhalses. Genau genommen handelt es sich um eine fünfprozentige Essigsäure, eine schwache Säure aus 5 Prozent Essig und 95 Prozent Wasser. Das ist nichts anderes als der gewöhnliche Haushaltsessig, den wir zum Kochen und für den Salat verwenden. Das Auftragen des Essigs während einer Kolposkopie kann ein leichtes Brennen verursachen.
In der Medizin lässt sich die Essiglösung nutzen, um veränderte, in der Fachsprache dysplastische Zellen oder Dysplasien sichtbar zu machen. Sie verfärben sich kurze Zeit nach dem Auftragen des Essigs weißlich und sind so durch das Kolposkop besser von gesunden Zellen zu unterscheiden.
Was bedeutet die Schiller-Jodprobe bei einer Kolposkopie?
Mit einer wässrigen Jodlösung, der sogenannten Lugolschen Lösung lassen sich ebenfalls veränderte Schleimhautzellen erkennen. Gesunde Hautzellen färben sich durch das Jod braun, während veränderte Zellen keine Färbung annehmen oder gelblich erscheinen. Fachleute bezeichnen dies als „Schiller-Test“ oder „Schiller-Jodprobe“. Ein Schiller-Test ist positiv, deutet also auf verändertes Gewebe hin, wenn sich die Zellen nicht färben lassen.
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Mögliche Therapie: Wie geht es nach der Kolposkopie weiter?
Wenn der Arzt oder die Ärztin während der Kolposkopie veränderte Zellen erkennt, handelt es sich in den meisten Fällen nicht um eine bösartige Krebserkrankung, sondern um harmlose Veränderungen. Der Arzt oder die Ärztin wird die Ergebnisse und die weitere Behandlung in Ruhe mit Ihnen besprechen. Oft ist das direkt im Anschluss möglich, wurde eine Gewebeprobe ins Labor geschickt, muss das Ergebnis abgewartet werden.
Bei ungefähr 40 Prozent der Frauen zeigen sich keine auffälligen Befunde in der Kolposkopie. Der Gebärmutterhals sieht gesund aus, auch wenn der PAP-Test vielleicht auffällig war. Der Arzt oder die Ärztin wird mit der Patientin besprechen, ob und wann weitere Kontrollen sinnvoll sind.
Dank der regelmäßigen Krebsvorsorge bei der Frauenärztin oder dem Frauenarzt und bei Bedarf anschließender Betrachtung über die Kolposkopie lässt sich Gebärmutterhalskrebs meist früh erkennen. Wenn die Krankheit in einem frühen Stadium entdeckt wird, sind die Heilungschancen deutlich besser als zu einem späteren Zeitpunkt.
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Wenn in der Kolposkopie veränderte Zellen erkannt werden
Bei etwa 6 von 10 Frauen gibt es Zellen, die verändert aussehen. Fachleute bezeichnen dies als Dysplasien. Sie werden eingestuft in CIN 1 bis CIN 3. CIN bedeutet zervikale intraepitheliale Neoplasie. Das ist kein Krebs, kann sich aber manchmal zu Krebs entwickeln, wenn es nicht beobachtet oder behandelt wird.
Je nach Ergebnis der Untersuchung unterscheiden Mediziner und Medizinerinnen zwischen:
- CIN 1: leichtere Veränderungen (Dysplasien) der Zellen, die oft von selbst wieder ausheilen.
- CIN 2: mittelschwere Zellveränderungen. Auch hier ist es möglich, dass sie sich zurückbilden – jedoch seltener.
- CIN 3: fortgeschrittene Krebsvorstufen. Werden sie nicht behandelt, ist es sehr wahrscheinlich, dass sich aus ihnen ein Gebärmutterhalskrebs entwickelt. Eine spontane Heilung ist zwar in seltenen Fällen immer noch möglich – jedoch eher bei Frauen unter 25 Jahren.

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Was passiert bei stark veränderten Zellen?
Stärkere Zellveränderungen (CIN 3) am Gebärmutterhals werden in der Regel zeitnah mit einer elektrischen Schlinge entfernt – Fachleute sprechen von einer Konisation. Diese Behandlung erfolgt ebenfalls unter Nutzung der Kolposkopie. Dabei achten die Ärztinnen und Ärzte darauf, gesundes Gewebe zu erhalten. Patientinnen bekommen eine örtliche Betäubung und spüren keine Schmerzen. Nach dem Eingriff erfolgt eine Kontrolluntersuchung, um sicherzugehen, dass alle veränderten Gewebeteile vollständig entfernt sind und die Wunde gut verheilt.
Wie geht es weiter bei leichteren Zellveränderungen?
Bei CIN 1- und CIN 2-Dysplasien setzen Mediziner und Medizinerinnen zunächst auf eine regelmäßige Kontrolle alle zwölf beziehungsweise sechs Monate. Lassen sich die Veränderungen auch bei zwei bis vier nachfolgenden Kolposkopien weiterhin feststellen, raten Medizinerinnen und Mediziner ihren Patientinnen in der Regel, die Veränderungen ebenfalls über eine Konisation entfernen zu lassen.
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