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Gesundheitsmagazin

Herz & Kreislauf

Die häufigsten Herzkrankheiten im Überblick

Veröffentlicht am:06.12.2023

7 Minuten Lesedauer

Herzrasen, Brustenge, Atemnot oder Leistungsschwäche: Die Liste der Symptome bei Herzerkrankungen ist lang. Sie können sämtliche Teile des Herzens betreffen und sind in vielen Fällen vermeidbar.

Ein älterer Arzt hört bei einer Seniorin, die auf einer Untersuchungsliege sitzt, das Herz ab.

© iStock / andreswd

Herzkrankheiten verstehen: Wie ist das Herz aufgebaut?

Das Herz ist ein muskulöses Hohlorgan, das das Blut durch den Körper pumpt und auf diese Weise Organe und Gewebe mit Sauerstoff, Nährstoffen und Botenstoffen versorgt. Es liegt linksseitig hinter dem Brustbein zwischen den beiden Lungenflügeln. Herzerkrankungen können verschiedene Bereiche des Herzens betreffen.

Grafik Anatomie des Herzens.
So ist das Herz anatomisch aufgebaut.

Das Herz ist ein Hohlmuskel und besteht aus vier Hauptkammern, die in zwei Paaren angeordnet sind. Die beiden oberen Kammern werden als „Vorhöfe“ bezeichnet, die beiden unteren als „Herzkammern“. Über die rechte und die linke Seite des Herzens läuft je ein eigener Kreislauf: der sauerstoffarme (venöse) zur Lunge hin und der sauerstoffreiche (arterielle) Blutfluss zu den Organen und Geweben im Körper. Das Herz verfügt über vier Herzklappen, die den Blutfluss in die richtige Richtung lenken. Sie befinden sich jeweils zwischen Kammern und Vorhöfen sowie an den Öffnungen zu den großen Schlagadern. Die Klappen funktionieren wie Ventile und lassen den Blutstrom nur in eine Richtung zu.

Das Herz ist von einer dünnen, membranartigen Tasche, dem Perikard oder auch Herzbeutel, umgeben. Dieser schützt das Herz und ermöglicht gleichzeitig eine gewisse Bewegungsfreiheit, damit es schlagen kann. Unter dem Perikard liegt das Epikard, eine weitere dünne Schicht, unter der die Herzkranzgefäße verlaufen, die das Herz mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Neben den beiden äußeren Hüllen gibt es auch eine innere Schicht, die die vier Kammern auskleidet. Sie nennt sich Endokard.

Welche Herzkrankheiten gibt es?

Es gibt angeborene Herzkrankheiten und solche, die sich erst im Laufe des Lebens entwickeln. Außerdem unterscheidet man zwischen strukturellen Herzerkrankungen, bei denen Herzklappen oder Herzmuskel verändert sind, und kardiovaskulären Erkrankungen, die die Blutgefäße betreffen. Besonders häufig treten Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie die koronare Herzerkrankung (KHK) und Herzschwäche (Herzinsuffizienz) auf. Folgende Herzerkrankungen sind die wichtigsten:

  • Koronare Herzkrankheit und infolgedessen Herzinfarkt (Myokardinfarkt)
  • Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
  • Herzrhythmusstörungen
  • Entzündung der Herzhäute (Perikarditis und Endokarditis)
  • Herzmuskelentzündung (Myokarditis)

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Die chronisch-ischämische Herzkrankheit

Die chronisch-ischämische Herzkrankheit, kurz koronare Herzkrankheit (KHK), tritt auf, wenn die Blutgefäße, die das Herz mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen, aufgrund von Ablagerungen (Plaques) aus Fett, Kalk und Bindegewebe verengt oder blockiert werden. Dies führt zu einer reduzierten Durchblutung des Herzmuskels und kann zu Symptomen wie Brustschmerzen (Angina pectoris) oder im schlimmsten Fall zu einem Herzinfarkt führen, wenn ein Blutgefäß vollständig blockiert wird. Die KHK ist die Hauptursache für einen Herzinfarkt.

