Kinder
Wie Sie Kindern ein gesundes Verhältnis zum eigenen Körper vermitteln
Ein gesundes Körperbild beginnt zu Hause. Auch wenn soziale Medien und die Umwelt Kinder stark beeinflussen, bleiben Eltern wichtige Vorbilder. Hier finden Sie Tipps, wie Sie das Selbstbewusstsein Ihres Kindes stärken können.

© iStock / enigma_images
Inhalte im Überblick
- Was versteht man unter dem Körperbild bei Kindern?
- Wie verändern Vergleiche mit anderen die Körperwahrnehmung bei Kindern?
- Welchen Einfluss haben soziale Medien auf das Körperbewusstsein bei Kindern?
- Kann man die Entwicklung eines positiven Körperbilds begleiten?
- Wie können Eltern ein positives Körperbewusstsein bei Kindern unterstützen?
Was versteht man unter dem Körperbild bei Kindern?
Das Körperbild beschreibt, wie ein Kind seinen eigenen Körper wahrnimmt und welche Gefühle es damit verbindet – unabhängig davon, wie es tatsächlich aussieht: Die aktuelle Größe, das Gewicht oder die Figur müssen nicht zwangsläufig eine Rolle spielen. Oft ist es vielmehr die eigene Vorstellung davon, wie der Körper sein sollte oder auszusehen hat.
Forschende unterscheiden zwei Ebenen beim Körperbild: die Wahrnehmung der eigenen Körpermaße und die Gefühle, die man dem eigenen Körper entgegenbringt. Wenn ein Kind sein Aussehen oft kritisch bewertet und mit einem Ideal vergleicht, spricht man von Körperunzufriedenheit.
Die Kindheit gilt als besonders prägende Phase, da sich die Grundlagen für das spätere Körperbild entwickeln. Nach Definition der Weltgesundheitsorganisation endet die Kindheit etwa mit zehn Jahren, aber auch danach können sich Sorgen um das Aussehen festsetzen und sich langfristig auf die psychische Gesundheit auswirken. Das Körperbild verändert sich nämlich ein Leben lang.
Passende Artikel zum Thema
Wie kann das kindliche Körperbild die Psyche beeinflussen?
Ein negatives Körperbild wirkt sich nicht nur auf die Stimmung aus, sondern kann auch ernste gesundheitliche Folgen haben. Dazu zählen Essstörungen, ein zwanghafter Umgang mit Bewegung, Depressionen, Angstzustände und ein reduziertes Selbstwertgefühl – Erkrankungen und Belastungen, die schon im Kindesalter ihren Ursprung nehmen können.
Auch das soziale Miteinander leidet oftmals: Wer sich mit seinem Aussehen unsicher fühlt, zieht sich oft aus Freundschaften und Aktivitäten zurück, was Einsamkeit begünstigen kann. Forschende sehen ein negatives Körperbild in der Kindheit daher als möglichen Risikofaktor für psychische Erkrankungen im späteren Leben.
Woran erkennt man ein gutes Körperbild und Körperbewusstsein bei Kindern?
Ein gutes Körperbild zeigt sich daran, dass ein Kind seinen Körper so annehmen kann, wie er ist. Das drückt sich auch im Alltag aus: In einem gesunden Selbstwertgefühl sowie einem entspannten, ausgewogenen Umgang mit Essen und Bewegung. Kinder mit einem gesunden Körperbewusstsein neigen weniger dazu, ihre Figur ständig zu kritisieren, übertrieben viel Sport zu machen oder Kalorien zu zählen.
Studien zeigen übrigens, dass Mädchen im Schnitt unzufriedener mit ihrem Körper sind als Jungen und sich eher eine schlankere Figur wünschen, während Jungen häufiger einen größeren Körperbau anstreben. Auch der Body-Mass-Index spielt eine Rolle. Übergewichtige Kinder sind häufiger unzufrieden mit ihrem Körperbild.
Passende Angebote der AOK
AOK-liveonline-Kurse
Ob Stress, Ernährung, Entspannung oder persönliche Ziele wie Gewichtsabnahme – die webbasierten Kurse und Vorträge von AOK-liveonline bieten jungen Menschen praktische Unterstützung im Alltag.
Wie verändern Vergleiche mit anderen die Körperwahrnehmung bei Kindern?
Wenn Menschen voluminösere Körper betrachten, verschiebt sich danach kurzzeitig ihre Einschätzung der Körperfülle bei anderen Personen: Der nächste betrachtete Körper wird im Vergleich schlanker eingeschätzt, als er tatsächlich ist. Dieser Effekt zeigte sich in einer Studie bei Kindern ab sieben Jahren ebenso ausgeprägt wie bei Erwachsenen.
Interessant ist, dass der Effekt nicht in beide Richtungen gleichermaßen auftrat: Das Betrachten sehr dünner Körper veränderte die spätere Einschätzung anderer Körper kaum messbar. Nur der Blick auf größere Körper wirkte sich auf die Wahrnehmung aus – bei Kindern wie bei Erwachsenen gleichermaßen.
