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Apotheker fordern neue Rolle in der Primärversorgung

14.09.2026 2 Min. Lesedauer

Die Apotheken in Deutschland dringen auf eine starke Einbindung in die geplante Primärversorgung. Die Politik vertue „eine große Chance“, wenn sie die Apotheken nicht in die Neuordnung einbeziehe, sagte der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (Abda), Thomas Preis, kurz vor Beginn des Deutschen Apothekertages in München. „Apotheken sind jetzt durch viele neue Leistungen, die sie anbieten können, ein wichtiger Ansprechpartner für die Menschen geworden.“ Im Zuge ihrer neuen Versorgungsrolle hätten die Apotheken 2025 bereits eine Million pharmazeutische Dienstleistungen angeboten.

Mit der im Mai beschlossenen Apothekenreform wurde das Leistungsangebot der Apotheken ausgeweitet. Die Pharmazeuten dürfen nun unter anderem fast alle Schutzimpfungen anbieten, Blut entnehmen und in bestimmten Fällen auch Medikamente ohne ärztliche Verschreibung abgeben. Bei der Ärzteschaft stieß dies auf harsche Kritik. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) warnte vor einer „gesundheitspolitischen Fehlsteuerung“. Die Hausärzte sprachen von einem „Einstieg in Schmalspurmedizin“. Dagegen sagte Preis, es gebe eine „große Schnittmenge“ zwischen Apothekern und Ärzten. 

Laut dem heute veröffentlichten Apothekenklima-Index der Abda wollen nur 40 Prozent der 500 befragten Apothekerinnen und Apotheker neue pharmazeutische Leistungen wie Tabakentwöhnung oder Präventionsberatung anbieten. Der Umfrage zufolge zeigen sich 35 Prozent bereit, ein breiteres Spektrum an Impfungen in ihrer Apotheke durchzuführen. 

Kritik übte der Verband an der „nicht nachhaltigen“ Erhöhung des Apothekenhonorars. Die erste Honorarerhöhung in 13 Jahren dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Apotheken weiter wirtschaftlich unter Druck stünden, sagte Preis. Mit der vorgesehenen Heraufsetzung des Apothekenabschlags auf 2,07 Euro im Zuge des GKV-Spargesetzes drohe ein Teil dieser Vergütungssteigerung zu verpuffen. Die Abda forderte Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) auf, diesen Schritt zurückzunehmen. 

Preis wies darauf hin, dass auch im ersten Halbjahr 2026 die Apothekenzahl weiter gesunken sei. Ende Juni gab es demnach 16.488 Apotheken, 113 weniger als zu Jahresbeginn. Preis nannte diese Entwicklung „bedenklich“. „Es gibt viele Städte und Gemeinden, wo es nur noch eine Apotheke gibt.“ Einer Studie des Iges-Instituts zufolge ist die Erreichbarkeit von Apotheken trotz der sinkenden Zahl für die meisten Menschen ähnlich gut wie 2020. 

Auf dem am Dienstag beginnenden Apothekertag kommen rund 300 Delegierte aus 17 Kammern zusammen, um über Berufsausübung, Ausbildung, Digitalisierung und andere Themen zu beraten. (at)

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