Wenn Pflege vor der Haustür beginnt

Wer hilft, wenn es im Alltag nicht mehr so geht wie früher? Im Projekt „QplusAlter“, an dem auch die AOK Rheinland/Hamburg beteiligt ist, bekommen ältere Menschen passgenaue Unterstützung, damit sie so leben können, wie sie es wollen.

Beraterin sitzt mit einem älteren Paar auf dem Sofa und zeigt ihnen etwas auf einem Tablet; alle wirken freundlich und entspannt in einer hellen Wohnumgebung.

Wenn der Alltag sich verändert

Es sind selten große Einschnitte, die den Bedarf an Unterstützung auslösen. Oft sind es schleichende Veränderungen: Wege werden beschwerlicher, Routinen unsicherer, Entscheidungen schwieriger. Viele ältere Menschen stellen sich dann die Frage, wie geht es weiter?

Das Projekt „QplusAlter“ nimmt sich genau dieser Frage an. Es bietet Unterstützung, und zwar frühzeitig, bevor aus Unsicherheiten echte Einschränkungen werden. Das Projekt läuft seit 2019 als Modellvorhaben a) Gesetzliche Krankenversicherung: Zur Weiterentwicklung der Versorgung können Krankenkassen und… in Hamburg und verfolgt einen sozialraumorientierten Ansatz. Es verbindet Erfahrungen aus der Eingliederungshilfe, der Sozialraumorientierung und der Altersmedizin, um Menschen möglichst lange ein selbstbestimmtes und selbstständiges Leben im Quartier zu ermöglichen.

Ziel:

„QplusAlter“ unterstützt ältere Menschen dabei, möglichst lange selbstbestimmt und selbstständig im eigenen Quartier zu leben. 

Träger:

Initiiert wurde das Projekt von der Evangelische Stiftung Alsterdorf. Umgesetzt wird es gemeinsam von Hamburger Behörden, mehreren Stiftungen sowie Krankenkassen wie der AOK Rheinland/Hamburg. 

Zielgruppe:

Das Angebot richtet sich an Menschen ab 65 Jahren sowie an Angehörige und nahestehende Personen. Besonders angesprochen werden ältere Menschen, die Unterstützung im Alltag benötigen oder sich frühzeitig orientieren möchten. 

Ansatz:

QplusAlter verfolgt einen sozialraumorientierten und präventiven Ansatz. Unterstützung entsteht durch die Verbindung professioneller Hilfen mit Ressourcen aus Familie, Nachbarschaft und dem Quartier. 

Umsetzung:

14 Lotsinnen und Lotsen aus unterschiedlichen Fachrichtungen beraten, koordinieren und entwickeln gemeinsam mit den Betroffenen individuelle Unterstützungsarrangements. Dabei arbeiten sie eng mit Pflegestützpunkten, Beratungsstellen und weiteren Angeboten im Quartier zusammen. 

Mehrwert:

Die erste Evaluation zeigt: Das Projekt stärkt Selbstbestimmung, soziale Teilhabe und Lebensqualität älterer Menschen. Gleichzeitig werden Unterstützungsnetzwerke erweitert und Pflegeleistungen gezielter genutzt.

Wer hinter dem Projekt steht

Initiiert wurde „QplusAlter – Älter werden im Quartier“ von der Evangelischen Stiftung Alsterdorf. Das Modellprojekt wird gemeinsam mit der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen sowie der Sozialbehörde umgesetzt und durch mehrere Stiftungen gefördert, mit dabei sind die Stiftung der Deutschen Fernsehlotterie, die NORDMETALL-Stiftung, die Software AG-Stiftung, die HOHMANN-Stiftung und die Beisheim Stiftung. Auch die AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Rheinland/Hamburg, die DAK Gesundheit und die Barmer Hamburg begleiten das Modellprojekt.

QplusAlter ist auf mehrere Jahre angelegt und wird in den Hamburger Bezirken Bergedorf, Eimsbüttel, Hamburg-Mitte, Hamburg-Nord, Harburg und Wandsbek realisiert. Ziel ist es, den Ansatz langfristig strukturell im Versorgungssystem zu verankern.

Unterstützung, die sich am Leben orientiert

Das Angebot richtet sich an Menschen ab 65 Jahren sowie an ihre Angehörigen und nahestehende Personen. Es geht um ganz konkrete Fragen: Wie geht es weiter, etwa nach einem Krankenhausaufenthalt? Welche Hilfe passt zum eigenen Alltag? Und wie lässt sich Unterstützung organisieren, ohne die Selbstständigkeit aufzugeben? Im Mittelpunkt stehen die älteren Menschen und ihre Vorstellungen vom eigenen Leben. 14 Lotsinnen und Lotsen sind dabei die zentralen Ansprechpersonen: Sie beraten, koordinieren und organisieren Unterstützung, und zwar individuell und abgestimmt auf die jeweilige Lebenssituation. Der Kontakt entsteht über die Verbindung zu zahlreichen Schlüsselpersonen und Angeboten im Quartier.

QplusAlter setzt dabei auch auf eine systematische Zusammenarbeit mit Hamburger Pflegestützpunkten sowie Beratungszentren für ältere, körperbehinderte und pflegebedürftige Menschen (PBM), um vorhandene Beratungs- und Unterstützungsstrukturen systematisch miteinander zu verzahnen und Menschen im Alter, mit Behinderung Nach der sozialrechtlichen Definition liegt eine Behinderung vor, wenn die körperlichen Funktionen,… oder Pflegebedarf passgenau zu unterstützen. Der neue Pflegeansatz wird auch im flankierenden Modellprojekt „Ambulante Präventionspflege“ der AOK Rheinland/Hamburg umgesetzt, an dem unter anderem der Pflegedienst Hamburgische Brücke und die Evangelische Stiftung Alsterdorf mit QplusAlter beteiligt sind und bei dem Fachkräfte aus Therapie, Medizin, Pflege Kann die häusliche Pflege nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden, besteht Anspruch auf… , Assistenz und Pharmazie sowie die Lotsinnen und Lotsen gezielt zusammenarbeiten.