Verursacher der KHK sind eine ungesunde Lebensweise, einschließlich Rauchen, ungesunde Ernährung, mangelnde körperliche Aktivität, Übergewicht und Bluthochdruck. Genetische Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle. Die Behandlung zielt darauf ab, Symptome zu lindern, das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern oder zu verlangsamen und das Risiko von Komplikationen zu reduzieren. Dies kann durch Änderungen des Lebensstils, Medikamente oder auch Stent-Implantationen oder Bypass-Operationen erreicht werden.

Häufige Folge der KHK: Herzinfarkt

Jedes Jahr erleiden in Deutschland etwa 300.000 Menschen einen Herzinfarkt. Ursache ist eine Durchblutungsstörung der Herzkranzgefäße – meist aufgrund einer Koronaren Herzkrankheit mit entsprechend verengten Gefäßen durch Plaques. Kommt es nun beispielsweise zu einem Riss in dieser Ablagerung, setzt die Blutgerinnung ein. Es bildet sich ein Gerinnsel, das dieses Gefäß vollständig verschließt. Der Teil des Herzmuskels, der von diesem Blutgefäß normalerweise mit Sauerstoff versorgt wird, kann durch die Unterversorgung stark geschädigt werden.

Typische Herzinfarkt-Symptome

Unbehandelt kann ein Herzinfarkt zum Tod führen. Er muss schnell erkannt und behandelt werden. Diese Symptome können auf einen Herzinfarkt hindeuten:

  • starke Schmerzen und ein Druckgefühl im Brustkorb. Sie können in die Arme, den Oberbauch oder den Rücken ausstrahlen. Manche Betroffene berichten von Schmerzen in Hals, Kiefer oder Schulterblättern.
  • starkes Engegefühl in oder auf der Brust
  • Brennen im Brustkorb
  • Angst und Angstschweiß sowie blasse Gesichtshaut
  • Atemnot bei minimaler Belastung oder in Ruhe
  • Übelkeit und Erbrechen

Bei Frauen und Menschen mit Diabetes fehlen oft die typischen Brustschmerzen. Dafür können zum Beispiel Übelkeit, Schwäche und Schwindel im Vordergrund stehen.

Herzinfarkt behandeln

Bei Verdacht auf Herzinfarkt sofort die Notrufnummer 112 wählen, dann die betroffene Person beruhigen und gegebenenfalls den Oberkörper leicht hochlagern, um die Atmung zu erleichtern. Bei Bewusstlosigkeit und fehlender Atmung beziehungsweise fehlendem Puls muss sofort mit der Herzdruckmassage begonnen werden. Diese sollte bis zum Eintreffen der Rettungskräfte fortgesetzt werden.

Im Krankenhaus leiten die Ärztinnen und Ärzte dann die entsprechenden Maßnahmen ein: Die wichtigste Behandlungsmethode bei einem Herzinfarkt ist die schnellstmögliche Ballondilatation. Dabei wird ein feiner Schlauch mit einem Ballon am Ende über die Arterien der Leiste oder des Unterarmes zur Engstelle geführt, um diese zu weiten. Oft wird direkt eine Gefäßstütze (Stent) eingesetzt, damit sich das Gefäß nicht erneut verschließt. Alternativ lösen Medikamente die Gerinnsel auf (Thrombolyse). ;Bei starker Gefäßverengung durch Ablagerungen kann eine Bypass-Operation erwogen werden. Dabei werden Herzkranzgefäße durch Gefäße, die an anderen Stellen des Körpers entnommen werden, ersetzt.

