Erster Gesundheitskiosk in der StädteRegion Aachen eröffnet

Damit der Zugang zu Gesundheits- und Sozialleistungen nicht vom sozialen Status abhängt und Menschen in sozioökonomisch benachteiligten Quartieren unbürokratisch unterstützt werden, haben die StädteRegion Aachen und die AOK Rheinland/Hamburg heute den ersten Gesundheitskiosk in der StädteRegion Aachen eröffnet. Die neue Einrichtung in den Aachen-Arkaden, unweit des Bahnhofs Aachen-Rothe Erde, wird fortan eine zentrale Anlaufstelle für niedrigschwellige Beratung in den Bereichen Prävention, Gesundheitsförderung und Gesundheitserhaltung sein.

Ein interdisziplinär besetztes und mehrsprachiges Team berät

Trägergesellschaft des von der AOK Rheinland/Hamburg und der StädteRegion Aachen gemeinsam an den Start gebrachten Gesundheitskiosks ist die Sprungbrett gGmbH, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der StädteRegion. Der Gesundheitskiosk soll für die Bürgerinnen und Bürger nicht nur Anlaufstelle bei allen Sozial- und Gesundheitsthemen sein: „Wir werden ein neues Gesundheitsnetzwerk schaffen und damit nachhaltige und innovative Versorgungsstrukturen aufbauen, von denen die Menschen in der StädteRegion profitieren – unabhängig von Herkunft, Sprache und sozialem Status“, sagt Elif Tunay-Çot, Leiterin des Gesundheitskiosks. Mit einem interdisziplinär besetzten und mehrsprachigen Team wird sie das neue Gesundheitsnetzwerk in den Aachen-Arkaden aufbauen, das in unmittelbarer Nähe zum ebenfalls dort beheimateten Gesundheitsamt der StädteRegion Aachen liegt.

In der Beratungsarbeit werden die ansonsten bei den jeweiligen Trägern bestehenden Zuständigkeitsgrenzen überwunden. Bei Themen, für die üblicherweise Krankenkassen, Kommunen oder andere Sozialleistungsträger alleine zuständig sind, berät und vermittelt der Gesundheitskiosk in einer Art Lotsenfunktion die notwendigen Hilfen. Im neuen Gesundheitsnetzwerk werden alle an der Versorgung beteiligten Professionen und Einrichtungsarten einbezogen – neben Ärztinnen und Ärzten und Therapeutinnen und Therapeuten beispielsweise auch Krankenhäuser und Pflegedienste sowie weitere Dienstleister und Einrichtungen wie etwa Apotheken.

„Unser Ziel ist es, dass alle Menschen in Deutschland die gleichen Gesundheitschancen haben“, sagt Matthias Mohrmann, Vorstandsmitglied der AOK Rheinland/Hamburg. „Um diesem Ziel näher zu kommen, müssen wir da sein, wo man uns braucht, und die Beratung dorthin bringen, wo sie heute oft fehlt. Wenn Krankenkasse und Kommune Hand in Hand arbeiten wie hier in der StädteRegion Aachen, profitieren die Bürgerinnen und Bürger, aber auch die Gesellschaft als Ganzes, denn Gesundheit ist die Basis für alles.“ 

„Mit dem neuen Angebot drehen wir die bisherige Logik des Gesundheitssystems um und bringen die Angebote aktiv zu den Menschen, damit niemand krank ist oder gar kürzer lebt, bloß, weil sie oder er weniger Geld hat oder weniger gut integriert ist. Dabei ist nicht nur die Großstadt Aachen, sondern die gesamte StädteRegion im Blick“, sagt Dr. Michael Ziemons, Dezernent für Soziales, Gesundheit und Digitalisierung der StädteRegion Aachen. Damit von dem neuen Angebot die Menschen in der gesamten StädteRegion profitieren können, werden die Mitarbeitenden des Gesundheitskiosks nicht nur in den Aachen-Arkaden tätig. Vielmehr wird dort beraten, wo die Menschen sind: „Das kann auch im Rahmen eines Stadtfestes oder anlässlich der Öffnung der Tafel sein“, erklärt Dr. Michael Ziemons.

Ein praktisches Beispiel für die Beratungsarbeit zur Verbesserung der Gesundheitschancen sozioökonomisch benachteiligter Menschen ist die Früherkennung schwerwiegender Erkrankungen. So zeigt der Onkologie-Report 2021 der AOK Rheinland/Hamburg den Zusammenhang zwischen sozialem Status und dem Auftreten einer Krebserkrankung auf. „Menschen mit einem niedrigen Renteneinkommen erkranken durchschnittlich sieben Jahre früher an Krebs als Menschen, die ein hohes Renteneinkommen beziehen“, sagt Heiko Jansen, AOK-Regionaldirektor in der Region Aachen-Düren-Heinsberg. Neben der Beratung zur Verringerung von Gesundheitsrisiken wolle man mit der neuen Einrichtung zukünftig auch Früherkennung und Vorsorge stärker in das Bewusstsein der Menschen bringen. Denn aktuell ist bedingt durch die Corona-Pandemie ein erheblicher Rückgang bei der Inanspruchnahme der Früherkennungsuntersuchungen zu verzeichnen. „Gemeinsam mit der StädteRegion und nun auch dem neuen Gesundheitskiosk wollen wir dieses Problem anpacken und die Menschen wieder verstärkt zum Arztbesuch und zur Inanspruchnahme der Früherkennungsuntersuchungen motivieren“, sagt Heiko Jansen.

Das neue Angebot kann von allen Bürgerinnen und Bürgern – unabhängig von ihrer individuellen Krankenkassenzugehörigkeit – genutzt werden.

Populationsbezogene Versorgungsprojekte der AOK Rheinland/Hamburg

Der Gesundheitskiosk in der StädteRegion Aachen hat sein Vorbild in Hamburg. Mit einem durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses geförderten Projekt startete 2017 in den Hamburger Stadtteilen Billstedt und Horn der Aufbau eines regionalen, integrierten Gesundheitsnetzwerks mit Fokus auf Prävention, Gesundheitsförderung und -erhaltung. Der Gesundheitskiosk als Herzstück des Netzwerks bildet eine wichtige organisatorische Schnittstelle zwischen der medizinischen Versorgung und dem Sozialraum. Eine Evaluation des Hamburg Center for Health Economics (HCHE) der Universität Hamburg aus dem Jahr 2021 belegt, dass der Gesundheitskiosk einen verbesserten Zugang zur Versorgung schafft und zur Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten sowie zur Entlastung der Ärzteschaft beiträgt.

Im September 2021 öffnete mit der Quartierszentrale „dieKümmerei“ in Köln-Chorweiler ein weiteres regionales Versorgungsprojekt, dessen Schwerpunkt auf der Versorgungsverbesserung in sozioökonomisch benachteiligten Vierteln liegt. Weitere Standorte in Essen, Solingen, Duisburg und Krefeld sind in Vorbereitung.

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