Deutlicher Anstieg an Demenzfällen
Die Zahl der Menschen mit Demenz wird in den nächsten drei Jahrzehnten deutlich steigen. Das zeigen aktuelle Prognosen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Aus Sicht des AOK-Bundesverbandes sollte deshalb auch die Selbsthilfe für pflegende Angehörige künftig stärker unterstützt werden.
Bei einer weiter steigenden Lebenserwartung sei davon auszugehen, dass die Zahl der Demenzfälle von 1,3 Millionen im Jahr 2020 auf bis zu 2,1 Millionen im Jahr 2060 ansteigen werde, konstatiert das WIdO Das WIdO (Wissenschaftliches Institut der AOK) liefert als Forschungs- und Beratungsinstitut der… in seiner aktuellen Datenanalyse. Die Prognose basiert auf einem neuartigen Verfahren, mit dem es auch möglich ist, Ergebnisse regional fein gegliedert bis auf Kreisebene darzustellen.
Die Daten machen deutlich, dass die bereits heute bestehenden Unterschiede zwischen städtischen Regionen mit relativ junger Bevölkerung und ländlichen Regionen mit relativ alter Bevölkerung weiter stark zunehmen werden. Bei steigender Lebenserwartung – von der aktuell auszugehen ist – zeigen die Prognosen im gesamten Bundesgebiet nicht nur eine deutliche Zunahme der Demenzfälle, sondern auch einen Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. Es werden also deutlich mehr Demenzfälle von weniger Personen zu versorgen sein.
Demenz als kommunale Herausforderung
Analysiert man die Daten auf regionaler Ebene, wird zudem klar: Ländliche Regionen im Osten sind von dieser Entwicklung besonders stark betroffen. Hier werden also überdurchschnittlich viele Angehörige damit konfrontiert werden, ihre Eltern oder Ehegatten mit Demenz pflegerisch zu versorgen. „Demenz ist eine ganz konkrete Herausforderung auf kommunaler Ebene. Die regionalen Unterschiede werden größer. Darauf müssen sich Versorgungsstrukturen, Pflegeangebote und Kommunalpolitik einstellen“, betont Helmut Schröder, Geschäftsführer des WIdO.
Zu wenig Angebote
Gerade in ländlichen Regionen Ostdeutschlands trifft dieses zunehmende Problem auf ein sehr dünnes Netz der Selbsthilfe für pflegende Angehörige. Selbsthilfegruppen Viele Kranke und ihre Angehörigen engagieren sich in Selbsthilfegruppen, um Unterstützung bei der… und Selbsthilfekontaktstellen, die Betroffene und ihre Angehörigen bei der Bewältigung der Erkrankung beraten und unterstützen könnten, sind in vielen Regionen nicht vorhanden.
Ein typisches Beispiel hierfür ist die Selbsthilfekontaktstelle im Landkreis Elbe Elster, die auf drei Standorte in der Region verteilt ist. Dort sucht man vergebens nach Selbsthilfegruppen zum Thema Demenz. Das hat zur Folge, dass die Betroffenen und ihre Angehörigen in der Region oft auf sich selbst gestellt bleiben und keine Unterstützung in der Selbsthilfe finden. Erschwerend kommt dann noch die begrenzte Existenz von adäquaten und finanzierbaren Pflegeeinrichtungen hinzu.
AOK fordert unbürokratisches Förderverfahren
„Die AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… -Gemeinschaft macht sich seit langem dafür stark, eine regional verankerte qualitätsorientierte und effiziente Versorgung zu gestalten und die Selbsthilfe konsequent zu stärken“, betont Claudia Schick, Selbsthilfereferentin im AOK-Bundesverband. Ein gutes Beispiel dafür ist etwa die Selbsthilfe-Fachtagung des AOK-Bundesverbandes „Hilfe für helfende Hände“, auf der sich die AOK bereits vor zwei Jahren dafür stark gemacht hat, das zu bürokratische Förderverfahren für die Pflege Kann die häusliche Pflege nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden, besteht Anspruch auf… -Selbsthilfe in die Hände der Pflegekassen zu übergeben.
„Mit der Unterstützung aus der Selbsthilfe lässt sich die Versorgung von Menschen mit Demenz verbessern. Das klappt aber nur, wenn die für sie gesetzlich bestimmten Mittel auch bei der Selbsthilfe angekommen“, so Schick. Bislang sei die Beantragung und Bewilligung der Fördergelder noch zu kompliziert. „Wir machen uns deshalb in den Gremien der gesetzlichen Krankenversicherung weiterhin und mit noch mehr Nachdruck dafür stark, dass die mit dem Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege (BEEP) festgelegten Fördergelder aus der Pflegeversicherung Die Pflegeversicherung wurde 1995 als fünfte Säule der Sozialversicherung eingeführt. Ihre Aufgabe… , also laut Paragraf 45d des Elften Sozialgesetzbuchs, möglichst einfach und ohne bürokratischen Aufwand der Selbsthilfe zur Verfügung gestellt werden“, sagt Schick.