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Gesundheitsmagazin

Herz & Kreislauf

Herzfrequenzvariabilität: Zwischen den Schlägen lesen

Veröffentlicht am:02.12.2022

3 Minuten Lesedauer

Die Herzfrequenz- oder Herzratenvariabilität gibt an, wie der Körper mit Belastungen umgeht. Was die Herzfrequenzvariabilität aussagt, wie man sie misst und verbessert.

Junger Mann mit Elektroden auf der Brust macht ein Langgzeit-EKG.

© iStock / DjordjeDjurdjevic

Inhalte im Überblick

    Was ist die Herzfrequenzvariabilität?

    Jede Minute des Lebens pumpt das Herz sauerstoffreiches Blut durch den Körper. Beim Sport und bei erhöhtem psychischen Stress schlägt das Herz schneller, um den Blutkreislauf anzukurbeln und mehr Sauerstoff zur Verfügung zu stellen. Die Häufigkeit der Herzschläge in einem bestimmten Messzeitraum wird als Herzfrequenz bezeichnet.

    Die zeitlichen Abstände zwischen zwei Herzschlägen bezeichnen Ärzte und Ärztinnen als NN-Intervalle. Diese fallen immer unterschiedlich aus, weil das Herz mal schneller und mal langsamer schlägt, abhängig von einer Vielzahl an Faktoren. Die Herzfrequenzvariabilität oder auch Herzratenvariabilität (HR-Variabilität oder HRV) basiert auf einer mathematischen Analyse einer Reihe von aufeinander folgenden Herzaktionen – den sogenannten NN-Intervallen.

    Was sagt die Herzfrequenzvariabilität aus?

    Während die Herzfrequenz beschreibt, wie stark der Kreislauf belastet ist, zeigt die Herzratenvariabilität an, wie das Herz-Kreislauf-System mit dieser Belastung zurechtkommt. Die Herzfrequenz bei Belastung ist höher als die in einer Ruhesituation. Außerdem braucht das Herz eine Weile, um sich an Ruhe oder Stress anzupassen. Auch in Ruhe schlägt das Herz niemals völlig gleichmäßig. Die Variabilität, also die Unterschiedlichkeit der Herzfrequenz, zeigt an, wie der Herzschlag auf verschiedene innere oder äußere Faktoren reagiert.

    Wie reguliert der Körper die Herzfrequenz?

    Der Sinusknoten ist der Haupttaktgeber für den Herzschlag. Es werden in rhytmischen Abständen elektrische Impulse freigegeben, normalerweise etwa 60 bis 80 pro Minute. Der Sinusknoten reagiert auch auf Impulse des vegetativen Nervensystems. Hier setzen zwei Gegenspieler, der Sympathikus und der Parasympathikus, den Körper in Aufruhr oder Entspannung. Bei körperlichem oder psychischem Stress etwa versetzt der Sympathikus den Körper in den Hochleistungsmodus und treibt unter anderem den Herzschlag in die Höhe. Der Parasympathikus fährt den Erregungszustand und damit auch den Herzschlag wieder herunter. Auch Hormone können die Herzfrequenz beinflussen.

    Welche Bedeutung hat die Herzfrequenzvariabilität?

    Die Herzfrequenzvariabilität ist ein Idikator für die Anpassbarkeit der Herzfrequenz durch das vegetative Nervensystem, sagt also etwas über das Zusammenspiel zwischen Sympathikus und Parasympathikus aus.

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    Wie funktioniert eine HRV-Messung?

    Um die Herzfrenquenzvariabilität zu messen, wird der Herzschlag im Rahmen einer Elektrokardiografie (EKG) aufgezeichnet. Dies geschieht entweder in einem kurzen Zeitraum von fünf Minuten oder mit einem Langzeit-EKG, das HRV-Werte im Schlaf und im Wachzustand aufnimmt.

    Manche Fitness-Tracker, Smartwatches, Sportuhren und Co. bieten die Funktion an, die HRV zu messen. Allerdings sind Smartwatches für die Messung der Herzfrequenzvariabilität ungeeignet. Ihnen fehlt oft der Brustgurt, sprich eine Elektrode, die den Herzschlag erfasst. Fitnesstracker zeichnen daher lediglich den Puls auf. Puls und Herzschlag sind jedoch nicht identisch. Daher können sie die NN-Intervalle, die ausschlaggebend bei der HRV-Messung sind, nicht erfassen und sind zur Messung der Herzfrequenzvariabilität in den meisten Fällen nicht geeignet.

    Was ist eine gesunde Herzratenvariabilität?

    Die Normwerte der Herzfrequenzvariabilität unterscheiden sich danach, mit welchen Parametern gemessen wird. Mediziner und Medizinerinnen sehen standardisierte Normwerte für die HRV-Messung jedoch kritisch, da es viele interne und externe Faktoren gibt, welche die Herzratenvariabilität beeinflussen. Normwerte müssten immer auch nach Kriterien wie Alter und Geschlecht unterschieden werden. Die gemessenen Werte müssen daher immer im Zusammenhang mit diesen Kriterien eingeordnet werden.

    Älterer Mann verbessert durch Ausdauersport seine Herzfrequenzvariabilität.

    © iStock / PeopleImages

    Regelmäßiges Ausdauertraining wie Laufen kann die Herzfrequenzvariabilität von gesunden Menschen verbessern.

    Wie lässt sich die Herzratenvariabilität erhöhen?

    Es gibt ein Vielzahl an Faktoren, die die Herzratenvariabilität beeinflussen – einige von ihnen hängen mit dem Lebensstil zusammen. So erhöhen zum Beispiel Rauchen, geistige Anspannung oder Übergewicht die Herzfrequenz und die Sympathikusaktivität und verringern die Herzfrequenzvariabilität. Das Rauchen aufzugeben, Stress abzubauen und ein gesundes Körpergewicht anzustreben, trägt also dazu bei, die HR-Variabilität zu erhöhen.

    Herzratenvariabilität mit Sport erhöhen

    Menschen, die gut trainiert sind, haben in der Regel eine höhere Herzratenvariabilität als Untrainierte. Sie können also mit Sport selbst einen Beitrag dazu leisten, Ihre HRV zu erhöhen. Das gilt sowohl für gesunde Menschen als auch für Menschen mit Vorerkrankungen.

    Hochintensives Intervalltraining (HIIT), das die Ausdauer fördert, kann die Herzratenvariabilität von gesunden Menschen erhöhen, aber auch von Patienten und Patientinnen mit dem metabolischen Syndrom.

    Krafttraining, zum Beispiel an der Hantelbank mit Gewichten, erhöht die Herzfrequenzvariabilität von gesunden Menschen in der Regel nicht – anders bei Menschen mit chronischen Erkrankungen.

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