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Gesundheitsmagazin

Psychologie

Psychische Gesundheit: Was schadet, was hilft ihr?

Veröffentlicht am:15.03.2022

6 Minuten Lesedauer

Menschen können im Leben mit Problemen und Krisen konfrontiert werden, die sehr belastend sind und das Wohlbefinden beeinträchtigen können. Eine achtsame Lebensweise fördert die psychische Gesundheit. Wertvolle Tipps, wie das gelingt, sind in diesem Artikel zusammengestellt.

Ein junges Paar sitzt entspannt auf dem Boden angelehnt an eine Wand und lächelt.

© iStock / PeopleImages

Inhalte im Überblick

    Was beeinflusst die psychische Gesundheit?

    Wir befinden uns in einem stetigen Wechsel zwischen Anspannung und Erholung. Wenn die negativen Faktoren überwiegen, wirkt sich das auf unser psychisches Wohlbefinden aus. Wohlbefinden allgemein wird als Voraussetzung verstanden, alltägliche Probleme zu bewältigen und das eigene Leben selbstbestimmt und zielorientiert gestalten zu können. Im Zustand des psychischen Wohlbefindens bin ich ausgeglichen und kann auf Stress oder plötzliche Ereignisse angemessen reagieren. Ist es aber einmal aus dem Gleichgewicht, sind Menschen anfälliger dafür, Krisen nicht bewältigen zu können. Auch Schicksalsschläge wie der Tod einer nahestehenden Person oder ein Arbeitsplatzverlust können das Wohlbefinden aus der Balance bringen. Betroffene fühlen sich überlastet, leiden unter ihren Lebensumständen – und ihre mentale Gesundheit ist gefährdet.

    Körper, Psyche und soziales Umfeld wirken gemeinsam auf unsere allgemeine Gesundheit. Körperliche Faktoren für die psychische Gesundheit wie eine genetische Veranlagung lassen sich durch unser Verhalten nicht beeinflussen. Im Folgenden geht es daher um einen Überblick über die psychischen und sozialen Aspekte und um unseren Umgang mit aktuellen Lebensbelastungen.

    Nicht jede psychische Belastung entwickelt sich zu einer psychischen Erkrankung und es ist auch nicht so, dass man durch Vorsorge psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen verhindern kann. Allerdings kann ein achtsamer Umgang mit sich selbst dazu beitragen, die eigene psychische Gesundheit bestmöglich zu stärken. Ist man aber bereits erkrankt, lässt sich die Krankheit nicht allein durch eine Änderung der Lebensumstände beeinflussen – hier ist in jedem Fall ärztliche Hilfe gefragt.

    Ein junger Mann macht in seinem Wohnzimmer Gymnastikübungen und lacht.

    © iStock / dolgachov

    Sport und Entspannungsübungen halten die Psyche im Gleichgewicht.

    Was fördert die psychische Gesundheit?

    Die persönlichen und äußeren Lebensumstände wirken sich auf das menschliche Wohlbefinden und die Lebensqualität aus. Deshalb können sie auch die psychische Gesundheit beeinflussen, sowohl in positiver als auch in negativer Weise. Günstige Bedingungen im Lebensumfeld, zum Beispiel in der Partnerschaft, der Familie, im Wohnumfeld oder bei der Arbeit, stärken das Wohlbefinden – sind aber nicht immer durch einen selbst beeinflussbar. Das eigene alltägliche Verhalten hingegen ist es schon. Einige wenige Regeln und Übungen können Ihnen helfen, Ihre psychische Gesundheit durch Prävention zu fördern.

    • Zeigen Sie Achtsamkeit sich selbst gegenüber: Fragen Sie sich nach Ihren eigenen Bedürfnissen und stellen Sie diese nicht hintenan – das schließt Rücksicht auf andere nicht aus.
    • Achten Sie auch auf Ihren Lebensstil. Eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, ein geregelter Tagesablauf, ausreichend Erholung und Schlaf unterstützen die psychische Gesundheit. Der Verzicht aufs Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum ebenso.
    • Leben Sie Ihre sozialen Beziehungen bewusst aus und nehmen Sie sich Zeit dafür. Wenn Sie wenig Kontakte haben, suchen Sie gezielt Gemeinschaftsangebote (Vereine, Kirchengemeinden, Nachbarschaftstreffs). Jeder hat seine eigene Wohlfühlgrenze, wieviel und was ihm guttut. Probieren Sie sich aus.
    • Zeigen Sie soziales Engagement. Helfen Sie anderen, beispielsweise in der Seniorenhilfe oder bei einer Tafel. Das fördert die Selbstwertschätzung – und sich selbst als wertvoll zu empfinden, stärkt die Psyche. Es gibt unzählige Möglichkeiten, ehrenamtlich tätig zu werden.
    • Trennen Sie Arbeit und Freizeit. Arbeiten Sie möglichst nicht nach Feierabend oder am Wochenende und nehmen Sie keine Arbeit mit in den Urlaub. Körper und Geist brauchen Erholung.
    • Vermeiden Sie berufliche Überlastung und Stress. Legen Sie im Rahmen der Möglichkeiten regelmäßige Pausen bei der Arbeit ein. Wenn Sie sich oft gestresst fühlen – beruflich und/oder privat –, beschäftigen Sie sich mit Stressmanagement. Manchmal steht die Überlegung an, ob Ihr Arbeitsplatz, Ihr Arbeitgeber oder Ihr Beruf noch zu Ihnen passt.
    • Bewegen Sie sich ausreichend. Für viele ist Sport ein wertvoller Ausgleich, andere Menschen entspannen sich besser bei Bewegung ohne sportlichen Anspruch, etwa Spazierengehen. Jede körperliche Bewegung zählt!
    • Versuchen Sie es zusätzlich mit Entspannungsübungen.
    • Betätigen Sie sich kreativ. Es gibt Menschen, bei denen eine künstlerisch-kreative Beschäftigung das psychische Wohlbefinden fördert, etwa Malen, Zeichnen oder Schreiben. Probieren Sie es einfach aus.
    • Weichen Sie Problemen und Konflikten nicht aus. Verdrängung macht alles oft noch schlimmer. Lassen Sie sich bei Bedarf helfen, um Probleme zu lösen. Das ist kein Anzeichen von Schwäche, sondern von Ehrlichkeit und Mut. Beratungsstellen helfen in vielen Lebenslagen weiter, um einen Ansatzpunkt für Lösungen zu finden.
    • Versuchen Sie, im Leben neugierig zu bleiben. Offenheit für Neues schafft Abwechslung und regt die Lebensgeister an.