Wenn das Herz nicht mehr kann: Herzschwäche

Bei einer Herzschwäche oder auch Herzinsuffizienz ist das Herz so stark geschwächt, dass es das Blut nicht mehr ausreichend durch den Körper pumpen kann. Betroffene spüren meistens, dass ihre Leistungsfähigkeit nachlässt. Hinzu kommt Atemnot, zunächst bei größerer Anstrengung, zum Beispiel beim Sport. Später fallen schon leichte Aktivitäten wie Spazierengehen oder Hausarbeit schwer.

In der Regel gehen einer Herzschwäche andere Erkrankungen voraus. So belastet zum Beispiel ein langjähriger Bluthochdruck (Hypertonie) das Herz, wodurch sich die Muskulatur verändert, und die Pumpfähigkeit beeinträchtigt wird. Dann kommen zum Beispiel Medikamente wie ACE-Hemmer oder Betablocker zum Einsatz, die den Blutdruck regulieren und das Herz entlasten. Bei der Koronaren Herzkrankheit werden Teile des Herzmuskels über längere Zeit schlecht mit Sauerstoff versorgt. Auch hier nimmt die Pumpleistung in der Folge ab. Weitere Ursachen und Auslöser einer Herzinsuffizienz können zum Beispiel sein:

  • Herzinfarkt
  • Herzmuskelentzündung (Myokarditis)
  • Erkrankungen der Herzklappen
  • gestörter Zuckerstoffwechsel (Diabetes mellitus)
  • langjähriger Alkoholmissbrauch
  • bestimmte Medikamente wie zum Beispiel Zytostatika bei Krebstherapie

Je nach Ursache kann die verlorene Leistungsfähigkeit des Herzens oft nicht wiederhergestellt werden. Es ist dann lediglich möglich, Symptome wie Atemnot zu behandeln und das weitere Fortschreiten aufzuhalten oder zu verlangsamen. Entscheidend sind daher die Früherkennung und die Ursachenbehandlung.

Moderates Ausdauertraining und leichtes Krafttraining sind sinnvoll, um die Leistungsfähigkeit des Herzens zu erhalten und den Krankheitsverlauf zu verbessern.

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Wenn das Herz aus dem Takt gerät: Herzrhythmusstörungen

Bei Herzrhythmusstörungen ist die Erregungsleitung im Herz gestört und der Herzschlag zu schnell, zu langsam oder unregelmäßig. Die Herzrhythmusstörungen können unter anderem durch Koronare Herzkrankheit, Bluthochdruck oder Herzmuskelentzündungen ausgelöst werden. Auch Menschen ohne Herzerkrankung erfahren hin und wieder Herzstolpern, zum Beispiel bei körperlicher Anstrengung, durch den Konsum von Alkohol oder Koffein und durch Aufregung. Herzrhythmusstörungen sind also nicht immer gefährlich.

Zusätzlich zum veränderten Herzschlag spüren Betroffene oft Schwindel und Leistungsschwäche, aber auch Nervosität, Angst und Luftnot. Manchmal kann es auch zu Brustschmerzen oder Sehstörungen kommen.

Verschiedene Formen der Herzrhythmusstörungen

Zu den wesentlichen Herzrhythmusstörungen zählen:

  • zu langsamer Herzschlag mit weniger als 60 Schlägen pro Minute (Bradykardie), regelmäßig oder unregelmäßig
  • zu schneller Herzschlag mit mehr als 100 Schlägen pro Minute (Tachykardie), regelmäßig oder unregelmäßig – besonders gefährlich ist eine Tachykardie, wenn sie in den Herzkammern entsteht (Kammerflimmern)
  • Herzschläge außerhalb des regelmäßigen Herzrhythmus (Extrasystolen)
  • Vorhofflimmern: Die Vorhöfe des Herzens ziehen sich pro Minute bis zu 600-mal zusammen (Flimmern)
Ein älterer Mann macht gerade ein Belastungs-EKG auf einem Laufband, während eine junge Krankenschwester seinen Blutdruck kontrolliert.