Wer die Lotsinnen und Lotsen sind

Grafik: So finden Menschen zu QplusAlter

Die Lotsinnen und Lotsen kommen aus unterschiedlichen Fachrichtungen. Dazu gehören Gesundheits- und Krankenpflege, Physiotherapie, Gesundheitsförderung ist ein fortlaufender Prozess mit dem Ziel, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über… und Ernährung, Sozialpädagogik, Heilerziehungspflege und Psychologie.

Sie arbeiten hauptamtlich im Projekt und bringen sowohl fachliches Wissen als auch Erfahrung in der Begleitung von Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen mit. Ihre Aufgabe ist es, gemeinsam mit den älteren Menschen, ihren Angehörigen, dem sozialen Umfeld und professionellen Dienstleistern passgenaue Unterstützungsarrangements zu entwickeln, orientiert an den Perspektiven der älteren Menschen.

Ein Unterstützungs-Mix statt Einzellösungen

Gemeinsam mit den Betroffenen entsteht ein individueller Unterstützungs-Mix. Dieser setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen:

  • persönliche Ressourcen und Fähigkeiten
  • technische Hilfen und Unterstützung durch Familie, Freundeskreis oder Nachbarschaft
  • Angebote im Quartier wie Treffpunkte oder Vereine
  • professionelle Dienstleistungen wie Pflegedienste oder medizinische Versorgung

So entsteht Schritt für Schritt ein stabiles Gefüge, das trägt und sich bei Bedarf anpassen lässt.

Das Umfeld und der Stadtteil werden zur Ressource

Ein entscheidender Teil des Ansatzes liegt in der Verbindung sozialräumlicher und professioneller Leistungen. QplusAlter nutzt vorhandene Strukturen aus dem sozialen Umfeld des Betroffenen und im Stadtteil und macht diese für ältere Menschen zugänglich. Die Lotsinnen und Lotsen sind im Quartier verankert: Sie greifen bestehende Angebote im Stadtteil auf, vernetzen sie und fördern soziale Kontakte. Unterstützung entsteht so durch das Miteinander im Alltag.

Was sich dadurch verändert

Der Ansatz wirkt. Das zeigen die Ergebnisse aus der Evaluation des Projekts, die durch die Universität Duisburg-Essen sowie die Hochschule Niederrhein erfolgte. Sie belegen, dass ältere Menschen mehr Klarheit über ihre Lebenssituation gewinnen und ihren Alltag aktiver gestalten. Unterstützungsnetzwerke werden breiter, insbesondere durch die stärkere Einbindung des sozialen Umfelds. Auch die Lebensqualität verbessert sich messbar: mehr soziale Kontakte, bessere Orientierung im eigenen Stadtteil und ein höheres Maß an Selbstbestimmung. 

Mittels Begleitung von QplusAlter erweitert sich die Unterstützung über klassische Pflegeleistungen hinaus und bezieht verstärkt Ressourcen aus dem persönlichen Umfeld sowie dem Quartier ein. Dadurch wird auch die Pflegeversicherung Die Pflegeversicherung wurde 1995 als fünfte Säule der Sozialversicherung eingeführt. Ihre Aufgabe… effektiver und effizienter genutzt. Zudem trägt das Projekt dazu bei, Einsamkeit zu verringern und insbesondere vulnerable Gruppen besser zu erreichen. Auch Menschen, die bislang keine Leistungen beziehen, werden frühzeitig angesprochen und in Unterstützungsstrukturen eingebunden. Die Bedeutung dieses Ansatzes zeigt sich nicht zuletzt daran, dass die Stadt Hamburg das Modellprojekt eigeninitiativ von drei auf fünf Jahre sowie von vier auf sechs Bezirke ausgeweitet hat, um die langfristigen Effekte gemeinsam mit der Universität Osnabrück umfassend evaluieren zu können.

Ein Modell für die Zukunft der Pflege

QplusAlter zeigt, wie Pflege künftig funktionieren kann. Das Modell unterstützt sowohl vor dem Bezug von Pflegeleistungen als auch bei bereits festgestellter Pflegebedürftigkeit Mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz (PSG II) vom 27. November 2015 wurde der Begriff der… . Betroffene können mit diesem Konzept ihren Alltag besser gestalten, mit eigenen Kräften oder mit gezielten Hilfestellungen aus dem nahen Umfeld. Genau diesen Richtungswechsel fordert auch die AOK Rheinland/Hamburg und setzt dabei auf die Präventionspflege. Statt Defizite in den Mittelpunkt zu stellen, geht es darum, die Fähigkeiten und Potenziale von Menschen zu stärken und Unterstützung so zu gestalten, dass Selbstständigkeit möglichst lange erhalten bleibt.

Präventionspflege bedeutet dabei mehr als Versorgung. Sie setzt früher an, vernetzt unterschiedliche Angebote und verbindet Pflege, Therapie, Medizin und soziale Unterstützung zu einem ganzheitlichen Ansatz. Ziel ist es, Pflegebedürftigkeit zu vermeiden, zu verzögern oder zumindest so zu gestalten, dass Menschen ihr Leben weiterhin selbstbestimmt führen können. QplusAlter übersetzt diese Idee in die Praxis: vor Ort, im Quartier, nah an den Vorstellungen der Menschen und in ihrem Alltag.