Der Vergleich zwischen Körpern prägt die Wahrnehmung schon lange vor der Pubertät, nicht erst im Jugend- oder Erwachsenenalter. Für den Alltag bedeutet das: Ein vielfältigeres Bild von Körpergrößen im direkten Umfeld kann die Körperwahrnehmung eines Kindes genauso formen wie die von Erwachsenen.

© iStock / Halfpoint
Welchen Einfluss haben soziale Medien auf das Körperbewusstsein bei Kindern?
Soziale Medien prägen mit, was heute als attraktiv gilt und zeichnen häufig ein verzerrtes, kaum erreichbares Bild vom idealen Körper. Studien zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen dem Streben nach diesem Ideal und psychischen Belastungen wie Essstörungen oder Depressionen.
Welchen Effekt solche Inhalte in sozialen Medien haben, ist individuell: In einer Befragung unter jungen Menschen fühlten sich 37 Prozent nach dem Ansehen von Fotos sportlicher Personen schlechter, während gut ein Drittel sich davon motiviert zeigte. Auffällig war zudem ein Geschlechterunterschied – junge Frauen gingen mit sich selbst deutlich kritischer um als junge Männer.
Hinter dem Streben nach idealisierten Körperbildern im Netz steckt mehr als Eitelkeit: Kinder und Jugendliche suchen über Medien Antworten auf die Frage, wer sie sind und sein wollen. Wenn Likes und Followerinnen und Follower zur Messlatte für Anerkennung werden, wird es aber schwerer, ein stabiles Selbstbild unabhängig vom eigenen Aussehen zu entwickeln.
Welche problematischen Körpertrends gibt es in sozialen Medien?
Soziale Medien verbreiten viele verschiedene Darstellungen von Körpern, einige davon sind durchaus problematisch, vor allem für Kinder und Heranwachsende. Beim Trend „Legging Legs“ gilt beispielsweise ein Körper als ideal, wenn sich die Oberschenkel in Leggings nicht berühren. Auch Fitness-Trends mit sogenannten Fitfluencerinnen und Fitfluencern können Druck erzeugen, den eigenen Körper ständig zu optimieren. Beim Trend „Sephora Kids“ übernehmen Kinder aufwendige Beauty-Routinen mit Produkten für Erwachsene und lernen früh, ihr Aussehen kritisch zu hinterfragen.
Kann man die Entwicklung eines positiven Körperbilds begleiten?
Die gute Nachricht: Das Körperbild kann positiv beeinflusst werden. In Studien hatten Teilnehmerinnen die Aufgabe, bei Schreibaufgaben aktiv gegen das gängige Schlankheitsideal zu argumentieren und bestärkten sich dabei selbst. Dadurch entwickelten sie ein besseres Körperbild.
Für jüngere Kinder und für Jungen zeigte sich in Untersuchungen dagegen kaum ein messbarer Effekt – hier braucht es offenbar andere, noch zu entwickelnde Ansätze. Auch die Dauer der Übungen spielte in Studien eine Rolle: Einzelne kurze Sitzungen unter einer Stunde hatten weniger Einfluss auf das Körperbild als mehrere Termine über bis zu zwölf Wochen.
Wie können Eltern ein positives Körperbewusstsein bei Kindern unterstützen?
Als Elternteil haben Sie viele Möglichkeiten, mit denen Sie das Körperbild Ihres Kindes positiv beeinflussen können. Dazu zählen:
- Im Gespräch bleiben: Sprechen Sie regelmäßig mit Ihrem Kind über aktuelle Trends, Vorbilder und Influencer sowie Influencerinnen – lassen Sie sich zum Beispiel die drei Lieblings-Accounts zeigen und erklären.
- Für Werbung sensibilisieren: Erklären Sie Ihrem Nachwuchs, wie Influence-Marketing funktioniert und womit Influencer und Influencerinnen Geld verdienen, damit Ihr Kind Inhalte besser einordnen kann.
- Sicheren Raum schaffen: Ermutigen Sie Ihr Kind, offen über seine Gefühle zum eigenen Körper zu sprechen, ohne Angst vor Bewertung. Vermitteln Sie, dass Körper in ganz unterschiedlichen Formen und Größen völlig normal sind.
- Gesunde Bewältigungsstrategien vermitteln: Zeigen Sie Ihrem Kind, wie es mit Herausforderungen und Stress im Alltag umgehen kann. Sinnvolle Bewältigungsstrategien sind etwa Spazierengehen, Musik hören oder das Gespräch mit einer Vertrauensperson.
- Auf Kommentare zum Aussehen verzichten: Vermeiden Sie Bemerkungen zu Gewicht, Figur oder Aussehen – auch gut gemeinte Spitznamen können verletzen.
Die Inhalte unseres Magazins werden von Fachexpertinnen und Fachexperten überprüft und sind auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft.
Better Health Channel: Body image – tips for parents.
National Library of Medicine (2017): Body Image in Childhood: An integrative Literature Review.
ScienceDirect:
Body size aftereffects are adult-like from 7 years onward. (2025)
Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (2025): Digitaler Optimierungsdruck.
klicksafe (2024): Problematische Körperbilder in Social Media.