    Es sind kleine Schritte, aber mit großer Reichweite. Gesundheit, körperliche wie psychische, kann nie garantiert werden. Aber Menschen können mit einer selbstachtsamen Lebensweise vieles tun, um sie so lange wie möglich zu erhalten.

    Corona-Pandemie und psychische Gesundheit

    Wie stark die Auswirkung äußerer Faktoren auf die psychische Gesundheit sein kann, zeigt die Corona-Krise. Die Covid-19-Krankheit selbst und die Überflutung mit Bildern, widersprüchlichen Meinungen und Prognosen erzeugen Verunsicherung, Angst, Stress und Sorge, insbesondere bei Älteren, Betreuungspersonen und Menschen mit Vorerkrankungen. Quarantäne- und andere Schutzmaßnahmen verstärken zudem die soziale Isolation von denjenigen Menschen, die ohnehin nur schlecht sozial eingebunden sind, oder von solchen, für die ein normales Berufsleben mit seinen sozialen Kontakten sehr wichtig für das eigene Wohlempfinden ist.

    Für Kinder und junge Menschen war die abrupte Unterbrechung ihrer existentiellen Entwicklungsbedürfnisse ein großer Stressor und Störfaktor für ihre seelische Gesundheit. Kinder und Jugendliche leiden, wenn die sozialen Kontakte in Schule und Freizeit fehlen, und psychische Problem treten verstärkt auf. Es gibt Hinweise darauf, dass häusliche Gewalt und andere Kindeswohlgefährdung im Verlauf der Pandemie zugenommen haben. Andere Menschen leiden, weil bei ihnen Angst- und Ohnmachtsgefühle durch die gesundheitspolitischen Reaktionen auf die Pandemie erzeugt wurden, um nur einige Facetten zu erwähnen.

    Unvermittelt ist während der Pandemie neben der körperlichen auch die psychische Gesundheit in den Fokus gerückt. Wir spüren deutlich, dass Einsamkeit und Einschränkungen unserer Handlungsfreiheiten krank machen können. Dass fehlender Ausgleich in der Freizeit – sei es Sport, Kultur oder der Restaurantbesuch in lieber Gesellschaft – auf das Gemüt drückt. Die Pandemie gefährdet die psychische Gesundheit weiter Teile der Bevölkerung, weshalb die Weltgesundheitsorganisation mit einer deutlichen Zunahme von Depressionen oder Suchterkrankungen rechnet. Die Verbesserung der psychischen Gesundheit, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen wird zum dringenden Gegenwarts- und Zukunftsthema werden.

    In belastenden Zeiten ist es besonders wichtig, die Psyche zu stärken

    Manche Menschen sind mental so stabil, dass sie mit den Belastungen durch die Krise gut umgehen können – sehr vielen anderen gelingt das nicht so leicht. Seelisch gestresst fühlt sich wahrscheinlich jeder. Sich jetzt womöglich noch weiter zurückzuziehen, dürfte die Probleme nur verstärken. Eigeninitiative ist gefragt, um den persönlichen Bedürfnissen gerecht zu werden.

    Menschen können die Kraft der sozialen Gemeinschaft nutzen, indem sie ihren Familien- und Freundeskreis besonders gut pflegen, Beratungsangebote von Kommunen in Anspruch nehmen oder das Miteinander zum Beispiel in Vereinen, im Ehrenamt oder in Religionsgemeinschaften suchen – auch wenn die Angebote phasenweise eingeschränkt sein sollten. Ausflüge in die Natur verschaffen einen psychischen Ausgleich, Bewegung im Allgemeinen einen körperlichen: Das trägt dazu bei, das Leben in der Balance zu halten.

    In der Krise Kraft und Hoffnung schöpfen

    Menschen und Gesellschaften sind anpassungs- und widerstandsfähig. Man muss nicht alles schwarzsehen, sondern darf hoffen, dass wir gut aus der Krise heraustreten. Zwar haben die Menschen unterschiedliche Haltungen zu Corona und den begleitenden Maßnahmen, aber sie sind alle fühlende Wesen, die Stress ausgesetzt sind und von denen viele unter Ängsten leiden – sei es die Angst vor dem Virus oder die Angst vor den gesellschaftlichen Folgen der Pandemie. Sich mit den unterschiedlichen Ängsten einander empathisch und mit verständnisvoller Gelassenheit zu begegnen, wirkt dem allgemeinen Level der Nervosität und Aufgeregtheit entgegen – und auch das tut der Psyche gut. Viele Menschen tun ihr Bestes, damit andere und auch sie selbst gut durch diese Zeiten kommen. Das dürfen wir wertschätzen und positive Energie daraus schöpfen – damit wir gemeinsam (psychisch) gestärkt aus der Krise hervorgehen.

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