Psychologie
Körperdysmorphe Störung – das steckt dahinter
Veröffentlicht am:18.04.2024
aktualisiert am 29.07.2026
5 Minuten Lesedauer
Menschen mit Dysmorphophobie beschäftigen sich übermäßig mit ihrem Aussehen und nehmen vermeintliche Mängel oder „Schönheitsfehler“ wahr, die anderen nicht auffallen. So erkennen Sie die Symptome und finden Hilfe.

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Inhalte im Überblick
Was ist eine körperdysmorphe Störung?
Bei einer körperdysmorphen Störung (KDS), auch Dysmorphophobie genannt, handelt es sich um eine psychische Erkrankung, bei der Betroffene nicht aufhören können, über vermeintliche Schönheitsfehler in ihrem Aussehen nachzudenken. Anderen Menschen fallen diese „Makel“ nicht auf.
Die körperdysmorphe Störung ist keine Eitelkeit, sondern eine verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers. Die Betroffenen sind überzeugt, dass bestimmte Eigenschaften ihres Körpers fehlerhaft sind. Die Selbsteinschätzung weicht dabei stark vom tatsächlichen Aussehen ab.
Menschen mit Dysmorphophobie setzen sich übermäßig viel mit den vermeintlichen Makeln auseinander und grübeln darüber, wie diese beseitigt werden könnten. Die Krankheit kann so weit gehen, dass Betroffene sich sozial isolieren, depressiv werden, Suizidgedanken entwickeln oder sogar Suizidversuche unternehmen.
Wer ist von Dysmorphophobie betroffen?
Bei Männern und Frauen kommt Körperdysmorphophobie ungefähr gleich häufig vor. Die Erkrankung kann Menschen jeden Alters treffen, am weitesten verbreitet ist sie jedoch unter Teenagern und jungen Erwachsenen.
In 80 Prozent der Fälle tritt eine körperdysmorphe Störung erstmals in der Pubertät auf. Typischerweise verläuft die Krankheit chronisch. 40 Prozent der Betroffenen nehmen zu Beginn der Erkrankung eine Körperregion als fehlerhaft wahr. Im Verlauf können weitere hinzukommen.
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Dysmorphophobie: Welche Ursachen hat die Körperwahrnehmungsstörung?
Wie eine körperdysmorphe Störung entsteht, ist bislang nicht vollständig geklärt. Vermutlich wirken verschiedene biologische, psychologische und soziale Faktoren zusammen. Belastende Erfahrungen in der Kindheit wie Missbrauch, Vernachlässigung, Mobbing oder Zurückweisung können das Risiko erhöhen.
Aber auch eine besonders behütete Kindheit wird als möglicher Risikofaktor diskutiert, wenn Betroffene dadurch nie gelernt haben, Konflikte selbstständig auszutragen und zu bewältigen.
Diese weiteren Ursachen kann eine Dysmorphophobie haben:
- Genetische Veranlagung: Personen, bei denen eine Verwandte oder ein Verwandter ersten Grades von KDS betroffen ist, haben ein drei- bis achtfach erhöhtes Risiko, ebenfalls zu erkranken.
- Unterschiede in Struktur, Chemie und Aktivität des Gehirns: Bei Menschen mit KDS sind bestimmte Gehirnareale häufig anders aktiv, was dazu beitragen könnte, dass sie Gedanken und Handlungen über ihr Aussehen schwerer kontrollieren können.
- große Unterschiede zwischen dem idealen und realen Körperbild
Filter-Dysmorphie: Was ist das?
Aktuelle Forschungsarbeiten zeigen, dass soziale Medien durch die Verbreitung gefilterter Bilder ein zunehmend unrealistisches Schönheitsideal verstärken können und mit der Entwicklung beziehungsweise Verschlechterung einer körperdysmorphen Störung in Zusammenhang stehen – umgangssprachlich als Filter-Dysmorphie bezeichnet.
Besonders bildbasierte Plattformen wie Instagram werden mit einer stärkeren Unzufriedenheit mit dem eigenen Körperbild in Verbindung gebracht. Vor allem bei Jugendlichen könnte dieser Zusammenhang ausgeprägter sein, wobei bearbeitete und idealisierte Inhalte sowie positives Feedback auf eigene, entsprechend inszenierte Bilder als mögliche Mechanismen diskutiert werden.
Was sind die Symptome einer körperdysmorphen Störung?
