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Vorsicht, Hitze!

03.07.2026 AOK-Bundesverband 4 Min. Lesedauer

Extreme Hitzeperioden belasten die Gesundheit insbesondere vulnerabler Patientengruppen ganz besonders. Auch für das Gesundheitssystem können sie zur Belastungsprobe werden. Die AOK-Selbstverwaltung fordert deshalb mehr Engagement für die Entwicklung von Strategien für den Hitzeschutz und klärt auf, wie sich hitzebedingte Gefahren reduzieren lassen.

Eine Frau sitzt auf einer Bank im Park und trinkt Wasser aus einer kleinen Plastikflasche
Extreme Hitze ist für viele Menschen gefährlich: Vor allem Kinder, Ältere, Pflegebedürftige und chronisch Kranke brauchen wirksamen Schutz und verlässliche Informationen.

Obwohl der Sommer gerade erst angefangen hat, hat die gerade hinter uns liegende Hitzewelle bereits erneut Temperaturrekorde gebrochen. Zentrale Ursache für immer öfter auftauchende und länger andauernde Hitzeperioden sind die mit der Erderwärmung verbundenen klimatischen Veränderungen. Hitzewellen mit Temperaturen über 30 Grad und sogenannte tropische Nächte, in denen die Temperaturen nicht unter 20 Grad sinken, stellen hierzulande das größte klimawandelbedingte Gesundheitsrisiko dar. 

Auch wenn sich der Mensch grundsätzlich an höhere Temperaturen anpassen kann, gelten Kinder und ältere Menschen als besonders gefährdet. Pflegebedürftige oder chronisch Kranke sind ebenfalls in besonderer Weise betroffen. Vor allem Menschen mit Herz-, Nieren- oder Lungenerkrankungen, aber auch mit Diabetes oder neurologischen Erkrankungen wie Demenz müssen bei Hitze besonders vorsichtig sein und Vorsorgemaßnahmen treffen. 

Hitze kann tödlich sein

Ist ein Mensch zulange großer Hitze ausgesetzt, kann das drastische Auswirkungen haben. Neben einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt oder Rhythmusstörungen drohen auch Gefahren durch Kreislaufkollaps oder Unterzuckerung bis hin zum Tod. So starben in Deutschland Berechnungen des Instituto de Salud Global Barcelona (ISGlobal) zufolge allein in den drei Sommern 2022 bis 2024 fast 21.000 Menschen an den Folgen extremer Hitze. In ganz Europa waren es mehr als 181.000 Menschen. Zum Vergleich: im selben Zeitraum gab es in der gesamten EU rund 60.000 Verkehrstote – also gerade mal ein Drittel so viel.

„Wir wollen seriös und fundiert über die Gefahren der Hitze informieren und für entsprechende Präventivmaßnahmen sensibilisieren.“

Susanne Wiedemeyer

Versichertenvertreterin im Verwaltungsrat der AOK Sachsen-Anhalt und Mitglied des Aufsichtsrats des AOK-Bundesverbandes

Für Gefahren sensibilisieren

Um ihre Versicherten – und hier insbesondere die vulnerablen Patientengruppen – bestmöglich vor den Folgen der Hitze zu schützen, hat die AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… zu diesem Thema mittlerweile ein breites Informationsangebot aufgebaut. „Wir wollen seriös und fundiert über die Gefahren der Hitze informieren und für entsprechende Präventivmaßnahmen sensibilisieren“, sagt Susanne Wiedemeyer, die als Versichertenvertreterin im Verwaltungsrat der AOK Sachsen-Anhalt und im Aufsichtsrat des AOK-Bundesverbandes sitzt. Neben regelmäßigen Online-Artikeln im AOK-Gesundheitsmagazin gebe die Gesundheitskasse auch auf einer eigens eingerichteten Website detaillierte Infos über die Gesundheitsgefahren durch Hitze. Hier finden Interessierte auch viele praxisnahe Tipps zum individuellen Hitzeschutz. Zudem habe die AOK-Gemeinschaft in ihrer medizinischen Hotline AOK-Clarimedis das medizinische Hitzetelefon eingerichtet, um auch Versicherte ohne Internetzugang ganz einfach per Telefon informieren zu können, erklärt Wiedemeyer.

Um auch Menschen mit Pflegebedarf beziehungsweise ihre pflegenden Angehörigen gezielt zu erreichen, geht die AOK einen anderen Weg. „Wir haben in allen AOKs vor zwei Jahren eine Hitzeberatung fest in den Pflegeberatungsgesprächen verankert“, sagt Parvanov. Der Clou daran: Jeder Versicherte mit Anspruch auf Pflege Kann die häusliche Pflege nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden, besteht Anspruch auf… habe einen gesetzlichen Anspruch auf ein Pflegeberatungsgespräch. „Diese Gespräche nehmen wir dann zum Anlass, proaktiv über hitzebedingte Risiken aufzuklären“, ergänzt Wiedemeyer. Versicherte bekämen am Ende der Beratung zudem einen Flyer mit nach Hause, der vielfältige Tricks und Tipps enthalte, wie man im Sommer mit der Hitze bestmöglich klarkommt.

Eine ältere Dame sitzt in der Natur im Schatten. Sie trägt einen Hut und fächert sich mit einem mit Blumen bemalten Fächer Luft zu.
Die zunehmende hitzebedingte Übersterblichkeit in Deutschland macht deutlich, dass Klimaveränderungen zu einer gesundheitlichen Bedrohung geworden sind. Doch immer noch fühlen sich viele Deutsche nicht ausreichend über die damit verbundenen Risiken informiert. Die AOK will das ändern und klärt auf verschiedenen Wegen über die Gefahren des…
18.06.2025Otmar Müller4 Min

Hitze auch Belastung für die Wirtschaft

„Neben der individuellen Gefahr für die Gesundheit der Versicherten ist eine Hitzeperiode immer auch eine Belastung für die Wirtschaft“, sagt Ivor Parvanov, der im Verwaltungsrat der AOK Bayern die Arbeitgeberseite vertritt und Mitglied im Aufsichtsrat des AOK-Bundesverbandes ist. Das zeige unter anderem eine aktuelle Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Für die Studie hatte das PIK mit Unterstützung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO Das WIdO (Wissenschaftliches Institut der AOK) liefert als Forschungs- und Beratungsinstitut der… ) die Daten von rund 9,7 Millionen bei der AOK versicherten Beschäftigten zwischen 25 und 59 Jahren aus den Jahren 2007 bis 2020 ausgewertet. Die Untersuchung hat dabei erstmals umfangreiche Daten zu Krankmeldungen, Arztbesuchen und Gesundheitskosten mit Wetterdaten verknüpft. „Die Studie zeigt: An einem durchschnittlichen Hitzetag steigt die Zahl der Krankheitsfälle bereits um etwa 3,5 Prozent. Nach sieben Hitzetagen in Folge steigen die Arbeitsunfähigkeitsfälle sogar schon um 10,8 Prozent“, so Parvanov. Mit entsprechenden wirtschaftlichen Folgen: Eine dreitägige Hitzewelle verursacht über alle Berufsgruppen und Beschäftigten hinweg zusätzliche Kosten in Höhe von rund 32 Millionen Euro für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.