Interview Versorgung

„Gutes Klinikessen braucht keine teuren Zutaten“

20.01.2026 Thorsten Severin 2 Min. Lesedauer

Max Strohe kocht nicht nur für ein breites Fernsehpublik oder in seinem eigenen Restaurant, sondern kreiert seit nunmehr drei Jahren auch Gerichte für das Netzwerk des Berliner Klinikverbandes Vivantes. Davon profitieren in der Hauptstadt tausende Patienten, Bewohner und Beschäftigte in Krankenhäusern und Senioreneinrichtungen. G+G sprach mit dem Sternekoch über seine Motivation und die Bedeutung von guten Klinikmahlzeiten.

Koch mit weißer Mütze arbeitet in einer Großküche, weitere Mitarbeitende im Hintergrund.
Der Berliner Gastronom hat für Vivantes mehr als 80 Rezepturen neu kreiert.

Herr Strohe, wie kommt ein prominenter Koch und Restaurantbesitzer dazu, sich um Krankenhausessen zu kümmern?

Max Strohe: Ich habe in der Pandemie mit der Aktion „Kochen für Helden“ angefangen, weil ich helfen wollte, mit dem, was ich kann: kochen. Damals haben wir auch Krankenhäuser beliefert, unter anderem Vivantes. Ich habe gesehen, wie hart die Leute dort gearbeitet haben und gleichzeitig, wie wenig Wertschätzung gutes Essen im Klinikalltag bekommt. Das hat mich nicht mehr losgelassen. Essen ist doch etwas zutiefst Menschliches. Wenn ich mit meinem Wissen dazu beitragen kann, dass Krankenhausessen besser wird, dann ist das für mich eine sehr sinnvolle Aufgabe.

Haben Sie persönliche Erfahrungen mit Klinikessen gemacht?

Strohe: Ja, als Patient und als Besucher. Ich kenne das klassische Bild: graues Fleisch, verkochtes Gemüse, alles irgendwie funktional, aber ohne Seele. Das hat mich immer geärgert. Gerade im Krankenhaus, wo Menschen Kraft brauchen, sollte Essen nicht nur Nährstoffzufuhr sein, sondern Trost, Motivation, Lebensfreude.

Wie kann das Essen Teil der Behandlung sein und was sind mögliche Folgen von „falschem“ Klinikessen?

Strohe: Genuss und Genesung gehören für mich untrennbar zusammen. Wer Freude am Essen hat, isst besser, nimmt mehr Energie auf, fühlt sich wohler und das unterstützt die Heilung. Das ist für alle Patientinnen und Patienten wichtig, aber besonders für solche, die geschwächt sind, etwa nach Operationen oder bei längeren Aufenthalten. Essen gibt Kraft, physisch und mental. Falsches Essen dagegen macht müde, frustriert oder führt im schlimmsten Fall zu Mangelerscheinungen.

„Wer Freude am Essen hat, isst besser, nimmt mehr Energie auf und fühlt sich wohler.“

Max Strohe

Preisgekrönter Koch und Gastronom

Foto: Sternkoch Maximilian „Max“ Strohe – mit weißer Kochmütze – lächelt in einer Großküche stehend, in die Kamera.
Von der Restaurant- in die Großküche: Sternekoch Max Strohe stellt bei Vivantes das Klinikessen vom Kopf auf die Füße.

Lässt sich angesichts des wirtschaftlichen Drucks der Kliniken dort überhaupt etwas qualitativ Hochwertiges auf den Teller bringen?

Strohe: Natürlich gibt’s Grenzen. Ich kann nicht sagen: Wir machen jetzt Jakobsmuscheln im Krankenhaus. Aber gutes Essen braucht keine teuren Zutaten. Es braucht Haltung, Können und gute Organisation. Man kann mit einfachen Mitteln großartig kochen, wenn man weiß, wie. Und genau das ist unser Ansatz bei Vivantes. Wir wollen mit vernünftigen Produkten und klaren Rezepturen das Beste rausholen. Mittlerweile sind es mehr als 80 Rezepturen, die wir entwickelt und getestet haben. Einige sind ganz neu, andere sind bekannte Klassiker, aber besser gemacht.

Auf welches Klinik-Gericht aus eigener Kreation sind Sie besonders stolz?

Strohe: Auf unsere „Eggs'n Cheese mit Chorizo, Speck & Edamame“ – ganz einfach, aber mit Liebe gekocht und das schmeckt man. Wenn man nach dem Essen denkt: Davon hätte ich gern noch einen Löffel, dann war es richtig. Ohnehin sind leergegessene Teller für mich als Koch das größte Lob.

Zur Person:

Der 1982 geborene Maximilian „Max“ Strohe blickt auf rund 28 Jahre aktive Gastronomieerfahrung zurück. Aufgewachsen im rheinland-pfälzischen Sinzig lernte er unter anderem im Ahrtaler Traditionshaus „Hohenzollern“. Danach sammelte er kulinarische Erfahrungen in Griechenland und der Schweiz. Nach Stationen in Köln, Nürnberg und Hamburg ließ er sich in Berlin nieder und gründete 2015 zusammen mit seiner Partnerin Ilona Scholl das Restaurant „tulus lotrek“. 2017 wurde es mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet.

2016 wurde Strohe zum „Aufsteiger des Jahres“ bei den Berliner Meisterköchen ernannt. Es folgten zahlreiche weitere Auszeichnungen. Unter anderem kürte ihn die Zeitschrift „Rolling Pin“ 2022 zum „Koch des Jahres“. Der Küchenprofi wirkte in verschiedenen Fernsehproduktionen wie Kitchen Impossible, Ready to beef und The Taste mit und ist häufig Gast in kulinarischen Radiosendungen und Podcasts. Für den „Spiegel“ schreibt er eine wöchentliche Kolumne. 2020 rief er mit anderen Gastronomen im ersten Corona-Lockdown die Initiative „Kochen-für-Helden“ ins Leben, bei der Krankenhausbeschäftigte kostenlos mit Essen verpflegt wurden. Strohe und Scholl erhielten dafür 2021 den Bundesverdienstorden.

Tablett mit Krankenhausessen: gefüllte Paprika in Tomatensauce mit Reis sowie Beilagen auf weiteren Tellern.
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Gröstel mit Zwiebel und Kassler, Putengulasch nach Teryaki Style und veganer Grüner Bulgur Chili: Durch den TV- und Sternekoch Max Strohe weht ein Hauch von Gourmet-Küche durch die Zimmer und Flure der Kliniken und Pflegeheime von Vivantes in Berlin. Der Kochprofi will damit auch andere Einrichtungen zu neuen kulinarischen Wegen animieren.
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