© iStock / andresr

Ein Belastungs-EKG hilft dabei, Herzrhythmusstörungen oder koronare Herzkrankheiten zu diagnostizieren.

Behandlung von Herzrhythmusstörungen

Oft ist bei Herzrhythmusstörungen keine Behandlung nötig. Empfehlen Kardiologen und Kardiologinnen eine Therapie, reichen meist Medikamente aus, die das elektrische Erregungsleitsystem im Herz beeinflussen. Beim Vorhofflimmern können sich Blutgerinnsel in den Vorhöfen bilden. Daher werden zusätzlich Gerinnungshemmer verordnet, um das Schlaganfallrisiko zu senken. Kammerflimmern hingegen ist ein medizinischer Notfall, weil dabei durch den unregelmäßigen, viel zu schnellen Herzschlag kein Blut mehr durch den Körper gepumpt wird.

Bei einem zu langsamen Herzschlag kommt gegebenenfalls ein Herzschrittmacher zum Einsatz. Ein zu schneller Herzschlag kann durch Medikamente oder auch durch eine gezielte Behandlung mit einem Stromstoß (Kardioversion) wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Es ist auch möglich, die Leitungsbahnen des Herzens zu veröden, die für den gestörten Rhythmus verantwortlich sind, wie beim Wolff-Parkinson-White-Syndrom. Besteht die Gefahr, dass das Herz aufgrund der Rhythmusstörungen plötzlich stehen bleibt, kann ein kleiner Defibrillator implantiert werden.

Entzündungen des Herzens sind lebensbedrohlich

Kardiologen und Kardiologinnen unterscheiden bei Herzentzündungen jene, die die Herzhäute betreffen von jenen, die im Herzmuskel vorkommen. Die Herzentzündungen zeigen folgende typische Symptome und Behandlungsmöglichkeiten:

Herzbeutelentzündung (Perikarditis)

Betroffene spüren häufig starke Brustschmerzen, Fieber und einen schnellen Herzschlag. Die Ursache ist oft unklar, teilweise sind Viren wie Adenoviren oder bakterielle Entzündungen verantwortlich. Auch Autoimmunerkrankungen wie rheumatoide Arthritis oder Lupus Erythematodes können eine Perikarditis begünstigen. Ist die Ursache bekannt, kann die Behandlung danach ausgerichtet werden: Bakterielle Infektionen werden beispielsweise mit Antibiotika behandelt. Wichtig ist, sich zu schonen und entzündungshemmende Medikamente einzunehmen.

Herzinnenhautentzündung (Endokarditis)

Patienten und Patientinnen mit einer Endokarditis fühlen sich generell krank und leiden meist unter Fieber, Schüttelfrost, fehlendem Appetit oder Gewichtsverlust. Oft sind Bakterien wie Staphylokokken oder Streptokokken die Auslöser. Werden etwa entzündete Mandeln oder Zähne nicht rechtzeitig behandelt, können die Bakterien bis ins Herz wandern und dort eine Entzündung auslösen. Diese muss mit einer Antibiotika-Infusion im Krankenhaus behandelt werden. Möglicherweise muss das entzündete Gewebe operativ entfernt werden.

Herzmuskelentzündung (Myokarditis)

Erkrankte mit Myokarditis leiden zum Beispiel unter Müdigkeit, Leistungsabfall, Atemnot oder Schmerzen im Herzbereich. Die Entzündung kann mehrere Ursachen haben, hauptsächlich tritt sie nach viralen Infekten auf. Manchmal sind auch bakterielle Infekte der Auslöser, sehr selten auch parasitäre Infektionen oder Pilzinfektionen. Eine bakterielle Myokarditis lässt sich mit Antibiotika behandeln. Liegt eine Virusmyokarditis vor, müssen sich die Betroffenen schonen. In den meisten Fällen heilt sie dann ohne Folge ab. In schweren Fällen kann es zu Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz oder auch zum plötzlichen Herztod kommen.

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