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Abgase, Dämpfe und Stäube: Warum uns Feinstaub krank macht

Mann leidet unter Feinstaub.

© AOK

Lesezeit: 4 MinutenAktualisiert: 03.03.2021

Feinstaub belastet den gesamten Organismus. Die feinen Partikel können Organe und das Herz-Kreislauf-System schädigen und chronische Erkrankungen hervorrufen. Wie kann jeder Einzelne einen Beitrag zur Verringerung der Feinstaublast in unserer Luft beitragen?

Inhalte im Überblick

    Wie entsteht Feinstaub?

    Feinstaub kann natürlichen Ursprungs sein oder durch menschliches Handeln erzeugt werden. Vom Menschen verursachte Feinstaubquellen sind zum Beispiel Kraftfahrzeuge, Kraft- und Fernheizwerke, Abfallverbrennungsanlagen, Öfen und Heizungen in Wohnhäusern, der Schüttgutumschlag sowie bestimmte Industrieprozesse. In Ballungsgebieten sind vor allem der Straßenverkehr und Bautätigkeiten Feinstaubquellen.

    „Feinstaub gelangt dabei nicht nur aus Motoren in die Luft, sondern auch durch Bremsen-, Reifen- und Fahrbahnabrieb sowie durch die Aufwirbelung des Staubes auf der Straßenoberfläche“, erklärt Myriam Tobollik, Gesundheitswissenschaftlerin beim Umweltbundesamt. Sie hat noch eine weitere Quelle für Feinstaub ausfindig gemacht, und das ist unsere heimische Landwirtschaft. „Vor allem die Emissionen gasförmiger Vorläuferstoffe aus der Tierhaltung tragen zur Belastung bei.“, so Tobollik. 

    Weitere natürliche Quellen für Feinstaub sind Emissionen aus Vulkanen und Meeren, die Bodenerosion, Wald- und Buschfeuer sowie bestimmte biogene Aerosole, zum Beispiel Viren sowie Sporen von Bakterien und Pilzen.

    „Vor allem die Emissionen gasförmiger Vorläuferstoffe aus der Tierhaltung tragen zur Belastung bei.“

    Myriam Tobollik
    Gesundheitswissenschaftlerin beim Umweltbundesamt

    Wie Feinstaub unseren Organismus schädigt

    Feinstaub gelangt mit jedem Atemzug in den menschlichen Organismus. Wie das funktioniert, erklärt die Umweltexpertin Myriam Tobollik: „Je kleiner die Partikel sind, desto weiter können diese in den Körper transportiert werden und gelangen so in Bereiche, aus denen sie beim Ausatmen nicht wieder ausgeschieden werden. Ultrafeine Partikel können über die Lungenbläschen in die Blutbahn vordringen und sich über das Blut im Körper verteilen. In den Lungenbläschen sind Atmung und Blutkreislauf funktionell und anatomisch sehr eng miteinander verbunden.“ 

    Sie erklärt außerdem, dass die Größe und Eindringtiefe der Teilchen und auch die gesundheitlichen Wirkungen von Feinstaub sehr verschieden sind: „Sie reichen von Schleimhautreizungen und lokalen Entzündungen in der Luftröhre und den Bronchien oder den Lungenbläschen bis zu verstärkter Plaquebildung in den Blutgefäßen, einer erhöhten Thromboseneigung oder Veränderungen der Regulierungsfunktion des vegetativen Nervensystems. Feinstaub führt außerdem zu oxidativem Stress und entzündlichen Reaktionen im gesamten Organismus.“ 

    Es gilt außerdem zu bedenken, dass sich an der Oberfläche von Stäuben gefährliche Stoffe wie Schwermetalle oder Krebs erzeugende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) anlagern können, die wiederum negative Effekte auf uns haben können.

    Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat in Untersuchungen festgestellt, dass es keine Feinstaubkonzentration gibt, unterhalb derer eine schädigende Wirkung ausgeschlossen werden kann.

    Warum uns Feinstaub krank machen kann

    In diesem Fall appelliert Myriam Tobollik an alle Menschen, denn jede und jeder Einzelne kann etwas zur Verringerung der Feinstaubbelastung beitragen:

    • Fahrten mit dem eigenen Pkw verringern, Fahrgemeinschaften nutzen
    • öffentliche Verkehrsmittel benutzen (ÖPNV, Bahn)
    • kurze Strecken mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurücklegen
    • Fahrgeschwindigkeit bei Pkw-Fahrten reduzieren
    • Fahrzeuge mit geringem Kraftstoffverbrauch und Feinstaubausstoß benutzen, insbesondere Dieselfahrzeuge nur ab der Abgasnorm EURO 6d-TEMP Norm kaufen
    • Altfahrzeuge mit vollwertiger Partikelabscheidung nachrüsten

    Auch im Haus und im Garten gibt es viele Dinge, mit denen laut Tobbolik die Feinstaubb-Belastung verringert werden kann:

    • Holzverbrennung in Kleinfeuerungsanlagen ohne Abgasreinigung – zum Beispiel in offenen Kaminen und Einzelöfen – abstellen, Staubauswurf verringern und nur zulässigen Brennstoff wie abgelagertes, unbehandeltes Holz verwenden
    • auf Laub- und Holzverbrennung im Garten verzichten
    • energiesparende und emissionsarme Gebäudeheizungen einsetzen. Die „sauberste” Lösung ist hier der mit Erdgas befeuerte Brennwertkessel mit NOx-armem Brenner
    • auf privates Silvesterfeuerwerk verzichten
    • den eigenen Fleischkonsum nach Möglichkeiten reduzieren, da durch die Tierhaltung große Mengen Ammoniak freigesetzt werden

    Vieles, was hilft, Energie zu sparen, dient auch der Verringerung der Luftbelastung mit Feinstaub und dessen Vorläuferstoffen. Die wichtigsten Mittel dabei sind die Erhöhung der Energieausbeute („Effizienz”) und die Nutzung erneuerbarer Energieträger:

    • erneuerbare Energien zur Warmwasser- und Stromerzeugung nutzen (zum Beispiel Solarthermieanlage zur Warmwasseraufbereitung auf dem Dach des Eigenheims)
    • Wärmedämmung (indirekte Verringerung der Luftverschmutzung durch Energieeinsparung)
    • energiesparsame Haushaltsgeräte einsetzen
    • Geräteleistung bewusst verringern

    „Je kleiner die Partikel sind, desto weiter können diese in den Körper transportiert werden und gelangen so in Bereiche, aus denen sie beim Ausatmen nicht wieder ausgeschieden werden. “

    Myriam Tobollik
    Gesundheitswissenschaftlerin beim Umweltbundesamt

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