Die vermeintlichen Makel von Betroffenen sind objektiv kaum erkennbar. Für sie selbst verursachen sie jedoch einen erheblichen Leidensdruck. Folgende Verhaltensweisen und Anzeichen können auf eine körperdysmorphe Störung hindeuten:
- stundenlanges Grübeln über ein angeblich fehlerhaftes Körperteil, trotz gegenteiliger Aussagen anderer
- ständiges Kontrollieren im Spiegel oder Einholen von Bestätigung durch andere
- komplette Vermeidung von Spiegeln und Fotos, um den eigenen Anblick zu vermeiden
- häufiges Verändern des Aussehens, etwa durch wechselnde Frisuren oder Kleidungsstile
- häufige Selfies, um das Aussehen zu überprüfen, oder Nutzung von Apps und Filtern, um vermeintliche Makel zu kaschieren
- Unwohlsein und Angst bis hin zu Panikattacken, bei dem Gefühl, angestarrt oder beurteilt zu werden
- Scham oder Ekel gegenüber dem eigenen Körper und seinen „Makeln“
- abwertende Sprache bei Selbstbeschreibungen mit Wörtern wie „hässlich“, „verformt“, „abnormal“, „defekt“ oder „unattraktiv“
- sozialer Rückzug und Vermeidung von Alltagssituationen in Schule, Beruf oder Freizeit
- Verstecken oder Beseitigen der vermeintlichen Fehler durch Kleidung, Make-up oder Eingriffe.
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Welche Komorbiditäten und Folgen kann eine Dysmorphophobie haben?
Eine Körperwahrnehmungsstörung bringt in der Regel starke Schamgefühle mit sich, weshalb Betroffene Symptome oft verschweigen. Außenstehende unterschätzen häufig, wie schwerwiegend die Belastungen sind. Hinzu kommen oft ein geringes Selbstwertgefühl sowie depressive Verstimmungen.
Diese weiteren Störungen und Beeinträchtigungen können auftreten:
- Angststörungen, vor allem soziale Phobien und Zwangsstörungen
- sozialer Rückzug bis hin zu sozialer Isolation
- Selbstwertkrisen und Depressionen
- Substanzmissbrauch
- Suizidgedanken und -versuche
- Essstörungen
Bei Dysmorphophobie führt die Obsession mit dem eigenen Aussehen zu einem hohen Leidensdruck. Viele Betroffene sind überzeugt, dass Schönheitsoperationen notwendig sind, um glücklicher zu werden – allerdings ist dies oft nicht der Fall. Im Gegenteil: Operative Veränderungen können weitere Symptome hervorrufen oder bestehende verstärken.
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Körperdysmorphe Störung – was tun?
Dysmorphophobie ist behandelbar. Suchen Sie ärztlichen Rat, wenn Sie befürchten, dass Sie selbst oder Ihnen nahestehende Menschen betroffen sind. Abhängig von der Ausprägung der Erkrankung können unterschiedliche Therapien helfen. Als besonders wirksam hat sich die kognitive Verhaltenstherapie erwiesen.
Für manche Menschen kann es hilfreich sein, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen. Dort gibt es Informationen und praktische Tipps zum Umgang mit der körperdysmorphen Störung. Außerdem kann der Austausch mit anderen dazu beitragen, die eigene Wahrnehmung einzuordnen und zu lernen, sich selbst zu akzeptieren.
In schweren Fällen kann eine medikamentöse Behandlung oder eine Kombination verschiedener Therapieansätze sinnvoll sein. Wichtig ist, einen individuellen Weg für sich zu finden, den eigenen Körper zu akzeptieren und sich wohlzufühlen.
Die Inhalte unseres Magazins werden von Fachexpertinnen und Fachexperten überprüft und sind auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft.
Gibrael S, Oliveira J, Gibrael S et al. (2025): The Role of Social Media in the Development and Exacerbation of Body Dysmorphic Disorder: A Psychiatric Analysis. Journal of Medical Science and Evidences. 10.70789/jmse.v3i3.33.
Suhag K, Rauniyar S (2024): Social Media Effects Regarding Eating Disorders and Body Image in Young Adolescents. Cureus 16(4): e58674.
Mayo Foundation for Medical Education and Research: Body dysmorphic disorder.
NHS: Body dysmorphic disorder (BDD).
Cleveland Clinic: Body Dydmorphic Disorder.
Ärzteblatt: Körperdysmorphe Störungen: Der eingebildete Mangel.
Sulistyo, P. et al. (2022): Social media pressure and the body dysmorphic disorder tendency in women: The mediating role of perfectionism. In: Jurnal Penelitian Psikologi.







